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Krämpfe trotz Magnesiumeinnahme - Was kann ich tun?

Einleitung

Fast jeder hat sie schon einmal gehabt, bei manchen treten sie sogar täglich auf. Die Rede ist von Muskelkrämpfen. Doch was genau sind Muskelkrämpfe eigentlich und was macht man am besten gegen sie? Treten die Krämpfe trotz Magnesiumeinnahme auf, so kann das viele verschiedene Ursachen haben: Man unterteilt Muskelkrämpfe in drei verschiedene Entstehungsmodelle:
Erstens paraphysiologische Krämpfe. Das sind die Krämpfe, die wir häufig nach übermäßiger Anstrengung, oder im Zuge einer Schwangerschaft erleben.
Zweitens symptomatische Krämpfe: Das sind Krämpfe, die als Resultat einer internistischen oder neurologischen Grunderkrankung auftreten.

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Und zu guter Letzt: Idiopathische Krämpfe, für die es keine ausmachbare Ursache gibt.
Paraphysiologische Krämpfe treten nach starker körperlicher Belastung auf und sind in der Regel Ergebnis einer Entgleisung des Elektrolythaushaltes. Elektrolyte sind Ionen und Kationen, wie Chlor, Calcium und Magnesium, die der Körper zur Steuerung seiner Nervenbahnen und Muskelaktivitäten benötigt. Sie können leicht über die Nahrung substituiert werden. Spitzensportlern werden sogar oft Nadeln mit elektrolythaltigen Infusionen gelegt, um den Elektrolythaushalt noch effizienter unter Kontrolle zu bekommen.
Was aber, wenn trotz Magnesiumeinnahme Krämpfe bestehen?


Ursache

Liegt die Ursache nicht in einer Entgleisung des Elektrolythaushaltes, bzw. treten die Krämpfe auch ohne Schwangerschaft oder vorangegangene körperliche Belastung auf, so ist immer auch ein neurologisches oder internistisches Problem in Betracht zu ziehen. Dann nämlich spricht man von symptomatischen Krämpfen, also Krämpfen, die sich als Symptom einer neurologischen oder internistischen Grunderkrankung manifestieren.

Diese können beispielsweise arterielle oder venöse Durchblutungsstörungen sein, aber auch eine Polyneuropathie oder ein sogenannter Hyperparathyreoidismus. Bei letzterem liegt eine Überfunktion des Nebenschilddrüsengewebes vor. Dieses produziert dann ein bestimmtes Hormon, das „Parathormon“, in zu großen Mengen.

Dadurch wird vermehrt Calcium aus dem Knochengewebe abgebaut, was einerseits den Calciumspiegel im Blut in die Höhe schießen lässt, andererseits den Knochen porös macht. Das Calcium schädigt zudem noch die Niere, die mit dem plötzlichen Überangebot nicht zurechtkommt.

Als Nebeneffekt kommt es auch zu Muskelkrämpfen, da der Calciumspiegel eine Rolle bei der Erregbarkeit der Muskulatur spielt. Ein Überangebot von Calcium führt immer auch zu einer Fehlfunktion der Muskulatur. Ein gar nicht mal so unerhebliches Problem, wenn man bedenkt, dass das Herz ebenfalls ein Muskel ist! Daher wird auf Intensivstationen auch vorbeugend mehrmals täglich der Calciumspiegel im Blut ermittelt, um Herzrhythmusstörungen frühzeitig vorzubeugen.

Im Alltag kommt es aber vorerst zu Krämpfen der Wade, der Füße, und der Finger. Eine weitere Ursache neurologischer Natur können Polyneuropathien darstellen. So bezeichnet man Erkrankungen des Nervensystems, bei denen Nerven zu Grunde gehen. Es gibt eine Vielzahl an Polyneuropathien, die bekannteste ist wohl der Diabetes, aber auch Alkoholismus gilt als Ursache.

Besonders beim Alkoholismus kommt es zu Wadenkrämpfen, Sensibilitätsverlust und unkontrollierten Krämpfen der Füße. Prinzipiell sollte man stets hellhörig werden, wenn zu den Krämpfen auch ein Sensibilitätsverlust an der betroffenen Stelle kommt. Typisch für eine Polyneuropathie ist nämlich der Untergang sowohl motorischer als auch sensibler Nerven.
Wer selbst Diabetiker ist oder einen Diabetiker im fortgeschrittenen Stadium kennt, weiß, dass die Erkrankung relativ schmerzlos abläuft, obwohl die Beine oft sehr wund aussehen. Ursache ist oben beschriebener Sensibilitätsverlust, durch den die Schmerzen aus Wade und Füßen nicht mehr ans Gehirn weitergeleitet werden.

Aber auch während der Schwangerschaft klagen Frauen häufig über Krämpfe.
Während der Schwangerschaft befindet sich der Körper in vielerlei Hinsicht in einer Art Ausnahmezustand. Nicht nur muss ein zweiter Organismus mitversorgt werden, was zu Verschiebungen im Elektrolythaushalt führt.

Lesen Sie mehr zum Thema: Krämpfe während der Schwangerschaft

Auch lagert der Körper vermehrt Wasser ein, und nimmt an Gewicht zu, was ebenfalls zu Krämpfen führen kann. Treten die Krämpfe trotz Magnesium- und Calciumeinnahme auf, so kann die Ursache auch in einer Druckläsion der Nervenbahnen liegen.

Nicht selten kommt es vor, dass der Uterus auf die starken Nervenbahnen drückt, die in die Beine ziehen. Der nervus ischiadicus – auch Ischiasnerv genannt – entspringt auf Höhe des Steißbeines, und zieht durch das Becken in die Beine, welche er dann motorisch versorgt.
Kommt der Uterus (die Gebärmutter) nun auf dem Ischiasnerv zu liegen, kann eine dauerhafte Erregung der Nervenleitungsbahn erfolgen, das Resultat sind Muskelkrämpfe.
Aber auch das erhöhte Gewicht der Beine macht dem Körper zu schaffen: Der Mechanismus ist derselbe, wie bei oben beschriebener Reizung des Ischiasnerves.

Ein weiterer Faktor, der zu Muskelkrämpfen während der Schwangerschaft führen kann, ist ein hoher Phosphorgehalt im Blut, bedingt durch phosphorsäurehaltige Getränke, wie Cola oder Fanta.

Aber auch in Fertiggerichten ist eine Menge an Phosphorsäure enthalten.
Zwar benötigt der Körper in gewissen Maßen Phosphat, um den Säuregehalt des Blutes zu regulieren. Allerdings sind die Ober- und Untergrenze hierfür so nah beieinander, dass auch zwei Liter Cola einen Effekt haben können. Ohnehin ist es während der Schwangerschaft sinnvoller, auf Fertigprodukte zu verzichten, und auf frische Kost, so wie Wasser zu setzen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Ursachen von Krämpfen

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Therapie

Was kann nun aber gegen Wadenkrämpfe getan werden? Sollte der Verdacht bestehen, die Ursache könnte neurologischer oder internistischer Natur sein, so ist ein Besuch beim Hausarzt dringen anzuraten. Hinweise hierfür sind Krämpfe ohne erkennbaren Anlass, über einen längeren Zeitraum und mit Sensibilitätsverlust. In allen anderen Fällen helfen auch eine Ernährungsumstellung und der Verzicht auf Fertigprodukte.

Im Akutfall sollten die Beine hoch und locker gelagert werden. Auch selbständiges massieren hilft gegen die Krämpfe. Auch gibt es fertig gemischte Elektrolytlösungen, die nicht nur Magnesium enthalten, sondern auch alle anderen wichtigen Elemente, bei deren Mangel es zu Muskelkrämpfen kommen kann (beispielsweise Calcium). Diese sind in der Apotheke rezeptfrei erhältlich.
Selbständiges Dehnen und Lockern der Muskulatur beugt weiteren Krämpfen vor. Dies empfiehlt sich vor allem vor dem zu Bett gehen, um nicht nachts von Krämpfen aufgeweckt zu werden. Dazu kreist man ein wenig mit den Füßen und schüttelt die Beine im Sitzen oder auf einem Bein stehend aus. Sollten die Schmerzen jedoch nicht mehr krampfartig sondern konstant auftreten, ist immer auch der Verdacht auf eine Beinvenenthrombose vorhanden. Dies stellt einen Notfall dar und sollte dringend medizinisch abgeklärt werden.

Lesen Sie mehr zum Thema unter Krämpfe in den Beinen - Was hilft am besten?

Prognose

Bei entsprechendem gesunden Lebensstil und einer ausgewogenen Ernährung verschwinden Krämpfe in Wade und Füßen innerhalb kurzer Zeit. Sollten sie fortbestehen, ist eine neurologische Abklärung erforderlich.
Positiv wirken sich auch tägliche Bewegung und Massagen aus.

Diese können auch vom Arzt verschrieben werden und werden dann von einem Physiotherapeuten durchgeführt. Neurologische Erkrankungen wie Polyneuropathien haben oftmals einen relativ schlechten Verlauf und sind schwierig zu behandeln.

Sie werden nicht selten zum lebenslangen Begleiter und sind mit täglicher Medikamenteneinnahme verbunden.

Krämpfe trotz Calcium- und Magnesiumeinnahme

Neben einem Mangel an Magnesium und Calcium kann auch der Mangel an weiteren Elektrolyten Ursache für Krämpfe sein. Hierbei kommen zum Beispiel auch Kalium und Natrium in Frage. Diese Elektrolyte können ebenfalls durch Nahrungsergänzungsmittel, eine bewusstere Ernährung oder auch durch das Trinken von Mineralwasser behoben werden. Präparate wie Biolectra können dabei helfen, den Magnesiummangel wieder in den Griff zu bekommen.

Wenn Krämpfe trotz einer ausreichenden Versorgung mit Magnesium und Calcium auftreten, kann ein anstrengendes Training ebenfalls Grund für die krampfende Muskulatur sein. Im Besonderen kann es zu einer Überbelastung der Muskulatur kommen, wenn man eine längere Zeit keinen Sport mehr getrieben hat.

Eine weitere Ursache für Krämpfe trotz Magnesium- und Calciumeinnahme können orthopädische Erkrankungen sein. So kann zum Beispiel durch eine Wirbelsäulenproblematik eine Hüftschiefstellung entstehen und die den entsprechenden Muskel fehlbelastet. Diese Fehlbelastung kann zu Krämpfen führen.

Außerdem können Nebenwirkungen von Medikamenten Ursache für Krämpfe trotz Magnesium sein. Hierzu zählen unter anderem Diuretika (harntreibende Mittel), die eine Elektrolytverschiebung und somit einen Kalium- oder Natriummangel verursachen können.

Außerdem können Blutfettsenker (Statine) Muskelkrämpfe als Nebenwirkung haben.

Sollten Muskelkrämpfe trotz Magnesium und Calcium anhalten, sollte nochmals ein Arzt konsultiert werden, da Krämpfe auch neurologische Ursachen oder Durchblutungsstörungen als Auslöser haben können.

Wadenkrämpfe

Wenn kein Magnesiummangel als Grund für Wadenkrämpfe gefunden werden kann, sollten andere Ursachen in Betracht gezogen werden. Wiederum muss bedacht werden, dass ein Magensiummangel durch Einnahme von Magnesiumpräparaten erst nach einigen Wochen ausgeglichen werden kann. Daher sollte die Einnahme nicht frühzeitig unter- oder abgebrochen werden.

Halten Krämpfe trotz der Einnahme von Magnesium an, können auch andere Auslöser Grund für die Wadenkrämpfe sein, wie zum Beispiel eine Überbelastung der Muskulatur. Deshalb sollte nach dem Sport immer auf eine anschließende Dehnung der Muskulatur geachtet werden.

Außerdem muss nicht immer Magnesiummangel Schuld an Wadenkrämpfen sein. So kann auch ein Mangel an Kalzium, Kalium oder Natrium Grund für anhaltende Wadenkrämpfe sein.
Durch eine Blutanalyse beim Arzt können diese Störungen im Elektrolythaushalt entdeckt werden. Auch können Medikamente und ihre Nebenwirkungen ursächlich für Wadenkrämpfe sein. Wenn zum Beispiel entwässernde Medikamente (Diuretika) oder Abführmittel eingenommen werden, können diese Störungen im Elektrolythaushalt verursachen. Hierbei sollte ebenfalls ein Arzt um Rat gefragt werden, ob Medikamente, die vom Patienten eingenommen werden, Krämpfe als Nebenwirkung haben.

Neben diesen Ursachen sollten bei anhaltenden Wadenkrämpfen auch weitere Krankheiten als Auslöser bedacht werden. So können neurologische (vom Nerven ausgehende) oder muskuläre Erkrankungen für die Wadenkrämpfe verantwortlich sein. Zu den neurologischen Erkrankungen zählen zum Beispiel Wirbelsäulenprobleme, wie Bandscheibenvorfälle, aber auch Nervenentzündungen- oder Lähmungen. Daher sollte ein Arzt konsultiert werden, wenn anhaltende Wadenkrämpfe trotz Magnesium auftreten, um mögliche schwerwiegendere Erkrankungen auszuschließen.

Lesen Sie mehr zum Thema Wadenkrämpfe

Krämpfe trotz Magnesiumeinnahme in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft sind Krämpfe besonders in den Oberschenkeln und Beinen nicht selten. Bei der Schwangeren kommt es während der Schwangerschaft häufig zu Konzentrationsschwankungen der Elektrolyte. Oftmals ist ein Magnesiummangel Schuld an den Krämpfen. Wenn Krämpfe trotz Magnesiumeinnahme auftreten, sollte eventuell die Dosis an Magnesium überdacht werden, da diese möglicherweise nicht ausreichend ist.

Wenn trotz der Dosiserhöhung Krämpfe auftreten, können auch Calcium-, Natrium- oder Kaliummangel Grund für die Krämpfe sein. Diese können durch eine bewusste Ernährungsweise oder ebenfalls durch Substitution (Ersatz) des Elektrolyts ausgeglichen werden.

Krämpfe kommen in der Schwangerschaft häufig auch daher, dass sich der Körper der werdenden Mutter an die Gewichtszunahme nicht schnell genug gewöhnen kann. In diesem Fall kommt es zu einer Überbelastung der Muskulatur, besonders in den Beinen. Diese Überbelastung resultiert dann in Krämpfen. Besonders, wenn nach der Einnahme von Magnesium trotzdem Krämpfe auftreten, können weitere Hausmittel helfen, diesen entgegenzuwirken.
Diese Hausmittel zielen darauf, die Muskulatur zu entspannen. Zum Beispiel können Wechselbäder Abhilfe schaffen, da hierbei die Muskulatur besser durchblutet wird und sich die Muskulatur lockert. Außerdem ist eine Fuß- und Beingymnastik in Betracht zu ziehen. Durch die Dehnung kann sich die krampfende Muskulatur ausruhen. Es kann auch helfen, die Beine einfach warm zu halten um Krämpfe zu verhindern oder diesen entgegenzuwirken.

Häufig treten in der Schwangerschaft nachts auch Krämpfe in den Waden auf. Wenn dies trotz ausreichender Magnesiumversorgung der Fall ist, kann sich die Schwangere, solange dies noch möglich ist, auf den Bauch legen und die Füße von der Matratze hängen lassen. Sollte eine Bauchlage wegen fortgeschrittener Schwangerschaft nicht mehr möglich sein, können die Fußsohlen am Bettende abgestützt werden, sodass sich die Waden etwas dehnen. Sollten Krämpfe trotz Magnesium und weiteren Maßnahmen anhalten, sollte ein Arzt aufgesucht werden, der weitere Ratschläge und Hilfestellungen geben kann.

Lesen Sie mehr zum Thema: Krämpfe während der Schwangerschaft

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 13.09.2018
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