Dexamethason

Einleitung

Dexamethason ist ein künstlich hergestellter Wirkstoff, der zur Gruppe der Glucocorticoide gezählt wird. Natürliche Glucocorticoide (Hormone) werden im menschlichen Körper in der Nebennierenrinde hergestellt und erfüllen vielfältige regulatorische Aufgaben.
Das synthetische Glucocorticoid Dexamethason wirkt hemmend auf Entzündungen und das Immunsystem.Im Vergleich zu den in der Nebennieregebildeten Hormonen hat es eine um den Faktor 25 gesteigerte Wirksamkeit.
Eine Dexamethason- Einnahme wirkt sich im Allgemeinen drosselnd auf die Produktionsrate der Nebennierenrinde aus. Das bedeutet: Je höher die Dexamethason- Konzentration im Organismus, desto niedriger die Glucocorticoid- Synthese in den Zellen der Nebennierenrinde. Diese Wechselwirkung lässt sich in der medizinischen Diagnostik effektiv nutzen.


Anwendungsgebiete

Dexamethason erfüllt im menschlichen Organismus verschiedenste Funktionen und kann aus diesem Grund vielfältig eingesetzt werden:

  • Zum Einen hat es eine entzündungshemmende Wirkung, zum Anderen wirkt es jedoch stark hemmend auf das Immunsystem.
  • Außerdem ist der Wirkstoff Dexamethason dazu in der Lage Zellwände zu stabilisieren und die Symptome einer allergischen Reaktion zu lindern.
  • Des Weiteren wirkt sich Dexamethason lindernd auf Magen- Darm- Probleme wie etwa Übelkeit und Erbrechenaus.
  • Es wird zur akuten Behandlung von Unfällen bei denen es zur Inhalation von giftigen Dämpfen, Gasen oder Rauch und dadurch zur Wassereinlagerungen in der Lunge (toxisches Ödem) gekommen ist, eingesetzt.
  • Außerdem kann es zur Therapie von Wassereinlagerungen im Gehirn(Hirnödem) zur Anwendung kommen. Der Wirkstoff kann ebenso dazu dienen einen Hormonmangel (Cortisol) des Organismus auszugleichen.
  • Bei schweren allergischen Reaktionen und/ oder einem langanhaltenden Asthmaanfall erzielt man mit der Gabe von Dexamethason erhebliche Therapieerfolge.
  • Das medizinisch relevanteste Anwendungsgebiet ist jedoch der Ausschluss oder die Diagnose des Cushing- Syndroms mittels Dexamethason- Hemmtest (oder Dexamethason- Suppressionstest)

Wirkung von Dexamethason

Dexamethason ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Kortikosteroide oder Glukokortikoide zu der auch der wohl bekannteste Vertreter Cortison zählt. Dexamethason wirkt entzündungshemmend und immunsuppressiv, dämpft also das Immunsystem.
Dexamethason ist ein sehr stark wirksames Glukokortikoid, es hat die 30-fache Wirkstärke von Cortison.
Es wird zur Behandlung verschiedener Erkrankungen eingesetzt: Bei einem Hirnödem das mit einer gefährlichen Erhöhung des Hirndrucks einhergeht, beispielsweise bei einem Hirntumor. Bei schweren Hauterkrankungen mit ausgedehntem Haut-Befall wie beispielsweise der Erythrodermie.
Bei einigen Autoimmunerkrankungen wie dem Lupus erythematodes oder bei akuten Vaskulitis-Schüben mit Befall des ganzen Körpers. Bei Rheuma mit ausgeprägt starken Verläufen. Außerdem bei einigen Erkrankungen der Lunge wie beispielsweise einem schweren Asthmaanfall.
In der täglichen klinischen Praxis kommt jedoch – außer beim Hirnödem – Prednisolon deutlich häufiger zum Einsatz als Dexamethason.

Dosierung

Die Dosierung kann nicht pauschal angegeben werden, da sie von der Indikation abhängt. 
Dexamethason kann je nach Erkrankungsbild sowohl oral als auch intravenös ( über einen Venenzugang) verabreicht werden. 
Bei Hautkrankheiten zum Beispiel, erfolgt die Einnahme oftmals in Tablettenform. Hier liegt die Tagesdosis in der Regel zwischen 8 und 40 mg, in Einzelfällen können bis zu 100 mg gegeben werden. Die Dosis muss vom behandelnden Arzt festgelegt werden und kann stark variieren.

Preis

10 Tabletten Dexamethason mit einer Dosis von 8 mg je Tablette kosten knapp 22 Euro. Dexamethason ist allerdings nur rezeptpflichtig erhältlich. Bei Vorlage eines Kassenrezepts fallen 5 Euro pro Rezept an.
Es gibt zahlreiche verschiedene Dosierungen (0,5 mg, 1,5 mg, 2 mg, 4 mg, 8 mg) und Packungsgrößen.100 Tabletten Dexamethason á 8 mg kosten etwa 123 Euro.
Es gibt Dexamethason auch in Tropfenform. Beispielsweise Monodex 1mg/ml. Hier kosten 50 kleine Fläschchen mit 0,4 ml etwa 28 Euro. Die Augentropfen sind ebenfalls rezeptpflichtig.

Dexamethason in Tablettenform

Dexamethason gibt es als Tabletten in einer Dosis von 0,5 mg, 1,5 mg, 2 mg, 4 mg oder 8 mg. Die Packungsgrößen variieren von 10 bis 100 Stück. Die empfohlene Dosis hängt stark von der Grunderkrankung ab und sollte vom behandelnden Arzt festgelegt werden.
Bei längerfristiger Einnahme können alle der oben aufgeführten Nebenwirkungen auftreten. Der niedrigste Preis für 20 Tabletten á jeweils 0,5 mg liegt bei 13 Euro. Die Tabletten sind rezeptpflichtig sodass sie für einen Kassenpatienten in der Regel nur 5 Euro kosten.

Dexamethason als Salbe

Dexamethason ist sowohl als Creme als auch als Salbe enthältlich.
Die Creme enthält nur Dexamethason und ist zur Anwendung bei entzündlichen Hautveränderungen gedacht. Die Creme ist rezeptpflichtig. 25 mg kosten etwa 15,50. Bei Vorlage eines Kassenrezepts fallen 5,40 Euro an.
Die Salbe hingegen ist ein Kombinationspräparat aus Dexamethason, einem desinfizierenden Mittel und einem Antipilz-Medikament (Nystatin). Die Anwendung erfolgt bei entzündlichen Hauterkrankungen mit gleichzeitigem Pilzbefall.
Die Salbe ist rezeptpflichtig. 20 g Nystalocal Salbe kosten 21 Euro. Auf Kassenrezept 5 Euro.
Bei Dexamethason in Salben- oder Cremeform kann es zu Nebenwirkungen wie Hautirritationen mit Brennen und Jucken der Haut und allergischen Reaktionen mit Hausausschlag bis hin zum anaphylaktischem Schock kommen. Bei längerfristiger Anwendung kann es zu Ausdünnung der Haut, Haarwuchsveränderungen und Streifenbildung der Haut kommen. Auch die sogenannte Steroidakne also eine Akne der Haut die durch eine Dauertherapie mit Glukokortikoiden hervorgerufen wird, kann als Nebenwirkung auftreten.

Dexamethason als Augensalbe/ Augentropfen

Dexamethason Augentropfen gibt es in verschiedenen Präparaten. Es gibt Präparate die nur Dexamethason als Wirkstoff enthalten und zahlreiche Kombinationspräparate.
Diese Kombinationspräparate bestehen meist aus Dexamethason und einem Antibiotikum. Ein Beispiel sind Isoptomax® Augentropfen, die Dexamethason und das Antibiotikum Neomycin enthalten. Als weiteres Beispiel seien Kombinationspräparate aus Dexamethason und dem Antibiotikum Gentamicin genannt. All diese Präparate werden zur Behandlung von Augenentzündungen eingesetzt.
Handelt es sich um ein Kombinationspräparat mit einem Antibiotikum dient es dem Einsatz bei Entzündungen des Auges mit gleichzeitiger bakterieller Infektion. Je nach Anweisung des Augenarztes sollten die Tropfen ein oder mehrmals täglich in das betroffene Auge gegeben werden.
Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen leichtes Brennen im Auge und eine Erweiterung der Pupille. Bei längerfristiger Anwendung kann das Risiko für die Entstehung eines erhöhten Augeninnendrucks (grüner Star / Glaukom) erhöhte sein. Wenn Dexamethason lokal angewendet wird kommt es in der Regel zu deutlich weniger Nebenwirkungen als bei der systemischen Therapie. Alle Dexamethason-haltigen Augentropfen sind rezeptpflichtig und daher in der Regel für Kassenpatienten nicht teurer als 5 Euro.
Neben den Augentropfen gibt es auch Dexamethason Augensalbe zur Anwendung bei entzündlichen Erkrankungen der Augen.

Dexamethason-Hemmtest

Bei dem sogenannten Dexamethason- Hemmtest handelt es sich um einen Provokationstest. Im gesunden Organismus wird die Produktionsrate der Nebennierenrinde und damit die Konzentration an Glucocorticoiden (zum Beispiel Cortisol) über einen Regelkreis zwischen Hirnanhangsdrüseund Nebennierenrinde gesteuert.

Bei hohen Cortisol- Konzentrationen wird die Produktion eines Hormons der Hirnanhangsdrüse (Adrenocorticotropin; kurz: ACTH) gedrosselt. Dies wiederum hat zur Folge, dass die Nebennierenrinde dazu veranlasst wird, ihre Syntheseleistung zu mindern.

Bei niedrigen Cortisol- Konzentrationen produziert die Hirnanhangsdrüse vermehrt Adrenocorticotropin, welches über den Blutweg zur Nebennierenrinde transportiert wird und deren Syntheserate stimuliert. Es wird mehr Cortisol gebildet.

Dexamethason als synthetisches Glucocorticoid ist nun in der Lage dem Organismus einen erhöhten Cortisol- Spiegel vorzutäuschen und dadurch die Adrenocorticotropin- Produktion und letztendlich die Synthese von Cortisol zu drosseln.

Bei einem gesunden Menschen müsste also nach Einnahme des Präparates die Cortisol- Konzentration rapide absinken.

Bei Patienten, die an Morbus- Cushing leiden jedoch gerät die Hypophysen- Nebennieren- Kommunikation außer Kontrolle. Trotz hohem Cortisol- Spiegel wird vermehrt Adrenocorticotropin gebildet, was letztendlich dazu führt, dass die Cortisol- Konzentration unkontrolliert ansteigt.

Nach Einnahme von Dexamethason kommt es demnach nicht, wie erwartet, zu einer Hemmung der Cortisol- Synthese. Im Allgemeinen unterscheidet man einen low- dose und einen high- dose Dexamethason- Hemmtest.
Bei dem low- dose Verfahren erfolgt eine einmalige oral Verabreichung von ein bis maximal 2 mg Dexamethason.
Der high- dose Test hingegen verlangt eine Einnahme von ungefähr 8 mg des Wirkstoffes.

Im Regelfall werden zwei Blutproben an aufeinanderfolgenden Tagen entnommen. Aus der ersten Probe wird die Cortisol- Konzentration VOR der Einnahme des Dexamethason ermittelt, die zweite Probe wird etwa 12 Stunden NACH der Präparat- Gabe entnommen.

Aus ihr wird die Cortisol- Konzentration nach Dexamethason- Einnahme ermittelt. Ein positiver Dexamethason Test (also keine Synthesedrosslung nach Präparat- Gabe) alleine genügt jedoch ich um das Vorliegen eines Morbus Cushing hinreichend zu beweisen.

Der Dexamethason- Hemmtest gibt lediglich einen ersten Anhalt.
Zur weiteren Diagnostik sollte deshalb ein sogenannter CRH- Test, ein Insulin- Hypoglykämie- Test und eine 24- Stunden- Cortisolbestimmung im Urin durchgeführt werden.

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Nebenwirkung

Die Nebenwirkungen einer Therapiemit Dexamethason halten sich bei einer kurzen Therapiedauer mit niedrigen Dosen in Grenzen. Da dies jedoch nicht immer eingehalten werden kann, kann es zu zahlreichen Nebenwirkungen kommen die vor allem im Rahmen einer längerfristigen Therapie auftreten.
Im Bereich Blut und Immunsystem kann es zu einer erhöhten Infektanfälligkeit, zu Veränderungen des Blutbilds und zu einer Schwächung des Immunsystems kommen.
Im Bereich der metabolischen Körperfunktionen kann es unter eine Dexamethason-Therapie zur Entwicklung eines Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Appetitsteigerung und Gewichtszunahme, Fetteinlagerung an bestimmten Stellen (Stammfettsucht, Stiernacken, aufgedunsenes Gesicht) und Fettstoffwechselstörungen kommen.
Mögliche psychische Symptome sind Gereiztheit, Antriebssteigerung, Unruhe, Depression, Schlaflosigkeit, Psychosen und manische Zustände sodass gerade bei psychisch vorerkrankten Patienten erhöhte Vorsicht geboten ist.
Weiterhin kann es zu einem erhöhten Risiko für Krampfanfälle bei Patienten mit bekannter Epilepsie kommen. Am Auge sind mögliche Nebenwirkungen die Entwicklung eines grünen oder grauen Stars (Glaukom / Katarakt).
Am Herzen kann es zu Herzschwäche (Herzinsuffizienz), Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen durch Veränderung der Blutsalze kommen.
Im Bereich der Verdauungsorgane sind mögliche Nebenwirkungen Magengeschwüre mit erhöhtem Blutungsrisiko, eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis), eine Entzündung der Speiseröhre (Ösophagitis) sowie Übelkeit, Erbrechen und Blähungen.
An Haut und Haaren können sich ein vermehrtes Haarwachstum, eine Verdünnung der Haut mit Pergamenthaut, fleckige oder streifige Veränderungen der Haut und allergische Reaktionen der Haut zeigen. Im Bereich des Skelettsystems kann es zu Knochenschwund (Osteoporose), erhöhter Knochenbrüchigkeit, Sehnenrissen, Muskelschwäche und im Kindesalter zu Wachstumshemmungen kommen. Auch Zyklusstörungen bei Frauen oder Impotenz bei Männern sind mögliche Nebenwirkungen.

Wechselwirkung

Dexamethason kann die Kaliumausscheidung steigern und somit die Wirkung bestimmter Wassertabletten (Diuretika) verstärken. Dies kann dann gefährlich werden wenn der Kaliumspiegel zu weit absinkt, da dies zu Herzrhythmusstörungen führen kann.
Dexamethason hemmt die blutzuckersenkende Wirkung von Medikamenten zur Behandlung eines Diabetes mellitus und von Blutverdünnern.
Einige Antiepileptika und Antibiotika bewirken einen vermehrten Abbau von Dexamethason, sodass es vermindert wirksam ist.
Die Kombination aus Dexamethason und Schmerzmitteln aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antiphlogistika wie Ibuprofen erhöhte das Risiko für die Entstehung eines Magengeschwürs mit dem Risiko für Magenblutungen deutlich. Ist eine solche Kombination notwendig sollte daher immer gleichzeitig eine Magenschutz-Tablette eingenommen werden.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 14.10.2017
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