Nebenschilddrüsenunterfunktion

Medizinisch: Hypoparathyreodismus

Englisch: hypoparathyreodism

Die Nebenschilddrüsenunterfunktion (Hypoparathyreoidismus) ist eine Erkrankung der Nebenschilddrüsen, die zu einem Parathormonmangel führt. Dieser Mangel an Parathormonen führt zu einem Kalziummangel im gesamten Körper, wodurch neurologische Symptome auftreten können.

Symptome & Diagnose

Symptome der Nebenschilddrüsenunterfunktion

Die Symptome der Nebenschilddrüsenunterfunktion sind durch einen massiven Kalziummangel und ein erhöhtes Phosphat im Blut gekennzeichnet. Besonders der Kalziummangel führt zur klinischen Symptomatik. Besonders tragisch ist dabei eine deutlich erhöhte Krampfanfälligkeit in der Skelettmuskulatur oder auch im gesamten Körper (Epileptische Anfälle). Typisch ist bei der Nebenschilddrüsenunterfunktion die sogenannte Pfötchenstellung der Hände, die durch Verkrampfungen entsteht. Zudem führt ein Kalziummangel zu Sensibilitätsausfällen (Parästhesien), Haarausfall, trockener und spröder Haut. Klinische Zeichen einer Tetanie sind Kontraktionen der Gesichtsmuskulatur bei bestreichen des Nervus facialis 1 bis 2 cm vor dem Ohrläppchen (Chvostek- Zeichen), sowie die Pfötchenstellung der Hände beim Aufpumpen einer Blutdruckmanschette über den systolischen Blutdruckwert (Trousseau- Zeichen).

Könnte eine Schilddrüsenerkrankung Schwindel verursachen? Mehr dazu lesen Sie unter: Schwindel und Schilddrüse

Diagnostik der Nebenschilddrüsenunterfunktion

Oft führen das klinische Bild der Nebenschilddrüsenunterfunktion in Zusammenhang mit der Anamnese zur Verdachtsdiagnose des Hypoparathyreoidismus. Die anschließende Labordiagnostik liefert dann den Beweis und sichert die Diagnose. Ein erniedrigtes Kalzium im Serum sollte immer Anlass für die Bestimmung des Parathormonspiegels sein. Bei einer reinen Hypokalziämie wäre der Parathormonspiegel reaktiv erhöht, um dem Körper mehr Kalzium zur Verfügung stellen zu können. Sind allerdings die Nebenschilddrüsen operativ entfernt oder anderweitig beschädigt, ist neben dem Kalzium- auch der Parathormonspiegel erniedrigt und sichert damit die Diagnose des Hypoparathyreoidismus (Nebenschilddrüsenunterfunktion). Wird ein angeborener Hypoparathyreoidismus (Nebenschilddrüsenunterfunktion) bei Kindern nicht entdeckt, können Zahnanomalien und Kleinwuchs Folgen dieses Mangels sein. Zum Ausschluss von schon entstandenen Verkalkungen im Gehirn sollte eine Computertomographie durchgeführt werden. Auch ein EKG ist zur Abschätzung des Ausmaßes wichtig, um eine Beteiligung des Herzens ausschließen zu können.

Behandlung

Therapie der Nebenschilddrüsenunterfunktion

Ziel der medikamentösen Therapie der Nebenschilddrüsenunterfunktion ist der Erhalt eines normalen Kalziumspiegels im Blut. Oft werden Dihydrotachysterol oder Rocaltrol als Vitamin-D-Analoga in Kombination mit Kalzium eingesetzt, um den Kalziumspiegel zu erhalten. Da ein zu hoher Kalziumspiegel eine vermehrte Kalziumausscheidung mit dem Urin nach sich ziehen kann, sollte das Kalzium bei einer Nebenschilddrüsenunterfunktion regelmäßig kontrolliert werden.

Andernfalls können Nierensteine oder eine Nephrokalzinose Folge einer zu hohen Kalziumkonzentration im Urin sein. Um diese Nebenwirkungen zu vermeiden, kann gleichzeitig zur Kalziumgabe ein Thiazid-Diuretikum verordnet werden. Dieses senkt den Kalziumspiegel im Urin und verhindert damit die Gefahr der Nierensteinbildung. Auch dieser Spiegel sollte regelmäßig kontrolliert werden.
In der Akuttherapie eines tetanischen Krampfanfalls ist die intravenöse Kalziumgabe Mittel der Wahl. Die Injektion sollte dabei möglichst langsam erfolgen, weil die Betroffenen sonst mit Hitzegefühl, Übelkeit und Kopfschmerzen auf die Kalziumgabe reagieren. Durch die lebenslange Kalziumsubstitution können die tetanischen Krämpfe gut behandelt werden. Spätfolgen wie Verkalkungen oder Katarakt sind allerdings irreversibel und durch eine Kalziumsubstitution nicht behandelbar.

Ursachen & Prophylaxe

Ätiologie der Nebenschilddrüsenunterfunktion

Häufigste Ursache einer Nebenschilddrüsenunterfunktion (Hypoparathyreoidismus) ist die operative Entfernung der Nebenschilddrüsen bei einer teilweisen oder kompletten Schilddrüsenentfernung. Weniger häufig werden die Nebenschilddrüsen durch Bestrahlung, Autoimmunerkrankungen oder einen langandauernden und schwerwiegenden Magnesiummangel geschädigt.

Ursache der Nebenschilddrüsenunterfunktion

Parathormon ist ein in den Nebenschilddrüsen gebildetes Hormon, welches den Kalzium- und Phosphathaushalt reguliert. Besteht ein zu hoher Kalziumspiegel im Körper, wird das Parathormon vermindert ausgeschüttet (negative Rückkopplung), während ein erniedrigter Kalziumspiegel zu einer vermehrten Parathormonausschüttung führt. Dies wiederum beeinflusst den Knochenabbau und -aufbau und reguliert dadurch die Kalziumfreisetzung aus dem Knochen oder den Kalziumeinbau in den Knochen. Im Falle eines Hypoparathyreoidismus (Nebenschilddrüsenunterfunktion) kann dieser Kalziumstoffwechsel nicht mehr reguliert werden. Es kommt zu einer deutlichen Verringerung des Kalziumspiegels im Blut, welcher dann die klinischen Symptome eines Kalziummangels hervorruft.

Prophylaxe der Nebenschilddrüsenunterfunktion

Grundsätzlich sollten die Nebenschilddrüsen im Rahmen von Schilddrüsenoperationen möglichst nicht beschädigt oder entfernt werden. Ist dies nicht möglich, besteht die Möglichkeit der Autotransplantation. Hierbei können die eigenen Nebenschilddrüsen in Muskelgewebe gepflanzt werden. Diese wachsen an diesen Stellen ein und bilden weiterhin Parathormon. Diese Möglichkeit wird auch bei der Gefahr von Strahlenschäden bei Schilddrüsenkarzinomen genutzt. Hierbei werden prophylaktisch die Nebenschilddrüsen vor Beginn der Bestrahlung an einen anderen Ort im Körper gesetzt, um diese zu schonen.

Verlauf & Prognose

Komplikationen bei Nebenschilddrüsenunterfunktion

Komplikationen der Nebenschilddrüsenunterfunktion treten vor allem dann auf, wenn der Parathoromonmangel nicht rechtzeitig erkannt wird. Bei Kindern kann dies zu Zahnanomalien, Entwicklungsstörungen und Kleinwuchs führen. Bei Erwachsenen können Spätschäden eines Parathormonmangels auftreten, sollte dieser nicht frühzeitig erkannt und medikamentös behandelt werden. Zu diesen zählen Herzbeschwerden, der graue Star (Katarakt), Osteoporose und Verkalkungen im Bereich der Basalganglien im Gehirn. Dies führt zum sogenannten Fahr-Syndrom. Klinische Zeichen sind Kopfschmerzen, Sprachstörungen und eine langsam voranschreitende Demenz.

Prognose der Nebenschilddrüsenunterfunktion

Wird der Hormonmangel frühzeitig erkannt, so ist die Nebenschilddrüsenunterfunktion durch lebenslange Hormonsubstitution gut therapierbar. Jedoch ist es nicht möglich, die Langzeitschäden wie Katarakt oder Kalkbildung im Gehirn zu heilen. Gleiches gilt für die Folgen bei Kindern, deren Hormonmangel nicht frühzeitig erkannt wurde. Entsprechend hängt die Prognose stark von dem Zeitpunkt der Diagnosestellung und von der Therapie ab.

Weitere Informationen

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert Veröffentlicht: 25.04.2011 - Letzte Änderung: 03.04.2022
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