Adipositas

Allgemeines

Adipositas (Fettleibigkeit) beschreibt eine Erkrankung, die mit starkem Übergewicht einhergeht. Diese Erkrankung hat vielfältige Ursachen und Folgen, welche im Weiteren näher beleuchtet werden.

Definition

Gemäß der Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht man von Adipositas, wenn der Body-Mass-Index (BMI) über 30 kg/m² liegt.

Der BMI beschreibt allgemein das Verhältnis von Körpergewicht zu Körpergröße und berechnet sich folgendermaßen: Körpergewicht in kg/ Körpergröße in m².

Von Normalgewicht spricht man bei einem BMI zwischen 18,5 – 24,9 kg/m², während ein BMI zwischen 25 – 29,9 kg/m² als Übergewicht bzw. Präadipositas definiert ist.

Die Adipositas wird wiederum in 3 Schweregrade eingeteilt je nach Höhe des BMI:

  • Grad I ab 30kg/m²
  • Grad II ab 35kg/m²
  • Grad III ab 40kg/m².

Diese Einteilung ist jedoch nicht unumstritten, da die Fettverteilung im Körper nicht mit einbezogen wird.
Es ist bekannt, dass ein erhöhter Bauchumfang ( bei Frauen größer als 80 cm, bei Männern größer als 92 cm) mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) einhergeht.
Findet sich das Fett hingegen vorwiegend an Oberschenkeln und Hüfte, ist das Risiko derartiger Folgeerkrankungen wesentlich geringer.
Auch einer erhöhten Muskelmasse (wie etwa bei Bodybuildern) wird der BMI als Einteilungsgrundlage für die Adipositas nicht gerecht.

Dennoch ist diese Einteilung im deutschen Gesundheitssystem derzeit üblich und gebräuchlich.

Lesen Sie hierzu auch unser Thema Folgen von Übergewicht.


Häufigkeit

Laut Statistiken aus den letzten Jahren sind ca. 25% der Erwachsenen in Deutschland adipös, in der Altersgruppe zwischen 3 und 17 Jahren waren bereits 6% der Kinder und Jugendlichen adipös.

Weltweit liegt der Anteil adipöser Menschen in einer Gesellschaft (Prävalenz) am höchsten in den industrialisierten Staaten (USA, Alaska, Kanada, Mexiko, Australien, Deutschland, Großbritannien, Finnland usw.).

Insgesamt ist festzustellen, dass die Prävalenz der Adipositas in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen hat, aktuell scheint sich die Zahl jedoch zu stabilisieren.

Ursachen

Die Ursachen für Übergewicht und Adipositas sind vielfältig. Zudem spielen verschiedene Faktoren, wie z.B. Bildung, Einkommen, etc. eine entscheidende Rolle für das Risiko an Adipositas zu erkranken.

  • Ungünstige Energiebilanz durch zu hohe Kalorienzufuhr bei zu geringem Energieverbrauch:
    Der tägliche Kalorienbedarf hängt von vielen Faktoren ab. Schon der Grundumsatz (Bedarf an Energie bei Ruhe) variiert in Abhängigkeit vom Geschlecht, Lebensalter, Körperbau u.v.a.m.. Dazu kommt außerdem der Arbeitsumsatz durch zusätzliche energieverbrauchende Prozesse, wie etwa sportliche Aktivität, geistige Aktivität, veränderte Umgebungstemperaturen usw.
    Übergewicht bzw. Adipositas entsteht immer dann, wenn über längere Zeit dem Körper mehr Energie zugeführt wird, als er verbraucht.

  • Genetische Faktoren:
    Es gibt Hinweise, dass die Fettverteilung und die Nahrungsverwertung genetisch beeinflusst werden. Auch Fettstoffwechselstörungen, wie z.B. die Hypercholesterinämie) können genetisch bedingt sein. Für die Entstehung einer Adipositas spielen jedoch stets auch Umweltfaktoren eine Rolle.
    Bestimmte Faktoren in der Schwangerschaft, wie z.B. eine Diabetes mellitus der Mutter erhöhen das Risiko für das Kind an Adipositas zu erkranken.
    Lesen Sie mehr zum Thema: Schwangerschaftsdiabetes

  • Adipositas als Folge anderer Erkrankungen:
    Es gibt bestimmte Stoffwechselerkrankungen, die mit einem verminderten Grundumsatz (Grundbedarf an Energie ohne körperliche Anstrengung) einhergehen und daher zu einem Anstieg des Körpergewichts bis hin zur Adipositas führen. Dazu zählen u.a. die Schilddrüsenunterfunktion, Störungen im Kortisolhaushalt und Zuckerstoffwechselstörungen mit einer erhöhten Ausschüttung von Insulin.
    Auch psychiatrische Erkrankungen in Form von Essstörungen können mit Adipositas einhergehen, z.B. Binge-Eating-Störung (unkontrollierte Essattacken), Bulimie (Ess-Brech-Sucht).

  • Nebenwirkungen von Medikamenten:
    Bestimmte Medikamente führen bei Einnahme zu einer Gewichtszunahme (z.B. bestimmte Antidepressiva). Daher sollten sie bei übergewichtigen Patienten nicht verschrieben werden.

Symptome und Folgeerkrankungen

Das erhöhte Körpergewicht führt häufig zu folgenden Symptomen und Folgeerkrankungen:

Treten Adipositas (v.a. erhöhtes Bauchfett), Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte und ein gestörter Zuckerstoffwechsel gemeinsam auf, spricht man vom metabolischen Syndrom. Diese Kombination führt zu einem extrem hohen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

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Diagnose

Die Diagnose Adipositas wird häufig gestellt, wenn der Patient sich zum Check-up oder aufgrund anderer Symptome beim Haus – oder Facharzt vorstellt. Dazu genügt die Ermittlung von Körpergröße und –gewicht. Zudem empfiehlt sich eine Messung des Bauchumfangs.

Wird die Diagnose Adipositas gestellt, sollten weitere Untersuchungen folgen, um evtl. Folgeerkrankungen frühzeitig zu erkennen und behandeln zu können. Auch sollte die Diagnosestellung Anlass für eine Beratung sein, wie der Patient sein Gewicht reduzieren kann bzw. welche weiteren Therapieoptionen es gibt.

Therapie

Das Ziel jeder Therapie ist stets die Gewichtsabnahme.

Dabei sollte immer zunächst die Ursache für das Übergewicht geklärt werden, um die für den jeweiligen Patienten sinnvollste Therapiemethode herauszufinden. Daher müssen zunächst die Ernährungsgewohnheiten und Bewegungsmuster genau analysiert werden, bestimmte Voruntersuchungen bzgl. weiterer Krankheitsursachen durchgeführt und die Therapieziele definiert werden. Laut einiger Fachgesellschaften empfiehlt sich je nach Grad der Adipositas das Körpergewicht um 5-30% zu reduzieren.

Die Therapie umfasst stets eine dauerhafte Veränderung von Ernährung und Bewegung, häufig zusammen mit einer Psychotherapie und all dies stets gemeinsam mit dem Lebenspartner bzw. der Familie.

  • Diät zur Gewichtsabnahme (Reduktionsdiät):
    Das Körpergewicht sinkt nur dann, wenn die verbrauchte Energie höher ist, als die durch die Nahrung aufgenommene Energie. Es wird empfohlen mindestens 500 kcal weniger zu essen, als verbraucht werde. Außerdem sollte ausreichend getrunken werden und man sollte sich mindestens 3-mal pro Woche eine halbe Stunde bewegen.
    Wichtig ist zudem die dauerhafte und nachhaltige Umstellung der Ernährungs- und Bewegungsmuster, um den Jo-Jo-Effekt zu verhindern. Hierbei kommt es aufgrund einer zu geringen Kalorienzufuhr während der Diät zur Umstellung auf den sogenannten Hungerstoffwechsel, was wiederum zu einer Gewichtszunahme führen kann.

  • Medikamente zur Gewichtsabnahme:
    Die medikamentösen Möglichkeiten zur Gewichtsreduktion umfassen 3 Stoffgruppen: Appetitzügler, Quellstoffe und Fettblocker.
    Appetitzügler sollen das Hungergefühl unterdrücken und somit die Nahrungsaufnahme bremsen. Sie sind jedoch sehr umstritten, da sie durch ihre unspezifische Wirkung im gesamten Körper auch in andere Systeme (z.B. Blutdruckregulation) eingreifen und somit schwere Nebenwirkungen hervorrufen können. Vor der Anwendung von Appetitzüglern sollte daher immer ein Arzt konsultiert werden.
    Quellstoffe, wie z.B. mit Cellulose oder Kollagen, breiten sich im Bereich des Magen-Darm-Traktes aus und verringern somit das Volumen für die Aufnahme von Nahrung. Eine mögliche Nebenwirkung ist der Darmverschluss, weshalb unbedingt auf eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme geachtet werden muss.
    Fettblocker hemmen die Aufnahme von Fetten aus der Nahrung, weshalb diese unverdaut in Form von Fettstühlen wieder ausgeschieden werden. Problematisch ist die fehlenden Aufnahme der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K, die dann medikamentös ersetzt werden müssen.

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  • Chirurgische Interventionsmöglichkeiten:
    Der Bereich der Adipositaschirurgie beschäftigt sich mit Operationen am Magen-Darm Trakt, die bei der Gewichtsreduktion adipöser Patienten helfen sollen.
    Da es sich hierbei um große chirurgische Eingriffe mit bestimmten Operationsrisiken handelt, sollten zunächst stets alle konservativen Therapieversuche zur Gewichtsreduktion ausgeschöpft werden. Zudem muss den Patienten bewusst sein, dass eine alleinige chirurgische Therapie nicht ausreichend ist, sondern immer mit einer Ernährungsumstellung einhergehen muss. Auch wurden von den Fachgesellschaften genaue Voraussetzungen definiert, wann ein Patient für derartige Maßnahmen geeignet ist und ein Erfolg wahrscheinlich erscheint.
    Alle Eingriffe haben das Ziel, entweder die Kapazität des Magens einzuschränken, um die aufgenommen Nahrungsmenge zu begrenzen oder die Resorption bestimmter Nahrungsbestandteile (z.B. Fette) zu vermindern, um die aufgenommene Kalorienzahl zu begrenzen.

Weiterführende Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 02.11.2017
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