Endokrinologie

Erklärung und Definition

Der Begriff der Endokrinologie kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie "Die Lehre von Morphologie und Funktion von Drüsen mit innerer Sekretion und der Hormone". Das Wort endokrin beschreibt Hormondrüsen im menschlichen Körper, die ihre Produkte (Hormone) direkt ins Blut abgeben. Sie weisen somit keinen Ausführungsgang für die Sekretion auf und sind somit deutlich von den sogenannten exokrinen Drüsen, wie z.B. Speichel- oder Talgdrüsen zu unterscheiden, welche ihre Produkte "nach außen hin" abgeben. 

Hormone selbst sind bereits bei der menschlichen Entwicklung unabdingbar wichtig. Sie dienen als Botenstoffe und steuern damit alle wichtigen Körperentwicklungen und -funktionen. Dabei entfalten sie ihre Wirkung schon bei geringen Dosen, deren Wirkungsweisen sehr engmaschig kontrolliert sind. So hat jedes Hormon über eine Art "Schlüssel-Schloss-Prinzip" seinen eigenen Rezeptor, damit Fehler möglichst vermieden werden.

Dennoch kann es in unserem Hormonsystem zu Erkrankungen oder Erkankungszuständen kommen, die sich auf Mängel, Überschüsse oder anderen ineinandergreifenden Dysbalancen der hormonproduzierenden Drüsen zurückführen lassen. Dabei handelt es sich nicht immer um seltene bzw. sehr spezielle Hormonerkrankungen, die sich auf ein Organ wie z.B. der Schilddrüse beziehen. Vielmehr beschäftigt sich das Fach Endokrinologie mit einer Art Netzwerk, bei dem die verschiedenen Stellschrauben sich gegenseitig beeinflussen. So fallen auch sogenannte "Volkskrankheiten" wie Diabetes, Osteoporose oder hormonelle Veränderungen im Alter in dieses Fachgebiet. 

Oft haben betroffene Patienten einen langen Leidensweg hinter sich, denn was auf den ersten Blick halbwegs einfach erscheint, stellt sich in der Realität als äußerst schwierig heraus. Die auftretenden Symptome einer hormonellen Erkrankung sind sehr individuell ausgeprägt und häufig auf den ersten Blick nicht direkt mit einem Krankheitsbild in Verbindung zu bringen. Der Endokrinologe muss den Mensch ganzheitlich als komplex zusammenhängendes System betrachten und kann sich nicht auf ein einzelnes Organ beschränken.

Die häufigsten Erkrankungen in der Endokrinologie

Zunächst möchten wir Ihnen aber eine Übersicht über die häufigsten Erkrankungen der Endokrinologie in Form einer Auflistung geben. 


Erkrankungen der Schilddrüse

Schilddrüsenunterfunktion

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) werden keine oder nur unzureichende Mengen der beiden Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Triiodthyronin (T3) gebildet, so dass deren Wirkung am Zielort verringert ist oder ganz ausbleibt. Generell haben die Schilddrüsenhormone eine aktivierende Wirkung auf den Stoffwechsel, regulieren Kreislauffunktion, Wachstumsvorgänge und nehmen EInfluss auf die Psyche. Folglich wirkt sich eine Unterfunktion vermindernd auf den Stoffwechsel aus. 

Eine Schilddrüsenunterfunktion ist, bis auf wenige Ausnahmefälle nicht heilbar. Allerdings kann mit einer dauerhaften medikamentösen Behandlung ein ganz normales Leben geführt werden.

Für detailliertere Informationen lesen Sie unsere Hauptseite zur Schilddrüsenunterfunktion

Schilddrüsenüberfunktion

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) werden die beiden Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Triiodthyronin (T3) vermehrt gebildet. Daraus resultiert eine erhöhten Hormonwirkung am Zielort, was sich in einer gesamten Steigerung des Stoffwechsels und einer Förderung des Wachstum niederschlägt. Zusätzlich beeinflussen T3 und T4 auch den Calcium- und Phosphathaushalt sowie die Muskulatur. In der Regel liegen die Ursachen dabei an der Schilddrüse selbst. Dennoch lassen sich diese weiter differenzieren, was sich wiederum auf die jeweilige Therapie auswirkt.

Mehr zu diesem Thema erfahren Sie auf unserer Seite zur Schilddrüsenüberfunktion

Morbus Basedow

Beim Morbus Basedow handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, was bedeutet, das körpereigene Immunsystem richtet sich gegen die eigenen Zellen. In diesem Fall ist es die Produktion von Antikörpern des IgG-Typs gegen die TSH-Rezeptoren der Schilddrüse. Diese Autoantikörper haben die gleiche Wirkung wie das natürliche TSH, führen allerdings zu einer Dauerstimmulation der Rezeptoren. Daraus resultiert ein dauerhafter Wachstumsreiz, was zur Entstehung eines Strumas führt, sowie einer gesterigerten Produktion und Sezenernierung der Schilddrüsenhormone T3 und T4.

Neben den Symptomen einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) zeigt sich eine charakteristische Symptomtrias (Merseburger Trias) aus Struma, Tachykardie (Herzrasen) und Exophthalmus. Letzteres lässt die Augen "hervortreten" und ist nach neueren Erkenntnissen auf einen zusätzlichen Krankheitsmechanismus zurückzuführen.

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Hashimoto-Thyreoditis (Autoimmunthyreoditis)

Bei der Hashimoto-Thyreoditis handelt sich um eine Autoimmunerkrankung bei der das Immunsystem körpereigene Zellen und Gewebe als fremd erkennt und zerstört. Diese führt zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse und stellt eine der häufigsten Formen einer Schilddrüsenunterfunktion dar. Die genauen Ursachen sind noch unverstanden, bekannt ist allerdings, dass Frauen deutlich öfter betroffen sind als Männer.

Die Symptomatik scheint anfangs verwirrend, da der Körper im Anfangsstadium noch den Versuch einer Gegenregulation unternimmt, was eher Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion hervorruft. Auf lange Sicht hin wandeln sich diese jedoch in die typische Symptomatik einer Schilddrüsenunterfunktion. Durch den komplizierten Krankheitsverlauf und individuelle Ausprägungen ist die Diagnostik bei der Hashimoto-Thyreoditis zusätzlich erschwert.

Erfahren Sie mehr zu diesem Thema auf unserer Hauptseite zur Hashimoto Thyreoditis

Schilddrüsenknoten (heiße oder kalte Knoten)

Grob kann man sagen, dass es sich bei Schilddrüsenknoten um herdförmige (einzelne) Veränderungen des normalen Schilddrüsengewebes handelt. Die genauen Ursachen sind noch unverstanden. Als möglichen Ansatzpunkt stehen Mutationen in bestimmen Genen im Raum. Zudem weiß man bereits, dass in Jodmangelgebieten die Entstehung der Knoten deutlich erhöht auftritt. 

Die Differenzierung zwischen kaltem und heißem Knoten lässt sich grob so verstehen, dass bei einem "weniger passiert" - das betroffene Gebiet produziert weniger Schilddrüsenhormone. Bei einem heißen Knoten hingegen werden mehr Hormone produziert - dieser Bereich ist also aktiver. Je nachdem welche Form vorliegt, heißt es nicht zwangsläufig, dass der Betroffene an einer Schilddrüsenunter- bzw. -überfunktion leidet, jedoch kann sich das jeweilige Krankheitsbild herausbilden oder auch schon vergesellschaftet sein.

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Schilddrüsenkrebs

Bei einem Schilddrüsenkarzinom handelt es sich bösartige Veränderung von Epithelzellen der Schilddrüse. Meistens fallen als erste Symptome störende Knoten in der Schilddrüse auf oder auch eine Größenzunahme mit Entwicklung eines Strumas. 

Mehr Informationen erhalten Sie auf unserer Hauptseite zum Schilddrüsenkrebs

Erkrankungen der Nebenschilddrüsen

Nebenschilddrüsenüberfunktion

In der Fachsprache als Hyperparathyreodismus genannt, handelt es sich hier um eine Erkrankung bei der die Nebenschilddrüsen zu viel Parathormon bilden und ausschütten. Dabei handelt es sich um ein Hormon, dass bei der Regulation des Kalziumhaushalts beteiligt ist und die Verfügbarkeit von Kalzium im Blut steigert.

Für mehr Informationen zum Thema lesen Sie unsere Hauptseite zu Nebenschilddrüsenüberfunktion.

Nebenschilddrüsenunterfunktion

Beim sogenannten Hypoparathyreodismus handelt es sich um eine Unterfunktion der Nebenschilddrüse, also um eine zu geringe Produktion und Sezernierung von Parathormon. Dadurch kann es im Köfper zu einem Mangel an Kalzium-Ionen kommen, was sich u.a. negative neurologische Symptome hervorrufen kann. 

Häufigste Ursache ist die operativ verursachte Entfernung im Rahmen einer Schilddrüsenresektion, allerdings können auch andere Gründe wie eine Autoimmunerkrankung oder chronischer Magnesiummangel in Frage kommen.

Wenn Sie sich für dieses Thema intereessieren, lesen Sie unsere Hauptseite zu Nebenschilddrüsenunterfunktion

Erkrankungen der Nebennieren

Morbus Addison

Beim Morbus Addison handelt es sich um eine sogenannte primäre Nebenniereninsuffizienz. Die seltene, aber potentiell tödliche Krankheit kann in einer akuten oder chronischen Form auftreten, bei der es zu einer Zerstörung der Zellen der Nebenniere kommt. Dadurch kommt es zum einen zu einer verminderten Produktion des Mineralkorikoids Aldosteron, was Auswirkungen auf den Flüssigkeits- und Mineralhaushalt nach sich zieht. Zum anderen folgt eine gesteigerte Produktion von ACTH durch den gestörten Regelkreis, was sich u.a. in einer Überpigmentierung der Haut niederschlägt. 

Wenn Sie detailliertere Informationen zu diesem Thema lesen möchten, gehen Sie auf unsere Hauptseite zu Morbus Addison

Phäochromozytom

Bei einem Phäochromozytom handelt es sich um einen meist im Nebennierenmark gelegenen Tumor, der hormonell aktiv Nor- und Adrenalin sowie selten Dopamin produziert. Die Symptomatik ergibt sich aus der resultierend gesteigerten Konzentration dieser Hormone. 

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Conn-Adenom (primärer Hyperaldosteronismus)

Morbus Cushing

Morbus Cushing ist eine Erkrankung der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), die zu viel des Hormons ACTH produziert. Abzugrenzen ist Morbus Chushing vom sogenannten Cushing Syndrom, das nach dem selben Arzt benannt wurde. Bei einem Cushing Syndrom hingegen besteht eine dauerhaft erhöhte Konzentration von Cortisol im Körper.

Es liegt also primär eine übersteigerte Produktion von "Liberinen" im übergeordneten Steuerungssystem zugrunde, welche sich u.a. auch sekundär auf eine gesteigerte Konzentration von Cortisol auswirkt. Beim Morbus Cushing kommt es z.B. zu einer Überpigmentierung der Haut durch ein Stoffwechselprodukt des erhöhtes ACTHs. Klinisch erscheinen die Symptome ähnlich, auch wenn es sich um zwei zu unterscheidende Krankheitsbilder handelt.

Cushing Syndrom

Weitere Krankheitsbilder

Diabetes mellitus

Beim ungangssprachlichen Diabetes handelt es sich um eine chronische Stoffwechselerkankung. Dabei werden zwei Typen unterschieden, einen relativen und einen absoluten Insulinmagel. Grundlegendes Problem dabei ist eine dauerhafte Erhöhung des Blutzuckers (Hyperglykämie). Ursache ist eine unzureichende Wirkung des wichtigen Hormons Insulin

Beim Diabetes mellitus Typ 1 liegt ein absoluter Insulinmangel vor. Die hormonproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse sind durch eine Autoimmunreaktion zerstört und somit funktionsunfähig. Die Krankheit manifestiert sich meistens schon in jungen Lebensjahren und muss zwangsläufig mit einer Verabreichung von Insulin von außen therapiert werden.

Im Gegensatz dazu handelt es sich beim Diabetes mellitus Typ 2 um einen relativen Insulinmangel, da entweder zu wenig Insulin in der Bauchspeicheldrüse produziert wird oder die Wirkung an den Zielorganen herabgesetzt ist. Beim letzteren Fall spricht man auch von einer sogenannten Insulinresistenz. Der hauptsächliche Anteil bei diesem Typ geht auf das metabolische Syndrom ("Wohlstandkrankheit") zurück. Das erklärt auch zu einem Teil den bekannten Namen "Altersdiabetes", welcher heute aber nicht mehr zählen kann, weil die Faktoren Übergewicht (v.a. Körperfett am Bauch), erhöhte Blutfettwerte, Bluthochdruck und Glukosetolleranzstörung (wahrscheinlich aufgrund von zu hohem Konsum) auch immer mehr jüngere betreffen. Die Bezeichnung "relativ" bedeutet also, es ist Insulin vorhanden, aber die Menge reicht nicht, um den Bedarf zu decken. In der Regel sind diese Patienten ebenfalls auf eine Gabe von außen angewiesen, können aber durch Lebensumstellung, wie z.B. eine gesunde Ernährung und Bewegung positiv in diesen Regelkreis eingreifen.

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Diabetes insipidus

Bei dieser relativ seltenen Hormonmangelerkarnkung kommt es zu einer sogenannten Polyurie (extrem hohe Harnausscheidung) mit bis zu 25 Litern am Tag und dadurch resultierend zu einer Polydypsie (erhöhtes Durstgefühl). Zugrunde liegt eine Fehlregulation bzw. verminderte Ausschüttung von ADH (antidiuretische Hormon) aus dem Hypothalamus. Normalerweise wird das Hormon bei der sogenannten Osmoregualtion sezeneriert, damit in der Niere durch den Einbau von Aquaporinen ("Wasserkanäle") mehr Wasser rückresorbiert werden kann bzw. dem Körper nicht verloren geht. Die Verminderung von ADH erklärt also die mitunter enormen Mengen an ausgeschiedenem Urin. 

Je nachdem in welchem Bereich die Störung liegt, im Gehirn oder in der Niere "vor Ort" unterscheidet man zusätzlich zwischen einem Diabetes inspidus centralis bzw. renalis. 

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Schwartz-Bartter-Syndrom

Auch bei diesem Krankheitsbild handelt es sich um eine Störung des Gleichgewichts bei dei Osmoregulation. Beim Schwartz-Bartter-Syndrom liegt allerdings eine erhöhte Sezernierung von ADH (Antidiuretische Hormon, Vasopressin) zugrunde. Das resultiert in einer deutlich verminderten Flüssigkeitsausscheidung über die Niere bzw. Urin. Das zieht u.a. eine sogenannte hypotone Hyperhydratation mit Verdünnungsnatriämie nach sich. Das bedeutet, dass dem Körper und Blutkreislauf zu viel Wasser zur Verfügung steht, das Blut "verdünnt" wird und somit die Konzentration von wichtigen Elektrolyten wie z.B. Natrium reduziert

Häufigste Ursache ist ein paraneoplastischer Effekt eines kleinen Bronchialkarzinoms ("Begleitsymptome einer Krebserkrankung"), allerdings kommen auch zahlreiche weitere Ursachen wie Traumata, Hypothyreose oder Medikamenten in Frage.

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Akromegalie

Dieses Krankheitsbild trägt diesen Namen, weil sich die Akren (Hände, Finger, Füße, Ohren, Nase...) sichtbar größer entwickeln und weiterwachsen. Ebenfalls betroffen sind die inneren Organe. Zugrunde liegt ein Adenom (gutartiger) Tumor der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) zugrunde, der dafür sorgt, dass diese vermehrt Wachstumshormon (Somatotropin, STH oder GH) ausschüttet. 

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 13.04.2018
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