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Nebenschilddrüsenüberfunktion

Synonym

Medizinisch: Hyperparathyreodismus

Englisch: Hyperparathyroidism

Definition

Unter einem Hyperparathyreoidismus (Nebenschilddrüsenüberfunktion) versteht man eine Erkrankung der Nebenschilddrüse mit vermehrter Bildung und Ausschüttung des Parathormons (PTH).

Formen / Ursachen

Man unterscheidet den Hyperparathyreodismus in:

  • primären Hyperparathyreodismus
  • sekundären Hyperparathyreodismus
  • tertriären Hyperparathyreodismus

Primäre Nebenschilddrüsenüberfunktion

Prinzipiell kann man zwei Arten des Hyperparathyreoidismus (Nebenschilddrüsenüberfunktion) unterscheiden: die primäre Nebenschilddrüsenüberfunktion entsteht durch eine Erkrankung der Zellen der Nebenschilddrüse (Epithelkörperchen).

Ursache sind hier zumeist:

  • solitäre (einzelne) Adenome (80% der Fälle) oder
  • multiple (vermehrte) Adenome (5% der Fälle)

der Nebenschilddrüse.

In 15 % ist die Ursache der primären Nebenschilddrüsenüberfunktion bei einer sogenannten Hyperplasie der Epithelkörperchen zu suchen. In lediglich 1 % kann ein Karzinom der Nebenschilddrüse eine primären Nebenschilddrüsenüberfunktion auslösen.


Sekundäre Nebenschilddrüsenüberfunktion

Die zweite Form des Hyperparathyreoidismus (Nebenschilddrüsenüberfunktion) ist die sekundäre Variante. Hier kommt es bei gesunder Nebenschilddrüse und anderer Grunderkrankung zu einer regulatorischen Ausschüttung des Parathormons.
Prinzipiell kann festgehalten werden, dass immer dann, wenn der Kalzium - Spiegel des Körpers unter eine bestimmte Grenze absinkt, die Nebenschilddrüse das Parathormon ausschüttet, das dann über entsprechende Mechanismen wieder Kalzium dem Körper bereitstellt. Ursachen eines verminderten Kalziumspiegels, der regulatorisch mit einer erhöhten Parathormonausschüttung beantwortet wird, sind ganz unterschiedlicher Natur. So können Erkrankungen der Niere für eine erhöhte Kalziumausscheidung im Urin verantwortlich sein, und so den Kalziumspiegel unnatürlich tief absenken. Auch kann eine verminderte Kalziumaufnahme aus der Nahrung, das sogenannte Malabsorptionssyndrom, einen verminderten Kalziumspiegel im Körper auslösen und so zu einer sekundären Nebenschilddrüsenüberfunktion führen.
Die Leberzirrhose kann in seltenen Fällen ebenfalls durch eine gestörte Kalziumverarbeitung zu diesem Krankheitsbild führen. Heute nur noch sehr selten zu sehen, ist ein Hyperparathyreoidismus aufgrund verminderter Sonneneinstrahlung (führt ebenfalls zu einer fehlerhaften Kalziumverwertung).

Tertiäre Nebenschilddrüsenüberfunktion

Von einem sogenannten tertiären Hyperparathyreoidismus (Nebenschilddrüsenüberfunktion) wird gesprochen, wenn während einer sekundären Verlaufsform mit vermehrter Parathormonausschüttung ein zu hoher Kalziumspiegel im Blut resultiert (Hyperkalziämie).
Ursache dieser Nebenschilddrüsenüberfunktion ist hier ein Mißverhältnis aus Parathormonmenge und Kalziumbedarf. Wird durch vermehrte Parathormonausschüttung eine erhöhte Kalziummenge bereitgestellt, so geschieht das über verschiedene Mechanismen: durch sogenannte Osteoklasten wird vermehrt im Knochen gespeichertes Kalzium abgebaut. Die Absorption des in der Nahrung befindlichen Kalziums wird erhöht und es kommt zu einer vermehrten Rückresorption von Kalzium in der Niere.

Häufigkeit

Ca. 0,3% der Bevölkerung erkrankt an einer Nebenschilddrüsenüberfunktion , wobei 2/3 Frauen sind. Die Ursache für diese geschlechtliche Verteilung der Nebenschilddrüsenüberfunktionist nicht geklärt, wird aber in der Stillzeit bei Frauen gesucht. Meistens tritt die Erkrankung bei Erwachsenen und selten bei Kindern auf.

Diagnose

Neben der Krankenbefragung, in der der Arzt die Symptome und den Zeitraum des Auftretens herausfinden sollte, stellt die Laboruntersuchung des Blutes eine sehr wichtige Untersuchungsmethode dar. Ist im Blut ein erhöhter Kalziumspiegel nachzuweisen, sollte man den Parathormonwert beachten. Sind sowohl Kalzium, als auch Parathormon erhöht, spricht das für einen primären Hyperparathyreoidismus (Nebenschilddrüsenüberfunktion).

Ist der Kalziumwert vermindert, das Parathormon aber erhöht, könnte ein sekundärer Hyperparathyreoidismus Schuld sein. Und ist der Kalziumwert erhöht, der Parathormonspiegel aber vermindert, spricht das eher für eine evtl. tumorbedingte Hyperkalziämie.

Zusammenfassend kann man festhalten:
wenn bei normaler Nierenfunktion, Gesamteiweiß und Parathormon ein Kalziumwert über 2,6mmol/l gemessen werden kann, spricht das mit hoher Wahrscheinlichkeit für einen primären Hyperparathyreoidismus.
Ist der Kalziumspiegel vermindert, das Phosphat normal und das Parathormon erhöht, spricht dies für einen sekundären Hyperparathyreoidismus. Besteht der Verdacht auf einen primären Hyperparathyreoidismus (Nebenschilddrüsenüberfunktion), sollte ein Ultraschall oder ein CT der Nebenschilddrüse angefertigt werden. Beim Verdacht einer sekundären Verlaufsform, sollte man zusätzlich ein Ultraschall beider Nieren anfertigen und labortechnisch den Kreatininwert im Blut untersuchen.
Manche Tumoren sind in der Lage ebenfalls einen erhöhten Kalziumspiegel im Körper zu erzeugen.
Hier sollte auf jeden Fall ein Röntgenbild des Brustkorbes (Ausschluss des Bronchialkarzinoms), eine Röntgenaufnahme des Knochenskeletts (Herausfinden von Entkalzifizierungsherden) und eine Szintigrafie des Knochens erfolgen (Ausschluss eines Knochenbefalls durch einen Tumor).

Weitere Informationen

Weitere Informationen zur Nebenschilddrüsenüberfunktion und deren Informationen finden Sie unter:

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 13.04.2018
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