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Bandscheibenvorfall in der Schwangerschaft

Einleitung

Ein Bandscheibenvorfall, also die Verschiebung des gallertartigen Kerns (nucleus pulopsus) einer Bandscheibe (discus intervertebralis) in den Wirbelkanal, indem das Rückenmark verläuft, ist eine der häufigsten Erkrankungen der Wirbelsäule.

Problematisch wird ein Bandscheibenvorfall dann, wenn es zur Nervenwurzelkompression kommt. Dann kann es zu Taubheitsgefühlen durch den Bandscheibenvorfall und Einschränkungen der Beweglichkeit (motorische Ausfallerscheinungen) kommen. Theoretisch kann ein Bandscheibenvorfall jeden treffen, daher sind auch schwangere Frauen von dem Krankheitsbild betroffen.
In der Schwangerschaft treten Bandscheibenvorfälle dann oft ab dem dritten Schwangerschaftsmonat auf, sie können theoretisch jeden Teil der Wirbelsäule betreffen, am häufigsten sind jedoch Vorfälle im Bereich der Lendenwirbelsäule, seltener gibt es auch Bandscheibenvorfälle der Halswirbelsäule.

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Ursachen eines Bandscheibenvorfalls in der Schwangerschaft

Damit ein Bandscheibenvorfall entstehen kann, muss der äußere Faserring, der die Bandscheibe in ihrer eigentlichen Position hält geschwächt oder beschädigt sein. Zu einer solchen Schädigung kann es beispielsweise beim Anheben extrem schwerer Lasten kommen. Aber auch genetische Schwächen des Faserrings können dazu führen, dass es ohne ersichtliche Ursache zu einem Bandscheibenvorfall kommt.


Gerade während einer Schwangerschaft ist jedoch die in erster Linie die hormonelle Umstellung im Körper der Frau die Ursache für ein erhöhtes Risiko einen Bandscheibenvorfall in der Schwangerschaft zu erleiden. Hormone wie Progesteron oder Östrogen, die in der Schwangerschaft vermehrt gebildet werden, haben nicht nur Auswirkungen auf Gebärmutter, Eierstöcke und die Bildung und Aufrechterhaltung der Plazenta, sondern bereiten auch die Bänder und knöchernen Strukturen des weiblichen Beckens auf die bevorstehende Geburt vor.

Progesteron wirkt im Becken beispielsweise entspannend auf die Schambeinfuge (Symphysenfuge). Diese Verbindung zwischen den beiden Schambeinknochen wird durch die Wirkung der Hormone gelockert, um das Becken bei der Geburt noch mehr zu erweitern und dem Kind den Durchtritt durch den Geburtskanal zu ermöglichen. Leider wirkt das Hormon nicht nur auf das Bindegewebe der Schambeinfuge, sondern auch auf die, aus Bindegewebe bestehenden, Faserringe der Bandscheiben. Bereits bei geringen Belastungen kann es deshalb zu einem Bandscheibenvorfall in der Schwangerschaft kommen.

Zusätzlich zu den hormonellen Veränderungen stellt auch das steigende Gewicht des wachsenden Kindes eine enorme Belastung für die Wirbelsäule dar.

Symptome eines Bandscheibenvorfalls

Hauptsymptom eines Bandscheibenvorfalls in der Schwangerschaft sind starke Schmerzen. Ist durch den verschobenen Bandscheibenkern das Rückenmark beeinträchtigt kommt es neben den Schmerzen zu Lähmungserscheinungen und Sensibilitätsstörungen.

Die Schmerzen beginnen oft plötzlich, meist bei Belastung, die Betroffenen nehmen schnell eine sogenannte Schonhaltung ein. Eine Schonhaltung bezeichnet die Haltung in der die Schmerzen erträglich sind. Bewegung verschlimmert die Schmerzsymptomatik, manchmal sind die Patientinnen nicht mehr in der Lage selbständig zu gehen.

Im schlimmsten Fall kommt es zu Harninkontinenz und Stuhlinkontinenz, die mit Sensibilitätsstörungen im Intimbereich einhergehen. Solche Ausfallerscheinungen sind ein Notfall und müssen operiert werden.

Die Symptome eines Bandscheibenvorfalls unterschieden sich nach der Region wo der Bandscheibenvorfall vorliegt (HWS, BWS oder LWS).
Die Symptome sind bei einer vorliegenden Schwangerschaft die gleiche, wie wenn keine Schwangerschaft vorliegen würde. Allerdings verstärken sich die Symptome durch das vermehrte Gewicht der Schwangeren, was auf der Wirbelsäule lastet.

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Diagnose

Im Vordergrund bei der Diagnostik eines Bandscheibenvorfalls in der Schwangerschaft stehen die Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) und eine neurologische Untersuchung. Anhand der Bereiche, welche Sensibilitätsstörungen aufweisen, kann ein Neurologe abschätzen, welche Nervenwurzel durch den Bandscheibenvorfall eingeengt ist.

Des Weiteren gibt die Überprüfung der Reflexe an den Extremitäten Auskunft über die Funktionsfähigkeit der Nerven, die die Muskulatur versorgen.
Anschließend wird eine MRT trotz bestehender Schwangerschaft durchgeführt um mit einem bildgebenden Verfahren die Diagnostik abzuschließen.
Wenn die Situation als unkritisch für dauerhafte neurologische Schäden eingeschätzt wird, kann das MRT auch nach Beendigung durchgeführt werden. In vielen Fällen muss allerdings das MRT bei bestehender Schwangerschaft durchgeführt werden.
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Auf bildgebende Untersuchungen wie Röntgen oder Computertomographie wird aufgrund der Strahlenbelastung für das ungeborene Kind weitestgehend verzichtet.

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Behandlung

Bei plötzlich einsetzenden Rückenschmerzen während der Schwangerschaft sollte man die Beschwerden von einem Arzt untersuchen lassen. Rückenschmerzen sind während der Schwangerschaft bis zu einem gewissen Grad zwar normal, können aber auch Hinweis auf erste Wehentätigkeit sein.

Wird ein Bandscheibenvorfall in der Schwangerschaft diagnostiziert, steht bei Schwangeren die konservative Therapie an erster Stelle. Schmerzmittel, die verabreicht werden, dürfen natürlich dem ungeborenen Kind nicht schaden, was die Auswahl der zu Verfügung stehenden Arzneimittel einschränkt. In Frage kommen theoretisch Wirkstoffe wie Paracetamol oder Ibuprofen.

Die Einnahme von Medikamenten während der Schwangerschaft ist mit dem behandelnden Arzt abzuklären.

Neben der Einnahme von Schmerzmitteln lindern Wärme oder Kälte die Schmerzen eines Bandscheibenvorfalls. Warme Bäder, Wärmelampen oder kalte Umschläge können Zuhause angewendet werden. Physiotherapie und Massagen eignen sich ebenfalls zur Behandlung eines Bandscheibenvorfalls in der Schwangerschaft, sollten aber auf die Bedürfnisse der Schwangeren angepasst sein.

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Operation eines Bandscheibenvorfalls während der Schwangerschaft

Bandscheibenvorfälle, bei denen Harninkontinenz oder Stuhlinkontinenz auftreten müssen auf jeden Fall operativ versorgt werden. Dann besteht auch für eine Schwangere keine andere Therapiemöglichkeit mehr.
Grundsätzlich ist eine Operation eines Bandscheibenvorfalls während der Schwangerschaft möglich.

Natürlich werden minimalinvasive Verfahren einer Operation in Vollnarkose vorgezogen, denn während einer Vollnarkose ist es besonders wichtig eine optimale Sauerstoffversorgung für das Kind im Mutterleib aufrecht zu erhalten. Außerdem sind Medikamente, die für eine Vollnarkose verwendet werden plazentagängig, das heißt, die Stoffe gelangen auch in das kindliche Blut.

Minimalinvasive Verfahren eignen sich für Schwangere, da der Hautschnitt nur sehr klein ausfällt und der Operateur mittels eines Rohrs (Endoskop) zu geschädigten Bandscheibe gelangt. Rückenmuskulatur und das umliegende Gewebe werden hierbei nicht so stark beansprucht wie bei einer Operation in Vollnarkose. Des Weiteren ist eine frühe Mobilisation (Bewegung) der Patienten möglich, wodurch recht schnell mit der nachfolgenden Physiotherapie begonnen werden kann.
Welches Operationsverfahren zur Anwendung kommen sollte, muss jedoch in jedem Fall individuell entschieden werden.

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Prophylaxe / Vorbeugen

In der Schwangerschaft eignen sich gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen oder Wassergymnastik optimal zur Vorbeugung gegen einen Bandscheibenvorfall in der Schwangerschaft. Generell schützt regelmäßige Bewegung vor Schäden an der Wirbelsäule und trägt zum allgemeinen Wohlbefinden der Schwangeren. Bewegung an der frischen Luft hilft auch gegen andere Symptome der Schwangerschaft wie Müdigkeit oder Übelkeit. Spaziergänge oder Nordic walking sind nicht zu anspruchsvoll, fördern aber Kreislauf und Durchblutung.

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Bandscheibenvorfall und Geburt

Unter der Geburt wird der Körper einer Frau auf das Stärkste beansprucht. Dabei wird auch die Wirbelsäule immensen Belastungen ausgesetzt, vor allem während den Presswehen (Wehen, die das Kind durch den Geburtskanal nach draußen schieben). Durch den Druck, der durch das Kind auf der Wirbelsäule lastet und die zusätzliche Belastung durch das Pressen der werdenden Mutter, besteht die Möglichkeit, dass Nerven im Bereich des Bandscheibenvorfalls, die bisher nicht beeinträchtigt waren, plötzlich eingeengt werden und es so zu Beschwerden kommt, die vor der Geburt noch nicht existiert haben.

Schwangeren, die unter einem Bandscheibenvorfall leiden wird daher häufig zu einem Kaiserschnitt (Sectio) geraten. Trotzdem entscheiden sich manche Frauen mit Bandscheibenvorfall in der Schwangerschaft für eine natürliche Geburt, da bei einer Geburt im Krankenhaus jederzeit die Möglichkeit besteht das Kinder per Kaiserschnitt auf die Welt zu bringen, sollte sich der Gesundheitszustand von Mutter oder Kind während des Geburtsvorgangs verschlechtern. Eine Spontangeburt führt im Gegensatz zu einem Kaiserschnitt zu einer besseren Mutter-Kind-Bindung, da das Kind nach der Geburt direkt auf die Brust der Mutter gelegt werden kann (Bonding).

Beschäftigungsverbot

Für ein Beschäftigungsverbot während der Schwangerschaft muss laut dem Gesetzt das gesundheitliche Wohl von Mutter oder Kind durch die Art der Beschäftigung gefährdet sein. Die Schwangere benötigt dann ein ärztliches Attest zur Vorlage beim Arbeitgeber.

Bandscheibenvorfälle in der Schwangerschaft machen ein Beschäftigungsverbot nötig, wenn es sich um einen Bandscheibenvorfall handelt, der mit Harninkontinenz oder Stuhlinkontinenz einhergeht, also einer sofortigen Operation bedarf.

Bandscheibenvorfälle, die starke Schmerzen mit sich bringen, das gesundheitliche Wohl von Mutter und Kind aber nicht akut bedrohen, eine ordentliche Durchführung der ausgeübten Tätigkeit aber unmöglich machen, bedürfen im Gegensatz dazu einer Krankschreibung durch den behandelnden Arzt.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 07.02.2017
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