Wadenkrämpfe in der Nacht

Einleitung

Als Wadenkrämpfe bezeichnet man die unwillkürliche Zuckung und Verkrampfung der Wadenmuskulatur im Unterschenkel. Vorkommen können sie in jeder Situation, aber besonders nachts treten sie häufig auf. Sie rauben den Betroffenen nicht selten den Schlaf, obwohl in vielen Fällen nicht einmal eine Ursache eindeutig gefunden wird. Ob Sportler oder nicht, Wadenkrämpfe können bei jedem Menschen aus dem Nichts heraus auftreten.

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Ursachen

Das Auftreten von Wadenkrämpfen nachts ist in den meisten Fällen „multifaktoriell“ bedingt. Das bedeutet, dass sie sich nicht auf ein Problem zurückführen lassen. Dazu kommt, dass viele Wadenkrämpfe gar nicht erst eine ergründbare oder ersichtliche Ursache besitzen. In diesem Fall nennt man sie „idiopathisch“. Seltene Ursachen für Wadenkrämpfe sind eine Reihe von chronischen Stoffwechselerkrankungen. Hierzu zählen Diabetes, Schilddrüsenfehlfunktionen oder Krankheiten im Stoffwechsel der Niere.
Da Muskeln sensibel auf Störungen im Gleichgewicht der Elektrolyte reagieren, können jegliche Einflüsse darauf Auslöser für Wadenkrämpfe sein, so auch bestimmte Medikamente oder vorübergehende Erkrankungen mit Erbrechen und Durchfall. Liegt die Ursache nicht im Salzhaushalt des Körpers, kann der Nerv, welcher den elektrischen Impuls an die Wadenmuskulatur weitergibt, beschädigt sein. Eine große Zahl an Nervenerkrankungen kann so etwas auslösen, viele davon fasst man unter dem Begriff „Polyneuropathien“ zusammen. Ebenfalls selten stecken Durchblutungsstörungen dahinter, die im Rahmen vieler Erkrankungen vor allem am Bein auftreten können.
In den meisten Fällen liegt die Ursache jedoch im Muskel selbst. Hierbei seltener sind Muskelerkrankungen wie Myotonien oder metabolische Myopathien, die sich vermehrt im frühkindlichen Alter bemerkbar machen. In fast allen Fällen liegt dem Wadenkrampf eine Fehlbelastung der Muskulatur zu Grunde.
Zu starke Belastung tritt zum Beispiel bei Schwangeren, Übergewichtigen und Sportlern auf. Ungenügende Wasserzufuhr bei gleichzeitigem Schwitzen verschiebt den Salzhaushalt des Körpers, was ebenfalls häufig bei den genannten Gruppen Wadenkrämpfe auslöst. Auch eine Unterkühlung des Muskels, wie sie beim Schwimmen oder bei Sport in winterlichen Temperaturen auftreten kann, bewirkt die Krämpfe. Dauerhafte Fehlstellungen, zum Beispiel Überstreckungen des Fußes, können auch einen Wadenkrampf triggern. Das geschieht vor allem bei Unbeweglichkeit im betroffenen Gelenk oder bei Fehlpositionen während des Schlafens. Mit einer gezielten Überstreckung des Fußes über eine gewisse Dauer kann man einen Wadenkrampf oft sogar bewusst hervorrufen.

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Therapie

Wer es einmal ausprobiert hat, weiß, dass sich Wadenkrämpfe sehr leicht von selbst auslösen lassen. Man muss nur bewusst den Fuß überstrecken und es dauert nicht lange, bis der Schmerz einsetzt. Die Bewegung findet im oberen Sprunggelenk zwischen Fußwurzelknochen und den Unterschenkelknochen statt.
Genau auf die entgegengesetzte Weise lässt sich der Wadenkrampf am effektivsten wieder lösen und zurückdrängen. Sobald der Schmerz einsetzt, sollte der Fuß angezogen werden, also die Zehen Richtung Oberkörper gestreckt werden. Die Bewegung wird auch als „Dorsalextension“ bezeichnet. Die Wadenmuskulatur wird dabei lang gezogen und stark überdehnt. Diese Bewegung kann unterstützt werden, indem man den Fuß gegen eine Wand oder Ähnliches drückt oder mit den Händen die Zehen umgreift und stark zu sich heranzieht. Es dauert wenige Sekunden, bis der Krampf gelöst sein sollte und der Schmerz vergangen ist. Danach ist der Muskel allerdings für eine gewisse Zeit weiterhin anfällig für neue Krämpfe. Vor allem nachts empfiehlt es sich vorerst, in einer für den Fuß angenehmen Stellung zu verharren.
Ist der Muskel unmittelbar danach besonders empfindlich, helfen verschiedene Maßnahmen. Langsames Umherlaufen mit festem Auftreten entspannt den Muskel. Ebenso kann eine Massage das Gewebe lockern und entspannen. Oft sieht man im Fernsehen Sportler nach besonderer Anstrengung, zum Beispiel einem Fußballspiel mit Nachspielzeit, die zur Lösung oder Prävention von Wadenkrämpfen ihre Zehen anziehen oder eine Massage der Wadenmuskulatur erhalten.
Ebenso wie Kälte bei Beanspruchung des Muskels einen Krampf begünstigen kann, hilft es zur Lösung des Krampfes den betroffenen Muskel zu wärmen, zum Beispiel durch eine Wärmflasche oder ein Bad.
Treten die Wadenkrämpfe nachts dauerhaft auf und rauben einem den Schlaf, kann also schon ein heißes Bad vor dem Schlafengehen den Muskel effektiv entspannen.

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Wadenkrämpfe vorbeugen

Da der Krampf vor allem Ursache in einer Kombination aus Fehlbelastung der Muskulatur und unausgeglichenem Mineralhaushalt findet, kann man mit diesem Wissen auch geschickt einem Wadenkrampf vorbeugen. Das Anziehen der Zehen und somit des Dehnen der Wadenmuskulatur stellt einerseits Prävention und akute Behandlung dar.
Da oft ein Magnesiummangel ursächlich ist, lässt sich einem Wadenkrampf vorbeugen durch das Einnehmen von Magnesiumtabletten. Magnesium als Präparat gibt es in verschiedenen Ausführungen und Dosen. Beliebt ist vor allem die in jedem Supermarkt erhältliche Brausetablette. Es empfiehlt sich, dass sie sich hierbei jedoch von einem Apotheker oder Arzt beraten lassen.
Viele Menschen greifen gerne auf alternativmedizinische Behandlungsmethoden zurück. Hierfür kommen bei Wadenkrämpfen vor allem die Schüßler-Salze in Betracht. Erfahrungsberichten nach können viele Beschwerden damit gelindert werden, auch wenn eine medizinische Wirkung eher umstritten ist.

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Symptome

Bemerkbar macht der Wadenkrampf sich in der Form eines sehr starken, stechenden Schmerzes, der plötzlich auftritt. Zwischen den ersten Anzeichen eines Krampfes bis zum voll ausgeprägten Muskelkrampf vergehen nur etwa drei bis fünf Sekunden.
Berührt man die Wade an der betroffenen Stelle, kann man von außen spüren, dass der Muskel stark angespannt und verhärtet ist. Durch ein gezieltes Anziehen des Fußes in Richtung Oberkörper kann man den Krampf binnen weniger Sekunden lösen. Jedoch bis dahin liegt ein beinahe unerträglicher, höchst akuter und plötzlich auftretender, stechender Schmerz vor. Tritt er nachts auf, was nicht gerade eine Seltenheit darstellt, reißt er die betroffene Person unmittelbar aus dem Schlaf.
Drückt man von außen auf den Muskel, lässt der Schmerz sich nicht verstärken oder auslösen. Das grenzt den Wadenkrampf zum Beispiel von Entzündungen im Bein ab.
Insbesondere nachts ist der Wadenkrampf eine Plage für die Betroffenen. Menschen, die häufig von Krämpfen betroffen sind, haben mit den nächtlichen Unterbrechungen ihres Schlafes manchmal stark zu kämpfen.

Diagnose

Bei den meisten Menschen kommen von Zeit zu Zeit Wadenkrämpfe vor, auch nachts. Sie stellen längst keinen Grund zur Beunruhigung dar. Oft lassen sie sich auf eine Überanstrengung der Muskulatur am vorigen Tag zurückführen. So plötzlich wie sie kommen, hören sie auf wieder auf und treten im Regelfall nicht weiter auf.
Spätestens wenn die betroffene Person andauernd oder ohne ersichtliche Ursachen Wadenkrämpfe erleidet, empfiehlt es sich, einen Arzt zu konsultieren. Eine genaue Anamnese (Befragung) des Patienten lässt sehr viele Rückschlüsse auf potentielle Ursachen zu. Die Art des Schmerzes, der Zeitpunkt und die Situation des Auftretens aber auch die Aktivitäten des Vortages können meist die Diagnose des Wadenkrampfes stellen und die Ursache ermitteln.

Definition eines Wadenkrampfes

Ein solcher Krampf beruht auf einer fehlerhaften Funktion des Muskels. Sehr häufig ist hierbei die Wadenmuskulatur betroffen. Während eines Wadenkrampfes zieht sich der Muskel schnell zusammen und verharrt in einer starren Stellung, was meist als sehr schmerzhaft empfunden wird. Das ganze läuft unwillkürlich und unbewusst ab. Von dem Moment, an dem man die Entstehung des Krampfes spürt, dauert es nur wenige Sekunden bis es zum voll ausgeprägten, schmerzhaften Krampf kommt.
Etwa 40% der Menschen in Deutschland leiden unter solchen, immer wieder auftretenden Wadenkrämpfen. Wird der Muskel rege benutzt und gedehnt, treten die Krämpfe eher selten auf, weshalb man sie hauptsächlich beim ruhigen Liegen in der Nacht spürt. Menschen mit einer Mehrbelastung der Beinmuskulatur tagsüber haben auch ein höheres Risiko, Krämpfe zu bekommen. Hierzu zählen vor allem Sportler und schwangere Frauen.
Die Entstehung eines Wadenkrampfs geht von den Nerven aus. Ein Nerv leitet für gewöhnlich die bewussten Signale aus dem Gehirn bis zu der Muskulatur, welche eine Bewegung ausführen soll. Entscheidet der Mensch sich dazu, die Bewegung zu stoppen, gibt der Nerv keinen Reiz mehr weiter und der Muskel erschlafft. Wird der Nerv jedoch unbewusst an irgendeiner Stelle seines Verlaufes dauerhaft gereizt, wird der zugehörige Muskel angespannt. Passiert das unbewusst, spricht man von einem Krampf oder auch „Spasmus“.
Die eigentlichen Ursachen für Wadenkrämpfe können jedoch ganz unterschiedlich sein. Oft sind es leicht therapierbare Probleme. In besonders seltenen Fällen können auch ernstzunehmende Erkrankungen dahinter stecken.

Wadenkrämpfe nachts in der Schwangerschaft

Schwangere sind eine große Risikogruppe, was Wadenschmerzen anbelangt. Auch bei ihnen treten sie zum Leidwesen der Beteiligten häufig nachts auf und rauben den werdenden Müttern neben allen anderen Widrigkeiten in der Schwangerschaft zusätzlich den Schlaf.
Die Ursachen für Wadenkrämpfe bei Schwangeren liegen nicht im beeinflussbaren Verhalten. Schwangere stellen im Laufe der neun Monate ihren Stoffwechsel um. Davon auch betroffen ist der Salz- und Mineralhaushalt. Ist dieser verändert, werden auch Muskelkrämpfe begünstigt. Ebenfalls ein Risikofaktor für Wadenkrämpfe stellt die Mehrbelastung des Muskels alleine durch das zusätzliche Gewicht des Kindes dar. Alltägliche Aufgaben werden mit einem leicht erhöhten Gewicht bewältigt. Anfänglich kann der Muskel darauf mit Erschöpfung und nächtlichen Wadenkrämpfen reagieren.
In seltenen Fällen kommt es zu einer Beeinflussung eines großen Nerves, der für die gesamte Beinmuskulatur zuständig ist, dem sogenannten „Ischiasnerv“. Im Laufe der Schwangerschaft wächst die mütterliche Gebärmutter im Bauchraum und verdrängt andere Organe. In ungünstigen Situationen kann es dabei zur vorübergehenden Einklemmung des Ischiasnerves kommen und die Reaktionen in der zugehörigen Muskulatur können unterschiedlich ausfallen.
Zur Sicherheit der Frauen und des Kindes sollte in allen Fällen ein Haus- oder Frauenarzt konsultiert werden um gefährlichere Ursachen auszuschließen.

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Weiterführende Informationen

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Eine Übersicht über bereits veröffentlichte Themen der inneren Medizin finden Sie unter: Innere Medizin A-Z.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 02.11.2017
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