Entzündung Mundschleimhaut

Einführung

Der Mund ist die Verbindung des Verdauungstraktes zur Außenwelt. Das heißt, dass der Bereich der Mundhöhle sehr vielen von außen kommenden Reizen und Einflüssen ausgesetzt ist. Der Mund muss harte und heiße Speisen aushalten können und er muss mit diversen Erregern wie Bakterien, Pilzen und anderen Mikroorganismen umgehen können. Damit dies gewährleistet ist, ist die gesamte Mundhöhle mit einer Schleimhaut ausgekleidet. Die Mundschleimhaut (lat. Tunica mucosa oris) bedeckt also die innere Oberfläche des Mundes.

Die Mundschleimhaut erfüllt die Anforderungen, die an sie durch Speise und Mikroorganismen gestellt werden, normalerweise sehr gut. Die Zellen können sich schnell teilen, daher sind Wunden schneller verheilt als an anderen Stellen des menschlichen Körpers. Im gesunden Zustand ist die Mundschleimhaut feucht und rosig. Die Schleimhaut besteht fast komplett aus unverhorntem und teilweise aus verhorntem Plattenepithel, das Zahnfleisch und der Zungenrücken und er harte Gaumen sind wegen der mechanischen Belastung durch das Zerkauen und Herunterschlucken von Nahrung mit einem verhornten Plattenepithel überzogen.

Primär im unverhornten Teil sind kleine Speicheldrüsen eingelagert, die zusätzlich zu den großen Speicheldrüsen (Glandula sublingualis, Glandula submandibularis und Glandula parotis) die Schleimhaut feucht halten. Im Epithel der Zunge sind außerdem Geschmacksensoren in das Epithel eingelagert. Generell sind in der Mundschleimhaut Sinnesrezeptoren vorhanden, die ein Tastempfinden, eine Schmerzwahrnehmung und ein Temperaturempfinden möglich machen. Dadurch, dass die Mundschleimhaut durch den Speichel ständig feucht gehalten wird, ist sie vor äußeren Einflüssen geschützt.

Symptome

Eine Entzündung der Mundschleimhaut (Stomatitis) geht in aller Regel mit Schmerzen einher. Diese können von schwach bis sehr stark unterschiedlich ausgeprägt sein. Die Schmerzen können so stark sein, dass die Nahrungsaufnahme unmöglich sein kann. Die Schmerzen können sich auch als Brennen äußern oder das Brennen tritt zusätzlich auf. Weiterhin kann die Entzündung jucken oder stechen. Die Schleimhaut ist bei einer Entzündung gerötet und kann angeschwollen sein. Bei einer Schwellung der Schleimhaut kann es durch diese Schwellung bedingt auch zu Schluckbeschwerden kommen. Dies kann die Aufnahme von Essen und Trinken erschweren. Es kann sich außerdem ein weißlicher oder gelblicher Belag bilden.

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Der Belag kann punktuell oder großflächig auftreten. Dies kann des Weiteren zu einem Mundgeruch führen. Bei einer ausgeprägten Entzündung kann es auch zu Schleimhautblutungen kommen. Ein weiteres wichtiges Symptom sind Läsionen, also Verletzungen der Schleimhaut, die sich durch die Entzündung bilden. Die Schleimhaut kann rissig werden und einreißen, es bilden sich sogenannte Ulzerationen (Geschwür). Bei sehr ausgeprägten Entzündungen kann es daraufhin zu Nekrosen (Zelltod) der Mundschleimhaut kommen, das heißt, dass Teile der Schleimhaut absterben.

Außerdem können Aphten auftreten. Dabei handelt es sich um Schleimhautdefekte. Die Aphten haben eine runde Form und sind im Zentrum gelblich oder weißlich und von einem geröteten Rand umgeben. Sie können in Gruppen oder einzeln auftreten. Aphten sind in der Regel sehr schmerzhaft, von den Schmerzen abgesehen jedoch harmlos. Die Entzündung der Mundschleimhaut kann zu einem Taubheitsgefühl im Inneren des Mundes führen, außerdem kann sie sich in einer Verminderung oder den Verlust des Geschmacks darstellen. Selten und bei bestimmten Erkrankungen können sich außerdem Bläschen bilden. Generell kann sich die Entzündung der Mundschleimhaut auf einen bestimmten Bezirk begrenzen oder die gesamte Mundschleimhaut betreffen.

Ursachen

Die Ursachen der Entzündung der Mundschleimhaut sind sehr unterschiedlich. Man kann die verschiedenen Ursachen wie folgt unterteilen:

Infektiöse Ursachen

Entzündungen infektiöser Ursache entstehen durch bestimmte Krankheitserreger. Dies sind Mikroorganismen, die normalerweise in der Nahrung etc. vorkommen und mit denen der Mensch Kontakt hat. Eine Gruppe von Erregern sind die Bakterien (zum Beispiel: Borrelia vincentii). Des Weiteren können Entzündungen der Mundschleimhaut von Viren ausgelöst werden (zum Beispiel durch Herpes-Viren (HHV-1 und HHV-2)). Der Erstkontakt speziell mit dem Herpes-simplex-Virus führt zu der sogenannten Gingivostomatitis herpetica (Synonym: Mundfäule), einer sehr schmerzhaften Entzündung der Mundschleimhaut, in deren Verlauf es zu einer Bläschenbildung kommt. Die Bläschen jucken und brennen. Zusätzlich treten hohes Fieber und Lymphknotenschwellungen am Hals auf.

Eine weitere Erregergruppe sind die Pilze. In der Regel ist hier der Hefepilz Candida albicans verantwortlich. Dieser Pilz gehört zur normalen Mundflora des Menschen und kann den sogenannten Mundsoor auslösen. Beim Mundsoor ist die Mundschleimhaut mit weißlichen Belägen bedeckt. Der Mundsoor tritt in der Regel nur bei Menschen auf, deren Immunsystem aufgrund von Erkrankungen oder bestimmten Therapien geschwächt ist. Auch virale und bakterielle Entzündungen entwickeln sich meist aufgrund einer bereits bestehenden Schwächung des Immunsystems oder aufgrund einer Vorschädigung der Mundschleimhaut.

Andere Ursachen

Hier sind die nicht-infektiösen Ursachen verschiedenen Ursprungs zusammengefasst. Es kann durch eine allergische Reaktion zu einer sogenannten Kontaktstomatitis kommen. Dies entsteht durch den Kontakt mit einer Substanz, die beim Gesunden keine derartige Reaktion auslöst. Des Weiteren kann sich durch die Einwirkungen von Giften eine Entzündung der Mundschleimhaut entwickeln. Auslöser sind hier beispielsweise Säuren, die eine Verätzung auslösen können oder Metallverbindungen, die eine Vergiftung auslösen können. Eine weitere Gefahrenquelle sind physikalische Einwirkungen. Zu heiße Getränke und Speisen verursachen Verbrennungen, die dann in eine Entzündung der Schleimhaut übergehen können. Außerdem können mechanische Schädigungen durch zu harte oder scharfkantige Speisen (Knäckebrot, Popkorn, Chips, harte Bonbons etc.) oder beispielsweise den unsachgemäßen Gebrauch einer Zahnbürste entstehen.

Solche Verletzungen der Schleimhaut können dann in eine Entzündung der Schleimhaut übergehen. In derartige Öffnungen in der Schleimhaut können sich außerdem Bakterien ansiedeln und die Entstehung einer Entzündung der Schleimhaut begünstigen. Auch Erkrankungen, die den ganzen Menschen betreffen (systemische Erkrankungen) können sich in Form einer Entzündung der Mundschleimhaut äußern. Beispiele sind hier die Erkrankungen des Bindegewebes oder die Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) oder aber die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Colitis ulzerosa und Morbus Crohn).

Auch Leukämie und Gerinnungsstörungen können eine Entzündung der Mundschleimhaut auslösen. Des Weiteren gibt es Krankheiten, die durch Bakterien ausgelöst werden und die sich neben systemischen Symptomen auch durch eine Entzündung der Mundschleimhaut äußern können. Die sexuell übertragbaren Krankheiten wie Gonorrhoe und Syphilis können eine Entzündung der Mundschleimhaut auslösen. Die Mundschleimhaut kann sich auch durch einen Mangelzustand manifestieren. Hier sind vor allem die Vitaminmangelzustände zu nennen. Beispielsweise haben Menschen mit Vitamin C-Mangel (Skorbut) Zahnfleischbluten und Entzündungen der Schleimhäute.

Risikogruppen

Es gibt bestimmte Personengruppen, die viel öfter als der Gesunde eine Entzündung der Mundschleimhaut bekommen. Oft sind bestimmte Einflüsse, die von außen auf den Körper einwirken, Risikofaktoren für die Entwicklung einer Mundschleimhautentzündung. Oft sind dies bestimmte Medikamente. Beispielsweise können Antidepressiva, Antibiotika und Goldverbindungen eine Entzündung der Magenschleimhaut mitauslösen. Auch die Behandlungen gegen Tumorerkrankungen erhöhen das Risiko. Krebs wird meist mit einer Chemotherapie behandelt, die als Chemotherapeutika verabreichten Stoffe hemmen meist das Zellwachstum und verhindern so, dass sich die Mundaschleimhaut regenerieren kann.

Auch die zusätzlich eingesetzte Strahlentherapie belastet den Körper und kann eine Entzündung der Mundschleimhaut bedingen. Auch Patienten, die mit Medikamenten behandelt werden, die das Immunsystem hemmen, sind besonders gefährdet. Weiterhin haben bestimmte Berufsgruppen ein deutlich erhöhtes Risiko, eine Mundschleimhautentzündung zu bekommen, hier sind Menschen, die in Kontakt mit Schwermetallen und Metallen kommen zu nennen. Außerdem sind Personen, die großer Hitze oder ätzenden Mitteln ausgesetzt sind, besonders gefährdet. Bestimmte Gruppen von Menschen haben allein aufgrund ihres Alters ein erhöhtes Risiko für Mundschleimhautentzündungen, dies sind einerseits Säuglinge und andererseits alte Menschen. Des Weiteren sind Personen, die Zahnprothesen tragen gefährdet, eine Entzündung der Mundschleimhaut zu bekommen, da diese die Schleimhaut reizen können. Schlussendlich erhöht sich das Risiko auch durch das Rauchen von Zigaretten oder ähnlichem. Auch der übermäßige Konsum von Alkohol kann die Entstehung einer Mundschleimhautentzündung begünstigen.

Therapie

Die Entzündung der Mundschleimhaut erfolgt in der Regel durch eine lokale Anwendung von Medikamenten. Man kann die Entzündung mit desinfizierenden Mundspülungen reinigen. Außerdem kann man lokal betäubende Arzneien zu sich nehmen, um den Schmerz zu lindern. Hier eignet sich zum Beispiel die Salbe Solcoseryl® akut. Weiterhin kann man die Entzündungsreaktion hemmen, dies ist mithilfe von Glukokortikoiden und Antihistaminika möglich. Bei Vitaminmangelzuständen sollte man das fehlende Vitamin zu sich nehmen. Generell sollte, falls eine vorhanden, die Grunderkrankung behandelt werden. So kann man eine bakterielle Infektion mit Antibiotika behandeln, virale Entzündungen der Mundschleimhaut können mit antiviral wirkenden Medikamenten behandelt werden und eine Besiedelung der Mundschleimhaut mit Pilzen (Mundsoor) kann mit Antimykotika behandelt werden.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 12.07.2017
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