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Medikamente gegen Erbrechen

Einleitung

Übelkeit und Erbrechen haben verschiedene Ursachen und sind sehr unangenehm. Insbesondere bei kleinen Kindern und bei sehr alten Menschen kann dauerhaftes Erbrechen sogar gefährlich werden: Es kann zu einem Flüssigkeitsmangel (Exsikkose) und zu Störungen des Elektrolythaushaltes kommen, die lebensgefährlich sein können. Daher ist eine gute Therapie des Erbrechens sehr wichtig. Der folgende Artikel soll einen Überblick über die wichtigsten Medikamente gegen Erbrechen geben und auf ausgewählte relevante Alltagsinformationen näher eingehen.

Einsatzgebiete

Übelkeit und Erbrechen sind häufige und sehr unangenehme Beschwerden, die im Rahmen ganz verschiedener Erkrankungen und Zustände vorkommen. Magen-Darm-Infekte, Lebensmittelvergiftungen aber auch gewisse Medikament, wie beispielsweise Chemotherapeutika können ein Erbrechen hervorrufen. Manchmal ist die Übelkeit so stark, dass medikamentöse Maßnahmen ergriffen werden müssen. Dabei gibt es ganz verschiedene Medikamente gegen das Erbrechen. Man unterscheidet zwischen rezeptfreien Medikamenten, die man ohne eine ärztliche Verordnung frei verkäuflich in der Apotheke erhalten kann, und verschreibungspflichtigen Wirkstoffen.

In manchen Situationen sind Medikamente gegen das Erbrechen auch als Vorsorge (Prophylaxe) einzunehmen, bspw. im Vorfeld einer Operation während einer Narkose oder unmittelbar nach einem Eingriff. Auch in der Behandlung von Tumoren spielen Medikamente gegen das Erbrechen eine sehr wichtige Rolle. Sie werden häufig eingenommen, um der Nebenwirkung anderer Medikamente vorzubeugen und das Erbrechen zu verhindern.

Rezeptfreie Medikamente gegen Erbrechen

Wer unter Übelkeit und Erbrechen leidet, findet in der Apotheke einige rezeptfreie Medikamente, die gegen die Beschwerden helfen können. Sie sind vor allem bei leichter Übelkeit und moderatem Erbrechen hilfreich. Auch vor bevorstehenden Reisen sind solche Präparate gut geeignet, um die Übelkeit zu lindern.
Sollten sie sich jedoch bereits seit mehreren Tagen sehr häufig erbrechen, sodass die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme nicht möglich ist, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen und von einer Selbstmedikation abzusehen, um Gesundheitsschäden zu vermeiden.

Ein oft gekaufter und beliebter Wirkstoff ist Dimenhydrinat, welches den meisten Menschen in Deutschland unter dem Handelsnamen „Vomex®“ geläufig ist. Es existieren auch andere Handelsnamen, sowie Kombipräparate, die den Wirkstoff enthalten. Es hilf Übelkeit und Erbrechen vorzubeugen und wirkt außerdem beruhigend. Es kann bei manchen Menschen zu Schläfrigkeit und Benommenheit kommen. Weitere Nebenwirkungen sind selten, können jedoch auftreten. Dazu gehören beispielsweise Mundtrockenheit, Sehstörungen und eine Erhöhung des Augeninnendrucks.

Mehr Informationen dazu finden Sie hier: Vomex®

Diphenhydramin ist ein weiterer Wirkstoff, der ebenfalls rezeptfrei in der Apotheke erhältlich ist. In Deutschland ist das Medikament unter dem Handelsnamen „Emesan®“ bekannt und sowohl in Tabletten als auch in Zäpfchenform erhältlich.

Entgegen einiger Behauptungen auf diversen Internetseiten ist der Wirkstoff Ondansetron (Handelsname Zofran®) nicht rezeptfrei, sondern verschreibungspflichtig. Sehen sie daher bitte von einem Kauf über eine nicht-lizensierte Online-Apotheke unbedingt ab.

Lesen Sie hierzu auch die Artikel: Hausmittel bei einer Magen-Darm Grippe, Hausmittel gegen Übelkeit

Rezeptpflichtige Medikamente gegen Erbrechen

Es gibt eine Reihe an verschiedenen verschreibungspflichtigen Wirkstoffen, die gegen das Erbrechen eingesetzt werden. Sie finden bei starkem Erbrechen und Übelkeit, zur Begleitung einer Chemotherapie, bei der Reisekrankheit und bei Darmbewegungsstörungen Anwendung. Der folgende Abschnitt soll lediglich einen Überblick über die wichtigsten Wirkstoffe und deren Einsatzgebiet darstellen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Dopamin-Rezeptor-Antagonisten

Metoclopramid, bekannt als MCP, und Domperidon sind wichtige Vertreter dieser Gruppe. Sie wirken gut gegen Übelkeit und Erbrechen und erhöhen die Darmmotilität. So werden sie bspw. nach Operationen eingesetzt, um ein Erbrechen zu verhindern, finden aber auch in der Behandlung von Krebspatienten, die unter Übelkeit leiden, ihre Anwendung.

Mehr Informationen zu diesem Thema können Sie hier nachlesen: Metoclopramid (MCP)

Serotonin-Rezeptor-Antagonisten

Wichtige Vertreter dieser Gruppe sind das Ondansetron und Granisetron. Sie sind besonders gut wirksam bei Patienten, die aufgrund ihrer Chemo- oder Strahlentherapie unter einer Übelkeit leiden.
Lesen Sie mehr zum Thema unter Serotonin.

Anticholinergika

Der wichtigste Vertreter dieser Gruppe ist das Scopolamin, welches insbesondere bei der Reisekrankheit in Form eines Medikamentenpflasters angewendet wird. Eine etwas veränderte Form dieses Wirkstoffes ist das Butylscopolamin, welches weniger Nebenwirkungen hat.
Beide Medikamente können auch bei Magen-Darm-Lähmungen (Atonie) eingesetzt werden. Solche Atonien können nach Operationen an entsprechenden Organen entstehen.
Lesen Sie hierzu auch unser Thema Anticholinergika.

Neurokinin-Rezeptor-Antagonist

Der Wirkstoff Aprepitant wird vor allem in der Therapie der Übelkeit und des Erbrechens nach chirurgischen Eingriffen oder im Rahmen einer Chemotherapie eingesetzt.

Glukokortikoide

Der Wirkstoff Dexamethason gehört in die Gruppe der Kortisone und wird in der Regel in Kombination mit anderen Wirkstoffen eingesetzt, die das Erbrechen verhindern sollen. Das wichtigste Anwendungsgebiet stellt die Übelkeit nach einer Narkose und nach chirurgischen Eingriffen dar.
Lesen Sie mehr zum Thema unter Dexamethason.

Medikamente gegen Erbrechen und Durchfall

Wirkstoffe, die effektiv gegen Erbrechen und Durchfall helfen, sind im Grunde nicht verfügbar. Bei starker Übelkeit und Durchfall kommen eher Kombinationen aus Wirkstoffen in Frage, von denen eine Komponente effektiv gegen das Erbrechen und die andere gegen den Durchfall hilft.

Wirkstoffe, die in der Therapie eines Durchfalls angewendet werden sind bspw. Loperamid oder Etracidin.
Die Übelkeit und das Erbrechen werden separat mit speziellen Medikamenten behandelt. Dazu gehören beispielsweise Vomex, MCP-Tropfen und Ondansetron.

Viel wichtiger ist meistens jedoch eine ausreichende Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr.
Selbstverständlich können auch Hausmittel bei der Bekämpfung von Übelkeit und Durchfall helfen.
Bei einer seit Längerem bestehenden Symptomatik sollte jedoch ein Arzt aufgesucht werden, da insbesondere ein ständiger Flüssigkeitsverlust potentiell lebensbedrohlich sein kann.

Lesen Sie mehr zum Thema unter Medikamente gegen Durchfall.

Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen

Erbrechen wird meist durch Übelkeit ausgelöst bzw. sie geht ihr voran. Bekämpft man die Übelkeit hört meistens auch das Erbrechen auf. Die Medikamente gegen Erbrechen wirken auch gegen die Übelkeit und andersherum.

Mehr Informationen zu diesem Thema können Sie auch hier nachlesen: Medikamente gegen Übelkeit

Medikamente gegen Erbrechen in der Schwangerschaft und der Stillzeit

Übelkeit und Erbrechen betreffen über 80 % der Schwangeren. Daher sind Medikamente gegen das Erbrechen besonders gefragt in der Schwangerschaft. Diese stellt jedoch auch in Bezug auf den Medikamenteneinsatz eine Ausnahmesituation dar. Nicht jedes Medikament darf in der Schwangerschaft eingenommen werden, da es das ungeborene Kind oder die Mutter schädigen kann.

Es gibt jedoch einige Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen, die eingesetzt werden dürfen. Dazu gehört der Wirkstoff Meclozin.
Ein weiterer Wirkstoff, der ebenfalls in der Schwangerschaft angewendet wird, ist das Dimenhydrinat (Vomex®). Dieses darf jedoch nur im ersten und zweiten Trimenon angewendet werden, also nur in den ersten sechs Monaten der Schwangerschaft. Im letzten Schwangerschaftsdrittel kann Dimenhyndrinat die Wahrscheinlichkeit für eine Frühgeburt erhöhen und sollte daher vermieden werden.
Im zweiten Trimenon (4-6.Monat) ist insbesondere der Wirkstoff Metoclopramid (MCP) zu empfehlen.

Sollten es trotz einer Therapie mit Meclozin, Dimenhydrinat oder Metoclopramid nicht zu einer Besserung der Übelkeit und des Erbrechens kommen, ist der Einsatz der Wirkstoffe Promethazin und Ondansetron denkbar. Diese Wirkstoffe sind jedoch nur einzusetzen, wenn es keine andere Therapiemöglichkeit mehr gibt.

Generell sollte man in der Schwangerschaft davon absehen, Medikamente einzunehmen, ohne die Unbedenklichkeit des Wirkstoffes vorher ärztlich abgeklärt zu haben. Dies gilt auch für rezeptfreie Medikamente. Es drohen sonst Schäden für Mutter und Kind.

Lesen Sie mehr zum Thema unter Erbrechen in der Schwangerschaft.

Medikamente, die Erbrechen auslösen können

Erbrechen und Übelkeit sind häufig unangenehme Nebenwirkungen, die bei der Therapie mit gewissen Wirkstoffen auftreten können. Eine Medikamentengruppe, die Übelkeit und Erbrechen auslösen kann und die vielen Menschen bekannt ist, stellt die Gruppe der Chemotherapeutika (Zytostatika) dar. Diese Medikamente werden in der Krebstherapie als sogenannte Chemotherapie verabreicht.
Es gibt jedoch noch viele weitere Medikamente, die Erbrechen verursachen können. Bei der Therapie mit Opioiden (starke Schmerzmittel) treten insbesondere in den ersten Tagen Übelkeit und Erbrechen auf. Zu den bekanntesten Medikamenten, die diese Nebenwirkung hervorrufen können, gehören Betablocker, Parkinsonmedikamente wie das L-Dopa, Digitalisglykoside (Digoxin und Digitoxin)oder Eisenpräparate. Auch manche Antibiotika wie die Tetrazykline können ein Erbrechen verursachen.

Weiterführende Informationen

Folgende Themen können weiterhin von Interesse für Sie sein:

Eine Liste aller Medikamente, die wir bereits veröffentlicht haben finden Sie unter: Medikamente A-Z

Haftungsausschluss/ Disclaimer

Wir weisen darauf hin, dass Medikamente niemals eigenständig, ohne Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt abgesetzt, angesetzt oder verändert werden dürfen.
Bitte beachten Sie, dass wir in unseren Texten keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit erheben können. Durch aktuelle Entwicklungen können die Angaben ggf. veraltet sein.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 19.12.2018
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