Mydocalm®

Einleitung

Mydocalm® ist ein zentral wirksames, nicht sedierendes Muskelrelaxans. Das bedeutet, es ist ein Muskel entspannendes Mittel, das im Gehirn wirkt, jedoch die geistige Leistungsfähigkeit nicht beeinträchtigt.
Der enthaltene Wirkstoff heißt Tolperison.

Wirkung

Mydocalm® ist ein Natrium-Kanal-Blocker. Diese Kanäle sind an der Informationsweitergabe an den Nerven beteiligt. Werden diese Kanäle nun geblockt, können Schmerzen oder auch krampfauslösende Informationen nicht mehr weitergeleitet werden.


Ähnliche Medikamente

Es gibt mehrere Produkte, die wie Mydocalm® den Wirkstoff Tolperison enthalten. Dazu gehören insbesondere Generika-Hersteller. Die Medikamente heißen dann meist "Tolperison XY", wobei XY der Markenname ist, also z.B. "Tolperison HEXAL".

Produkte, die auch bei Verspannungen eingesetzt werden können sind z.B. Baclofen oder auch Sirdalud®, wobei letzteres auch Müdigkeit hervorruft.

Anwendungsgebiete

Mydocalm® hemmt die Nervenleitung.

Mydocalm® wird bei schmerzhaften Verspannungen der Muskeln eingesetzt. Diese können zum Beispiel durch Haltungsfehler oder Rückenschmerzen verursacht sein. Auch bei sogennanten Spastiken, also anhaltenden Verkrampfungen der Muskulatur, zum Beispiel nach einem Schlaganfall kann Mydocalm® eingesetzt werden.

Offiziell zugelassen ist Mydocalm® in Deutschland seit 2012 jedoch nur noch bei Verkrampfungen nach einem Schlaganfall und nicht mehr bei Rückenschmerzen. Die Zulassung zur Behandlung bei Rückenschmerzen wurde 2012 zurückgenommen, da die Arzneimittelstudien zur Wirksamkeit aus den 1960ern und 70ern stammen und damit nicht mehr heutigen Standards genügen.
Viele Ärzte haben jedoch langjährige gute Erfahrungen bei der Behandlung von Rückenschmerzen mit Mydocalm® , sodass die Rücknahme der Zulassung nicht unumstritten ist. Im europäischen Ausland, insbesondere der Schweiz, wird Mydocalm® weiterhin erfolgreich bei Rückenschmerzen auch offiziell eingesetzt.

Dosierung

Je nach Stärke der Beschwerden werden zwischen 150 und 450mg Mydocalm® pro Tag verschrieben. Da Mydocalm® jedoch nur relativ kurz wirkt, muss das Medikament drei mal täglich eingenommen werden.
Somit kommt man auf Dosierungen von 3x50mg bis 3x150 mg pro Tag. Da auch alte Menschen Mydocalm® in der Regel gut vertragen, muss die Dosierung bei alten Menschen nicht angepasst werden.

Kontraindikationen

Da es keine Erfahrungen zur Wirkung in der Schwangerschaft und Stillzeit gibt, sollte Mydocalm® nicht von werdenden und stillenden Müttern eingenommen werden. Sollte aus welchen Gründen auch immer Mydocalm® doch in der Schwangerschaft eingenommen worden sein, ist dies kein Grund die Schwangerschaft abzubrechen oder durch aufwändige Maßnahmen das Kind zu gefährden. Eine schädliche Wirkung auf das Kind ist nicht bekannt, jedoch auch nicht auszuschließen.

Myasthenia Gravis-Patienten dürfen Mydocalm® nicht einnehmen! Myasthenia Gravis ist eine sehr seltene neurologische Erkrankung, die mit einer Muskelschwäche einher geht.

Wie bei jedem Medikament können Unverträglichkeiten auftreten. Sollten sie eine allergische Reaktion bei sich feststellen oder auch starke Nebenwirkungen bemerken, sollten sie Mydocalm® absetzen und gegebenenfalls einen Arzt aufsuchen.

Mydocalm® ist nicht für Kinder unter 15 Jahren zugelassen.

Nebenwirkungen

Obwohl Mydocalm® relativ wenige Nebenwirkungen hat, können verschiedene unerwünschte Effekte auftreten. Hier werden nun diejenige aufgezählt, die mindestens bei 0,1% der Patienten auftreten, eine vollständige Liste finden Sie im Beipackzettel.

Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit

Wie bereits erwähnt, gibt es keine sicheren Erfahrungen, dass Mydocalm® sicher in der Schwangerschaft und Stillzeit eingesetzt werden kann, jedoch gibt es auch keine Berichte, dass Mydocalm® das Kind schädigt. Daher sollte Mydocalm® wenn möglich nicht in Schwangerschaft und Stillzeit eingenommen werden. In Einzelfällen kann jedoch der Arzt die Einnahme für sinnvoll erachten.

Wenn möglich jedoch, sollten andere Mittel eingesetzt werden. So kann bei anhaltenden Rückenschmerzen auch Physiotherapie, also Krankengymnastik verschieben werden. Weiterhin können klassische Schmerzmittel verwendet werden. Hierbei ist jedoch auch auf die Zulassung in der Schwangerschaft zu achten. Um kurzzeitig Verspannungen zu lösen, kann auch ausnahmsweise Diazepam eingenommen werden, wobei Diazepam anders als Mydocalm® schläfrig macht. Jedoch gibt es für Diazepam mehr Erfahrungen bei der Einnahme in der Schwangerschaft. Vorsicht ist geboten, da Diazepam abhängig machen kann.

Wurde Mydocalm® von eine stillenden Mutter eingenommen, ist denkbar, dass das Kind schläfrig wird. Dies ist möglich, da das Kind Mydocalm® über die Muttermilch aufnimmt und die Blut-Hirn-Schranke bei Kleinkindern noch nicht vollständig ausgebildet ist. Die bedeutet, dass Medikamente die bei Erwachsenen nicht im Gehirn ankommen, eben doch bei Kindern dort wirken.

Erfahren Sie mehr über: Medikamente in der Schwangerschaft

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema Mydocalm® finden Sie unter:

Eine Übersicht über bereits veröffentlichten Themen finden Sie unter: Medikamente A-Z.

Haftungsausschluss/ Disclaimer

Wir weisen darauf hin, dass Medikamente niemals eigenständig, ohne Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt abgesetzt, angesetzt oder verändert werden dürfen.
Bitte beachten Sie, dass wir in unseren Texten keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit erheben können. Durch aktuelle Entwicklungen können die Angaben ggf. veraltet sein.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 29.03.2017
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