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HWS-Syndrom und Tinnitus

Tinnitus beim HWS-Syndrom

Bei einem HWS Syndrom kommt es typischerweise zu Schmerzen im Schulter-Nackenbereich, die bis in den Arm oder den Hinterkopf ausstrahlen können und häufig von anderen Symptomen begleitet werden. Dazu zählen vor allem Kopfschmerzen, Schwindel, Sehstörungen, Ohrgeräusche wie Tinnitus oder Taubheits- bzw. Kribbelgefühle (Parästhesien).

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Ohrgeräusche beim HWS-Syndrom.

Unter Tinnitus versteht man ein Geräusch in den Ohren, das ein bisschen wie ein Klingeln erscheint. Er kann entweder permanent bestehen oder immer wieder für kurze Episoden auftreten und anschließend für unterschiedlich lange Zeitspannen wieder völlig verschwinden. Bei manchen gibt es dann bestimmte Auslöser (häufig zum Beispiel Stress), die den Tinnitus erneut in Erscheinung treten lassen, bei anderen kommt er ohne erkennbaren Grund wieder. Es kann sein, dass man sich über die Jahre hinweg an den Tinnitus gewöhnt und das Klingeln irgendwann praktisch gar nicht mehr wahrnimmt. Bei einigen wird das Geräusch allerdings mit der Zeit immer schlimmer und schwerer zu ertragen. Zum Teil stellt dies für Betroffene einen erheblichen Leidensdruck dar, da sie sich im Alltag nicht mehr richtig konzentrieren können, schlechter hören und von dem dauerhaften Geräusch auch einfach genervt und gestresst sind.

Wenn der Tinnitus im Zusammenhang mit einem HWS Syndrom auftritt, erhoffen sich viele, dass sich dieser wieder zurückbildet, wenn sie regelmäßige Krankengymnastik betreiben oder sich einrenken lassen. Bei einigen verschafft dies zwar eine Besserung oder sogar ein Verschwinden der Symptome, aber es kann genauso passieren, dass sich am Tinnitus dadurch gar nichts ändert. Außerdem muss man auch beachten, dass nur weil ein HWS Syndrom und ein Tinnitus vorliegen, dieser nicht unbedingt durch das Syndrom begründet sein muss. Deshalb ist es immer sinnvoll, einen länger bestehen bleibenden Tinnitus von einem Arzt abklären zu lassen, um ausschließen zu lassen, dass ihm unter Umständen eine andere eventuell behandelbare Erkrankung zugrunde liegt.

Ursache

Tinnitus, auch allgemein Ohrgeräusche genannt, können im Rahmen der Grunderkrankung eines HWS Syndroms auftreten.

Der Grund hierfür hängt mit den Nervenverbindungen beziehungsweise der Blutversorgung in diesem Bereich zusammen.

Im Gehirn existieren sogenannte Hirnnervenkerne, die unter anderem für die unterschiedlichen Sinnesqualitäten des Menschen verantwortlich sind.

So gibt es diese Hirnnervenkerne auch für die Nerven, welche für das Hören und für das Gleichgewichtsempfinden zuständig sind.

Die Kerne stellen die zentrale Umschaltung dar, von der die Nerven in die jeweiligen Organe führen.
Der Verlauf dieser Nerven ist mit der oberen Halswirbelsäule verbunden, weshalb ein muskuläres Problem, beziehungsweise ein Problem der Gelenke in diesem Bereich mit den Nerven interferieren können und dann Geräusche wahrnehmbar sind, die auf eine Reizung der Nerven zurückzuführen sind.

Eine weitere Erklärung für das Auftreten von Ohrgeräuschen bei gleichzeitigem vorliegen eines HWS Syndroms lässt sich mit der Durchblutung der erwähnten Hirnnervenkerne erklären.

Die Arterien, welche die Kerne versorgen verlaufen dicht neben den Wirbelkörpern der oberen Halswirbelsäule.
Durch ein bestehendes HWS Syndrom ist die Durchblutung der Kerne möglicherweise eingeschränkt, und ursächlich für die Wahrnehmung der Ohrgeräusche.

Abbildung eines HWS - Syndroms

1. - 3. - Halswirbelsäule (HWS)

  1. Erster Halswirbel (Träger) -
    Atlas
  2. Zweiter Halswirbel (Dreher) -
    Axis
  3. Siebenter Halswirbel -
    Vertebra prominens
  4. Erster Brustwirbel -
    Vertebra thoracica I
  5. Schultereck - Acromion
  6. Oberarmkopf - Caput humeri
  7. Schulterblatt - Scapula
  8. Oberarmbein - Humerus
  9. Zwölfter Brustwirbel -
    Vertebra thoracica XII
  10. Scheitelbein - Os parietale
  11. Großhirn - Telencephalon
  12. Kleinhirn - Cerebellum
    A - Hinterkopf
    B - Nacken
    C - Schulter
    D - Oberarm

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

Dauer

Es ist nicht möglich eine genaue Dauer für das Auftreten von Tinnitus beim HWS Syndrom anzugeben.
Einige Erfahrungsberichte beschreiben ein kurz auftretendes, eher dumpfes Ohrgeräusch mit tiefen Tönen in Kombination mit Gelenkbeschwerden der Halswirbelsäule.

Bei Durchblutungsproblemen der Gefäße, die der Halswirbelsäule anliegen und das Hörorgan betreffen wurden hingegen eher langanhaltende Symptome mit hohen Tönen festgestellt. Bei Tinnitus mit einer Dauer über 24 Stunden sollte ein Arzt aufgesucht werden, auch wenn es sich per se nicht um einen lebensbedrohenden Notfall handelt.

Diagnose

Die Diagnose des Tinnitus ist in aller Regel durch das Patientengespräch relativ schnell gestellt.

Die Ursachenfindung für das Vorliegen der vernommenen Ohrgeräusche stellt sich als schwieriger dar.
Trotz gleichzeitig bestehendem HWS Syndrom sollten andere Ursachen für das Vorliegen des Tinnitus ausgeschlossen werden.

Mithilfe eines Ohrmikroskops kann das äußere Ohr bis zum Trommelfell untersucht werden und das Vorliegen von Fremdkörpern, sowie Veränderungen des Gehörgangs gegebenenfalls ausgeschlossen werden.

Mit Stimmgabeltests wird das Hörvermögen beider Ohren getestet, wobei unterschieden werden kann, ob es sich um ein Problem des äußeren Ohres oder des Mittelohres, beziehungsweise um ein Problem des Innenohres (Wahrnehmung der Geräusche) handelt.

Die Erstellung eines Tonschwellenaudiogramms gibt Auskunft darüber, in welchem Frequenzbereich die Ohrgeräusche wahrgenommen werden, da meist in dem gleichen Frequenzbereich eine verminderte Tonwahrnehmung vorliegt.

Falls sich der Verdacht erhärtet, dass das HWS Syndrom eine Rolle in der Entstehung des Tinnitus spielt, können unter Umständen bildgebende Verfahren eingesetzt werden, die eine verminderte Blutversorgung der Hirnnervenkerne anzeigen können.

Therapie

Da der Leidensdruck bei vorliegendem Tinnitus in der Regel sehr groß ist, ist die Behandlung der Geräusche für die betroffenen Personen meist sehr wichtig.

Eine Therapie für einen vorliegenden Tinnitus ist jedoch nicht immer erfolgreich.

Der Vorteil bei gleichzeitigem Vorliegen eines HWS Syndroms ist, dass sich die Ohrgeräusche unter Umständen mit hoher Sicherheit auf das HWS Syndrom zurückführen lassen.

Aus diesem Grund steht in diesen Fällen die Therapie des HWS Syndroms im Vordergrund.
Bei einigen behandelten Personen können die Ohrgeräusche gebessert werden, oder sogar ganz verschwinden, wenn durch eine gezielte Krankengymnastik und Physiotherapie die Halswirbelsäule therapiert wird.

Durch die Verbesserung der Durchblutung der betroffenen Hirnnervenkerne, oder einer Entlastung der betroffenen Nervenverbindungen ist die Hoffnung, dass auch die Ohrgeräusche verschwinden.

Es gilt zu beachten, dass ein eindeutiger Zusammenhang zwischen vorliegendem HWS Syndrom und dem Tinnitus nicht immer gegeben ist. Aus diesem Grund sollten durch den behandelnden Arzt auch andere Ursachen, die das Vorliegen eines Tinnitus erklären könnten, gründlich abgeklärt werden.

HWS-Syndrom und Tinnitus mit Schwindel

Ein weiteres nicht seltenes Symptom, das in Kombination mit dem HWS Syndrom und Tinnitus auftreten kann, ist Schwindel.
Schwindel an sich ist ein komplexes diagnostisches Problem mit höchstem Leidensdruck für den Patienten.
Er kann akut oder chronisch vorkommen.

Kleinste Veränderungen der Halswirbelsäule wie zum Beispiel eine Muskelverhärtung können Schwindel oder Tinnitus verursachen. Vor allem Kompressionen der Durchblutung der Hörorgane werden mit Schwindelsymptomen in Verbindung gebracht.

Da sich das Gleichgewichtsorgan im Ohr befindet, treten Schwindel und Tinnitus häufig gemeinsam auf.

Sie wollen etwas gegen Ihren Schwindel tun? Lesen Sie mehr unter:

HWS-Syndrom und Tinnitus mit Sehstörungen

Ein weiterer Symptomkomplex des Halswirbelsyndroms sind Sehstörungen und Tinnitus.
Wichtig zu wissen ist, dass mit der Behandlung der Ursache auch die Sehstörungen reversibel sind.

Es kann außerdem zu Schmerzen um die Augen herum kommen. Es wird hauptsächlich von Problemen beim Sehen im Zusammenhang mit Schwindel, kurzzeitiges Schwarzwerden vor den Augen oder einer nebelhaften Sicht berichtet.
Des Weiteren kann es zu kurzem Flimmern vor den Augen kommen.

Eine bleibende Schädigung des Augenlichts ist jedoch im Normalfall nicht zu erwarten.

HWS-Syndrom und Tinnitus mit Atemnot

Atemnot an sich ist ein Symptom mit einem hohen Leidensdruck für den Patienten und in einer Akutsituation häufig mit starker Lebensangst verbunden.

Neuaufgetretene Atemnot zusammen mit einem Engegefühl in der Brust sollten immer zu einem Arztbesuch führen, damit ein Herzinfarkt ausgeschlossen werden kann.
Ein seltenes aber mögliches Phänomen im Rahmen des HWS Syndroms ist Atemnot mit Tinnitus.
Bei starken muskulären Verspannungen, Nervenkompressionen oder auch bei starken Schmerzen im HWS Bereich kann es zu eben diesen Symptomen kommen.
Es sollte dann nicht gezögert werden, einen Arzt aufzusuchen.

HWS-Syndrom und Tinnitus mit Ohrenrauschen

Bei einem Halswirbelsäulensyndrom kann durch viele Gründe die Versorgung der Hirnnervenkerne oder des Hörorgans selbst beeinträchtigt sein.
Das äußert sich in vielen Fällen durch Ohrenrauschen.

Tinnitus und Ohrenrauschen können kombiniert auftreten und in manchen Fällen ist es schwierig, die beiden Symptome voneinander zu differenzieren. Die Symptome können sich nur kurz zeigen oder stets vorhanden sein.
In manchen Fällen ist sogar eine Hörminderung möglich.

Bei neuaufgetretenem Tinnitus, Ohrenrauschen oder Hörminderungen sollte ein Arzt konsultiert werden.

Weiterführende Informationen

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Eine Übersicht aller Themen der Orthopädie finden Sie unter: Orthopädie A-Z.

    Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 15.11.2018
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