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Ursache von Krämpfen

Einleitung

Bei einem Krampf handelt es sich um die Kontraktion der Muskulatur, die meist kurzweilig ist und von einem Muskelspasmus oder einer Kontraktur unterschieden wird. Die Ursachen für Krämpfe sind vielfältig und beruhen zum Teil auf Vorerkrankungen. Es gibt auch Muskelkrämpfe ohne Krankheitswert.

Ursachen

Krämpfe der Muskulatur können in drei große Gruppen eingeteilt werden. Zum einen gibt es die paraphysiologischen Krämpfe, die zu den häufigsten Krämpfen zählen und deren Ursache eine Veränderung des Elektrolythaushalts, zum Beispiel durch starken Alkoholkonsum, übermäßiges Schwitzen, körperliche Aktivität oder Hyperventilation ist.

Auch ältere Menschen sind anfällig für paraphysiologische Muskelkrämpfe, da sich die Muskeln mit dem Alter verkürzen und eine geringe Flüssigkeitszufuhr ein zusätzlicher Risikofaktor ist.

Zudem wird der Elektrolytehaushalt einer Frau während der Schwangerschaft und auch in den Wechseljahren verändert und somit gestört, sodass es auch hier zu paraphysiologischen Muskelkrämpfen ohne Krankheitswert kommen kann.
In diesen Fällen verschiebt sich das Verhältnis von Flüssigkeit und Salzen im Blut durch verminderte Flüssigkeitszufuhr oder verstärkter Mineralstoffverlust.
Durch zu wenig Salz und Mineralstoffe kommt es zur Störung der Muskelerregung und frühzeitigen Muskelkontraktion.

Häufig ist ein Mangel an Magnesium, auch Hypomagnesiämie genannt, die Ursache der Krämpfe, jedoch können auch Störungen des Kalzium-, Kalium- oder Natriumhaushalts vorliegen.

Magnesium ist ein natürlicher Hemmstoff von Calcium und senkt dessen Aufnahme in die Muskelzelle, wo dies die Muskelkontraktion auslöst.

Hat der Körper also zu wenig Magnesium, kann es zu langen und schmerzhaften, ungewollten Muskelkontraktionen kommen.
Auch ist Magnesium für den Rücktransport von Kalium in die Zelle verantwortlich. Dadurch wird ein Aktionspotential, also die Reizweiterleitung, die der Muskelkontraktion voraus geht, beendet.
Auch hier kann ein Magnesiummangel also eine Übererregung auslösen.

Eine weitere Gruppe muskulärer Krämpfe sind die idiopathischen Krämpfe. Die genaue Ursache hierfür ist noch nicht bekannt, jedoch lässt sich eine genetische Vorbelastung vermuten.


Die letzte Gruppe umfasst die symptomatischen Krämpfe, die schwerwiegende Grunderkrankungen als Ursache haben. Hierzu zählen sowohl Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, des Gehirns und des Nervensystems, des Hormonhaushalts, insbesondere der Schilddrüse, der Muskulatur, Durchblutungsstörungen und auch orthopädische Ursachen wie Fehlstellungen, Erkrankungen der Psyche oder auch die Nebenwirkung von Medikamenten sowie Vergiftungen.

Zu den Medikamenten, die Krämpfe auslösen können zählen Chemotherapeutika (Substanzen Chemotherapie), hormonelle Verhütungsmittel, Herz-Kreislauf- und Blutdruck senkende Medikamente wie Betablocker, Diuretika und ACE-Hemmer, Cholesterinsenker, Asthmasprays und Insulinhaltige Medikamente für die Therapie von Diabetes mellitus.

Neben den drei verschiedenen Gruppen der Ursachen lassen sich Krämpfe auch nach Auftreten und Typ unterteilen. Hierzu werden die Konvulsionen, die Koliken und die Spasmen differenziert.

Bei Konvulsionen handelt es sich um häufig hintereinander folgende zerebrale Krampfanfälle, die zum Beispiel bei der Epilepsie zu beobachten sind. Hier sind nicht nur einzelne Muskelgruppen betroffen, sondern es kommt zur Muskelzuckungen am ganzen Körper.

Im Gegensatz dazu sind bei den Koliken vor allem Hohlorgane des Magen-Darm-Trakts oder des Harnsystems betroffen. Hier kommt es zu Krämpfen der glatten Muskulatur. Diese sind sehr schmerzhaft und treten meist anfallartig auf. Ursache dieser Krämpfe können sowohl Entzündungen, als auch Steine sein, die ein Gangsystem, wie etwa die Harnleiter blockieren.

Bei einer Spastik hingegen handelt es sich um eine Eigenspannung der Skelettmuskulatur, die auf eine Schädigung von Gehirn oder Rückenmark zurückzuführen ist. Jedoch wird auch bei Krämpfen der Blutgefäße oder der Bronchien von Spasmen gesprochen. Sie werden dann als Vasospasmus oder Bronchospasmus bezeichnet. Ein Bronchospasmus kann zum Beispiel als Folge der Krankheit Asthma bronchiale auftreten und zu Atemnot führen.

Als tonische Krämpfe werden langanhaltende und sehr schmerzhafte Krämpfe bezeichnet, die zum Beispiel durch den Wundstarrkrampf, auch als Tetanus benannt, ausgelöst werden können. Wichtig für die Linderung der Beschwerden ist neben der direkten Therapie der Krämpfe, die richtige Ursache und möglicherweise eine Grunderkrankung zu erkennen und ebenfalls zu therapieren.

In den neusten Studienergebnissen wird diskutiert, ob die Ursache der Muskelkrämpfe vor allem durch ein neuromuskuläres Ungleichgewicht verursacht wird. Dabei gehen Forscher und Sportwissenschaftler davon aus, dass es ein Missverhältnis zwischen den sogenannten Golgi-Sehnenorganen und den Muskelspindeln gibt, das zu einer erhöhten Muskelfrequenz und damit zum Krampf der Muskulatur führt. Diese Hypothese wird jedoch in folgenden Studien noch genauer untersucht.

Krämpfe in den Beinen

Muskelkontraktionen in den Beinen bei Belastung oder in Ruhe, etwa während der Nacht, die einige Minuten andauern, sind häufig schmerzhaft und können bei vielen Menschen durch leichte Dehnung, Massagen oder die Einnahme von hochdosierten Magnesium Präparaten gelindert werden.

Als Ursache für diese speziellen Krämpfe kommt sowohl die körperliche Aktivität, eine chronische Grunderkrankung mit neurologischen Folgen, wie Diabetes mellitus oder auch eine physiologische Ursache wie die Reduktion der Muskulatur im Alter in Frage. Bei Krämpfen in den Beinen ist häufig die Wadenmuskulatur betroffen.
Lesen Sie mehr zum Thema: Wadenkrämpfe

Treten die Krämpfe in den Beinen mehrmals täglich auf, sind sehr schmerzhaft und nicht zu bekämpfen, sollte ein Arzt konsultiert werden, um eine zu Grunde liegende Erkrankung auszuschließen. Der Arzt hat nun die Möglichkeiten, das Nervensystem und die Muskelfunktion mittels Elektromyographie und Elektroneurographie zu überprüfen und zusätzlich die Funktion einiger Enzyme und Hormone mittels eines Blutbilds zu überprüfen. Außerdem können bildgebende Verfahren wie ein Ultraschall und die CT sowie MRT Untersuchung über mechanische Ursachen der Krämpfe aufklären.

Lesen Sie mehr zum Thema: Krämpfe in den Beinen

Krämpfe in den Händen und in den Zehen

Nicht selten kommt es dazu, dass sich die Muskeln des Fußgewölbes oder die Zehenmuskulatur verkrampft. Hiervon sind besonders Menschen mit einer Fußfehlstellung betroffen. Auch hier ist eine häufige Ursache der Magnesiummangel, jedoch können auch zu enge Strümpfe, enges Schuhwerk oder eine unnatürliche Haltung durch starkes Abknicken zu einer Minderversorgung mit Blut führen. Dadurch entsteht ein Taubheitsgefühl oder ein Kribbeln, aus dem sich auch ein Krampf entwickeln kann.

Krämpfe in den Händen können durch Tätigkeiten ausgelöst werden, die für die Hände sehr anstrengend sind. Dazu zählen zum Beipspiel Arbeiten, bei denen viel geschrieben wird oder auch Handwerksarbeiten. Führen Sie eine ungewohnte Arbeit durch, werden Muskeln beansprucht, die normalerweise selten genutzt werden. Hier helfen häufig einfache Entspannungsübungen und einige Tage Pause von einer anstrengenden Tätigkeit, damit sich die betroffenen Muskeln erholen können.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Krämpfe in den Händen und Krämpfe in den Zehen

Treten die Krämpfe vermehrt bei Stress und Kälte auf und gehen mit anderen Symptomen wie Blässe, zyanotischer Blaufärbung oder Rötung sowie Schmerzen einher, muss auch an das Raynaud-Syndrom gedacht werden. Diese Erkrankung zählt zu den Autoimmunerkrankung und löst eine starke Gefäßverengung oder Gefäßspasmen bei Kälte, Stress oder durch Hormonwirkung aus, die zur Minderversorgung der Finger und Zehen führt. Das Raynaud-Syndrom kann auch sekundär durch Gefäßerkrankungen wie Ateriosklerose, durch Traumata oder durch Medikamente wie Zytostatika und Gifte ausgelöst werden.

Je nach Ursache erfolgt eine unterschiedliche Therapie. Bei einer geringen Ausprägung reichen Präventivmaßnahmen wie das Tragen von Handschuhen und Socken, um ein Auskühlen der Finger und Zehen, die auch Akren genannt werden, zu vermeiden. Bei schweren Formen des Raynaud-Syndroms kann medikamentös mittels Alpha-Rezeptorbolockern, Calciumantagonisten oder Prostacyclin eine Linderung der Symptome und des Auftretens von Krämpfen erfolgen. Reicht auch diese Maßnahme nicht aus, können operativ die Ganglien des Sympathikus, die für die Innervierung dieses Bereichs verantwortlich sind, ausgeschaltet werden. Dies ist jedoch die letzte Therapieoption, da sie zahlreiche Nebenwirkungen, wie etwa die übersteigerte Durchblutung und die Störung der Schweißsekretion hat.

Krämpfe in den Oberschenkeln

Der Krampf in der Oberschenkelmuskulatur treten meist plötzlich auf und lässt sich nach den Symptomen in zwei Arten aufteilen. Langanhaltende Krämpfe, die meist einige Minuten dauern und sehr schmerzhaft sind, werden als tonische Krämpfe bezeichnet. Die klonischen Krämpfe hingegen sind meist nur von kurzer Dauer und können auch ohne Schmerzen auftreten.

Auch bei dieser Art der Krämpfe ist die häufigste Ursache ein Nährstoffmangel, der zum Beispiel durch Mangelernährung, vermehrtes Schwitzen oder auch starken Durchfall ausgelöst werden kann. Vor allem ein Mangel an Magnesium kann sehr schnell zu einem Muskelkrampf führen. Ein schneller Wechsel der Temperatur oder vom Ruhezustand zur hohen Aktivität, kann den Muskel überbeanspruchen und einen Krampf zur Folge haben.

Neben Massagen und Nährstoffzufuhr in Form von Magnesiumpräparaten können besonders bei dem Oberschenkel Krampf gezielte Dehnübungen für eine akute Linderung der Beschwerden sorgen. Dafür sollte bei einem Oberschenkelkrampf an der Vorderseite, die den Muskulus Quadrizeps betrifft, der Unterschenkel angewinkelt und der Fuß zum Gesäß geführt werden. Diese Dehnung muss, wenn möglich, einige Minuten gehalten werden.

Um die Rückseite des Oberschenkels und somit die Ischiokrurale Muskulatur zu dehnen, sollte das Bein ausgestreckt werden. Dabei unterstützt eine Beugung des Oberkörpers zu den Zehen die Dehnung des Oberschenkels. Auch diese Position sollte für eine akute Linderung einige Minuten gehalten werden. So kann zumindest die Krampfdauer verkürzt werden.

Treten die Krämpfe jedoch sehr häufig auf und sind nicht kontrollierbar, sollte auch hier ein Arzt konsultiert werden, um eine Muskelerkrankung auszuschließen. Generell ist es wichtig, ein Mittelmaß zwischen Überlastung der Muskulatur und Minderbeanspruchung zu finden, um Muskelkrämpfe vorzubeugen. Dafür ist ein tägliche Bewegung sowie Sport mit Aufwärmtraining sinnvoll. Nach dem Sport sollte die Muskulatur ausreichend gedehnt werden und dem Körper sollte eine Ruhephase gegeben werden, um sich zu regenerieren und ein Gleichgewicht im Elektrolythaushalt wieder herzustellen.

Interessieren Sie sich weitergehend für diese Thematik, so lesen Sie hier: Krampf im Oberschenkel

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 19.04.2018
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