Schauen Sie unser Video zum Thema

Sport nach oder bei einem Bandscheibenvorfall

Einleitung

Ursache für die meisten Bandscheibenvorfälle sind chronische Fehlbelastungen und Körperhaltungen, bei denen die Wirbelsäule besonders stark beansprucht wird. Teilweise kommt es aber auch vor, dass bestimmte Sportarten zu Bandscheibenvorfällen führen.

Zu nennen wären in erster Linie Sportarten, die mit hohem Gewicht zu tun haben, wie z.B. Gewichtheber. Dabei wird innerhalb kürzester Zeit hohes Gewicht über die Wirbelsäule auf die Arme belastet. Zwar gibt es dabei spezielle Techniken, die das Gewicht auf der Wirbelsäule minimieren sollen, jedoch kann nicht verhindert werden, dass ein erheblicher Anteil auch auf der Wirbelsäule lastet. Auch schützen sich Gewichtheber mit einem speziellen Gürtel der Überbelastung der Wirbelsäule verhindern soll.
Gefährdet für Bandscheibenvorfälle sind vor allem untrainierte Gewichtheber und Anfänger, die sich evtl. überschätzen oder die die Verletzungsfolge nicht gut genug kennen.
Wird das Gewichtheben falsch durchgeführt und werden zu hohe Gewichtszahlen genommen, kann es auch zu einem akuten Bandscheibenvorfall kommen, der nicht über längere Zeit voranschreitet, sondern plötzlich eintritt.


Weitere Sportarten, die einen Bandscheibenvorfall auslösen können

Auch Kugelstoßer sind gefährdet durch die Abstoßbewegung auf Dauer Verletzungen der Wirbelsäule zu bekommen. Auch hier sind spezielle Übungen sowie dem Leistungsstand und der Kondition angepasste Belastungen einer der wichtigsten Maßnahmen um Bandscheibenvorfälle zu vermeiden.
Auch Sportarten, bei denen eher eine sitzende oder nach vorne gebeugte Haltung eingenommen wird, können potentiell einen Bandscheibenvorfall verursachen.
Auch wiederholend bandscheibenbelastende Sportarten wie Joggen können die Bandscheiben schädigen. Trotzdem kann Joggen auch bei einem bestehenden Bandscheibenvorfall erlaubt bleiben.
Zu nennen wären hier Jockeys beim Pferderennen, Tennis- und Tischtennisspieler sowie Golfer und Fußballer.
Auch beim Klettersport kann es prinzipiell zu Bandscheibenvorfällen kommen. Schuld dabei sind die oft unphysiologischen Bewegungen an der Kletterwand. Da die Stellungen und Bewegungen oft wechseln. Für alle diese Sportarten gilt, dass sie prinzipiell Bandscheibenvorfälle auslösen können aber nicht müssen. Die Wahrscheinlichkeit einen Bandscheibenvorfall zu verursachen wird durch den Trainingsstand und der Anpassung der zu dem Leistungsstand zugehörigen Belastung reduziert.
Um sicher zu sein sollte gerade bei Anfängern ein Trainingsprogramm erstellt werden, dass langsam die sportliche Leistungsfähigkeit aufbaut. Sportler, die Kraftsport ausüben wollen, sollten sich vor Beginn mit einem Fitnesstrainer unterhalten, der bei der Durchführung muskel- und gelenkschonender Übungen behilflich ist. Neben der Anpassung der Belastung an den jeweiligen Trainingsstand ist das Aufwärmen vor dem Sport besonders wichtig. „Kalt“ eine bestimmte Sportart durchzuführen erhöht das Risiko von Muskel- oder Gelenksverletzungen oder, bei chronischem „Kaltstart“, auch einem Bandscheibenvorfall.

Verschiedene Sportarten können nicht nur einen Bandscheibenvorfall verursachen sondern können auch helfen einem Bandscheibenvorfall vorzubeugen bzw. bei bereits eingetretenem Bandscheibenvorfall die Symptome und Beschwerden zu lindern. Dabei gibt es zwei Hauptprinzipien. Zum Einen sollten Gelenke geschont werden, zum Anderen sollten Muskeln, die die Körperbewegung im Rücken durchführen auftrainiert werden, um die Wirbelsäule zu entlasten.

Gelenkschonende Bewegungen sind z.B. Bewegungen, die beim Schwimmen ausgeübt werden. Vor allem das Rückenschwimmen gilt als besonders rückenschonend und sollte bei Vorhandensein eines Bandscheibenvorfalles aber auch anderer Rückenschmerzen regelmäßig angewandt werden.
Beim Schwimmen sollten jedoch Schwimmstile wie Delphin (Schmetterling) oder Brust vermieden werden.
Um die Wirbelsäule bei der täglichen Bewegung zu unterstützen sollte die Muskulatur des Rückens durch den adäquaten Sport auftrainiert werden. Die betreffenden Muskeln ist die sogenannte autochthone Rückenmuskulatur. Sie wird auch als Musculus erector spinae bezeichnet und erstreckt sich links und rechts entlang der Wirbelsäule. Die Aufgabe ist neben dem zusätzlichen Stabilisieren auch das Aufrichten und die Bewegung der Wirbelsäule.

Ein Auftrainieren dieser Muskelgruppe hilft die Wirbelsäule zu verstärken, entsprechende Bewegungen in der Wirbelsäule physiologischer auszuüben und so einen Bandscheibenvorfall vorzubeugen.
Auftrainiert können die Muskeln am einfachsten durch Sport im Fitnessstudios, in dementsprechende Geräte zur Verfügung stehen. Ergänzend kann auch der den Rücken verstärkende M. latissimus dorsi auftrainiert werden.
Sit-ups oder sogenannte „crunches“, bei denen die Bauchmuskulatur trainiert werden soll, sollte nur sehr schonend durchgeführt werden, da diese Übungen die Rückenmuskulatur erheblich belasten können.

Ist es bereits zu einem Bandscheibenvorfall gekommen, stellt sich bei vielen Patienten die Frage nach einer Bewegungseinschränkung, und welcher Sportarten überhaupt noch durchgeführt werden können. Prinzipiell können alle Sport nach einem Bandscheibenvorfall durchgeführt werden, die auch zur Prävention eines Rückenleidens eingesetzt werden, da diese als besonders rückenschonend anzusehen sind (Rückenschwimmen, schonendes Gewichtheben zur Stärkung der Rückenmuskulatur etc). Sportarten, die zu einem Bandscheibenvorfall geführt haben sollten, wenn möglich, ganz vermieden oder stark eingeschränkt betrieben werden, um ein Fortschreiten der Verletzung zu vermeiden.
Zur Klärung, welche Sportart und in welchem Ausmaß eine Sportart ausgeführt werden darf, sollte ein Arzt oder Physiotherapeut befragt werden.

Schmerzen beim Sport nach Bandscheibenvorfall

Nach wissenschaftlicher Meinung wird im Verlauf der Heilung eines Bandscheibenvorfalls körperliche Aktivität zur Restabilisierung der Wirbelsäule empfohlen.

Nicht alle Sportarten eigenen sich jedoch bezogen auf den Verlauf der Verletzung für eine Kräftigung des Rückens. Zu Beginn des Heilungsverlaufs sollten deshalb schonende Sportarten durchgeführt werden.

Wichtig ist es bei allen Bewegungen und Sportarten nach einem Bandscheibenvorfall darauf zu achten, dass die Aktivität bei Schmerzen unterbrochen werden sollte. Besonders dann, wenn die Schmerzen am Rücken auftreten und eventuell sogar in andere Körperpartien ausstrahlen ist eine sofortige Unterbrechung des Sports ratsam. Wenn Schmerzen auftreten bedeutet dies, dass die Nerven, welche in der Wirbelsäule verlaufen eventuell durch die Bewegung beeinträchtigt werden. Bei dem Auftreten starker Schmerzen sollte in jedem Fall ein Arzt zur Abklärung aufgesucht werden.

Zu Beginn der Therapie eines Bandscheibenvorfalls stehen häufig physiotherapeutische Maßnahmen im Vordergrund. Der behandelnde Physiotherapeut wird genau darauf achten, bei welchen Übungen Schmerzen entstehen und dahingehend individuelle Übungen und Sportarten empfehlen können. Die Belastbarkeit steigert sich im Verlauf der Heilung. Die Geschwindigkeit ist dabei sehr individuell verschieden.

Lesen Sie auch mehr zu diesem Thema des Heilungsverlaufs unter: Verlauf eines Bandscheibenvorfalls und Übungen nach einem Bandscheibenvorfall der LWS

Wann darf man wieder mit dem Sport anfangen?

Nach einem Bandscheibenvorfall sollte keinesfalls zu früh mit Sport angefangen werden. Es gibt Sportarten, die langfristig wieder durchgeführt werden können und Andere, die nicht mehr ausgeübt werden sollten.

Nach der Operation oder während der konservativen Behandlung muss sehr genau mit dem Operateur abgesprochen werden, welche Betätigungen ab wann durchgeführt werden dürfen. In der Reha werden häufig Rückengymnastik, Schwimmen, Walking, Aquagymnastik oder auch Radfahren angeboten. Am hilfreichsten ist es nach einem Bandscheibenvorfall in einer Rehamaßnahme, z.B. in einer Sportgruppe geleitet wieder in sportliche Betätigung einzusteigen. So reduziert sich das Risiko, dass der Patient auf eigene Faust zu viel wagt und sich schadet. Die Sportarten, die in der Reha angeboten werden, können nach ca. 10-12 Wochen auch alleine wieder vorsichtig begonnen werden. Wichtig dabei ist jedoch, dass langsam wieder eingestiegen wird und auf den Körper gehört wird. Bei Schmerzen, Taubheitsgefühlen oder anderen Beschwerden empfiehlt es sich, nicht weiter zu machen und es nach Rücksprache mit dem Arzt nach 1-2 Wochen noch einmal zu probieren.

Sportarten, wie Tennis, Reiten oder Kraft- und Kampfsport, empfehlen sich in den ersten 2-3 Monaten gar nicht. In der Zeit danach wird von Sportarten, die zu Druck- und Stoßbelastungen auf die Bandscheiben führen, abgeraten.

Was ist zu beachten?

Bei allen sportlichen Betätigungen ist zu beachten, dass sie der bereits geschädigten Bandscheibe, sowie auch den anderen Bandscheiben nicht weiter schadet. Zu Beginn sollte auf jeden Fall auf Sportarten verzichtet werden, die die Bandscheibe zusammenpressen (z.B. Reiten, Mountainbiken) oder sie in Gefahr bringen erneut vorzufallen (z.B. Bodybuilding, Delfinschwimmen).

Bei den weiter oben genannten Sportarten, die als eher bandscheibenschonend gelten, ist es trotzdem wichtig auf seinen Körper zu hören. Wenn sich Symptome zeigen, die auf einen erneuten Bandscheibenvorfall hindeuten, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Es bietet sich an, dass Sportarten betrieben werden, die der Patient bereits beherrscht und die er folglich nicht neu erlernen muss, da so Bewegungsmuster schon bekannt sind und die Gefahr geringer ist, dass falsche und risikoreiche Bewegungen durchgeführt werden.

Wenn eine neue Sportart angefangen wird, ist es wichtig, dass jemand am Anfang zu Seite steht, der beurteilen kann, ob die Bewegungen richtig und sicher ausgeführt werden (Trainer, Physiotherapeut, Gruppenleiter). Bei allen zukünftigen Betätigungen gilt, das eine Stärkung und Kräftigung der Rücken- und Haltemuskultur gewünscht ist, jedoch keine Überbelastung und keine potentiell schädlichen Bewegungen. Durch die Stärkung der Rücken- und Rumpfmuskulatur wird die Wirbelsäule besser stabilisiert und alltägliche Bewegungen können sicherer ausgeführt werden.

Radfahren nach Bandscheibenvorfall

Radfahren bietet sowohl Vorteile als auch Nachteile für den Rücken und die Bandscheiben. Die regelmäßige Bewegung der Beine eignet sich sehr gut, um die Muskulatur der Lendenwirbelsäule zu kräftigen.
Im Vergleich zum Joggen kommt es bei einem ebenen Untergrund zu weniger Stößen auf die Wirbelsäule, die die Bandscheiben abfangen müssten.
Radfahren auf ebener Straße oder auf dem Ergometer ist also kein Problem für Patienten nach einem Bandscheibenvorfall, Mountainbiken sollte wegen dem holprigen Untergrund aber vermieden werden.
Neben dem Untergrund ist auch die richtige Sitzposition zu beachten: Sind Sattel und Lenker richtig eingestellt, bewirkt das Radfahren eine Besserung einer übermäßigen Hohlkreuzhaltung und eine Stärkung der Muskulatur der gesamten Wirbelsäule.

Bei einer zu aufrechten Position leidet vor allem die Lendenwirbelsäule, da diese ohne die stoßdämpfenden Gelenke der Beine nun Stöße abfangen muss. Dadurch wird der Bandscheibenverschleiß verschlimmert.
Auch eine zu gestreckte Sitzposition schadet: Um nach vorne schauen zu können, muss der Kopf stark in den Nacken gelegt werden, was Schäden in der Halswirbelsäule verursachen und verschlechtern kann. Nach einem Bandscheibenvorfall sollten Patienten beim Radfahren auf die richtige Sitzposition mit gleichmäßiger Gewichtsverteilung auf Gesäß und Hände achten. Ebenso wichtig ist der richtige (ebene) Untergrund, eine gute Dämpfung der Radgabel und des Sattels sowie ein begleitendes Rückentraining, um aus dem Radfahren Vorteile für den Heilungsprozess ziehen zu können.

Joggen nach einem Bandscheibenvorfall

Joggen kann bei einer übermäßigen Trainingsintensität und falsch angewendeten Bewegungsmustern durchaus eine Schädigung der Bandscheiben verursachen.
Im Allgemeinen ist Joggen für durchschnittlich sportliche Menschen aber kein Problem, da die Rückenmuskulatur ausreichend ausgebildet ist, um die Wirbelsäule zu stützen. Untrainierte Menschen sollten nicht von Null auf Hundert in ein Lauftraining einsteigen, da die Wirbelsäule wegen der gering ausgeprägten Rückenmuskulatur anfälliger für Schäden der Bandscheiben ist. Ebenso verhält es sich bei Patienten, die einen Bandscheibenvorfall erlitten haben.
In der akuten Phase nach dem Bandscheibenvorfall sollte ein Lauftraining / Jogging nicht durchgeführt werden, nach wenigen Wochen kann das Lauftraining in moderater Form wieder begonnen werden.
Wichtig allerdings sollte dabei nicht gegen den Schmerz trainiert werden, da er ein Warnsignal des Körpers darstellt und besonders nach einem Bandscheibenvorfall ernst genommen werden sollte.
Das Laufpensum kann langsam gesteigert werden, wenn der Patient merkt, dass das Joggen ihm gut tut. Es empfiehlt sich, zeitgleich ein Muskelaufbautraining für den Rücken zu beginnen, um den Stützapparat der Wirbelsäule aufzubauen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Joggen nach einem Bandscheibenvorfall

Cross-Trainer

Der Cross-Trainer trainiert im Gegensatz zum Fahrradergometer nicht nur die Beinmuskulatur sondern Beine, Hüfte, Arme und Schultern. Der Cross-Trainer simuliert eine Laufbewegung mit gleichzeitiger Bewegung der Arme, die Stoßbelastung bleibt im Vergleich zum Joggen oder Radfahren im Freien aber sehr gering, weshalb der Cross-Trainer ein besonders gelenkschonendes Training ist. Da der Cross-Trainer so gelenkschonend und arm an Stoßbelastung ist, ist er ein sehr gutes Einstiegstraining nach einem Bandscheibenvorfall. Natürlich sollten Patienten erst einmal eine Trainingspause einlegen, bis die schlimmste Phase des Bandscheibenvorfalls überstanden ist. Anschließend sollte man mit kurzer Trainingsdauer und Trainingsintensität beginnen und sich langsam steigern. Auf keinen Fall sollte der Bandscheibenpatient einen eventuell auftretenden Schmerz beim Training ignorieren. Der Cross-Trainer trainiert nahezu alle Muskelgruppen des Körpers: Eine gut ausgebildete Rumpfmuskulatur führt zu einer Stabilisierung der Wirbelsäule, was wiederum zu einer Entlastung der Bandscheiben und zur Verzögerung von degenerativen Prozessen führt.

Reiten nach Bandscheibenvorfall

Das Reiten kann sowohl positive wie auch negative Einflüsse auf die Stabilität der Wirbelsäule beinhalten. Wie das Reiten den individuellen Rücken beansprucht hängt von einer Reihe unterschiedlicher Faktoren ab.
Besonders wichtig bei der Fragestellung wie stark die Belastung auf den Rücken beim Reiten ist, ist die Reittechnik. So kann es bei einer falschen Reittechnik zu starken Belastungen der Wirbelsäule und einzelnen Bandscheiben in der Form von Stauchungen kommen. Besonders unerfahrene Reiter belasten ihren Rücken beim Reiten aus diesem Grund häufig sehr stark.

Bei der Frage, wann und ob das Reiten nach einem Bandscheibenvorfall wieder empfohlen werden kann müssen individuelle Faktoren der Verletzung und des Heilungsverlaufs berücksichtigt werden. Bei einer ausreichenden Stabilität der Wirbelsäule kann meist im Verlauf der Heilung wieder mit dem Reiten begonnen werden.

Um Komplikationen zu vermeiden sowie den Heilungsverlauf des Bandscheibenvorfalls nicht zu gefährden sollte das Reiten bei auftretenden Schmerzen unterbrochen werden. Bei einer korrekten Reittechnik und vorsichtigem Beginn beim Reiten kann der Sport die Stabilität des Rückens verbessern und sich damit positiv auf die Heilung des Bandscheibenvorfalls auswirken.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 16.03.2017
Für Sie passende Themen
Ihre Meinung ist uns wichtig

Dr-Gumpert.de ist ein Projekt, das mit viel Engagement vom Dr-Gumpert.de Team betrieben wird. Im Vergleich zu anderen Seiten ist vielleicht nicht alles so perfekt, aber wir gehen persönlich auf alle Kritikpunkte ein und versuchen die Seite stets zu verbessern.
An dieser Stelle bedanken wie uns bei allen Unterstützern unserer Arbeit.
Wenn Ihnen diese Seite gefallen hat, unterstützen auch Sie uns und drücken Sie: