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Spinalkanalstenose in der Lendenwirbelsäule

Einleitung

Bei einer Spinalkanalstenose handelt es sich um eine Verengung des Wirbelkanals. Der Wirbelkanal wird durch die einzelnen Wirbelkörper gebildet und umgibt das Rückenmark. Kommt es in diesem Kanal zu Verengungen, leidet das Rückenmark und die in ihm verlaufenden Nervenfasern darunter. Die Folgen reichen von Schmerzen bis hin zu Lähmungserscheinungen und Missempfindungen.
Im Laufe des Lebens kommt es im Bereich der Wirbelsäule zu verschleißbedingten (degenerativen) Veränderungen. Je nachdem wie heftig diese Verschleißprozesse die Wirbelsäule verändern, kann es zu mehr oder weniger ausgeprägten Krankheitsbildern wie einer Spinalkanalstenose kommen.
Doch wie äußert sich nun solch eine Degeneration der Wirbelsäule?

Im Zuge des Verschleißes kommt es zu Umbauprozessen an der Wirbelsäule. Dabei kommt es unter anderem zur Neubildung von überflüssigen Knochengewebe ("osteophytärer Anbau"), Arthrose der Zwischenwirbelgelenke und Schäden an den Bandscheiben (Zwischenwirbelscheiben).
Da diese "Anbauten" Platz in Anspruch nehmen, der von Natur aus nicht gegeben ist, kann es zu Verengungen (Stenosen) des besagten Spinalkanals und der Zwischenwirbellöcher (Foramina intervertrebralia) kommen. Die Verengung führt zu einer Komprimierung des Rückenmarks im Spinalkanal und zu einer Einklemmung der Nervenwurzeln der Rückenmarksnerven, die aus den Zwischenwirbellöchern austreten. Am häufigsten ist die Lendenwirbelsäule von solch einer Spinalkanalstenose betroffen. Dies hat den einfachen Grund, dass die Lendenwirbelsäule durch den aufrechten Gang und die Schwerkraft besonders viel Gewicht und besonders hohe Kräfte abfedern muss. Jedoch können auch andere Stellen der Wirbelsäule, wie bspw. die Halswirbelsäule, betroffen sein.

Die typischen Hauptbeschwerden einer Spinalkanalstenose an der Lendenwirbelsäule sind belastungsabhängige Kreuzschmerzen. Diese strahlen meist auch in die Beine aus und erschweren den Betroffenen das Gehen. Betroffene können meist nur eine gewisse Strecke lang uneingeschränkt und schmerzfrei gehen (Claudicatio spinalis).
In der Diagnostik stehen bildgebende Verfahren wie die Computer- und die Kernspintomografie im Vordergrund. Insbesondere letztere stellt die Verengung des Spinalkanals sehr gut dar. Es existieren sowohl konservative als auch chirurgische Verfahren zur Behandlung der Spinalkanalstenose der LWS. Die Therapie wird individuell an den Patienten und seine Beschwerden angepasst.


Ursachen

Eine Spinalkanalstenose ist kein plötzliches Geschehen an der Wirbelsäule. Im Gegenteil, sie entsteht nach einem schleichenden, meist jahrelang unbemerkten und unerkanntem Prozess. Dabei handelt es sich um einen langsamen verschleißbedingten, degenerativen Umbau der knöchernen Struktur der Wirbelsäule. Nicht alle degenerative Veränderungen der Wirbelsäule lösen Beschwerden aus, im Gegenteil treten sie im Alter bei quasi allen Menschen auf. Sie sind letztendlich also etwas Natürliches, das altersbedingt auftritt.
Ob sich Beschwerden entwickeln oder nicht, ist stark abhängig von dem Ausmaß der Veränderung, der Grundstabilität der Wirbelsäule, dem Allgemeinzustand des Menschen und vor allem der Belastung, der die Wirbelsäule, bspw. durch Sport oder den Beruf, ausgesetzt ist.
Doch was genau sind degenerative Prozesse? Und wie kann man sich diese vorstellen? Unter einer degenerativen Veränderung versteht man eine Art Verschleiß oder Verfall von Gewebe, der meist mit einer funktionellen Einschränkung des betroffenen Gebietes, bspw. eines Gelenkes, einhergeht. Es finden sich verschiedene Veränderungen im Rahmen einer Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule. Ein wichtiger Prozess, der in diesem Zusammenhang zu nennen ist, ist die Entstehung knöcherner Anbauten. Diese werden auch als osteophytäre Anbauten oder Spondylophyten bezeichnet. Es handelt sich dabei um knöcherne Anbauten, welche an den verschiedensten Stellen der Wirbelkörper und der knöchernen Fortsätze der Wirbel auftreten. Da diese Anbauten raumfordernd sind und an Orten vorkommen, wo kein Platz für sie vorgesehen ist, kann es zur Einengung anderer Strukturen kommen. Bei einer Spinalkanalstenose werden durch knöcherne Anbauten wichtige Nervenwurzeln an ihren Austrittspunkten in den Zwischenwirbellöchern (Foramina intervertebralia) sowie das Rückenmark im Spinalkanal eingeengt.
Weiterhin sind Arthrose-artige Veränderungen der Zwischenwirbelgelenke eine Folge des Verschleißes. Bei den Zwischenwirbelgelenken handelt es sich um die Gelenke, die die Wirbel untereinander verbinden, man nennt sie auch Facettengelenke.

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Im Zuge des degenerativen Verschleißes verlieren außerdem die Bandscheiben an Höhe. Dieser Höhen- und Elastizitätsverlust der Bandscheiben führt zu einer stärkeren Belastung der einzelnen Wirbelkörper. Darüber hinaus verliert der wichtige Bandapparat der Wirbelsäule ebenfalls an Elastizität, da er durch den Höhenverlust nicht mehr straff gespannt ist.

Eine mögliche Folge kann ein sogenanntes Wirbelgleiten (Spondylolisthesis) sein, bei welchem die Wirbelkörper gegeneinander gleiten. Letztendlich resultieren aus all diesen degenerativen Veränderungen Verengungen an verschiedenen Stellen der Wirbelsäule. Eine starke Rückenmuskulatur kann helfen, die Wirbelsäule zu stabilisieren und Kräfte sowie Belastungen abzufedern. Bei Menschen, deren Rückenmuskulatur nicht gut trainiert ist, ist die Wahrscheinlichkeit höher, Beschwerden zu entwickeln.
Neben der verschleißbedingten Veränderungen der Wirbelsäule existieren auch andere Primärerkrankungen, die eine Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule auslösen können. Diese sind jedoch sehr selten. Ein Beispiel für eine solche Erkrankung ist der Morbus Paget (Ostitis deformans), bei welchem es sich um eine Knochenerkrankung handelt, die das Auftreten knöcherner Anbauten an der LWS begünstig. Auch Störungen des Hormonhaushaltes, wie das Cushing-Syndrom, bei welchem erhöhte Cortison-Spiegel im Blut vorliegen, können eine Spinalkanalstenose hervorrufen. Letztlich kann es auch im Zuge von Operationen an der Wirbelsäule als Komplikation zu Spinalkanalstenosen der LWS kommen.

Symptome

Das Leitsymptom der Spinalkanalstenose der LWS ist belastungsabhängiger Kreuzschmerz. Da Spinalkanalstenosen hauptsächlich im Bereich der Lendenwirbelsäule auftreten, sitzt hier auch meistens der Schmerz. Die Schmerzen entwickeln sich nicht plötzlich von heute auf morgen, sondern sind viel mehr Ausdruck eines schleichenden Prozesses im Rahmen der degenerativen Veränderung der Wirbelsäule. Der Schmerz tritt vor allem beim Gehen auf. Es kann dazu kommen, dass der Schmerz plötzlich in die Beine ausstrahlt und die Betroffenen dazu zwingt, die Bewegung zu stoppen. Schmerzfreies Gehen ist dann nur noch über eine kurz Strecke möglich.
Dieses schmerzbedingte Hinken im Rahmen einer Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule bezeichnet man als Claudicatio intermittens. Die belastungsabhängigen Schmerzen kommen durch eine Kompression der Nervenwurzeln im Bereich der LWS zustande, die das Bein versorgen. Weiterhin kann es zu einem Taubheitsgefühl in den Beinen kommen. Bergabgehen oder längeres Sitzen verstärkt die Beschwerden, weil hierbei die Lendenwirbelsäule zunehmend ins Hohlkreuz gebracht wird, was die Verengung verstärkt.
Die Beschwerden nehmen in einer gebeugten Haltung der LWS, bspw. beim Bergaufgehen oder Radfahren, demnach ab.
Eine Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule kann zu weiteren Symptomen wie kribbelnden oder brennenden Missempfindungen an den Beinen führen. Diese Sensibilitätsstörungen können sich ebenfalls im Genitalbereich zeigen.

Diagnose

Bei der Diagnose einer Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule bedient sich der Arzt verschiedener diagnostischer Mittel. Zunächst steht das Patientengespräch, die Anamnese, im Vordergrund. Typische Beschwerden der Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule, wie bspw. der belastungsabhängige Kreuzschmerz, werden abgefragt und liefern bereits einen stichhaltigen Verdacht.
Dennoch schließen sich weitere wichtige Untersuchungen an, um andere Erkrankungen sicher auszuschließen und den Verdacht der Spinalkanalstenose zu bestätigen. Es erfolgt eine körperliche Untersuchung der Wirbelsäule und eine Blutentnahme. In der Blutentnahme werden bspw. Entzündungswerte bestimmt.
Nun folgt eine bildgebende Diagnostik, welche unbedingt notwendig ist, um die genaue Lokalisation der Verengung festzustellen. Meist erfolgt dazu zuerst eine Röntgenaufnahme in zwei Ebenen, welche Veränderungen an der Wirbelsäule sichtbar machen kann. Insbesondere zum Ausschließen anderer Erkrankungen wie bspw. Tumore, Frakturen, Abszesse und anderen Prozessen ist sie sehr gut geeignet.
Das wohl wichtigste und beste Verfahren zur Beurteilung einer Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule stellt jedoch die Kernspintomografie (MRT) der LWS dar, da durch sie Bänder, Nerven, Bandscheiben und Weichteile besonders gut beurteilt werden können. Degenerative Prozesse und Verengungen lassen sich also besonders schön sehen. Jedoch ist auch die Computertomografie (CT) ein häufig verwendetes diagnostisches Mittel. Das CT ist insbesondere zur Beurteilung knöcherner Strukturen wichtig und in dieser Hinsicht anderen Verfahren klar überlegen. Bei der OP-Planung wird das CT ebenfalls häufig verwendet.

Neben diesen nicht-invasiven Untersuchungen existiert auch eine etwas invasivere Diagnostik, nämlich die Myelografie oder das Myelo-CT. Bei dieser Untersuchung wird durch eine Punktionsnadel Kontrastmittel in den Spinalkanal gespritzt. Der Sinn des Kontrastmittels ist, eine bessere Beurteilung der Einengungen und Kompression zu ermöglichen. Die Myelografie ist insbesondere bei nicht ausreichender Informationsgewinnung durch das CT oder MRT zur OP-Planung wichtig.

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Haben Sie den Verdacht, dass Sie an einem LWS-Syndrom leiden könnten? Führen Sie hierzu unseren Selbsttest "LWS-Syndrom" durch:

MRT der Lendenwirbelsäule

Das MRT (Kernspintomografie) ist ein wichtiges diagnostisches Mittel aus dem Bereich der Bildgebung, um Veränderungen an unterschiedlichen Strukturen wie den Bandscheiben, Nerven, Bändern oder dem Rückenmark sichtbar zu machen. Daher ist es das wohl wichtigste diagnostische Mittel bei der Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule. Die Verengungen des Spinalkanals, welcher das Rückenmark enthält, und der Zwischenwirbellöcher, die den Nervenwurzeln als Austrittspunkte dienen, können so sichtbar gemacht werden.
Auch degenerative Veränderungen unterschiedlicher Strukturen lassen sich so beurteilen. Dazu gehören bspw. Höhenminderungen der Bandscheiben oder Auffälligkeiten am Bandapparat. Man darf jedoch nicht davon ausgehen, dass jede Veränderung der Wirbelsäule, die sich im MRT erkennen lässt, auch Beschwerden hervorruft. Nicht jede Auffälligkeit in der Bildgebung zieht auch eine Konsequenz für den Untersuchten nach sich.
Wichtig ist das Zusammenspiel aus Symptomen, wie bspw. Schmerzen, Taubheit und Ähnlichem, und dem Ausmaß der Auffälligkeiten im MRT. Eine Schwachstelle des MRTs stellt die Beurteilung des knöchernen Apparates dar. In diesem Punkt ist das MRT dem CT unterlegen. Daher kann eine CT-Untersuchung eine sinnvolle Ergänzung zum MRT darstellen.

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Therapie

Zur Therapie von Spinalkanalstenosen der Lendenwirbelsäule kommen sowohl chirurgische, als auch konservative, also nicht-operative Behandlungsoptionen zum Einsatz.

Konservative Therapie

Bei der konservativen Therapie einer Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule existieren verschiedene Ansätze, die hier in Kürze zusammengefasst werden sollen. Meist steht ein vielseitiger Ansatz im Vordergrund. Bevor eine chirurgische Maßnahme in Erwägung gezogen wird, sollten erst alle konservativen Maßnahmen versucht werden.
Einen wichtigen Grundpfeiler der konservativen Therapie der Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule stellt die Schmerztherapie dar. Die Schmerzreduktion ist wichtig, um das Wohlbefinden und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern.

Eine Möglichkeit bietet dabei die medikamentöse Schmerztherapie. Hierbei kann auf ein Stufenschema der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zurückgegriffen werden, das je nach Beschwerden der Patienten bestimmte Medikamentengruppen und deren Dosis vorgibt.

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Eine weitere Therapiemöglichkeit der Schmerzen stellt die Akupunktur dar. Der Nutzen der Akupunktur ist zwar umstritten, dennoch findet sie gelegentlich Anwendung.

Die Schmerztherapie ist aus verschiedenen Gründen wichtig für den Patienten. Mit einer guten Schmerztherapie versucht man das Entstehen chronischer Schmerzen im Rahmen eines Schmerzgedächtnisses zu verhindern. Außerdem kann meist nur ein weitestgehend schmerzfreier Patient weitere Therapiemöglichkeiten, wie bspw. Sportübungen oder eine Physiotherapie, durchführen. Durch eine gute Schmerzlinderung wird so eine gute Mitarbeit des Patienten ermöglicht.

Auch Bewegungstherapien und muskelentspannende Verfahren sowie ein Haltungstraining sind für Patienten mit einer Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule wichtig. Ein weiterer wichtiger Therapieansatz ist die physikalische Therapie. Diese bedient sich unterschiedlichen Therapiemodalitäten wie der Wärmetherapie oder Elektrotherapie. Sie sollen bei der Entspannung der Muskulatur sowie der Linderung der Schmerzen helfen.

Es gibt viele Übungen, die bei Rückenbeschwerden helfen können. Man kann Übungen unter Anleitung eines Krankengymnasten oder Physiotherapeuten durchführen. Einfache Übungen lassen sich jedoch auch gut zuhause durchführen. Sie ersetzen jedoch keineswegs eine adäquate Therapie und sind eher als unterstützende Maßnahme zu werten. Vor allem Übungen in leicht vorgebeugter Haltung helfen, den Spinalkanal zu erweitern und dadurch die Belastung auf die gequetschte Nervenwurzel und das Rückenmark zu verringern. Im Folgenden sind einige einfache Übungen aufgelistet, welche vor allem bei einer lumbalen Spinalkanalstenose Linderung verschaffen können.

  • 1. „Katzenbuckel“: Für diese Übungen sollten sie eine Matte oder eine leichte Decke auf den Boden legen. Knien sie sich nun auf den Boden und kommen sie in den Vierfüßerstand. Ihre Hände und Knie berühren den Boden. Nun atmen sie tief ein und machen einen „Katzenbuckel“. Der Kopf hängt locker herab. Halten sie die Position einige Atemzüge lang. Lassen sie den Rücken dann locker durchhängen. Wiederholen sie die Übungen 10 bis 15 Mal, mehrmals täglich.
  • 2. Knien sie sich erneut auf den Boden und setzen sie sich locker mit dem Gesäß auf ihre Waden. Nun beugen sie den Oberkörper nach vorne und legen ihn auf dem Boden ab. Die Arme strecken sie von sich weg. Versuchen sie mit dem Gesäß auf ihren Waden zu bleiben. Wiederholen sie die Übungen 10 bis 15 Mal.
  • 3. Stufenlagerung: Für diese Übung legen sie sich in Rückenlage auf dem Boden. Dann legen sie die Unterschenkel auf einem Hocker ab, sodass Ober- und Unterschenkel einen rechten Winkel bilden. Zur Kräftigung der Bauchmuskeln können sie nun in kleinen Bewegungen den Oberkörper zu den Knien ziehen. Die Arme strecken sie dabei nach vorne aus. Wiederholen sie die Übungen 15 bis 30 Mal.
  • 4. Legen sie sich flach auf den Rücken. Ziehen sie nun die Knie zur Brust und umarmen sie diese mit ihren Armen. Den Kopf ziehen sie dabei ebenfalls zu den Knien. Machen sie sich ganz „rund“. Verharren sie einige Atemzüge in dieser Position.

Neben solchen Dehnübungen sind auch gewisse Sportarten schonend für Patienten mit einer Spinalkanalstenose. Dazu zählen Sportarten, die mit einer leichten Rumpfvorneigung einhergehen. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist das Radfahren, welches vielen Patienten mit einer Spinalkanalstenose sogar deutlich leichter fällt als das Laufen. Weitere rückenschonende Sportarten für Menschen mit einer Spinalkanalstenose sind Nordic Walking oder Rudern.

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Neben den genannten Verfahren existieren ferner psychologische und psychotherapeutische Ansätze zur Schmerzbewältigung. Dabei steht das Erlernen von Fertigkeiten im Vordergrund, um eine Schmerzreduktion sowie eine Entspannung zu erzielen.
Oftmals sind verschiedene Ansätze miteinander in sogenannten Rückenschulen kombiniert. Diese stellen eine Art umfassendes Therapiekonzept dar, in dem ein rückenschonendes Verhalten erlernt werden soll. Auch ein gezieltes Krafttraining der Rücken- und Bauchmuskulatur wird dabei oft mit anderen Therapieansätzen kombiniert.

Schließlich besteht noch die Möglichkeit einer Behandlung mit lokalen Betäubundsmitteln (Lokalanästhesie). Diese werden von einem erfahrenen Arzt in die Nähe der Nervenwurzelaustrittspunkte der Wirbelsäule gespritzt. Sie dienen der lokalen Schmerzbetäubung. Einen ähnlichen Therapieansatz stellt die Infiltration der Zwischenwirbelgelenke dar. Bei dieser Therapieform wird ein Lokalanästhetikum, zumeist mit Kortison vermengt, in die Gelenkkapsel der Zwischenwirbelgelenke (Facetten) gespritzt. Um den richtigen Bereich zu treffen, wird die Infiltration unter Sicht mit einem CT durchgeführt.

Operation bei Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule

Neben der konservativen stellt auch die chirurgische Therapie einen wichtigen Pfeiler der Behandlung der Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule dar. Risiken der Operation müssen immer sorgfältig abgewogen werden, sodass ein operativer Eingriff meist erst in Erwägung gezogen wird, wenn durch konservative Maßnahmen keine ausreichende Besserung erzielt wurde.
Es gibt viele unterschiedliche Operationsverfahren, die bei einer Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule angewendet werden können. Dabei stehen zwei Ziele im Vordergrund, nämlich die Entlastung sowie die Stabilisierung des Wirbelkanals bzw. der Wirbelsäule.
Um eine Entlastung des Wirbelkanals zu gewährleisten, wird das überschüssige Knochengewebe, das den Spinalkanal verengt, abgetragen. Je nachdem in welchem Ausmaß Knochen abgetragen wird, unterscheidet man verschiedene Operationsverfahren:

  • 1. Laminektomie: Dabei werden spezielle knöcherne Strukturen der Wirbel, vor allem der Wirbelbogen, entfernt, um so Platz zu schaffen und die Einengung zu beseitigen. Einen ähnlichen Eingriff stellt die Hemilaminektomie dar, bei welcher nur die Hälfte des Wirbelbogens entfernt wird. Heutzutage werden diese Eingriffe jedoch fast ausschließlich in modifizierter Form durchgeführt, da sie eine Instabilität der Wirbelsäule verursachen können.
  • 2. Fensterung: Eine Fensterung bezeichnet eine Art modifizierte Laminektomie. Es handelt sich dabei um eine mikrochirurgische Technik, bei welcher durch meist beidseitige, sehr kleine Zugänge etwas Material der Wirbelsäule entfernt wird. Das Verfahren verfolgt keine einheitliche Technik. Zu den Strukturen, die im Zuge der Fensterung entfernt werden, gehören Anteile der Zwischenwirbelgelenke und der Wirbelbänder. Im Gegensatz zur Laminektomie oder Hemilaminektomie werden die Dornfortsätze und die Wirbelbögen geschont. Dadurch ist das Risiko für eine Instabilität der Wirbelsäule nach dem Eingriff geringer als bei einer reinen Laminektomie oder Hemilaminektomie.
  • 3. Interspinöse Spacer: Dieses Verfahren ist eine Art Mischoption zwischen einer konservativen und einer chirurgischen Therapie. Es kommt für Patienten mit milderen Symptomen in Frage. Interspinöse Spacer oder interspinöse Implantate kann man sich als eine Art Platzhalter vorstellen, die zwischen den Fortsätze von zwei Wirbeln platziert werden. Dadurch wird eine Erweiterung des Raumes erreicht.
  • 4. Stabilisierende Verfahren: Wie bereits zu Beginn des Abschnittes besprochen ist neben der Entlastung des Wirbelkanals und der Nervenwurzeln eine Stabilisierung der Wirbelsäule von einer sehr großen Bedeutung für den Erfolg der Therapie. Hierbei unterscheidet man zwischen einer festen Fusion eines Wirbelsäulenabschnittes und einer dynamischen Fixierung, bei denen einzelne Wirbelkörper durch ein Stabsystem geschient und so stabilisiert werden.

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OP-Nachsorge

Operationen stellen für den Patienten immer eine Belastung dar, auch wenn es noch so kleine Eingriffe sein mögen. Im Allgemeinen werden die chirurgischen Verfahren zur Behandlung einer Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule in der Schlüssellochtechnik (minimalinvasiv), das heißt mit möglichst kleinen Zugängen und Wunden, durchgeführt. Daher sind sie weitaus schonender als Operationen mit großen Operationswunden und Narben.
Unmittelbar nach der Operation muss die Wunde unbedingt geschont werden, um eine gute Heilung zu gewährleisten. Duschen ist in der Regel jedoch schon am ersten Tag nach der Operation mit einem speziellen Duschpflaster möglich. In den ersten 6 bis 12 Wochen nach der Operation sollten das Heben schwerer Lasten, sowie Drehbewegungen der Wirbelsäule oder andere Belastungen unterlassen werden.
Sportliche Tätigkeiten sollten erst nach Absprache mit einem Arzt wieder aufgenommen werden. Je nach angewandtem OP-Verfahren kann eine Vollbelastung der Wirbelsäule erst nach einem halben oder sogar erst nach einem Jahr wieder gewährleistet sein. Alltagsfertigkeiten lassen sich jedoch problemlos ausführen.
Nach einer solchen Operation sollte möglichst frühzeitig mit einer Nachbehandlung in Form von Krankengymnastik, Rückenschule oder Physiotherapie begonnen werden. Spätestens nach 6 Wochen sollte diese aufgenommen werden. Abhängig ist dies auch vom OP-Erfolg und dem Allgemeinzustand des Patienten. Diese Art der Nachbehandlung ist vor allem für die Beweglichkeit und Funktionsfähigkeit der Wirbelsäule sehr wichtig und zeigt gute Effekte bei Patienten mit einer Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule.

Osteopathie

Auch die Osteopathie findet bei der Behandlung der Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule gelegentlich ihre Anwendung. Nach einer gesicherten ärztlichen Diagnose wird in manchen Fällen ein konservativer Therapieversuch mit osteopathischen Maßnahmen durchgeführt. Dies sind bspw. Mobilisationen der Wirbelsäulenabschnitte. Dabei werden unter anderem Handgriffe zur Entspannung der Muskeln und der Entblockung verschiedener Gelenke verwendet. Bei starken Beschwerden und einer Instabilität der Wirbelsäule ist jedoch Vorsicht geboten, da osteopathische Handgriffe gelegentlich auch Schäden an der Wirbelsäule verursachen können.

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Einteilung beim Grad der Behinderung (GdB)

Bei dem GdB handelt es sich um den „Grad der Behinderung“. Dieser Begriff ist Teil des Schwerbehindertenrechts und stellt eine Maßeinheit für das Ausmaß der Behinderung dar. Bei Wirbelsäulenschäden, zu welchen auch die Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule zählt, wird der Grad der Behinderung anhand der Bewegungseinschränkung, dem Ausmaß der Wirbelsäuleninstabilität und der Ausdehnung des betroffenen Gebietes der Wirbelsäule bestimmt.
Es ergeben sich also auch für dasselbe Krankheitsbild unterschiedliche Werte. So können sich bei einer Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule Werte von 0 bis 100 ergeben. Die wichtigsten Werte seien kurz angeführt:

  • GdB 0: Es liegt keine funktionelle Einschränkung, Bewegungseinschränkung oder Instabilität vor.
  • GdB 20: Es liegen mittelschwere funktionelle Einschränkungen in einem Wirbelsäulenabschnitt vor. Das sind bspw. Bewegungseinschränkungen, anhaltende Schmerzen oder eine mittelgradige Instabilität.
  • GdB 40: Es liegen mittelgradige bis schwere funktionelle Einschränkungen in zwei Wirbelsäulenabschnitten vor.
  • GdB 50-70: Es liegen sehr schwere funktionelle Einschränkungen vor. Dies können bspw. Versteifungen langstreckiger Wirbelsäulenabschnitte (bspw. nach Operationen) sein.
  • GdB 80–100: Es liegt eine schwere Einschränkung der Wirbelsäule vor, sodass kaum eine Belastung möglich ist. Dies reicht bis zur Geh- und Stehunfähigkeit bspw. im Rahmen von Bewegungsausfällem oder Lähmungen.

Prognose

Die Prognose einer Spinalkanalstenose variiert von Patient zu Patient, je nach Ausmaß der Beschwerden und der Veränderungen der Wirbelsäule. Bei leichten Symptomen kann meist bereits durch eine konservative Therapie ein zufriedenstellendes Ergebnis erreicht werden. Bei schon lange bestehenden Schmerzen und Lähmungserscheinungen sind chirurgische Verfahren zu bevorzugen. Diese können jedoch keine absolute Schmerzfreiheit garantieren. Daher ist es wichtig frühzeitig und konsequent zu therapieren, um Langzeitschäden und irreversible Folgen zu vermeiden.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 11.03.2018
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