Sympathikus

Synonyme im weiterem Sinne

vegetatives Nervensystem, Sympaticus

Definition

Der Sympathikus ist der Gegenspieler des Parasympathikus und ist – wie dieser – ein Teil des vegetativen (auch: autonomen) Nervensystems.

Das autonome Nervensystem ist für die Steuerung unserer Organe und Drüsen wichtig, es heißt deshalb autonom, weil wir es nicht willkürlich steuern können, es läuft „nebenher“, ohne dass es uns ständig bewusst wäre (man denke beispielsweise nur an das Atmen, Verdauen und Schwitzen)

Um den Sympathikus mit seinen Aufgaben ganz knapp zu definieren könnte man sagen, dass er all das auslöst, was eine Fluchtreaktion ausmacht (damals, vor hunderten von Jahren wegen des Tigers im Dickicht, heute ist es vielleicht anstatt „Flucht“ oftmals eher Stress oder Panik wegen einer direkt bevorstehenden Prüfung oder ähnlichem). Durch vermehrte Aktivität des Sympathikus verändern sich unsere Körperfunktionen also wie folgt:

  • schnellerer Herzschlag (höhere Herzfrequenz und stärkere Kontraktion)
  • Gefäßerweiterung (damit mehr Blut fließen kann, denn das Herz benötigt für sein Mehr an Arbeit mehr Sauerstoff)
  • schnelleres Atmen
  • vermehrtes Schwitzen
  • erhöhter Blutdruck
  • Pupillenerweiterung
  • verminderte Tätigkeit des Verdauungstraktes
  • verminderter Harndrang (Kontinenz)

Nun ist also deutlich geworden, WAS der Sympathikus auslöst, doch WIE er es macht und WO im Körper er sich überhaupt befindet, bleibt noch zu klären.

Lokalisation

Den Sympathikus darf man sich nicht als einen einzigen „Punkt“ im Körper vorstellen. Vielmehr ist er über einen recht großen Teil des Körpers verteilt. Er hat einen Ort, an dem sein Ursprung liegt (also die Zellen, die eine Art Kommandozentrale sind) und eine Art Schienensystem (also die Fasern, die von den Zellen ausgehen und dafür sorgen, dass das, was die Kommandozentrale „Zelle“ befiehlt, an den Empfänger weitergeleitet wird). Der Empfänger der Kommandos sind die Organe, auf die der Sympathikus wirkt (Herz, Lunge, Magen-Darm-Trakt, Gefäße, Auge, Drüsen, Haut).

Der Sympathikus ist ein thorakolumbales System, das heißt, dass seine Ursprungsorte im Brustbereich (Thorax (lateinisch) = Brustkorb) und im Lendenbereich (lumbus (lateinisch) = Lende) liegen. Und zwar im Seitenhorn des Rückenmarks. Die Ursprungszellen dort sind Nervenzellen (Neurone), sie entsenden ihre Informations-weiterleitenden Nervenzellfortsätze (Axone) über Zwischenstationen zu den Organen, die gesteuert werden sollen.

Die Zwischenstationen sind sogenannte Ganglien (Ganglion (lateinisch) = Knoten). Hier liegen multipolare Nervenzellen. Multipolar bedeutet, dass sie einen Informations-weiterleitenden Fortsatz, das Axon und mehr als 2 Informations-empfangende Fortsätze, die Dendriten enthalten.

Man unterscheidet im sympathischen System zwei Arten der Ganglien:

paravertebrale Ganglien (para = neben, also Ganglien neben der Wirbelsäule), die man im Deutschen auch als Grenzstrang(ganglien) bezeichnet

prävertebrale Ganglien (prä = vor, also Ganglien, die vor der Wirbelsäule liegen)

An diesen Ganglien-Nervenzellen wird die Information von einer Zelle auf die nächste umgeschaltet und dann in ihrem Axon weitergeleitet Richtung Organ. Eine Umschaltung der Information, die eine Nervenzelle weiterleitet, geschieht immer nur in einem der beiden oben genannten Ganglien-Typen, nicht in beiden.

Die Reihenfolge der Informationsleitung ist also:

Ursprungszelle im Rückenmark (1) - multipolare Nervenzelle in einem Ganglion (2) -Organ

Mechanismus

1. Dentriten; 2. Zellkörper; 3. Axon; 4. Zellkern

Was ist nun aber die Information? Denn die Zelle kann ja nicht reden, sondern muss mit elektrischen Reizen oder einer Substanz klar machen, was sie „möchte“. Diese Substanz ist der sogenannte Neurotransmitter.

Neurotransmitter sind chemische Botenstoffe, die – wie der Name schon sagt – Informationen an verschiedene Orte weiterleiten können, sie sind also eine Art „Bote“. Es wird unterschieden zwischen erregenden (exzitatorischen) und hemmenden (inhibierenden) Neurotransmittern.

Die Neurotransmitter dienen der chemischen Informationsweiterleitung, während die elektrischen Potentiale, die durch die Zelle und deren Fortsätze (Axone und Dendriten) laufen, der elektrischen Informationsweiterleitung dienen. Die chemische Informationsweiterleitung ist immer dann wichtig, wenn die Information von einer Zelle auf eine nächste gelangen soll, denn zwischen Zellen liegt immer ein – wenn auch relativ gesehen winziger – Spalt, den die Information nicht einfach überspringen kann.

Ist die elektrische Leitung am „Ende“ der Zelle, also ihrem Axonende angekommen, sorgt sie dafür, dass aus dem Axonende ein Typ von Neurotransmitter freigesetzt wird. Das Axonende, aus dem er ausgeschüttet wird heißt Präsynapse (prä = vor, also die Synapse vor dem synpatischen Spalt). Der Neurotransmitter wird ausgeschüttet in den sogenannten synaptischen Spalt, der zwischen Zelle 1 (Informationsleitung) und Zelle 2 (Informationsempfang) liegt, zwischen denen umgeschaltet werden soll. Nach seiner Freisetzung „wandert“ (diffundiert) der Neurotransmitter durch den synaptischen Spalt bis zum Fortsatz der zweiten Zelle, der Postsynapse (post = nach, also die Synapse nach dem synaptischen Spalt). Diese enthält Rezeptoren, die genau für diesen Neurotransmitter ausgelegt sind. So kann er daran binden. Durch seine Bindung wird nun wieder ein elektrisches Potential an der zweiten Zelle generiert.

Bei einer Umschaltung der Information von einer Zelle auf die nächste ist die Reihenfolge der Informationsarten also:

elektrisch bis zum Axonende der ersten Zelle - chemisch im synaptischen Spalt - elektrisch ab der Bindung des Neurotransmitters an die zweite Zelle

Zelle 2 kann durch die Bindung des Neurotransmitters nun auf zwei Arten reagieren: Entweder sie wird erregt und erzeugt ein sogenanntes Aktionspotential oder aber sie wird gehemmt und die Wahrscheinlichkeit, dass sie ein Aktionspotential erzeugt und damit weitere Zellen erregen nimmt ab. Welche der beiden Wege eine Zelle einschlägt wird bestimmt von der Art des Neurotransmitters und der Art des Rezeptors.

Nun kann man also präzisieren, was an den verschiedenen „Umschaltstellen“ des Sympathikus geschieht: Die erste Zelle (Ursprungszelle) im Rückenmark wird erregt von höheren Zentren (z.B. dem Hypothalamus und dem Hirnstamm). Die Erregung setzt sich durch ihr gesamtes Axon weiter fort bis hin zu der ersten Umschaltstelle (das ist nun bereits im Ganglion). Dort wird als Folge der fortgeleiteten Erregung der Neurotransmitter Acetylcholin aus der Präsynapse freigesetzt. Acetylcholin diffundiert durch den synaptischen Spalt auf die Synapse der zweiten Zelle (Postsynapse) zu und bindet dort an einen passenden Rezeptor. Durch diese Bindung wird die Zelle erregt (denn Acetylcholin zählt zu den erregenden Neurotransmittern). Genau wie an der ersten Zelle wird dieser Erregung wieder über die Zelle und ihre Fortsätze fortgeleitet und zwar bis zum Empfänger: dem Organ. Dort wird – als Folge der Erregung – wieder ein Neurotransmitter - diesmal ist es Noradrenalin – aus der Synapse von Zelle 2 freigesetzt. Dieser Neurotransmitter wirkt dann direkt auf das Organ.

Der Sympathikus arbeitet also mit zwei verschiedenen Neurotransmitter:

Der 1. (Ursprungszelle - Zelle 2) ist immer Acetylcholin

Der 2. (Zelle 2 - Organ) ist immer Noradrenalin

Wirkung

Die Wirkung des Sympathikus ist oben schon angedeutet und soll hier noch einmal in tabellarischer Form zusammengefasst werden:

Auge

Pupillenerweiterung

Herz

Schnelleres Schlagen (erhöhte Frequenz und erhöhte Kontraktionskraft)

Lunge

Erweiterung der Luftwege

Speicheldrüsen

Verminderter Speichelfluss

Haut (beinhaltet Schweißdrüsen)

Erhöhte Schweißsekretion; Aufstellen der Härchen; Verengung der Blutgefäße (kalte Hände bei Aufregung)

Magen-Darm-Trakt

Verminderte Verdauungsaktivität

Blutgefäße (außer die der Haut und des Magen-Darm-Trakts)

Erweiterung, damit mehr Blut pro Zeit fließen kann

Weitere Informationen zum Thema Sympathikus

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 23.02.2017
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