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Restless legs Syndrom

Definition

Restless Legs“ (RLS) ist ein englischer Ausdruck, welcher wörtlich übersetzt: „Ruhelose Beine“ bedeutet. Bei dieser Erkrankung kommt es zu einem fast nicht kontrollierbaren Bewegungsdrang und ferner zu Gefühlsstörungen in den Beinen.


Epidemiologie

Es gibt Schätzungen, nach denen zwischen 5-8 Millionen Menschen am Restless Legs Syndrom leiden. Hierbei ist jedoch hervorzuheben, dass bei weit über 2/3 der Patienten die Symptome nur schwach ausgeprägt sind und somit nicht behandlungsbedürftig.

Insgesamt geht man davon aus, dass 4-6% der über 30-jährigen am RLS (Restless Legs Syndrom) leidet. Bei den über 60-jährigen sind es wahrscheinlich sogar mehr als 11%.

Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.

Man geht heute davon aus, dass die Störung vererbbar ist.

Fast 1/6 aller schweren Schlafstörungen werden vermutlich durch Restless Legs ausgelöst.

Symptome der Restless Legs

Vor allem in Phasen der Entspannung und Ruhe, kommt es zu einer Vielzahl von Missempfindungen (Kribbeln, Ziehen, Ameisenlaufen, Reißen etc.). Dies führt dazu, dass die Patienten einen ungeheuren Drang entwickeln ihre Beine zu bewegen (= restless legs), um durch die Muskelspannung die Missempfindungen verschwinden zu lassen. (In seltenen Fällen können auch die Arme von diesem Bewegungsdrang betroffen sein).Dies kann z.B. in Beziehungen zu Problemen führen, da ein „tretender“ Bettnachbar oder Partner natürlich recht viel Platz im Bett braucht. Patienten fühlen sich gelegentlich als würden sie „aus der Haut“ fahren.
Nicht-Betroffene können die Beschwerden häufig nicht so recht nachvollziehen, weil sie nicht einfach zu beschreiben sind. Dieses Unverständnis kann dazu führen, dass Patienten sich mit ihrem Leiden isolieren, da „ja sowieso niemand zuhören oder helfen möchte“. Patienten mit Restless legs bekommen nicht selten den „Psycho- oder Simulantenstempel“ aufgedrückt.

Da die klassische Entspannungssituation des Tages der nächtliche Schlaf ist, kommt es genau hier zu einem gehäuften Auftreten, was zur Folge hat, dass es regelmäßig zu schwerer Schlafstörung kommt.

Oftmals leiden die Patienten mit Restless legs zusätzlich an unwillkürlichen Zuckungen in den Beinen. Diese treten vor allem im Schlaf auf und haben den unschönen Nebeneffekt, dass sie den Patienten kurzzeitig aufwecken können, was die vorher angesprochene Schlafstörung noch verstärkt.

Als Folge einer solchen Restless Legs Störung treten also wie bereits erwähnt häufig eine chronische Schlafstörung auf, die ihrerseits zu weiteren Symptomen führen können. Es kommt zu einer körperlichen Abgeschlagenheit, schnellen Erschöpfbarkeit, Lustlosigkeit, Konzentrationsstörung und gelegentlich sogar zur Entwicklung einer Depression.
Darüber hinaus kann eine ausgeprägtes RLS (Restless legs Syndrom) zu einer Vereinsamung (sozialen Isolation) führen, da die Patienten z.B. nicht mehr eingeladen werden, da es ihnen z.B. nicht möglich ist, einen Kinobesuch still zu ertragen oder aber auch in einem Restaurant zu sitzen.
Nicht selten berichten Patienten von einer Verschlimmerung der Beinunruhe im Anschluss an körperliche Betätigungen (Sport z.B.).

Als weiteres Symptom wir durch Patienten ein gehäuftes, umfassendes Gefühl der „Enge“ beschrieben. Patienten fühlen sich in beengender Kleidung genauso unwohl, wie unter der zu engen Bettdecke.

Diagnose

Diese wird in der Regel durch den erfahrenen Hausarzt oder aber den Neurologen (Facharzt für Neurologie) gestellt.

Nicht selten vergehen bis zur Diagnosestellung noch einige Jahre, da die Beinunruhe häufig als Symptom der „körperlichen Unruhe“ gewertet wird, wie sie z.B. bei Depressionen oder anderen psychosomatischen Störungen auftreten kann.

Therapie

Die Therapie des RLS (Restless legs) erfolgt primär medikamentös.

Hierbei klären Patient und Arzt zunächst einmal die Ausgeprägtheit der Symptomatik und legen anschließend einen Therapieplan fest.

Kommt es beispielsweise mehr zu nächtlichen (unbewussten) Zuckungen und damit zu Schlafstörungen, kann es ausreichen die Schlafstörung zu behandeln.

Bei mittlerer Beinunruhe ist das Mittel der ersten Wahl zunächst einmal L-Dopa (z.B. Restex). Dieses Mittel, welches auch Anwendung in der Behandlung des Morbus Parkinson findet, ist eine chemische Vorstufe zum eigentlichen Botenstoff „Dopamin“. Im Körper wird L-Dopa sozusagen zu Dopamin „umgebaut“ und übernimmt dann die Aufgaben dieses Botenstoffes.

Es kann oftmals innerhalb kürzester Zeit die Beschwerden nehmen und über 80% der Patienten reagieren sehr positiv.

Insgesamt ist der Einsatz von L-Dopa, vor allem über einen längeren Zeitraum, nicht unproblematisch, da es zu zahlreichen Nebenwirkungen kommen kann. (s. hierzu Thema L-Dopa / Dopamin [in kürze]).

Bei der schweren Beinunruhe, kommt heutzutage eine andere Wirkstoffklasse zum Einsatz. Es handelt sich hierbei um die sog. „Dopaminagonisten“.

Dopamin als Botenstoff setzt sich in seiner ursprünglichen Form auf einen Rezeptor und bewirkt dort eine Reaktion. Dies ist durchaus vergleichbar mit einem Schlüssel und einem Schloss.
Eigentlich „passt“ nur Dopamin in dieses Rezeptorschloss. Die „Dopaminagonisten“ nun sind Medikamente, die ebenfalls eine Reaktion an den Dopaminrezeptoren auslösen können. Sie fungieren ein wenig wie ein nachgemachter Schlüssel, oder auch ein Dietrich.

Typische Agonisten, also Stoffe die am Rezeptor wie Dopamin wirken, sind z.B. Cabergolin (Handelsname z.B. Cabaseril) oder auch Pramipexol (Handelsname z.B. Sifrol).

Ähnlich wie bei L-Dopa kann es auch hier zum einen zu einer raschen Besserung kommen, doch muss man auch hier mit teilweise erheblichen Nebenwirkungen rechnen.

Wenn oben genannte Therapieansätze erfolglos bleiben und es weiterhin zu starkem und stärkstem Bewegungsdrang kommt und dieser u.U. sogar mit Schmerzen einhergeht, kann man einen Versuch mit den sog. „Opioiden“ starten.

Opioide sind in der Schmerzmedizin gebräuchliche Medikamente, welche nur sehr begrenzt eingesetzt werden sollte, da sie ein hohes Suchtpotential haben und es relativ schnell zu einer Toleranzentwicklung kommt.
Dies bedeutet, dass man, um einen bestimmten Effekt zu erzielen, ständig größere Dosierungen einer solchen Substanz braucht.

Man muss also eine genaue Abwägung zwischen Nutzen und Risiko abwägen.

Es gibt einige nicht-medikamentöse Ansätze, die eine RLS-Therapie (Restless legs Syndrom) ergänzen können.

Hierbei kommt z.B. der sog. Schlafhygiene (s. auch Thema Schlafstörung) eine recht große Bedeutung zu.

Andere Ansätze sind von Patient zu Patient unterschiedlich und können somit nur als therapeutische Anregung verstanden werden.

Maßnahmen, die einzelnen Patienten geholfen haben, waren z.B.

  • Heißes oder kaltes Baden oder Duschen
  • Leichte Bewegung (keine übermäßige Anstrengung)
  • Gymnastik / Dehnübungen
  • Thai-Chi
  • Massagen

Auf jeden Fall abzuraten ist von jeder Art von „passiver“ künstlicher Entspannung (z.B. Progressive Muskelentspannung, autogenes Training etc.) , da es hierdurch zu einer Verschlimmerung der Symptome kommen kann.

Der Besuch einer Selbsthilfegruppe kann, wie bei vielen anderen Krankheiten auch, ebenfalls sehr hilfreich sein.

Weiterführende Informationen

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Qualitätssicherung durch: Christoph Barthel      |     Letzte Änderung: 21.04.2018
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