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Ursachen eines Bandscheibenvorfalls

Einleitung

Bei einem Bandscheibenvorfall gelangen eine oder mehrere Bandscheiben durch Krafteinwirkung aus ihrem physiologischen Lager, und gleiten in Richtung Rückenmark, welches sie schlussendlich komprimieren. Dadurch entstehen starke Schmerzen, bis hin zu Lähmungserscheinungen und kompletten Funktionsverlust.

Ursachen

Ein Bandscheibenvorfall kann vielerlei Ursachen haben. Um die Prozesse genau zu verstehen, die einem Bandscheibenvorfall zugrunde liegen, lohnt es sich vorerst, kurz die Anatomie, und die Pathologie einer prolabierten Bandscheibe zu beleuchten. Die Bandscheibe besteht aus einem festen Knorpelring, in dessen Mitte ein wasserreicher Kern liegt, der wie ein Wasserkissen als Stoßdämpfer wirkt. Er verteilt zudem die hohe Last, die auf ihm liegt gleichmäßig auf die gesamte Bandscheibe. Kommt es zu hohen Belastungen, wird der Wasserkern zusammengedrückt, und verliert seinen Wassergehalt. Dadurch schrumpft er.
Wir können dies recht eindrucksvoll nachvollziehen, wenn wir unsere Körpergröße einmal im Stehen und einmal nach 5 Minuten Liegen messen. Im Liegen sind wir gut 1-2 cm größer, da kein Gewicht auf den Bandscheiben lastet. Kommt es nun zur dauerhaften Fehlbelastung einzelner Bandscheiben, so steigt in diesem die Krafteinwirkung automatisch an und der Wasserkern kann sich nicht mehr regenerieren.

Außerdem weicht der Wasserkern der Belastung in Richtung des geringsten Widerstandes aus, so dass sich die gesamte Bandscheibe verschiebt. Dies ist uns als Bandscheibenvorfall bekannt. Wie man sehen kann, handelt es sich dabei um ein mechanisches Geschehen, dem physikalische Prozesse zu Grunde liegen. Eine psychische Ursache ist daher als Primärgeschehen relativ unwahrscheinlich. Jedoch können Stress, und Psyche einen Bandscheibenvorfall begünstigen.


Faktor Stress

Ein Bandscheibenvorfall kann durch Stress begünstigt werden, wobei Stress ein beschleunigender Faktor ist, allerdings nicht die unmittelbare Ursache. Stress bedingt Hektik, und Hektik verleitet dazu, weniger auf den eigenen Körper zu achten. So werden Schmerzen im ersten Moment vielleicht ignoriert und eventuell sogar mit Schmerzmitteln ausgeschaltet. Bei einem Bandscheibenvorfall gibt es unterschiedlich schwere Ausprägungen. Während in den Anfangsstadien noch stechende Schmerzen das Leitbild bestimmen, kommt es bei schweren Formen zu Lähmungserscheinungen mit Nervenwurzelreizung und -schädigung. In einem Beruf, in dem man viel Stress ertragen muss, schiebt man den stechenden Schmerz eher noch auf eine schlechte Nacht, oder darauf, dass man sich „verlegen“ hat. Hat man Stress im Beruf, neigt man auch dazu, sich nicht an Wirbelsäule-schonende Bewegungsmuster zu halten, wie beispielsweise das ergonomische Sitzen am Arbeitsplatz. Gerade hier entstehen aber die meisten Probleme, die die Spätfolgen für einen Bandscheibenvorfall ausmachen. Besonders die Halswirbelsäule (HWS) ist dann anfällig für einen Bandscheibenvorfall. Menschen mit sehr fordernden Berufen ist daher zu raten, von Zeit zu Zeit einen Gang zurück zu schalten und auf die Signale des Körpers zu achten. Zusammenfassend reicht jedoch die Reduzierung von Stressfaktoren nicht, einem Bandscheibenvorfall vorzubeugen. Viel mehr muss in der gewonnenen Zeit der Rücken durch Training gestärkt werden, auf ergonomisches Sitzen am Arbeitsplatz geachtet werden und schwere körperliche Arbeit vermieden werden. Nur so lässt sich einem Bandscheibenvorfall effektiv vorbeugen.

Faktor Psyche

Rückenschmerzen können sich über die Jahre einschleichen, und den Patienten unterbewusst immer stärker belasten. Was mit einem leichten ziehen in der HWS angefangen hat, entwickelt sich über die Jahre zu einem chronischen Schmerz in der Halsregion, und breitet sich dann auf die Brustwirbelsäule (BWS) aus. Haben sich die Schmerzen erstmal manifestiert, sind sie nur sehr schwer wieder loszubekommen. In solchen Situationen ist es allerdings auch immer wichtig, psychische Faktoren mit abzuklären. So kann die Psyche durchaus „aufs Kreuz schlagen“, wie man so schön sagt. Eine depressive Verstimmung, oder manifeste Depression kann sich auf vielerlei Weise bemerkbar machen. Einige Patienten leiden dann unter Bauchschmerzen und Verdauungsstörungen, andere wiederum unter ständigem Kopfschmerz. Aber auch psychische Auswirkungen auf den Rücken sind sehr häufig. Leider hilft gegen psychische Probleme keine „Aufbauspritze“, oder Operation. Insbesondere wenn Patienten schon seit Jahren von Rückenschmerzen geplagt sind, ist es wichtig, ein multidisziplinäres Kompetenzteam aus Orthopäde, Psychologe, und Psychotherapeut zusammenzustellen. Besonders wenn in bildgebenden Verfahren keine degenerative Veränderung der Bandscheibe zu sehen ist und dennoch starke Schmerzen bestehen, sollte auch ein psychischer Prozess in Betracht gezogen werden. Allerdings sind psychische und psychosomatische Probleme wie Depressionen weitaus weniger greifbar, als ein Bandscheibenvorfall. Oft fehlt im Verwandten- oder Freundeskreis auch das Verständnis hierfür. Diese Einstellung hält sich leider hartnäckig über die Jahre und liegt vermutlich darin begründet, dass der Patient äußerlich gesund erscheint. Die Psyche ist von außen nun mal nicht so schnell beurteilbar. Allerdings unterliegt diese Einstellung seit mehreren Jahren einem starken Wandel, so dass Krankenkassen und Ärzte vermehrt auch psychische Geschehen in Betracht ziehen. Schlagen psychische Probleme auf den Körper, so spricht man von einem psychosomatischen Prozess. Ein seelisches Problem, wird zu einem körperlichen. Dabei handelt es sich nicht etwa um Missempfindungen, sondern um nachweislich biologische, und physikalische Prozesse, die in Gehirn und Nervensystem stattfinden.

Depressionen, Stress, und Unzufriedenheit können sich sukzessiv im Rücken manifestieren und wie ein Bandscheibenvorfall imponieren. Zur Behandlung von psychischen Problemen ist demnach nicht nur der Orthopäde, sondern auch ein Psychologe und ein Physiotherapeut gefragt. Psychosomatische Beschwerden lassen sich in der Regel nur durch längerfristige Dauertherapie beseitigen und stellen eine ernst zu nehmende Erkrankung dar.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Rückenschmerzen und Psyche

Halswirbelsäule (HWS), Lendenwirbelsäule (LWS)

Bandscheibenvorfälle zeigen eine statistische Häufung im Lendenbereich (LWS), und im Halsbereich (HWS). Die Verteilung zwischen LWS, Halswirbelsäule HWS und Brustwirbelsäule (BWS) beträgt 100 zu 10 zu 1. Sprich auf einen Bandscheibenvorfall in der Brustwirbelsäule, kommen statistisch gesehen 100 in der Lendenwirbelsäule. Die starke Häufung in der LWS ist primär dadurch zu erklären, dass auf dieser das meiste Gewicht lastet. Kein anderes Wirbelkörpersegment ist so hohen Kräften ausgesetzt, wie das der LWS. Auf ihr lastet das Gewicht der gesamten oberen Extremität, sowie des Rumpfes, und des Kopfes. Aus diesem Grund sind die Wirbelkörper der LWS besonders solide aufgebaut. Zur Veranschaulichung, während ein Wirbelkörper der LWS beinahe faustgroß ist, haben die Wirbelkörper der HWS Spielzeugauto-Größe. Darin liegt bereits ein weiteres Problem der Wirbelsäule begründet: Die fragilen Wirbelkörper der HWS sind nicht besonders stabil und müssen möglichst filigran aufgebaut sein, damit uns unser Bewegungsausmaß im Hals/Nackenbereich erhalten bleibt. Wenn man bedenkt, dass der menschliche Schädel samt Gehirn ca. 3-5 Kilo wiegt, die Bandscheiben in diesem Bereich aber nicht größer als ein 2€-Stück sind, versteht man, wieso auch die HWS häufig von Bandscheibenvorfällen betroffen ist. Ein weiterer wichtiger Faktor, den unser digitales Zeitalter mit sich bringt, ist die immer stärkere Verwendung von PCs, Handys, und Tabletts. Wenn man sich selbst bei der Benutzung der Tastatur, oder seines Handys beobachtet, wird man schnell feststellen, dass der Kopf stets nach unten gebeugt ist – eine Qual für unsere Wirbelsäule, speziell die Halswirbelsäule. Natürlich erleiden nicht alle Handynutzer nach intensiver, fünfjähriger Handynutzung einen Bandscheibenvorfall, allerdings gelten Handy und PC am Arbeitsplatz durchaus als Risikofaktoren. Zudem neigen wir immer weniger dazu, uns sportlich zu betätigen. Oft gelingt dies aus beruflichen Gründen nicht, oft fehlt einfach die Zeit dafür. Dabei ist sportliche Aktivität sehr wichtig für den Körper und stärkt richtig durchgeführt die LWS, die HWS, sowie den gesamten restlichen Rücken. Die muskuläre Stabilisierung des Rückens ist die beste Prophylaxe gegen einen Bandscheibenvorfall, die es gibt. Allerdings lässt sich Bandscheibenvorfällen auch schon mit kleinen Lebensstiländerungen entgegenwirken. So ist beispielsweise ein aufrechter Gang gesünder, als ein „krummer Buckel“, und hängende Schultern. Beobachten Sie sich selbst vor dem Spiegel, und analysieren Sie ihre Körperhaltung. Neigen Sie dazu, die Schultern und Arme nach vorne hängen zu lassen? Ist der Rücken gerade, oder vornüber gebeugt? Nehmen Sie eine aufrechte, gerade Position vor dem Spiegel ein und versuchen sie diese dauerhaft zu halten. Auch wenn es sich im ersten Moment ungewohnt anfühlt, hat es auf Dauer positive Auswirkungen auf den Rücken. Zudem sollte der Rücken gestärkt werden. Dazu eignen sich Sportarten wie Schwimmen, Klettern, oder gezielter Aufbau im Fitnessstudio. Wichtig ist ein kontinuierliches Training über Jahre. Um dem gerecht zu werden, eignen sich Mitgliedschaften in einem Sportverein, oder einer Sportgruppe. Ein Bandscheibenvorfall an der LWS ist also sehr häufig, gefolgt von dem der HWS.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 20.02.2017
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