Appetitzügler

Synonym

Anoretika, Antiadiposita

Einleitung

Appetitzügler sind eine Gruppe zum Teil sehr verschiedener Wirkstoffe, die eine Gewichtsreduktion zum Ziel haben.

Dabei ist die Art und Weise in der dieses Ziel erreicht wird unterschiedlich. Die wenigen Arzneistoffe, die für eine Behandlung von Übergewicht zugelassen sind oder sich in der Entwicklung befinden, können nach ihrem Wirkmechanismus grob in drei Gruppen eingeteilt werden:

  1. Die erste Gruppe erreicht eine Gewichtsreduktion durch Appetitminderung oder Steigerung des Sättigungsgefühls. Sie greift direkt an der dafür zuständigen Stelle im zentralen Nervensystem (ZNS) an, dem Hypothalamus.
  2. Eine zweite Gruppe hemmt die Aufnahme bestimmter Nahrungsbestandteile, insbesondere von Fetten, im Darm.
  3. Eine dritte Gruppe besteht aus Wirkstoffen, die in ihrer Struktur körpereigenen Hormonen aus dem Magen-Darm-Trakt ähneln und somit deren Wirkung imitieren.

Es gibt weitere Wirkstoffe mit anderen Mechanismen, einige befinden sich in der Erprobung zur Behandlung von Übergewicht, andere sind nicht zur Behandlung von Übergewicht indiziert sondern haben abweichende Anwendungsgebiete. So erhöhen beispielsweise Schilddrüsenhormone (Thyroxin) den Grundumsatz, was zu einem schnelleren Abbau zugeführter Kalorien führt.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Diätpillen oder Abnahme mithilfe von Tablette oder Kapseln


Indikationen

Wie der Name schon vermuten lässt, ist die Anwendung von Antiadiposita der Patientengruppe mit Übergewicht vorbehalten.

Ein tatsächlich behandlungsbedürftiges Übergewicht im Sinne einer Adipositas (Fettsucht) besteht definitionsgemäß ab einem Body-Maß-Index von 30 kg/m2, doch auch Patienten mit einem BMI über 25 kg/ m2 bzw. 28 kg/ m2 können einer Behandlung bedürfen wenn sie bereits weitere Risikofaktoren für das Herzkreislaufsystem (kardiovaskuläre Risikofaktoren) wie beispielsweise einen hohen Blutdruck oder einen sehr hohen Cholesterinspiegel (Hypercholesterinämie) aufweisen.

Je mehr dieser Risikofaktoren ein Patient aufweist, um so höher ist das Risiko für Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, zum Beispiel

Lesen Sie hierzu auch unser Thema Folgen von Übergewicht.

Zugelassene Wirkstoffe

In Deutschland sind derzeit vier Wirkstoffe zur Behandlung von Adipositas zugelassen.

Orlistat verringert die Aufnahme (Resorption) von Fetten im Magen-Darm-Trakt indem es die für die Fettspaltung zuständigen Enzyme (Lipasen) hemmt. In Studien wurde es mit einer fettreduzierten Ernährung kombiniert. Es wurde die Gewichtsabnahme von Patienten die eine Diät einhielten und Orlistat einnahmen und solchen, die eine Diät einhielten und einen Placebo (Medikament, das aussah wie Orlistat, jedoch keinen Wirkstoff enthielt) einnahmen, verglichen. Es zeigte sich in beiden Gruppen bei einigen Patienten eine Gewichtsabnahme, wobei in der Gruppe mit Orlistat die Rate der Patienten, die an Gewicht abnahmen höher lag. Die Studien zeigten jedoch auch, dass die Patienten die unter Orlistat abgenommen hatten, innerhalb eines Jahres nach Absetzen des Medikamentes wieder ihr Ausgangsgewicht erreicht hatten. Bei den untersuchten Patienten sank unter der Behandlung mit Orlistat die Konzentration des ungünstigen LDL-Cholesterin ab, während die des günstigen HDL-Cholesterin anstieg. Weiterhin wurde ein Absinken der Nüchern-Blutzuckerspiegels sowie des Blutdruckes festgestellt. Somit beeinflusste Orlistat viele der kardiovaskulären Risikofaktoren positiv. Orlistat sollte nicht länger als sechs Monate am Stück eingenommen werden. Sofern sich nach 12 Wochen nicht eine Gewichtsreduktion um mindestes 5% des Ausgangsgewichts zeigt, sollte die Behandlung abgebrochen werden. Zu den Nebenwirkungen zählen vor allem solche, die direkt mit der vermehrten Fettausscheidung im Stuhl zusammenhängen, so Unterbauchschmerzen, Blähungen mit Stuhlabgang und Stuhldrang bis hin zu Stuhlinkontinenz. Die Rate an Nebenwirkungen nimmt bei fettreicher Ernährung zu, auch deshalb sollte eine fettreduzierte Diät eingehalten werden. Orlistat ist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich zu einem Preis von etwa 32 Euro für 42 Kapseln á 60 mg bzw. 44 Euro für 84 Kapseln á 60 mg.

Aktuell sind in Deutschland drei weitere Appetitzügler zugelassen, alle drei greifen direkt im zentralen Nervensystem (ZNS) an, sie zählen zur Gruppe der Amphetamine: Amfepramon, Phenylpropanolamin (auch: Norephedrin) und D-Norpseudoephedrin (auch: Cathin). Diese Arzneimittel setzen bestimmte Botenstoffe (Neurotransmitter) wie (Nor)Adrenalin aus Nervenzellendigungen frei und zählen somit zu den indirekten Sympathomimetika, das heißt, dass sie den Sympathikus stimulieren und damit unter anderem also die Herzfrequenz und den Blutdruck erhöhen. Diese Botenstoffe steigern zum Einen durch die Aktivierung des Sympathikus den Energieumsatz, zum Anderen wirken sie über eine Appetithemmung. Das Nebenwirkungsspektrum der Sympathomimetika ist groß da sie nicht nur dort wirken, wo es erwünscht ist. So führen sie häufig auch zu

Die Anwendungsdauer ist daher – je nach Medikament – auf vier bis maximal 12 Wochen beschränkt. Aufgrund des zum Teil dramatischen Nebenwirkungsprofils sollte ein Einsatz eines dieser Medikamente unter einer genauen Nutzen-Risiko-Abwägung gründlich überdacht werden.
30 Kapseln mit dem Wirkstoff Amfepramon kosten etwa 29 Euro (Regenon®), 30 Kapseln mit dem Wirkstoff Phenylpropanolamin kosten etwa 29 Euro (Recatol®), 15 ml mit dem Wirkstoff Norpseudoephedrin kosten etwa 25 Euro (Alvalin®).

Weitere Wirkstoffe wurden und werden in experimentellen Studien auf ihre Wirksamkeit überprüft. So beispielsweise Arzneimittel aus der Gruppe der Wiederaufnahmehemmer von Serotonin, Noradrenalin und Dopamin (z.B. Tesofensin).

Weiterhin befinden sich Wirkstoffe in Erprobung, die Hormonen des Magen-Darm-Traktes ähneln und zum Teil bereits zur Therapie des Diabetes mellitus eingesetzt werden (z.B. Exenatid). Auch eine Kombination aus dem Amphetamin Phentermin und dem Antiepileptikum Topiramat wird aktuell in Studien überprüft. Bisher wurde für dieses Kombinationspräparat eine höhere Wirksamkeit als für Orlistat festgestellt, bei einer weniger starken Beeinträchtigung durch Nebenwirkungen.

Neben diesen Medikamenten gibt es weiterhin auch zahlreiche pflanzliche Mittel oder Mittel aus der Sparte der alternativen Medizin, die zur Gewichtsreduktion eingesetzt werden können. Es ist zu beachten, dass pflanzliche Mittel nicht grundsätzlich ungefährlich sind. Auch solche Wirkstoffe können schwere Nebenwirkungen haben, insbesondere wenn sie missbräuchlich und ohne ärztliche Kontrolle angewandt werden.

Zur Gruppe der pflanzlichen Appetitzügler zählen unter anderem „natürliche Aufputschmittel“ wie

  • Koffein, Mate oder Schwarztee
  • Ballast- und Quellstoffe wie Guar und Flohsamen und
  • Wirkstoffe, die den Energieumsatz steigern (pflanzliche Sympathomimetika) wie Ephedrin

Ausblick

Bisher gibt es kein Medikament, das die Kombination aus guter Wirksamkeit und gleichzeitig sehr guter Verträglichkeit ausreichend gut zu vereinen weiß. Auch besteht das Problem des Missbrauchs von rezeptfreien oder pflanzlichen Appetitzüglern, welche zum Teil durch ihre nicht unerheblichen Nebenwirkungen gefährliche Konsequenzen nach sich ziehen können. Zahlreiche Wirkstoffe sind weiterhin in der Erprobung.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zum Thema Appetitzügler finden Sie hier:

Alle Themen zu den verschiedenen Medikamenten unter: Medikamente A-Z.

Haftungsausschluss/ Disclaimer

Wir weisen darauf hin, dass Medikamente niemals eigenständig, ohne Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt abgesetzt, angesetzt oder verändert werden dürfen.
Bitte beachten Sie, dass wir in unseren Texten keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit erheben können. Durch aktuelle Entwicklungen können die Angaben ggf. veraltet sein.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 12.04.2018
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