Gicht

Bei der Gicht kommt es zur Ablagerung von Harnsäurekristallen in den Gelenken.

Synonyme im weiteren Sinne

Medizinisch: Hyperurikämie

„Zipperlein“, Gichtanfall, Podagra, Arthritis urica

Englisch: gout

Französisch: goutte

Definition Gicht

Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der es zur Ablagerung von Harnsäurekristallen v.a. in den Gelenken kommt.
Dies führt zu rheumatischen Beschwerden, also:

  • Entzündungen
  • Schwellungen und
  • starken Schmerzen

in den betroffenen Gelenken, weshalb die Erkrankung dem rheumatischen Formenkreis zugerechnet wird.
Harnsäure entsteht im menschlichen Körper u.a. beim Zelluntergang und Abbau der Zellbestandteile (z.B. der DNA / DNS = Desoxyribonukleinsäure)


Vorkommen

Gichtkristalle

Gicht: Ein altbekanntes Leiden...

Im Mittelalter wurde Gicht als Strafe für Prasserei und übermäßigen Alkoholgenuss angesehen, denn meist waren nur Menschen betroffen, die sich eine üppige Ernährung mit viel Fleisch und fettem Fisch leisten konnten. Berühmte Patienten waren z.B. Karl V, Heinrich VIII oder Michelangelo.

... läuft zu neuer Hochform auf

Heute lässt sich beobachten, dass Gicht gehäuft mit den Erkrankungen des sogenannten „metabolischen Syndroms“ zusammen auftritt, das sich durch:

Mit ihrem Erstarken gewinnt auch die Krankheit Gicht wieder an Bedeutung.

Häufigkeit (Epidemiologie)

Vorkommen in der Bevölkerung
Die Gicht ist neben der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ 2) eine der häufigsten Stoffwechselerkrankungen in den Industrieländern.
Etwa 30 Prozent der Männer und 3 Prozent der Frauen haben erhöhte Harnsäurewerte, und jeder zehnte Patient mit erhöhter Harnsäure im Blut (Hyperurikämie) entwickelt eine Gicht.
Bei Männern ist dies unabhängig vom Lebensalter, bei Frauen steigen die Werte nach den Wechseljahren (Menopause) an.

Entstehung und Ursachen

Der Begriff Gicht ist eigentlich ein Sammelbegriff für verschiedene Stoffwechselerkrankungen, die zu einem erhöhten Harnsäurespiegel im Blut (Hyperurikämie) führen und die Folgeerkrankungen, die daraus entstehen.

Harnsäure fällt im menschlichen Körper als Endprodukt des Purinnucleotid - Abbaus an. Purinnucleotide sind Bestandteil der Erbinformation (DNS / DNA) in allen Zellen des menschlichen Körpers. Die DNS muss z.B. dann in unserem Organismus abgebaut werden, wenn alte Zellen sterben, oder wenn mit der Nahrung viel DNS aufgenommen wird (Fleisch, besonders Innereien enthalten viele Purine).
Über mehrere Zwischenstufen fällt letztendlich das Endprodukt Harnsäure an, die nicht weiter verwertet werden kann und über die Niere (renal) ausgeschieden wird.

Beim Menschen ist der Harnsäureanteil im Blut besonders hoch. Der Grund hierfür könnte die antioxidative Wirkung (Schutzfunktion vor schädigenden Substanzen) von Harnsäure sein, die möglicherweise einen Evolutionsvorteil birgt.
Die Ausscheidung der Harnsäure läuft also schon bei normalen Harnsäuremengen nahe am Limit. Wird dieses Limit überschritten, ist die Harnsäure nicht mehr löslich, man sagt die Harnsäure fällt aus und bildet Kristalle.

Zur Veranschaulichung kann man sich vorstellen, dass man in einer warmen Tasse Tee auch nur eine bestimmte Menge Zucker geben kann, sonst behält man einen Bodensatz.
Harnsäurekristalle bilden sich v.a. in den Gelenken von Armen und Beinen, besonders häufig im Großzehengrundgelenk (das Krankheitsbild welches hierdurch entsteht wird als Podagra bezeichnet). Der Grund hierfür liegt in der schlechteren Löslichkeit von Salzen in Flüssigkeiten mit niedrigen Temperaturen (wie sie im Vergleich zwischen Händen und Füßen (relativ kälter) zum Körperkern gelten).
In warmem Tee löst sich Zucker besser auf als in kaltem. Die Harnsäurekristalle im Gelenkspalt werden von den Abwehrzellen des Immunsystems als Fremdkörper erkannt und gefressen, woraufhin die Zellen sterben und es zu einer massiven Freisetzung von Entzündungsstoffen aus dem Inneren der Zellen kommt, die wiederum weitere Abwehrzellen anlocken. Ein Teufelskreis entsteht.

Prinzipiell lassen sich die Störungen des Purinabbaus, die zur Gicht führen in zwei Gruppen einteilen:

  1. gestörte Harnsäureausscheidung = die Harnsäure wird nicht in normalem Maß ausgeschieden, deshalb reichert sie sich im Körper an.
  2. vermehrte Harnsäurebildung = im Körper kann es auf Grund verschiedenster Prozesse zu einer vermehrten Produktion von Harnsäure kommen, auch hier reichert sie sich bei normaler Ausscheidung vermehrt an.

Primäre Hyperurikämie

Unter primärer Hyperurikämie (auch primäre Gicht genannt) versteht man den Anstieg des Harnsäurespiegels in Folge von erblichen Stoffwechseldefekten. In der Mehrzahl der Fälle handelt es sich bei einer Hyperurikämie um die primäre Form.

Mögliche Ursache ist eine polygen bedingte (das bedeutet, dass mehrere Gene beteiligt sind) Verminderung der Harnsäureausscheidung über die Niere. Grund hierfür ist ein Mangel an Kanälen durch die die Harnsäure normalerweise in den Harn gelangt (ca. 99% aller Fälle).
Das Lesch-Nihan-Syndrom, eine sehr seltene Erkrankung, die über das X-Chromosom vererbt wird (ca. 1% aller Fälle). Der genetische Fehler führt dazu, dass ein bestimmtes stoffwechselaktives Eiweiß (Enzym), dass zum Purinstoffwechsel gehört, nicht mehr gebildet wird. Die Aufgabe des Enzyms besteht im Wiederverwerten von Purinen zu DNS. Durch die Wiederverwertung fallen normalerweise weniger Purine an, die der Körper zu Harnsäure abbauen muss.

Sekundäre Hyperurikämie

Als sekundäre Hyperurikämie (auch primäre Gicht genannt) bezeichnet man hingegen einen Anstieg des Harnsäurespiegels, der durch eine erworbenen Erkrankung bedingt ist.

Mögliche Beispiele wären:

führen zu vermehrtem Zelluntergang ? es fallen vermehrt DNS = Purine an.

Nierenerkrankungen (z.B. Nierenversagen), Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Keto- und Lactatazidosen führen zu einer Verminderung der Nierenausscheidung für Harnsäure ? es bleiben vermehrt Purine im Blut).

Auch Alkohol (durch Hemmung der Nierenausscheidung), purinreiche Ernährung (z.B. Fleisch und Fisch) und bestimmte Medikamente, die die Harnsäureausscheidung beeinflussen (z.B. Abführmittel, „Wassertabletten“ (Diuretika)) können die Entwicklung einer Hyperurikämie fördern.

Therapie der Gicht

Die Therapie bei Gicht setzt bei einem gesunden Ernährungsstil an. Eine purinarme Diät wird empfohlen, da Purine im menschlichen Körper zu Harnsäure verstoffwechselt werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Ernährung bei Gicht

Um den erhöhten Harnsäurespiegel auf Dauer auszugleichen, werden vom Arzt Medikamente verschrieben, die die Harnsäurebildung hemmen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Therapie der Gicht

Weitere Informationen zur Gicht

Weitere Informationen zu den Symptomen bei Gicht und Ernährung bei Gicht sowie der Therapie finden Sie unter unseren Themen:Symptome Gicht

Autor: Dr. Gumpert      |     Letzte Änderung: 10.05.2016
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