HWS Syndrom und Kopfschmerzen

Synonym

Nacken-Schulter-Arm-Syndrom, Zervikalsyndrom, Halswirbelsäulen-Syndrom

Einleitung

Das HWS-Syndrom kann Kopfschmerzen verursachen.

Unter dem Begriff „HWS Syndrom“ (Halswirbelsäulen-Syndrom) versteht man einen Symptomkomplex von Rücken- oder Armschmerzen, die im Bereich der Halswirbelsäulensegmente entstehen.

Klinisch unterscheidet man beim HWS Syndrom zwischen akut auftretenden und chronisch fortbestehenden Erkrankungsformen. Hauptursache des akuten HWS Syndroms sind in der Regel traumatische Verletzungen der Halswirbelsäule, die im Zuge eines Verkehrsunfalls (Halswirbelsäulen-Schleudertrauma) entstehen. Darüber hinaus können übermäßige Beanspruchungen und abnorme Bewegungen der Halswirbelsäule zum akuten HWS Syndrom führen. Das chronische HWS Syndrom wird in den meisten Fällen durch degenerative Veränderungen auf Ebene der einzelnen Wirbelsegmente verursacht. Vor allem altersbedingte Beeinträchtigungen der Zwischenwirbelgelenke können zur Entstehung eines chronischen HWS Syndroms führen.


Symptome

Typischerweise beginnen die Kopfschmerzen bei Patienten, die unter dem HWS Syndrom leiden im Bereich des Nackens (Nackenschmerzen). Zudem können die vom Patienten verspürten Hinterkopfschmerzen bis in die Arme und Hände ausstrahlen. Viele Menschen die unter einem chronischen HWS Syndrom leiden berichten von regelmäßig auftretenden Kopfschmerzen, deren starke Intensität sogar zu Übelkeit und Erbrechen führt.

Weitere Symptome des HWS Syndroms sind Sehstörungen, Schwindel und Tinnitus. Darüber hinaus kann es neben den Nacken- und Kopfschmerzen zu neurologischen Ausfällen kommen. Nicht selten berichten die Betroffenen von Taubheitsgefühlen und Kribbeln in den Armen und Händen.

Im Verlauf der Erkrankung können auch Lähmungserscheinungen der Armmuskulatur auftreten. Des Weiteren kann das HWS Syndrom nach dessen exakter Lokalisation und Schmerzausstrahlung weiter unterteilt werden. Im klinischen Alltag unterscheidet man zwischen einem oberen, mittleren und unteren HWS Syndrom.

Im Falle des oberen HWS Syndroms kommt es typischerweise zu einer Ausstrahlung der Nacken- und Kopfschmerzen in den Hinterkopf. Zum Teil verspüren die betroffenen Patienten zudem ein starkes Stechen, das bis über die Ohren und die Stirnregion reicht.

Das mittlere HWS Syndrom hingegen verursacht nur in den seltensten Fällen Kopfschmerzen. Patienten, die unter dieser Art des Halswirbelsäulen-Syndroms leiden, berichten vielmehr von Beschwerden im Bereich der Schulterblätter und der Arme. Auch Taubheitsgefühle, Kribbeln und motorische Ausfälle sind für diese Art des HWS Syndroms typisch.

Das untere HWS Syndrom zeigt sich in den meisten Fällen durch, die bis in die Unterarme und Hände ausstrahlen. Vor allem die exakte Lokalisation der Beschwerden im Bereich der Hände lässt Rückschlüsse auf die beeinträchtigte Nervenwurzel zu.

Ursachen

Zu den häufigsten Ursachen für die Entstehung des HWS Syndroms sind traumatische Ereignisse, die die Halswirbelsäule beeinträchtigen (beispielsweise das Halswirbelsäulen-Schleudertrauma bei einem Verkehrsunfall). Darüber hinaus gelten degenerative Veränderungen der einzelnen Halswirbelsäulensegmente als Hauptursache für das Auftreten eines HWS Syndroms mit Nacken- und Kopfschmerzen. Vor allem Bandscheibenveränderungen (z.B. Bandscheibenvorfall) und Funktionsstörungen von Haltebändern der Halswirbelsäule verursachen bei vielen Patienten eine klassische HWS-Syndrom-Symptomatik. Des Weiteren können Erkrankungen der Wirbelgelenke und zusätzlicher Knochenwuchs an den Wirbelkörpern zum HWS Syndrom mit Nacken- und Kopfschmerzen führen.

Tritt das Halswirbelsäulensyndrom bereits in jungen Lebensjahren auf, so können angeborene Entwicklungsstörungen eine mögliche Ursache sein. Vor allem Kinder, die unter einer ausgeprägten Skoliose (Verdrehung und Torsion der Wirbelsäule um deren Längsachse) leiden, entwickeln ein HWS Syndrom mit Kopfschmerzen und/oder neurologischen Defiziten. Zudem können entzündliche Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule zur Entstehung des HWS Syndroms und zu damit einhergehenden starken Nacken- und Kopfschmerzen führen. Auch Stoffwechselerkrankungen wie Osteoporose oder Rachitis gelten als mögliche Auslöser des Halswirbelsäulensyndroms.

Diagnose

Der erste Schritt in der Diagnose des HWS Syndroms ist ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese). Während dieses Gesprächs sollte der betroffene Patient die von im wahrgenommenen Nacken- und Kopfschmerzen möglichst detailliert beschreiben. Vor allem die exakte Lokalisation und Qualität (dumpf, ziehend, stechend) der Kopfschmerzen kann einen ersten Hinweis auf das zugrunde liegende Problem liefern.

Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei der die Beweglichkeit der kompletten Wirbelsäule überprüft wird. Darüber hinaus führt der behandelnde Arzt eine Reihe spezieller Funktionstests durch, die weitere Hinweise auf die mögliche Ursache des HWS Syndroms mit Nacken- und Kopfschmerzen liefern können. Auch die Rückenmuskulatur und Nackenmuskulatur wird auf Verspannungen hin untersucht. Des Weiteren sollte sowohl die Sensibilität, als auch die Kraft der Arme untersucht werden.

Einschränkungen der Reflexe können auf eine genaue Lokalisation der Grunderkrankung hinweisen. Bei Auffälligkeiten in diesen Bereichen sollte zusätzlich ein Neurologe in die Diagnostik eingebunden werden. Nach der Stellung einer möglichen Verdachtsdiagnose ordnet der behandelnde Arzt im Regelfall weitere Schritte an. Bei Vorliegen eines HWS Syndroms mit Nacken- und Kopfschmerzen wird in den meisten Fällen Röntgenaufnahmen der Halswirbelsäule angefertigt. Führt dieses Verfahren nicht zum gewünschten Ziel kann zusätzlich ein MRT angefertigt werden.

Therapie

Die Behandlung von Patienten, die unter dem HWS Syndrom mit Nacken- und/oder Kopfschmerzen leiden, richtet sich in erster Linie nach der zugrunde liegenden Erkrankung. Aus diesem Grund spielt die Diagnostik beim HWS Syndrom eine entscheidende Rolle. Die im Zuge der Halswirbelsäulenproblematik entstehenden Kopfschmerzen lassen sich in vielen Fällen durch die Einnahme von Schmerzmitteln (Analgetika) behandeln. Vor allen Ibuprofen und Paracetamol eignen sich in besonderem Maße zur Therapie von HWS Syndrom-assoziierten Kopfschmerzen. Liegt dem Beschwerdebild eine entzündliche Ursache zugrunde, so sollte die Behandlung mittels Ibuprofen erfolgen. Grund dafür ist die Tatsache, dass Paracetamol zwar über schmerzstillende und fiebersenkende Eigenschaften verfügt, jedoch keinerlei Einfluss auf die entzündlichen Reaktionen hat.

Bei starken, nicht stillbaren Kopfschmerzen sollte mit dem behandelnden Arzt ein erweitertes Therapieschema besprochen werden. Unter Umständen kann die temporäre Einnahme höherwertiger Schmerzmittel (beispielsweise Novalgin oder Valoron-N) sinnvoll sein.

Patienten, die neben den Kopfschmerzen starke Verspannungen aufweisen, sollten zusätzlich zum Schmerzmittel durch die Gabe sogenannter Muskelrelaxantien behandelt werden. Auf diese Weise wird die übermäßige Anspannung der Muskulatur gelöst und weniger Zug auf die einzelnen Wirbelsegmente ausgeübt.

Darüber hinaus kann die Anwendung von kühlenden oder wärmenden Auflagen oder Salben zur Linderung der Kopfschmerzen beim HWS Syndrom beitragen. Für den betroffenen Patienten gilt es außerdem durch das Training der Halswirbelsäulenmuskulatur die Gesamtstabilität der Wirbelsegmente zu verbessern. Dies kann beispielsweise im Zuge einer Physiotherapie oder Krankengymnastik erfolgen. In speziellen Rückenschulen können sinnvolle Übungen erlernt werden. Des Weiteren gilt die sogenannte Elektrostimulation als erfolgreiche Methode in der Behandlung von Patienten, die unter dem HWS Syndrom mit Nacken- und Kopfschmerzen leiden. Bei diesem Verfahren werden kleinste Nervenäste, die unterhalb der Haut liegen, über aufklebbare Elektroden gereizt. In Folge dessen wird die Schmerzleitung zum Gehirn unterbrochen und die Kopfschmerzen gelindert. Entsprechende Stimulationsgeräte (Transkutane Nervenstimulation; TENS) können käuflich erworben und die Behandlung bequem von Zuhause aus durchgeführt werden. Darüber hinaus gilt die chirotherapeutische Deblockierung der Wirbelgelenke als erfolgreiche Behandlungsmethode bei Patienten, die unter dem HWS Syndrom leiden. Bei akutem Beschwerdebild kann die Injektion eines Lokalanästhetikums zur Linderung der Beschwerden (vor allem der Nacken- und Kopfschmerzen) beitragen. Darüber hinaus können alternative Behandlungsmethoden in einigen Fällen erfolgversprechend sein. Vor allem die Durchführung einer Akupunktur führt bei vielen der Betroffenen zu einer effektiven Linderung der Schmerzsymptomatik. Vor einiger Zeit wurden Patienten, die unter einem ausgeprägten HWS Syndrom mit starken Nacken- und/oder Kopfschmerzen litten, mit Hilfe einer Halskrause behandelt. Diese Methode findet heutzutage nur noch vereinzelt Anwendung. Dennoch kann das Tragen einer Halskrause vor allem kurzzeitig zur Entlastung der Wirbelsäulensegmente und somit zur Linderung der Beschwerden führen.

Prävention

Beschwerden im Bereich der Wirbelsäule lassen sich in vielen Fällen vorbeugen. Gerade Erkrankungen, welche die Halswirbelsäulensegmente betreffen, werden oftmals durch Überbelastungen und Haltungsfehlern verursacht. Aus diesem Grund gilt es auf eine ausreichende Bewegung und die Stabilisierung der Wirbelsäule durch Muskelaufbau zu achten. Menschen, die häufig im Sitzen arbeiten (beispielsweise am Computer), können dem HWS Syndrom und den damit einhergehenden Kopfschmerzen vorbeugen, indem sie regelmäßige Pausen einlegen. Während dieser Arbeitspausen sollte Entspannungsübungen für die Nacken-, Schulter- und Rückenmuskulatur durchgeführt werden.

Prognose

Die Prognose des HWS Syndroms und der damit einhergehenden Kopfschmerzen hängt von der ursächlichen Grunderkrankung ab. Eine exakte Prognose kann deshalb nicht ausgesprochen werden.

Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 09.02.2017
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