Schienbein, Tibia

Synonyme

Schienenbein, Tibiaplateau, Tuberositas tibiae, Innenknöchel (Maleolus medialis), Schienbeinkopf, Tibiakopf

Englisch: shin, tibia

Anatomie

Das Schienbein (Tibia) bildet mit dem Wadenbein (= Fibula) den knöchernen Anteil des Unterschenkels.
Das Wadenbein findet man auf der Außenseite des Unterschenkels, während sich das Schienbein am Kniegelenk mittig befindet (vergleiche auch unten stehende Röntgenbilder)
Das Schienbein verbreitert sich zum Kniegelenk hin zum Schienbeinkopf (= Tibiakopf). Der Schienbeinkopf hat an seiner Oberseite zwei kleine Einmuldungen, in der die Gelenkknorren (= Kondylen) des Oberschenkelknochens (= Femur) aufgenommen werden.

Direkt unterhalb des Kniegelenkes kann man auf der Vorderseite des Schienbeines eine geringe Knochenerhöhung tasten. Diese Knochenerhöhung wird medizinisch als Tuberositas tibiae bezeichnet. An der Tuberositas tibiae setzt die Kniescheibensehne (= Patellasehne) an.

Der Schaft des Schienbeines ist dreikantig.

Zum Sprunggelenk hin verbreitert sich das Schienbein und bildet den wesentlichen Anteil der Gelenkfläche des oberen Sprunggelenkes und des Innenknöchels.

Funktion des Schienbeins

Doch wozu dient dieser Knochen überhaupt? Ist das Schienbein für den menschlichen Körperbau unverzichtbar? Die offensichtliche Funktion des Schienbeins liegt in der Verbindung von Oberschenkel über das Knie und Fuß über das Sprunggelenk. Als größerer Part der beiden Unterschenkelknochen ist das Schienbein also ein wichtiger Trag- und Stützpfeiler der Beinachse ohne den wir weder stehen noch laufen könnten. In viel größerem Maße als der zweite Unterschenkelknochen, das Wadenbein, gibt das Schienbein Stabilität und dient gleichzeitig als fester Verankerungspunkt für Muskeln, die entlang des Unterschenkels und in Richtung des Fußes verlaufen.

Abbildung Schienbein und Kniegelenk

Abbildung rechter Unterschenkel mit Schienbein von vorn
  1. Schienbeinschaft -
    Corpus tibiae
  2. Wadenbeinschaft -
    Corpus fibulae
  3. Oberschenkelschaft -
    Corpus femoris
  4. Kniescheibe -
    Patella
  5. Innerer Gelenkknorren -
    Condylus medialis
  6. Zwischenknochenmembran
    des Unterschenkels -
    Membrana interossea cruris
  7. Schienbeinknöchel -
    Malleolus medialis
  8. Schienbein-Wadenbein-Bandhaft -
    Syndesmosis tibiofibularis
  9. Schienbeinhöcker - Tuberositas tibiae
  10. Schienbein-Wadenbein-Gelenk - Articulatio tibiofibularis
  11. Äußerer Gelenkknorren - Condylus lateralis

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

Abbildung rechtes Kniegelenk

A - Rechtes Kniegelenk von links
B - Rechtes Kniegelenk von vorn
C - Rechtes Kniegelenk von hinten

  1. Kniescheibe - Patella
  2. Oberschenkelknochen - Femur
  3. Schienbein - Tibia
  4. Wadenbein - Fibula
  5. Innerer Meniskus -
    Meniscus medialis
  6. Äußerer Meniskus -
    Meniscus lateralis
  7. Kniescheibenband -
    Ligamentum patellae
  8. Außenband -
    Ligamentum collaterale fibulare
  9. Innenband -
    Ligamentum collaterale tibiale
  10. Hinteres Kreuzband -
    Ligamentum cruciatum posterius
  11. Vorderes Kreuzband - Ligamentum cruciatum anterius

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Röntgenbild rechtes Knie

(von vorne aufgenommen):

  1. Oberschenkelknochen (Femur)
  2. Wadenbeinköpfchen der Fibula
  3. Innere Gelenkrolle (mediale Kondyle)
  4. Schienbein (Tibia)

Röntgenbild rechtes oberes Sprunggelenk

(von vorne aufgenommen):

  1. Wadenbein (Fibula)
  2. Schienbein (Tibia)
  3. Sprungbein (Talus)
  4. Syndesmose

Schmerzen am Schienbein

Schmerzen im Bereich des Schienbeines können neben dem weiter unten beschriebenem Ermüdungsbruch und dem Schienbeinkantensyndrom, welches fast ausschließlich bei Läufern auftritt und deswegen bei Nicht-Läufern nur in Ausnahmefällen als Schmerzursache in Frage kommt, auch eine Vielzahl anderer Ursachen haben. Fast immer gehen Schmerzen allerdings auf eine Art der Überlastung zurück. Muskelzerrungen sind als Auslöser ebenso denkbar wie eine Sehnenentzündung oder eine Nervenirritation.
Auch Fußfehlstellungen, die eigentlich mit Hilfe von Einlagen korrigiert werden müssten, können nach einiger Zeit als Schmerz bis ins Schienbein ausstrahlen. Richtige, hochwertige Schuhe sowie falls nötig Einlagen sind dann essentiell. Nichtsdestotrotz sollte bei Schmerzen – egal ob sie sich belastungsabhängig und nur bei sportlicher Betätigung oder dauerhaft zeigen – ein Arzt zu Rate gezogen werden, der in der Regel schnell zwischen harmloseren und ernsthafteren Verletzungen und Reizungen unterscheiden und die optimale Therapie empfehlen wird.

Lesen Sie mehr dazu auf unserer Seite Schmerzen im Schienbein.

Erkrankungen des Schienbeins

Die häufigste Erkrankung des Schienbeines ist die Arthrose vom Kniegelenk (= Gonarthrose, Kniearthrose).

Der Innenknöchelbruch ist ebenfalls eine häufige Erkrankung, die fast immer mit einem Bruch des Außenknöchels (= Fibulafraktur; Weber-Fraktur) kombiniert ist.

Als weitere Kombinationsverletzung gibt es die Volkmann-Verletzung oder auch Volkmann Dreick genannt. Hierbei bricht die Hinterkante des Schienbeins am oberen Sprunggelenk.

Ein Schienbeinschaftbruch (= Tibiaschaftfraktur) ist verhältnismäßig selten, muss jedoch wie die Tibiakopffraktur (= Schienbeinkopfbruch) achsgenau rekonstruiert werden, da bruchbedingte Fehlstellungen zu Folgeproblemen, wie beispielsweise Arthrose, führen können.
Einen Schienbeinschaftbruch ist häufig bei Sportlern zu sehen. In der Regel liegt hier ein sogenannter Ermüdungsbruch des Schienbeins (Stressfraktur) vor.

Ebenfalls kann es zu Entzündungen im Bereich des Schienbeins entstehen, wenn es zu Entzündungen der Sehnen in diesem Bereich kommt. Dies ist meistens durch Über- und Fehlbelastungen der Fall.
Lesen Sie mehr zu dem Thema unter: Sehnenentzündung am Schienbein.

Ermüdungsbruch des Schienbeins

Ein Ermüdungsbruch des Schienbeins, auch als sogenannte Stressfraktur oder pathologische Fraktur bekannt, tritt bei lange andauernder Überlastung des Schienbeins auf – klassischerweise bei Sportlern, die sich in der Vorbereitung eines großen Wettkampfes befinden. Gefährdet sind nahezu ausschließlich Sportler, die sehr große Trainingsumfänge haben (beispielsweise Marathonläufer) und zudem hoch motiviert und ambitioniert sind.
Kleinere Warnsignale des Körpers werden häufig ignoriert und Regenerationsphasen zuweilen auch gekürzt oder gleich ganz ausgelassen. Über einen längeren Zeitraum gesehen addieren sich so viele kleinste Verletzungen sowohl in der Knochenstruktur selbst als auch im umliegenden Gewebe. Dadurch kann das Schienbein nicht mehr richtig geschützt und stabilisiert werden und wird zeitgleich selbst anfälliger für Verletzungen.

Früher oder später kommt es dann zum Bruch des Knochens. Anders als bei einem „normalen“ – sogenannten akuten - Knochenbruch muss der begleitende Schmerz hierbei nicht schlagartig und mit hoher Intensität einsetzen. Ein Schienbeinermüdungsbruch kann sich zunächst nur im Training durch leichte Schmerzen bemerkbar machen. Später kommen häufig Schmerzen in Ruhephasen dazu, die im Folgenden häufig dauerhaft spürbar bleiben.
Die Konsequenz eines solchen Ermüdungsbruches ist unter Umständen ein einfacher Unterschenkelgips wie man ihn bei anderen Knochenbrüchen ebenfalls verwenden würde. In der Regel ist allerdings häufig bereits die Entlastung des betroffenen Unterschenkels hilfreich. Sie bleibt auch im weiteren Behandlungsverlauf das A und O.
In komplizierteren Fällen ist eine alleinige Schienung leider bisweilen nicht ausreichend: Sollte das der Fall sein, wird eine operative Fixierung des Bruches nötig. Die entsprechende Operation wird analog zur operativen Versorgung eines akuten Schienbeinbruches durchgeführt.

Für weitere Informationen lesen Sie auch unsere Seite: Ermüdungsbruch am Schienbein

Schienbeinkantensyndrom

Eine weitere Erkrankung des Schienbeins, die fast ausschließlich ambitionierte Läufer betrifft, ist das Schienbeinkantensyndrom, welches sich mit Schmerzen und einem Druckgefühl im Schienbein äußert. Zu Beginn treten oben genannte Beschwerden nur während spezifischer Belastungssituationen auf und verschwinden nach Ende des Trainings rasch wieder. Auf Grund dieser sehr charakteristischen Konstellation gehen leider viele Betroffene nicht sofort zum Arzt, weil sie ihre eigenen Beschwerden zwar als komisch aber aushaltbar wahrnehmen.
Nach und nach werden die Symptome des Schienbeinkantensyndroms allerdings stärker, so dass unter Umständen Trainingseinheiten abgebrochen werden müssen. Typischerweise kommen die betroffenen Sportler dann irgendwann an den Punkt, an dem die Schmerzen und das unangenehme Gefühl auch in Ruhe bleiben. Das ist häufig dann der Moment, in dem die Betroffenen zum ersten Mal einen Arzt aufsuchen.

Das Problem bei diesem zeitlichen Verlauf liegt allerdings klar auf der Hand: Je später ein Betroffener mit den Symptomen eines „Shin Splints“, wie das Schienbeinkantensyndrom im englischen Sprachgebrauch auch genannt wird, in ärztliche Behandlung geht, desto länger kann der sich dann anschließende Heilungsverlauf andauern.
Ursache für die Schmerzen bei dieser Art der Überlastungsreaktion ist die Reizung des Muskelansatzes am Schienbeinknochen. Wird der Muskel übertrainiert, entzündet er sich und reagiert gereizt. Gerade die Ansatzstelle, die direkt am Knochen liegt, kann dann auf Grund der starken Schmerzempfindlichkeit der Knochenhaut höllisch wehtun. Abhilfe schaffen neben einem zeitigen Besuch beim Arzt eine konsequente Sportpause und die Entlastung der betroffenen Strukturen.

Das Schienbeinkantensyndrom muss komplett ausheilen. In dieser Phase ist selbst vermeintlich „lockeres“ Laufen absolut tabu. Physiotherapie kann den Heilungsprozess unterstützen, ebenso Kräftigungs- und Dehnungsübungen. Um von vorneherein ein Schienbeinkantensyndrom zu vermeiden ist es wichtig, weder zu viel, noch zu schnell oder zu ambitioniert zu trainieren. Jeder Körper benötigt Zeit, sich an Belastungen zu gewöhnen und Muskeln aufzubauen. Gewissenhafte Regenerationspausen sind ebenso wichtig wie das eigentliche Training an sich.

Lesen Sie dazu auch unsere Seite Schienbeinkantensyndrom.

Morbus Osgood Schlatter

Die nach den Ärzten Dr. Osgood und Dr. Schlatter benannte Krankheit gehört zur großen Gruppe der sogenannten aseptischen Osteochondrosen und betrifft ausschließlich das Schienbein. Unter aseptischer Osteochondrose versteht man ein Absterben von Knochen, welches nicht auf Grund einer Infektion mit Erregern sondern durch eine Blutmangelversorgung des entsprechenden Gebietes ausgelöst wird. Da schlichtweg zu wenig Blut in bestimmten Gebieten des Schienbeins ankommt, wird der Knochenaufbau gestört. Es kann sogar zum Absplittern einzelner Knochenteile kommen.
Darüber hinaus beobachten nahezu alle Betroffenen an einer bestimmten Stelle des Schienbeins knapp unterhalb des Kniegelenks die Entstehung einer Verdickung, die sehr empfindlich auf Berührungen und Druck reagiert.

Die direkte Ursache für den Morbus Osgood Schlatter ist noch nicht abschließend erklärbar. Sehr wahrscheinlich ist es, dass es auf Grund einer mechanischen Überlastung des Schienbeins zu jener Blutunterversorgung und damit zu den Störungen des Knochenstoffwechsels kommt. Interessanterweise sind vom Morbus Osgood Schlatter fast nur männliche Kinder beziehungsweise Jugendliche im Alter von 10 bis 15 Jahren betroffen. Nachdem die Verdachtsdiagnose im Fall der Fälle mit Hilfe eines Röntgenbildes bestätigt wurde, ist eine absolute Entlastung des erkrankten Schienbeines wichtig. Für den Patienten bedeutet das in der Regel keinen Sport und in schweren Fällen das Laufen mit Unterarmgehstützen („Krücken“) zur vollständigen Entlastung. In der Regel ist diese konservative Therapie als Behandlungsmaßnahme ausreichend und spätestens nach dem letzten Wachstumsschub der Pubertät ist der Spuk ebenso plötzlich vorbei wie er auftrat.

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Seite Morbus Osgood Schlatter.

Weitere Informationen zum Thema Schienbein

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 11.04.2017
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