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Wie kann man einen Bandscheibenvorfall erkennen?

Synonym

Bandscheibenprolaps

Einleitung

Anhaltende Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden, die das Aufsuchen einer hausärztlichen Praxis notwendig machen. Die meisten der betroffenen Patienten gehen davon aus, dass diese Rückenschmerzen zumeist mit einem Bandscheibenvorfall im Zusammenhang stehen.
Entgegen dieser landläufigen Meinung, stellt ein Bandscheibenvorfall jedoch vergleichsweise selten die Ursache für das Auftreten von Rückenschmerzen dar.

Wesentlich häufiger lassen sich die Beschwerden auf muskuläre Verspannungen zurückführen. Rückenschmerzen sind demnach kein deutlicher Hinweis auf das Vorliegen von einem Bandscheibenprolaps.

Mehr allgemeine Informationen erhalten Sie unter unserem Hauptthema: Bandscheibenvorfall

Um einen Bandscheibenvorfall zu erkennen, müssen die betroffenen Patienten auf andere typische Symptome achten.
Vor allem Störungen der sensiblen Wahrnehmung, beispielsweise Taubheit oder Kribbeln, können dabei helfen, einen Bandscheibenvorfall als solchen zu erkennen.
Darüber hinaus kann es bei anhaltender Kompression einer Nervenwurzel zu einer ausgeprägten Beeinträchtigung der Motorik kommen.

Im Allgemeinen gilt, dass die Prognose bei einem Bandscheibenvorfall umso besser ist, je früher dieser diagnostiziert wird. Eine kurzzeitige Nervenwurzelkompression führt in den meisten Fällen zu Beschwerden, die nach erfolgreicher Behandlung wieder vollständig abklingen. Ausgeprägte und/oder über einen langen Zeitraum vorliegende Kompressionen der Nervenwurzeln hingegen, können zu dauerhaften Komplikationen führen.
Vor allem bei einem tiefen Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule, beispielsweise zwischen dem 5. Lendenwirbel und dem 1. sakralen Wirbelsäulensegment, gehören Störungen der Darm- und Blasenentleerung zu den gefürchtetsten Komplikationen.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Symptome eines Bandscheibenvorfalls und Diagnose eines Bandscheibenvorfalls.


Bandscheibenvorfall selbst erkennen

Das Erkennen von einem Bandscheibenvorfall bedarf in der Regel mehrerer Schritte. Zu Beginn der Diagnostik findet ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese), in dem der betroffene Patient die von ihm wahrgenommenen Beschwerden so genau wie möglich beschreiben sollte, statt. Ein Bandscheibenvorfall lässt sich häufig dadurch erkennen, dass die betroffenen Patienten über dauerhaft anhaltende, starke Rückenschmerzen klagen.

Diese Schmerzen strahlen, in Abhängigkeit vom betroffenen Wirbelsäulensegment bis in die Arme, das Gesäß oder die Beine aus.
Einen Bandscheibenvorfall im Bereich der Brustwirbelsäule (BWS) kann man in der Regel dadurch erkennen, dass die Schmerzen ausgehend vom mittleren Rücken, gürtelförmig entlang der Rippen ausstrahlen. Die durch einen Bandscheibenvorfall hervorgerufenen Schmerzen nehmen typischerweise unter Belastung zu und lassen sich durch bestimmte Schonhaltungen lindern.
Bei einem Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) kann beispielsweise das Anwinkeln der Beine dabei helfen, die Beschwerden zu lindern. Darüber hinaus nehmen die Schmerzen typischerweise beim Niesen oder Husten deutlich an Intensität zu.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Anzeichen eines Bandscheibenvorfalls

Empfindungsstörungen und Kribbeln

Des Weiteren kann man einen Bandscheibenvorfall oftmals schon während des Arzt-Patienten-Gesprächs erkennen, weil betroffene Patienten ausgeprägte Empfindungsstörungen angeben. Diese Empfindungsstörungen können in Form von Taubheit und/oder Kribbeln auftreten. Ihre Lokalisation lässt zudem Rückschlüsse auf das beeinträchtigte Wirbelsäulensegment zu.
Auch eine subjektive Minderung der Muskelkraft kann dem behandelnden Arzt dabei helfen, einen Bandscheibenvorfall als solchen zu erkennen.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter:

Funktionstests bei einem Bandscheibenvorfall

Im Anschluss an das Arzt-Patienten-Gespräch sollte eine orientierende neurologische Untersuchung durchgeführt werden. Während dieser Untersuchung kann der Facharzt erkennen, ob und welche Nervenwurzel womöglich eingeengt wird. Zur Überprüfung der sensiblen Nervenleitungsbahnen müssen die Extremitäten bestrichen werden. Diese spezielle Untersuchung muss immer im Seitenvergleich durchgeführt werden. Bei einer Abweichung der seitengleichen Empfindung, kann von einer Nervenschädigung ausgegangen werden.
Im Anschluss sollte die Muskelkraft der wichtigsten Kennmuskeln (Muskeln, die einem Wirbelsäulensegment zugeordnet werden können), geprüft werden. Gerade einen Bandscheibenvorfall, der bereits sehr weit fortgeschritten ist und/oder schon über einen längeren Zeitraum besteht, kann man häufig auf diese Weise erkennen.

Darüber hinaus kann eine mögliche Nervenwurzelkompression durch einen einfachen Test ermittelt werden. Beim sogenannten Lasègue-Test wird der Patient auf dem Rücken gelagert. Der Facharzt beginnt in Anschluss damit, das gestreckte Bein des Patienten langsam im Hüftgelenk zu beugen. Dieser Test muss als positiv gewertet werden, wenn der Patient beim Anheben des gestreckten Beines Schmerzen in der Lendenwirbelsäule wahrnimmt.

Die klassischen Tests der Nervenwurzelkompression müssen als positiv betrachtet werden, wenn während der passiven Bewegung Schmerzen hervorgerufen werden.

Ein positives Lasègue-Zeichen muss jedoch nicht zwingend auf einenBandscheibenvorfall hinweisen. Auch bei entzündlichen Prozessen im Bereich der Hirnhäute (sogenannte Meningitis) fällt der Lasègue-Test typischerweise positiv aus.

Sollten die vorliegenden Beschwerden jedoch auf einen Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule hinweisen, so kann der Lasègue-Test dabei helfen den Prolaps als solchen zu erkennen.

Darüber hinaus umfasst die Diagnostik bei Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall verschiedene Übungen. Diese Übungen prüfen gezielt die Funktionalität der Kennmuskeln der wichtigsten Wirbelsäulensegmente. Bei Patienten, denen es problemlos möglich ist auf den Zehen und Hacken zu laufen, kann eine Lähmung der dieser Kennmuskeln ausgeschlossen werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Funktionstest bei einem Bandscheibenvorfall.

Bildgebende Verfahren

Sollte sich der Verdacht auf das Vorliegen von einem Bandscheibenvorfall während der körperlichen Untersuchung erhärten, müssen weitere diagnostische Maßnahmen eingeleitet werden. Nur bildgebende Verfahren, die dazu geeignet sind, die Wirbelsäule mitsamt der Bandscheiben abzubilden, können dabei helfen den Bandscheibenvorfall zweifelsfrei als solchen zu erkennen und somit die Verdachtsdiagnose zu erhärten.

Die Anfertigung gewöhnlicher Röntgenaufnahmen gilt in der Diagnostik eines Bandscheibenvorfalls jedoch als wenig hilfreich. Zum Erkennen eines Bandscheibenvorfalls muss deshalb eine Computer- (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) veranlasst werden. Auf Grund der besseren Darstellbarkeit der Bandscheiben gilt die Magnetresonanztomographie in der Diagnostik von einem Bandscheibenvorfall als Mittel der ersten Wahl.
Darüber hinaus können die Nervenleitfähigkeit und Muskelkraft durch spezielle Tests überprüft werden. Vor allem die sogenannte Elektromyographie (EMG) kann dabei helfen zu erkennen, ob Sensibilitätsstörungen und Lähmungserscheinungen vorliegen. Auch die Elektroneurographie (ENG) gilt als geeignete Methode in der Diagnose eines Bandscheibenvorfalls.

MRT bei einem Bandscheibenvorfall

Bildgebende Verfahren gelten zwar als einzige Möglichkeit, einen Bandscheibenvorfall zweifelsfrei zu erkennen, müssen jedoch auch bei Verdacht auf das Vorliegen eines Bandscheibenprolaps nicht obligat durchgeführt werden.
Vor allem bei wenig ausgeprägten Beschwerden wird häufig auf die Anfertigung von Aufnahmen der Wirbelsäule verzichtet. Bei einem Patienten, der bereits an Sensibilitätsstörungen und Einschränkungen der Muskelkraft leidet, kann auf bildgebende Verfahren jedoch nicht verzichtet werden.

Konventionelles Röntgen spielt bei Erkennen von einem Bandscheibenvorfall keine Rolle. Grund dafür ist die Tatsache, dass nur knöcherne Strukturen in einer gewöhnlichen Röntgenaufnahme beurteilbar sind. Einzelne Nervenwurzeln und die Bandscheibe lassen sich auf diese Weise nicht abbilden.

Das Erkennen von einem Bandscheibenvorfall erfolgt aus diesem Grund vor allem durch eine Magnetresonanztomographie (MRT). Durch das MRT können sowohl knöcherne Strukturen der Wirbelsäule, als auch Nervenwurzeln und Bandscheiben dargestellt werden.
Auf Grund der Tatsache, dass durch die Anfertigung von einem MRT keinerlei Strahlenbelastung auf den Patienten erfolgt, gilt das Erkennen eines Bandscheibenvorfalls durch MRT als diagnostisches Mittel der ersten Wahl.
Die relevanten Strukturen können prinzipiell auch durch eine Computertomographie (CT) dargestellt werden. Während dieses Untersuchungsverfahrens wird der Patient jedoch mit vergleichsweise hohen Strahlendosen belastet.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: MRT bei einem Bandscheibenvorfall

Röntgen

Ein Bandscheibenvorfall als solcher kann durch Röntgen nicht diagnostiziert werden. Das Erkennen von einem Bandscheibenvorfall nur durch Röntgen ist aus mehreren Gründen bis heute nicht möglich.

Obwohl sich die Wirbelsäule durch konventionelles Röntgen einwandfrei darstellen lässt, beschränkt sich die Beurteilbarkeit der einzelnen Wirbelsäulensegmente lediglich auf die knöchernen Strukturen.
Weder die Nervenwurzeln, noch die Bandscheibe selbst, können durch konventionelles Röntgen dargestellt werden.

Zum Erkennen von einem Bandscheibenvorfall müssen jedoch sämtliche Strukturen der einzelnen Wirbelsäulensegmente beurteilt werden. Aus diesem Grund gilt die Durchführung einer Magnetresonanztomographie in der Diagnostik eines Bandscheibenvorfalls als Mittel der ersten Wahl. In diesem Zusammenhang muss jedoch beachtet werden, dass gerade Bandscheibenvorfälle im Bereich der Brustwirbelsäule (BWS) häufig in einem Zusammenhang mit einem vorangegangenen Trauma stehen.
Das Röntgen kann in diesen Fällen zumindest dabei helfen, zu erkennen, ob womöglich eine Fraktur im Bereich der knöchernen Wirbelsäulenstrukturen vorliegt.

Wie kann man einen Bandscheibenvorfall selbst erkennen?

Häufig ist es schwierig, einen Bandscheibenvorfall selbst zu erkennen. Die meisten Menschen gehen davon aus, dass anhaltende Rückenschmerzen zwangsläufig mit einem Bandscheibenvorfall in Zusammenhang stehen.
Im Allgemeinen ist jedoch davon auszugehen, dass der Bandscheibenvorfall eine vergleichsweise seltene Ursache für anhaltende Rückenschmerzen darstellt. Wesentlich häufiger werden derartige Beschwerden durch muskuläre Verspannungen hervorgerufen.

Betroffene Personen können einen Bandscheibenvorfall deshalb nicht alleine daran erkennen, dass sie unter Rückenschmerzen leiden. Dennoch können Schmerzen im Bereich des betroffenen Wirbelsäulensegments einen ersten Hinweis auf eine Erkrankung geben.

Bei einem Bandscheibenvorfall beschränken sich die Schmerzen jedoch typischerweise nicht auf den Rücken. Im Falle des Bandscheibenprolapses der Halswirbelsäule strahlen die Beschwerden ausgehend vom Nacken bis in die Arme aus.
Einen Bandscheibenvorfall im Bereich der Brustwirbelsäule können Betroffene dadurch selbst erkennen, dass die Schmerzen ausgehend vom mittleren Rücken gürtelförmig entlang der Rippen ausstrahlen.
Der Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule hingegen verdeutlicht sich in der Regel durch eine Schmerzausstrahlung in das Gesäß und / oder die Beine.

Neben den Schmerzen können jedoch andere Symptome dabei helfen, einen Bandscheibenvorfall selbst als solchen zu erkennen. Vor allem Empfindungsstörungen in Form von Taubheitsgefühlen und/oder Kribbeln gehören zu den typischen Anzeichen eines Bandscheibenvorfalls. Darüber hinaus kann es durch die anhaltende Kompression der Nervenwurzeln zu einer deutlichen Abnahme der Muskelkraft der jeweiligen Kennmuskeln kommen.

Weitere Informationen

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Eine Übersicht zu allen Themen aus dem Bereich der Orthopädie finden Sie unter: Orthopädie A-Z

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2017
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