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Handnerven

Einführung

Die Handnerven, die für die sensible und motorische Versorgung der Hand zuständig sind, entspringen einem Nervengeflecht (Plexus) von dem es für jede Körperseite jeweils einen gibt. Dieses Armgeflecht wird in der medizinischen Fachsprache als Plexus brachialis bezeichnet und entspringt mit den zugehörigen Nervenfasern aus den Rückenmarkssegmenten der 5.-7. Halswirbelsäule und dem 1. Brustwirbel. (C5- Th1). Aus dem Nervenbündel zweigen sich verschiedene einzelne Nerven ab, die neben den Handnerven auch Nerven zum Nacken, zu den Schulter und zum Arm abgeben.

Die Nerven für den Arm gehen in Ihrem Verlauf in die Nerven für die Handversorgung über. Zu diesen wichtigen Strukturen gehören die drei Handnerven:

Sie ziehen aus dem Nervengeflecht am Hals durch den Arm, versorgen dort neben der Muskulatur auch sensibel die Haut und ziehen mit ihren Endästen bis in die Hand hinein.

Karpaltunnel

Auf dem Weg der drei großen Handnerven zur Hand hin, ziehen sie unter einem derben und straffen Band aus Bindegewebe hindurch. Dieses Band wird als Retinaculum musculum flexorum bezeichnet. Es begrenzt kurz vor dem Handgelenk einen Raum nach oben hin ab. Dieser als Karpaltunnel (Canalis carpalis) bezeichneter Raum, ist eine Durchtrittsstelle für die Sehnen der Handmuskeln, der Sehne des Daumen und für den N. medianus.

Schmerzen in der Hand

Werden Handnerven auf verschiedene Art geschädigt, entstehen in der betroffenen Hand möglicherweise Schmerzempfindungen sowie Sensibilitätsstörungen. Die Ausprägungsformen des Schmerzes bei Verletzungen der Hand können sich auf unterschiedliche Art und Weise äußern. Ist der Schmerz leicht oder stark, akut oder bereits länger anhaltend? Wie genau fühlt sich der Schmerz an, ziehend, brennend, stechend, klopfend? Ist der Schmerz auf einen Bereich der Hand, z.B. einen Finger, beschränkt oder strahlt der Schmerz in den Unterarm oder bis zur Schulter hin aus? Fühle ich den Schmerz dauerhaft oder nur auf Druck oder während der Bewegung des Handgelenks oder einzelner Finger?

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Schmerzen in der Hand

Die Lokalisation und Ausprägung des Schmerzes kann Rückschlüsse auf den Ort sowie die Form der Verletzung eines Nerven möglich machen. Schmerz oder Sensibilitätsverlust lassen auf die Beschädigung eines sensiblen Anteils eines Handnerven schließen. Ist die Bewegung im Handgelenk oder einzelner Finger beeinträchtigt, wurde vermutlich ein motorischer Nervenzweig geschädigt.

Da die drei Handnerven, N. radialis, N. medianus und N. ulnaris, jeweils bestimmte Teile der Hand sensibel und motorisch versorgen, ist eine grobe Zuordnung eines recht genau lokalisierbaren Schmerzes zu einem der Nerven möglich.

Schmerzen in der Hand können aber auch von anderen Strukturen ausgehen, z.B. sind Schmerzen bei einer Überbelastung des Handgelenks häufig.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Schmerzen im Handgelenk

Verletzungen der Handnerven

Verletzungen der Handnerven können die oben beschriebenen Schmerzen verursachen. Die Lokalisation der Verletzung muss nicht ausschließlich auf die Hand beschränkt sein, auch Verletzungen am Ober- und Unterarm, Schulter und Ellenbogen können sich als Schmerzen in der Hand äußern. Nerven können durch äußere Gewalteinwirkung, z.B. Schnittwunden, Prellungen, Brüche oder Verbrennungen, geschädigt oder durchtrennt werden. Durch die Schädigung des umliegenden Gewebes kann es zur Einklemmung oder Quetschung von Handnerven an Engstellen der Nervenverläufe kommen, die ähnliche Symptome wie eine direkte Nervenverletzung hervorrufen.

Schmerzen können außerdem durch die Reizung eines Nervs, z.B. durch Überlastung oder durch eine Entzündung, entstehen.

Häufig beschreiben Patienten mit akuten Verletzungen der Hand einen typischen Wund- bzw. Verletzungsschmerz. Dieser muss nicht zwangsweise auf die Verletzung eines Nervs hindeuten. Wurde ein sensibler Nerv beschädigt, äußert sich dies oft erst nach Abklingen des akuten Wundschmerzes nach Stunden bis Tagen, je nach Größe der Verletzung. Typische Symptome sind dabei Gefühlsminderung, anhaltende Schmerzen, Kribbeln in den Fingern oder Taubheit.

Nach erneuter Vorstellung beim Arzt ist eine Diagnosestellung in Bezug auf die Art der Nervenverletzung wichtig. Ist der Nerv lediglich beschädigt oder gereizt, ist eine Regeneration ohne operativen Eingriff möglich. Bei Durchtrennung eines Nervenstranges ist dies nicht möglich. Es sind operative Maßnahmen notwendig, die ein erneutes Zusammenwachsen des Nervs in Aussicht stellen. Die Symptome der Nervenverletzung können dabei trotz Operation noch über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben, da das Zusammenwachsen der Nervenenden ein sehr langwieriger Prozess ist.

Nervus medianus

Der N. medianus entspringt aus dem Nervengeflecht aus der sogenannten Medianusgabel. Nachdem er den Oberarm passiert hat, zieht dieser Handnerv an der Beugeseite des Armes in Richtung Daumen. Dabei verläuft er unter dem Retinaculum musculorum flexorum im Karpaltunnel zwischen den tiefen und oberflächlichen Sehnen der Beugemuskulatur bis zur Hohlhand. In der Hohlhand zweigt er sich schließlich in seine motorischen und sensiblen Äste auf.

Die motorischen Nervenfasern versorgen die Muskulatur am Daumen (Thenarmuskulatur). Sie bewirken dort die Abduktion, Flexion und die Gegenüberstellen des Daumens zum kleinen Finger. Darüber hinaus innerviert der Nervus medianus die tiefe Beugemuskulatur von Zeigefinger und Mittelfinger. Die Innenfläche der Hand an der Seite des Daumens, der Daumen selbst sowie Zeige- und Mittelfinger werden durch den Handnerv sensibel versorgt. Hier erfolgt die Weiterleitung der Sensibilität wie Berührung und Tastempfindung. Dabei besitzt der Nerv an den Kuppen von Zeige- und Mittelfinger ein als Autonomiegebiet bezeichnetes eigenes und alleiniges sensibles Versorgungsgebiet.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Nervus medianus

Karpaltunnelsyndrom

Durch verschiedene Ursachen kann es zu einer chronischen Druckerhöhung im Karpaltunnel kommen. Zu diesen Ursache können raumfordernde Prozesse, Frakturen, Luxationen an den Handwurzelknochen, entzündliche Prozesse an den Sehnen aber auch Ödem durch eine Schwangerschaft gehören. Der durchziehende Medianusnerv durch die bestehenden Enge komprimiert und in seiner Funktion eingeschränkt werden. Im Folgenden kommt es zu Sensibilitätsausfällen besonders in den Fingerkuppen. Bleibt der Druckanstieg im Karpaltunnel länger bestehen, treten im weiteren Verlauf zusätzlich motorische Ausfälle auf. Man spricht von einem positiven Flaschenzeichen, da der Patient nicht mehr in der Lage ist, eine Flasche komplett mit dem Daumen zu umschließen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Therapie eines Karpaltunnelsyndroms

Obere Medianusläsion

Im Bereich des Ellenbogens kann es ebenfalls zu traumatischen Schädigungen wie Frakturen und Luxation kommen. Durch die nahe Lage zu dem Handnerven, kann dieser ebenfalls schnell verletzt werden.

Das klinische Bild zeigt dann die typische Schwurhand für solche eine Verletzung. Versucht der Betroffene seine eingeschränkte zur Faust zu schließen, werden Daumen, Zeige- und Mittelfinger nicht richtig gebeugt. Die Muskeln werden nicht mehr von dem Handnerven innerviert und können Ihre eigentliche Bewegung nicht mehr ausführen.
Zusätzlich können weitere Symptome wie Gefühlslosigkeit und ein Muskelschwund im Bereich des Daumens auftreten.

Nervus radialis

Der Nervus radialis setzt sich aus den hinteren Nervenwurzeln des Armgeflechts zusammen und bildete deren direkte Fortsetzung. Er zieht an der Rückseite des Armes entlang des Oberarmknochens vorwärts. Auf Höhe der Ellenbeuge tritt er wieder nach vorne und läuft schließlich auf der Rückseite des Unterarms an der Seite des Daumens zur Hand. Am Daumen angekommen zweigt der Nervus radialis sich in seine sensiblen Endäste auf. An der Hand versorgt er vor allem am Bereich des Daumes und zum Teil noch den Handrücken sensibel. Seine motorischen Äste gibt er bereits während seines Verlaufs am Ober- und Unterarm an die dort liegenden Muskeln ab. So innerviert dieser Handnerv die Strecker des Oberarms und die Streckmuskulatur des Daumens.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Nervus radialis

Fallhand

Bei Frakturen oder anderen Verletzungen im Bereich des Oberarmknochens (Humerus) ist der Radialisnerv besonders gefährdet durch die nahe Lage am Knochen. Wird er verletzt kommt es zu Beschwerden wie Sensibilitätsstörungen und motorischen Ausfällen. Die Störung der Motorik äußert sich als sogenannte Fallhand. Der Handnerv ist im intakten Zustand für die Streckmuskulatur zuständig. Ist er nun in seiner Funktion eingeschränkt, kann er das Heben der Hand nicht mehr leisten und die Hand fällt dadurch schlaff herab.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Oberarmbruch

Nervus ulnaris

Nachdem der Nervus ulnaris aus dem Armegeflecht ausgetreten ist, zieht er in der zum Körper hin gerichteten Seite des Oberarms entlang. Er schlingt sich um den Ellenbogenknochen herum und zieht schließlich an der Seite, die zum kleinen Finger gerichtet ist, den Unterarm entlang bis zum Handgelenk.

Kurz vor dem Retinaculum musculorum flexorum spaltet sich der Handnerv in einen oberflächlichen und einen tiefen Ast auf. Bereits während seines Verlaufs durch den Unterarm innerviert er dort liegende Muskeln. An der Hand ist er für die motorische Innervation von einigen Muskeln des Daumenballens zuständig, sowie für die Muskulatur des Kleinfingerballens. Weiterhin versorgt er zum Großteil die Muskulatur der Mittelhand. Die Innervation dieser Muskeln ermöglicht das Spreizen und Schließen der Finger. Sensible versorgt der Handnerv die Haut über dem kleinen Finger und die Hälfte des angrenzenden Ringfingers.

Lesen Sie mehr zum Thema: Nervus ulnaris

Ulnarisrinnensyndrom

Im Bereich des Ellenbogens verläuft der Nerv durch eine gut tastbare Rinne, dem Sulcus nervi ulnaris. Der Handnerv verläuft hier direkt unter der Haut und steht im engen Kontakt mit dem darunter liegendem Knochen. Durch leichtes Stoßen kann durch die oberflächliche Lage des Nervs schnell Missempfindungen ausgelöst werden. Bekannt ist diese Symptomatik den meisten Menschen als Musikantenknochen.

Krallenhand

Wird der Handnerv durch eine Fraktur oder eine Luxation im Bereich des Ellenbogengelenks geschädigt, tritt häufig die Symptomatik einer Krallenhand auf. Dabei geht die Fähigkeit der Handmuskulatur verloren, die Finger zu spreizen, da sie von dem Nervus ulnaris nicht mehr richtig innerviert werden. Die Finger der betroffenen Hand bleiben in einer gebeugten Position stehen und werden daher als Krallenhand bezeichnet. Neben den motorischen Störungen kommt es auch zusätzlich zu sensiblen Ausfällen. Diese betreffen besonders häufig die Haut über dem Kleinfinger und Ringfinger.

Therapie bei Nervenverletzung

Die Wiederherstellung eines verletzten Handnervs ist häufig eine komplizierte Operation, da es sich um sehr kleine und feine Strukturen handelt, die zunächst aufgesucht werden müssen. Da Nerven oftmals während ihres Verlaufs durch den Arm und durch die Hand von Venen und Arterien begleitet werden, muss dieser mikrochirurgische Eingriff mit besonderer Vorsicht durchgeführt werden, damit nicht weitere Strukturen verletzt werden.

Mittels einer Nervennaht mit einen haargroßen Faden werden die jeweiligen Enden des Handnervs wieder miteinander verknüpft. Noch Wochen nach dem Eingriff wird der Patient elektrisierende Schmerzen spüren und die Wiederherstellung der Funktion der von dem Nerv innervierten Muskeln wird bis zu einigen Monaten dauern. Häufig empfindet der Patient noch Sensibilitätsstörungen und Gefühlslosigkeit. Für eine erfolgreiche Therapie ist die Einhaltung der durch den behandelten Arzt verordnete Ruhigstellung. Anschließend erfolgt eine sich steigernde Bewegungstherapie durch Physiotherapeuten oder Ergotherapeuten.

Neurom

Bei Verdacht auf eine Nervenverletzung, besonders bei kompletter Durchtrennung des Nervs, sollte der Betroffene umgehend ins nächst gelegene Krankenhaus gebracht werden. Eine zeitnahe Operation ist für eine erfolgreiche Wiederherstellung der Nervenfunktion sehr wichtig.

Andernfalls können sich gutartige Knoten bildet. Sie werden als Neurome bezeichnet und entwickeln sich aus dem verletzen Nervengewebe. Sie sind schwer zu entfernen ohne den Nerv eventuell weiterhin zu schädigen. Zudem können sie zu unangenehmen Phantomschmerzen führen. Der Patient verspürt dann einen elektrisierenden Schmerz und ein Kribbeln.

Weitere Informationen zum Thema Handnerven

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 16.07.2018
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