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Schmerz im Daumenballen

Allgemeines

Im Daumenballen befinden sich einige kurze Daumenballenmuskeln, die zwar nicht viel Kraft erzeugen können, aber bei vielen Bewegungen von Nöten sind, indem sie den Daumen zu den Fingern führen und umgekehrt. Im Daumenballen befindet sich neben diesen Muskeln auch das wichtige Daumensattelgelenk, welches für die vielfältigen Bewegungen des Daumens unerlässlich ist. Entwickelt sich im Verlauf des Lebens eine Arthrose im Daumensattelgelenk, kann dies ebenfalls zu Schmerzen im Daumenballen führen.

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Daumen kann nicht mehr abgespreizt werden

Meistens treten Schmerzen im Daumenballen gleichzeitig mit einer sogenannten adduzierten Daumenstellung auf. Der Daumen ist adduziert, wenn er zur Handfläche hin gezogen ist und sich nicht mehr nach außen abspreizen lässt. Die Muskeln die für diese Adduktion verantwortlich sind befinden sich in diesem Zustand in einer Dauerkontraktion und sind verhärtet tastbar. Neben den Adduktoren können aber auch andere Muskeln betroffen sein. Wenn sich Schmerzen im Daumenballen ergeben und der Daumen nicht mehr abspreizbar ist, dann liegt das häufig an repetitiven Tätigkeiten, die man mit dem Daumen / der Hand durchführt. Häufig zählen dazu intensive Betätigung der Computermaus, Bremsen mit dem Daumen beim Fahrradfahren und Handarbeiten wie Stricken, bei denen der Daumen einen größeren Druck aufbringen muss.

Rhizarthrose

Bei einer sogenannten Rhizarthrose handelt es sich um eine Arthrose (degenerativer Gelenkverschleiß) im Daumensattelgelenk, welches sich im Daumenballen befindet. Dieses Gelenk ermöglicht viele Bewegungen wie die Rotation des gesamten Daumens und die Gegenüberstellung des Daumens zu den anderen Fingern, was als Opposition bezeichnet wird. Eine Rhizarthrose kommt relativ häufig vor, vor allem bei Frauen. Zehn Prozent der über 50-jährigen Frauen (nach der Menopause) sind betroffen, während Männer eher seltener betroffen sind.

Häufig tritt die Rhizarthrose gleichzeitig auf der Gegenseite auf oder es sind noch andere Fingergelenke von einer Arthrose betroffen. Da die Daumensattelgelenksarthrose schleichend fortschreitet, spiegelt sich dies auch in der Symptomatik wieder. Meist treten belastungsabhängige Schmerzen im Bereich des unteren Daumensattelgelenkes auf sowie im Bereich der Streckseite des Daumensattelgelenkes.
Schreitet die Erkrankung weiter vor, kommt es zu stärker werdenden Schmerzen und einer zunehmenden Kraftminderung. Dies äußert sich dann häufig in alltäglichen Tätigkeiten, die nur noch erschwert unter Schmerzen durchführbar sind, wie eine Flasche oder Schraubgläser öffnen. Vielen Patienten fallen auch Gegenstände plötzlich aus der Hand. Auch in Ruhe und nachts treten Schmerzen im Daumenballen auf. Ebenfalls die Abspreizung des Daumens sowie Rotationen sind nur noch eingeschränkt durchführbar.
Wenn die Arthrose weiter fortschreitet, kann es durch knöcherne Veränderungen sogar gänzlich unmöglich werden den Daumen abzuspreizen, wodurch es zu einer Überstreckung im Grundgelenk kommt. Untersucht der Arzt den Daumenballen, kann er im Falle einer vorliegenden Rhizarthrose einen deutlichen Druckschmerz über dem Daumensattelgelenk provozieren. Oft kann der Arzt auch schmerzhafte Krepitationen (hör- und fühlbare Knistergeräusche) über dem Gelenk nachweisen.

Eine Rhizarthrose kann man durch eine Röntgenuntersuchung in zwei Ebenen nachweisen. Im Röntgen sieht man dabei eine Verschmälerung des Gelenkspaltes. Zum Teil sieht man auch zystische Neubildungen (Hohlräume) im Inneren des Knochens oder, dass der Daumen aus dem Sattelgelenk gerutscht ist, da die knöcherne Führung schlechter geworden ist. Typisch für eine Arthrose ist die Bildung von sogenannten Osteophyten, knöchernen Anbauten an den Knochen, die man dann ebenfalls im Röntgenbild sehen kann.

Das Daumensattelgelenk bildet sich zwischen einem Handwurzelknochen, dem Vieleckbein (Os trapezium) und dem ersten Mittelhandknochen. Ist dort der Gelenkspalt nicht mehr wirklich vorhanden, reiben die beiden Knochen direkt aneinander, was Schmerzen verursacht. Dadurch, dass die zwei Knochen direkt aneinander reiben, entsteht innerhalb des Gelenkes eine Instabilität, was dann bei manchen Patienten dazu führt, dass der Mittelhandknochen aus dem Daumensattelgelenk heraus wandert. Es entsteht eine Luxation / Ausrenkung des Gelenkes.

Ursachen für eine Degeneration des Gelenkknorpels sind oft hormonelle Veränderungen, weswegen die Arthrose typischerweise bei Frauen nach der Menopause auftritt. Andere mögliche Ursachen sind eine angeborene Bandschwäche, wodurch es zu einer Gelenkinstabilität kommt oder eine veränderte Form der gelenkbildenden Knochen.

Bevor man über eine Operation nachdenkt, besteht zu Beginn der Erkrankung die Option auch nicht-operativ zu therapieren. Dies kann über eine Gipsschiene beziehungsweise Orthese (Rhizoloc-Schiene) geschehen, sodass das Daumensattelgelenk dann kurzzeitig ruhig gestellt wird und sich in dem Zeitraum erholen kann. Auch eine ergotherapeutische Therapie kann hilfreich sein.

Oft werden auch unter Röntgen-Kontrolle Hyaluronsäure-Injektionen durchgeführt, um den geschädigten Knorpel ein wenig zu ersetzen. Diese Therapie wirkt allerdings nicht bei allen Patienten. Manche Ärzte schreiben dieser Therapie überhaupt keine Wirkung zu.

Wenn die Beschwerden zunehmen oder die Funktionalität zu sehr eingeschränkt ist, wird eine Operation durchgeführt. Bei der Operation wird der Handwurzelknochen, das Vieleckbein gegen eine Sehnenschlaufe ersetzt. Gegebenenfalls wenn die Bandverhältnisse stabil genug sind, kann sogar nur das Vieleckbein entnommen werden und keine Sehnenschleife eingebracht werden.
Die Rehabilitation nach OP ist langwierig. Meist dauert es mindestens drei Monate bis der Daumen wieder in gewohntem Maße eingesetzt werden kann. In manchen Fällen wird das Daumensattelgelenk durch ein Kunstgelenk ersetzt, dies hat den Vorteil, dass die Rehabilitation nur circa sechs Wochen dauert, allerdings ist die Haltbarkeit deutlich geringer und es muss unter Umständen eine erneute Operation erfolgen.

Abbildung Daumen

Gliederung der Hand
(Gelenklinien grün)
I - Oberes (proximales) Handgelenk
II - Unteres (distales) Handgelenk
III - Handwurzel- Mittelhand-
Gelenke
IV - Fingergrundgelenk
V - Fingermittelgelenk
(fehlt bei Daumen)
VI - Fingerendgelenk
VII - Daumenendgelenk

  1. Fingerendglied -
    Phalanx distalis
  2. Fingermittelglied -
    Phalanx media
  3. Fingergrundglied -
    Phalanx proximalis
  4. Mittelhandknochen - Metacarpalia
  5. Trapezbein - Os trapezium
  6. Trapezoidbein - Os trapezoideum
  7. Kopfbein - Os capitatum
  8. Hakenbein - Os hamatum
  9. Kahnbein der Hand -
    Os scaphoideum
  10. Mondbein - Os lunatum
  11. Dreieckbein - Os triquetrum
  12. Erbsenbein - Os pisiforme
  13. Sesambein - Os sesamoideum
  14. Elle - Ulna
  15. Speiche - Radius

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

Weiterführende Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 31.07.2018
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