Folgen Sie uns auf:


Reisekrankheit

Was ist das?

Die Reisekrankheit, medizinisch auch Kinetose genannt, stellt eine Kombination von Symptomen dar, die häufig auf Reisen entstehen. Viele Betroffene fragen sich, was hinter der Reisekrankheit steckt. Die Reisekrankheit ist in der Bevölkerung weit verbreitet, aber eigentlich keine richtige Krankheit und zudem harmlos. Für den betroffenen Patienten ist sie jedoch sehr unangenehm.

Sie tritt bei wackelnden Busfahrten, bei kurvigen Straßen oder ganz klassisch bei stürmischer See auf dem Schiff auf. Sie tritt also besonders auf Reisen auf, wodurch sie zu ihrem Namen gekommen ist. Tritt sie vor allem bei Schiffsreisen auf, dann wird sie als Seekrankheit bezeichnet.

Hauptursache der Reisekrankheit ist eine Störung des Gleichgewichtssinns. Normalerweise bekommt das Gehirn vom Gleichgewichtsorgan und von den Augen dieselben Informationen über Lage und Bewegungen des Körpers. Bei der Reisekrankheit kommt es aber zu unterschiedlichen, widersprüchlichen Informationen von Augen und Gleichgewichtssinn. Das Gehirn bekommt daher Schwierigkeiten mit der Verarbeitung dieser Signale, wodurch man reisekrank wird.

Prinzipiell kann man daher sagen, dass eigentlich jeder Mensch jederzeit reisekrank werden kann, auch wenn er vorher nie Probleme gehabt hat. Die Ausprägung der Reisekrankheit ist jedoch von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Außerdem spielt das Alter bezüglich des Auftretens der Reisekrankheit eine Rolle.

Symptome

Die Symptome der Reisekrankheit können von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Vergleichbar ist dies mit der Wahrnehmung von bestimmten Objekten, die bei Menschen auch sehr subjektiv ist. Der eine kann also deutlich mehr und schlimmer betroffen sein als der andere. Gleichzeitig kann es passieren, dass man ganz plötzlich reisekrank wird, obwohl man bisher noch nie Probleme mit der Reisekrankheit hatte.

Typische Symptome der Reisekrankheit sind Unwohlsein verbunden mit Übelkeit, Kopfschmerzen und Schwindel (siehe: Schwindel mit Übelkeit) . Diese klassischen Symptome müssen aber nicht bei jedem Patienten zum Ausdruck kommen. Leichte Ausprägungen der Reisekrankheit äußern sich in leichter Müdigkeit, häufigem Gähnen und vermehrtem Schwitzen bis hin zu Schweißausbrüchen. Ist der Patient stärker von der Reisekrankheit betroffen, können sich Symptome wie Blässe, Herzrasen und Herzstolpern, Übelkeit oder auch vermehrter Schwindel bemerkbar machen. Letztlich kann eine Kinetose sogar zu Symptomen wie Kreislaufabfall oder einer deutlich vermehrten Atmung (Hyperventilation) führen. Bei der schweren Form der Reisekrankheit kommt es zudem zu mehrmaligem Erbrechen und einem schweren subjektiven Krankheitsgefühl.

Therapie

Therapeutisch kann man beim Auftreten von Symptomen der Reisekrankheit unterschiedliche Maßnahmen ergreifen. Es gibt einige Medikamente, die im Rahmen der Reisekrankheit zum Einsatz kommen können. Leider wirken sie nicht bei jedem Betroffenen gleich gut, sodass jeder das für sich passende Mittel finden muss.

Auch die Darreichungsformen der Medikamente sind sehr unterschiedlich. Dimenhydrinat, das zur Gruppe der Antihistaminika gehört und zur Behandlung der Reisekrankheit eingesetzt werden kann, ist beispielsweise in klassischer Tablettenform oder sogar als Kaugummi in der Apotheke erhältlich, welche man dann während der Fahrt oder dem Flug kauen sollte. Eine weitere Form der medikamentösen Behandlung der Reisekrankheit ist das Aufkleben von Pflastern, die den entsprechenden Wirkstoff kontinuierlich freisetzen.

Medikamente

Medikamente gegen die Reisekrankheit gibt es in der Apotheke in großer Anzahl. Sie werden in den unterschiedlichsten Darreichungsformen angeboten, sodass der betroffene Patient einige Möglichkeiten ausprobieren sollte, um die für ihn optimalste Darreichungsform zu finden. Der Wirkstoff Dimenhydrinat gehört zur Gruppe der sogenannten Antihistaminika, die bekanntlich im Rahmen von Allergien eingenommen werden. Eine weitere Eigenschaft, die der Arzneistoff hat, ist seine „antiemetische“ Wirkung. Er hilft also gegen Übelkeit und Erbrechen. Ihn gibt es sowohl als Tabletten, Dragees oder auch in Form von Kaugummis. Die Kaugummis sollten, sobald die Symptome auftreten, eingenommen werden.

Ein weiteres wirksames Medikament bei Reisekrankheit ist das sogenannte Scopolamin. Es gehört zur Gruppe der Parasympatholytika. Auch dieses Medikament wirkt gegen Übelkeit und Erbrechen. Gleichzeitig hat es eine sedierende Wirkung und ist meist in Form eines Pflasters erhältlich. Dieses muss jedoch einige Stunden vor Reiseantritt auf die Haut aufgeklebt werden, da es sonst seinen Wirkstoff nicht schnell genug freisetzen kann. Der große Vorteil dieses Pflasters ist, dass der Wirkstoff, auch wenn sich der Betroffene erbricht, in den Körper gelangt, im Gegensatz zu den Tabletten.

Alternativ können pflanzliche Medikamente bei der Therapie der Reisekrankheit zum Einsatz kommen. Hierbei spielt vor allem Ingwer eine bedeutende Rolle. Ingwer kommt sowohl bei Verdauungsproblemen, aber auch bei der Therapie von Übelkeit und Erbrechen zur Anwendung. Auch zur Vorbeugung der Reisekrankheit wird er gerne eingesetzt. Ingwer gibt es sowohl in Tabletten und Dragee-Form als auch als Teeaufguss. Er sollte etwa eine halbe Stunde vor Reiseantritt das erste Mal eingenommen werden.

Tabletten

Dimenhydrinat (Vomex®) gibt es in Form von Tabletten zur Behandlung der Reisekrankheit. Neben seiner antiallergischen Wirkung - es gehört nämlich eigentlich zur Gruppe der sogenannten Antihistaminika - macht man sich eine weitere Wirkung dieses Wirkstoffs bei der Behandlung der Reisekrankheit zunutze: Es wirkt nämlich sowohl gegen Übelkeit, als auch gegen Erbrechen. Gleichzeitig hat es eine sedierende Wirkung, die für die psychische Komponente der Reisekrankheit auch vorteilhaft ist. Die Tabletten muss man hierbei nicht im Voraus einnehmen, sondern kann sie bei Bedarf nehmen, wenn man merkt, dass sich die Reisekrankheit langsam bemerkbar macht.

Ein weiteres Medikament, das es in Form von Tabletten gibt, ist das Cinnarizin. Normalerweise wird es im Bereich der Schwindeltherapie bei bestimmten Ohrerkrankungen eingesetzt. Da es aber gleichzeitig einen positiven Effekt auf Übelkeit und Erbrechen hat, findet es ebenfalls Anwendung in der Behandlung der Reisekrankheit.

Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel Cinnarizin.

Homöopathie

Auch in der Homöopathie findet man einige Mittel, die gegen die Reisekrankheit eingenommen werden können. Um das hierbei passende Mittel zu finden, muss man seine Symptome kennen und sie mit den Beschreibungen der jeweiligen homöopathischen Mitteln abgleichen. Wenn keine der Beschreibungen exakt mit seinen eigenen Symptomen übereinstimmt, sollte man sich das Mittel aussuchen, zu dem die Beschreibungen am besten passen.

In der Homöopathie werden am meisten Borax D12, Petroleum D12, Tabacum D12, Nux vomica und Cocculus D12 zu Behandlung und Vorbeugung der Reisekrankheit eingesetzt. Cocculus D12 stellt hierbei wohl das stärkste Mittel zur Therapie der Reisekrankheit dar. Gerade bei kleinen Kindern kommen eher Mittel aus der Homöopathie zum Einsatz, da viele alternative Therapien aufgrund des Alters für Kinder nicht zugelassen sind.

Reisekrankheit bei Kindern/Babys

Die Reisekrankheit tritt häufig bei Kleinkindern und Kindern auf. Längere Autofahrten oder Schiffsüberfahrten können für sie daher manchmal zu einer echten Qual werden. Besonders häufig und stark von der Reisekrankheit betroffen sind Kleinkinder ab 2 Jahren. Häufig erstreckt sich dieser Zeitraum etwa bis zum Beginn der Pubertät. Kinder werden von plötzlicher Übelkeit, starkem Erbrechen und Schwindel geplagt.

Die Reisekrankheit kommt beim Baby eher selten bis gar nicht vor. Bei ihnen ist das Gleichgewichtsorgan im Innenohr noch nicht so stark ausgeprägt, sodass es nicht wie bei den älteren Kindern zu einer Diskrepanz zwischen den Signalen des Auges und den Signalen des Innenohres kommt. Sie nehmen ihre Umwelt noch anders wahr als ältere Kinder. Ab der Pubertät nimmt die Reisekrankheit bei betroffenen Kindern allmählich wieder ab und kann letztendlich im Erwachsenenalter manchmal auch völlig verschwinden.

Für Eltern von betroffenen Kindern gibt es nützliche Tipps, die die Situation auf Reisen ein wenig verbessern können. Entgegen der üblichen Meinung, die man hat, ist es genau der falsche Impuls, seine Kinder mittels Malbüchern, Bücher lesen oder Fernsehen abzulenken. Diese Art der Ablenkung verschlimmert die Symptome, da die Malbücher einen ruhenden Gegenstand darstellen, das Innenohr aber eine Bewegung signalisiert. Besser ist es, das Kind uneingeschränkt aus dem Fenster schauen zu lassen. Wenn es alt genug ist, ist es eventuell hilfreich, es auf den Beifahrersitz zu setzen. Sie können dem Kind zur Ablenkung Geschichten erzählen oder mit ihm singen. Betroffenen Kleinkindern kann man auch helfen, indem man Suchspiele während der Autofahrt mit ihnen spielt. Klassische Spiele dieser Art sind zum Beispiel „Kennzeichen raten“ oder „ich sehe was, was du nicht siehst“. Auch bei stark ausgeprägten Symptomen sollte man Reisen nicht absagen und sich nicht zu sehr durch eine Reisekrankheit einschränken lassen.

Reisekrankheit Jetlag

Ein Jetlag tritt häufig bei einem Langstreckenflug auf, wenn einige Stunden Zeitverschiebung den körpereigenen Rhythmus durcheinander bringen.

Alle Vorgänge im menschlichen Körper laufen nach einem natürlichen Rhythmus ab, der die Länge eines Tages hat. Dies bezeichnet man als zirkadiane Rhythmik. So werden zum Beispiel Blutdruck, Herzfrequenz und Körpertemperatur gesteuert und wir haben eine „innere Uhr“, wenn es um Dinge wie Essen oder Schlafen geht. Landet man nun in einer anderen Zeitzone, so stimmen Tages- beziehungsweise Nachtzeit und die innere Uhr nicht mehr überein und dies äußert sich auf unterschiedliche Art und Weise. Der Schlaf-Wach Rhythmus ist durcheinander und es treten häufig Ein- und Durchschlafstörungen auf. Dennoch besteht tagsüber häufig Müdigkeit. Auch auf den Appetit und die Verdauung hat der Jetlag Auswirkungen. Es kommt zum Beispiel nachts zu Hunger und der Stuhl- oder Harndrang macht sich zu ungünstigen Zeitpunkten bemerkbar.

Lesen Sie mehr zum Thema: Schlafstörungen

Die Beschwerden, die durch einen Jetlag verursacht werden, gehen aber von selbst nach einigen Tagen wieder zurück. Wichtig ist es, im Zielland sofort darauf zu achten, sich den dortigen Tageszeiten anzupassen. Dies hilft dem Körper, sich an die Zeitumstellung zu gewöhnen.

Lesen Sie ausführliche Informationen zu dem Thema: Jetlag

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zum Thema Reisekrankheit, die Sie auch interessieren könnten:

Eine Übersicht der bisher erschienenen Themen der Inneren Medizin finden Sie unter Innere Medizin A-Z.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
Für Sie passende Themen
Ihre Meinung ist uns wichtig

Dr-Gumpert.de ist ein Projekt, das mit viel Engagement vom Dr-Gumpert.de Team betrieben wird. Im Vergleich zu anderen Webseiten ist vielleicht nicht alles so perfekt, aber wir gehen persönlich auf alle Kritikpunkte ein und versuchen die Seite stets zu verbessern.
An dieser Stelle bedanken wie uns bei allen Unterstützern unserer Arbeit.
Wenn Ihnen diese Seite gefallen hat, unterstützen auch Sie uns und drücken Sie: