Magenverkleinerung

Synonyme im weiterem Sinne

Magenchirurgie, Magenvolumenverkleinerung, Magenband, Gastroplastiken, Schlauchmagen, Roux En Y Bypass, Dünndarmbypass, Magenballon

Medizinisch: Adipositaschirurgie

Definition

Unter einer Magenverkleinerung versteht man allgemein die Verkleinerung des Magens mit dem Ziel, dass weniger Nahrung aufgenommen wird und somit krankhaftes Übergewicht (Adipositas) bekämpft wird. Dies kann sowohl operativ dauerhaft erreicht werden oder durch einen endoskopisch (wie bei einer Magenspiegelung) eingesetzten Ballon. Es gibt verschiedene Methoden den Magen operativ zu verkleinern, wobei nicht alle von den Krankenkassen übernommen werden, meist auch nur unter bestimmten Voraussetzungen. Siehe dazu: Kostenübernahme einer Magenverkleinerung

Einleitung

In Deutschland sind zur Zeit etwa 55% der Bevölkerung übergewichtig, dass heißt sie haben einen BMI über 25. Tatsächlich krankhaft übergewichtig sind etwa 13% der Menschen in Deutschland. Männer sind mit 14% etwas häufiger stark übergewichtig als Frauen mit 12%.
Auf längere Sicht gesehen ist zu beobachten, dass der Trend steigend ist und damit auch die Folgen von Übergewicht zunehmen. Auch immer mehr zum Teil sehr junge Kinder sind stark übergewichtig (siehe: Übergewicht bei Kindern). So steigt auch die Anzahl der Operationen pro Jahr. Zur Zeit sind es etwa 2500 bis 3000 Operationen die in den verschiedenen Techniken den Magen verkleinern.

In anderen Ländern wie den USA oder Frankreich gibt es deutlich mehr Operationen dieser Art. In Deutschland kann man allerdings beobachten, dass sich bei den Krankenkassen immer mehr ein Umdenken einstellt. So wird starkes Übergewicht immer mehr als chronische Krankheit anerkannt und deshalb immer häufiger übernommen.

Voraussetzungen für eine Operation

Da es sich bei einer Magenverkleinerung um einen invasiven Eingriff handelt, der auch viele Komplikationen nach sich ziehen kann, gibt es einige Voraussetzungen, die zur OP erfüllt werden müssen.

  • Dazu zählen ein BMI > 40
  • Oder ein BMI > 35 (in einzelnen Fällen reicht auch ein BMI von 30) wenn Begleiterkrankungen vorliegen, wie z.B. Diabetes Mellitus, Bluthochdruck, Gelenkerkrankungen oder Schlafapnoe (im Schlaf setzt die Atmung aus).
  • Ebenfalls muss das Übergewicht schon länger als drei Jahre bestehen und es sollten alle anderen weniger invasiven Maßnahmen zur Gewichtsreduktion gescheitert sein.

Es werden nur Menschen zwischen 18 und 65 Jahren operiert. Bei einer Magenverkleinerung sollten keine Suchterkrankungen (wie Drogen, Tabletten oder Alkohol) vorliegen, da es zu einer Suchtverlagerung kommen könnte, d.h. die Menschen steigen bei ihrer Sucht von Tabletten auf Essen um. Menschen die an Depressionen leiden können ebenfalls nicht an einer Magenverkleinerung operiert werden. Der Patient muss motiviert sein, die Behandlung komplett mitzumachen, da es mit einer Operation zur Magenverkleinerung alleine nicht getan ist. Danach gibt es starke Einschränkungenim alltäglichen Leben, im besonderen die Vorschriften für die folgende Ernährung (s.u.). Der Patient muss über alle Risiken aufgeklärt sein.

Verfahren für die Magenverkleinerung

Die gewünschte Gewichtsreduktion kann über verschiedene Verfahren erreicht werden. Bei einigen wird der Magen selbst verkleinert (restriktive Techniken) bei anderen Operationstechniken wird der Magen im Verdauungsweg umgangen (Bypass Techniken).

Bei den restriktiven Methoden (für die Details zu den einzelnen Verfahren siehe unten) wird der Magen durch ein sogenanntes Magenband oder ähnliche Methoden verkleinert. Deshalb stellt sich schon nach sehr geringen Nahrungsmengen Sättigungsgefühl ein und man isst automatisch weniger.
Die Verdauung wird bei diesen Methoden weniger beeinträchtigt, da immer noch alle Magenteile vorhanden sind. Allerdings kann es trotzdem passieren, dass man sein reduziertes Gewicht nicht so leicht hält, wenn man nicht diszipliniert isst.
Flüssige oder breiige Nahrung kann sehr leicht den verkleinerten Magen passieren und wird voll verdaut, also auch alle Kalorien aufgenommen. Das wäre besonders gefährlich bei Eis, Pudding und Limonaden aller Art.

Bei den Bypass Methoden (s.u.) wird der Magen direkt umgangen, d.h. die Speiseröhre wird vom Magen getrennt und direkt an den Zwölffingerdarm (Duodenenum) wieder angenäht. Bei dieser Methode wird die Nahrung weniger stark verdaut und so auch weniger Kalorien aufgenommen, damit gehören die verschiedenen Bypässe zu den malabsorptiven (geringe oder schlechte Nahrungsaufnahme) Verfahren.

Im Folgendem Sehen Sie eine Übersicht aller Verfahren zur Magenverkleinerung:

Risiken

Bei allen Verfahren der Magenverkleinerung handelt es sich um invasive Eingriffe, die wie jede andere Operation auch, zahlreiche Risiken bergen. Es kann zu Blutungen, Blutergüssen und zu Infektionen kommen. Auch Schmerzen und Gefühlsstörungen im Operationsgebiet (durch die Durchtrennung feiner Nerven in der Haut) können auftreten. Nach jeder Operation, auch nach einer Magenverkleinerung, kann es zur Bildung von Blutgerinnseln (Thrombosen) oder sogar zur Verschleppung von Blutgerinnseln (Embolien) kommen. Gelangt ein solches Blutgerinnsel in die Lunge (Lungenembolie) besteht sogar Lebensgefahr.

Der Bildung von Blutgerinnseln wird daher nach jeder Operation durch die Gabe von Heparinspritzen (einem Medikament, das der Blutverdünnung dient) vorgebeugt. Alle Verfahren der Magenverkleinerung, mit Ausnahme des Magenballons, werden in Vollnarkose durchgeführt, welche ebenfalls Komplikationen hervorrufen kann. Diese Komplikationen treten zwar aufgrund hoher medizinischer Standards und neuen Medikamenten heutzutage selten auf, müssen aber insbesondere bei Risikopatienten, wie Übergewichtige es sind, stets in Betracht gezogen werden. Durch die bei der Vollnarkose eingesetzten Medikamente kann es zu Störungen im Herz-Kreislauf-System, zum Beispiel zu Herzrhythmusstörungen oder zum Blutdruckabfall, kommen. Diese Medikamente setzen außerdem die Schutzreflexe herab, wodurch in seltenen Fällen Mageninhalt in die Lunge gelangen kann (Aspiration). Gelangt Mageninhalt in die Lunge besteht im Verlauf auch immer die Gefahr, dass sich eine Lungenentzündung entwickelt. Daher ist am Tag vor der Operation die Aufnahme von Nahrung untersagt.

Während einer Vollnarkose wird der Patient beatmet. Die Beatmung erfolgt in der Regel mithilfe eines Endotrachealtubus (Plastikschlauch, der in die Luftröhre eingebracht wird). Dieser Schlauch kann die Luftröhre reizen und so nach der Operation zu unangenehmer Heiserkeit und zu Husten führen. Beim Einführen des Schlauches kann es außerdem zur Beschädigung der Schneidezähne kommen. Komplikationen, die häufig nach Operationen, insbesondere bei Frauen, beobachtet werden, sind Übelkeit und Erbrechen. Da es sich bei den Patienten, die sich einer Magenverkleinerung unterziehen, um übergewichtige (adipöse) Patienten handelt, die häufig auch unter Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus und Bluthochdruck (Hypertonie) leiden sind operative Eingriffe generell riskanter als bei gesunden Patienten und fordern besondere Aufmerksamkeit.

Auch nach der Operation sind Komplikationen wie Wundheilungsstörungen bei solchen Patienten häufiger. Außerdem haben übergewichtige Patienten ein erhöhtes Risiko für Thrombosen oder Embolien. Eine spezielle Komplikation, die nach operativen Verfahren der Magenverkleinerung auftreten kann, ist der Magenverschluss. Zu Magenverschlüssen kommt es insbesondere dann, wenn nach der Operation zu große Nahrungsstücke aufgenommen werden.

Kosten

In der Adipositaschirurgie (oder auch bariatrische Chrirurgie) gibt es verschiedene Methoden den Magen zu „verkleinern“ und damit eine Gewichtsreduktion zu erzielen. Die Kosten werden dabei entweder von der Krankenkasse getragen oder aber vom Patienten selbst übernommen.

  • Kosten eines Magenballons: Der Magenballon (itragastric ballon) wird i.d.R. Patienten mit einem BMI (Body-Mass-Index) zwischen 28 und 44 (selten auch zwischen 26 und 46) eingesetzt. Er ist eine nicht-invasive Möglichkeit, den Magen zu verkleinern, indem bereits ein großes Füllungsvolumen vom Ballon ausgefüllt wird. Die Kosten für das Einsetzen eines Magenballons werden normalerweise nicht von der Krankenkasse übernommen.
    Nur in sehr seltenen Fällen, etwa bei schwerstem Übergewicht (BMI obligat über 40) und Kontraindikation für einen invasiven Eingriff, übernimmt die Krankenkasse die Kosten für den Magenballon.
    Die Kosten für einen solchen Eingriff betragen zwischen 2500 und 4000 Euro. Es lohnt sich also für Selbstzahler die Preise verschiedener Ärzte und Kliniken zu vergleichen. Zu beachten ist jedoch, dass bei Selbstzahlern auch alle weiteren Kosten, die bspw. in Folge von Komplikationen auftreten, getragen werden müssen.
  • Kosten eines Magenbandes: Das Magenband (gastric band) wird in der chirurgischen Therapie der Adipositas (des Übergewichts) eingesetzt, wenn alle konservativen Maßnahmen versagt haben. Es ist indiziert bei schwer übergewichtigen Patienten mit einem BMI über 40. Auch Patienten mit einem BMI über 35 können ein Magenband erhalten, wenn sie zudem weitere ernsthafte Begleiterscheinungen wie bspw. Diabetes haben.
    Die Kosten werden dann, wenn aus medizinischer Sicht alle notwendigen Kriterien erfüllt sind, von der Krankenkasse übernommen. Sollte man den Eingriff selbst zahlen (z.B. aufgrund fehlender ärztlicher Indikation) kommen hier ebenso alle Folgekosten auf einen zu. Die Kosten für das Magenband liegen bei 5000 Euro aufwärts. Je nach Länge des Krankenhausaufenthaltes und des Höhe des OP-Aufwandes können auch Kosten von bis zu 10.000 Euro entstehen.
  • Kosten eines Magenbypass: Die Kosten für einen Magenbypass in Deutschland schwanken zwischen knapp 6000 bis über 10.000 Euro. Als Selbstzahler sollte man sich im Klaren darüber sein, dass man alle weiteren Folgekosten, die durch längere Klinikaufenthalte, Komplikationen oder Folgeoperationen entstehen selbst tragen muss. Der Magenbypass gehört zu den etablierten Verfahren in der Adipositaschirurgie und kann, wenn die nötigen Kriterien erfüllt sind von den Krankenkassen übernommen werden.
    Im Vordergrund steht die konservative Gewichtsreduktion. Sollte die jedoch nicht erreicht werden können bei sehr hohem Übergewicht (BMI über 40) oder bei Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus (bereits bei BMI über 35) kann ein Antrag bei der Krankenkasse für ein operatives Verfahren gestellt werden. Der betreuende Arzt sowie die eigene Krankenkasse kann einen näher beraten, welche Kriterien erfüllt werden müssen.
  • Kosten einer Magenverkleinerung: Die Magenverkleinerung im Sinne einer Schlauchmagen-OP gehört ebenfalls zu den etablierten Verfahren in der Adipositaschirurgie. Das Magenvolumen wird chirurgisch um etwa 80% verkleinert. Die Kosten für eine Schlauchmagen-OP belaufen sich in Deutschland auf circa 8000 Euro. Es gibt individuelle Unterschiede, jedoch schwanken die Preise in etwa um diese Summe.

Lesen Sie mehr zum Thema: Magenverkleinerung Kosten

Spätfolgen der Operation und das Leben danach

Wie nach den einzelnen Methoden erwähnt, braucht man Zeit seines Lebens Nahrungsergänzungsmittel. Das Vitamin B12 wird im letzten Teil des Dünndarms aufgenommen, allerdings nur mithilfe des Intrinsicfactors der im unteren Teil des Magen gebildet wird.
Da dieser bei jeder Methode gar nicht oder nur gering zum Einsatz kommt, wird nicht genügend intrinsicfactor produziert um genug Vitamin B12 aufzunehmen. Ebenfalls wird die Aufnahme von Eiweiß und einigen Mineralien gestört und müssen nun ebenfalls gesondert aufgenommen werden. Zudem kommt es noch zu weiteren und auch deutlich schwerwiegenderen Einschränkungen.
Da nur noch sehr geringe Mengen auf einmal gegessen werden können, muss man einen strengen Ernährungsplan einhalten. Viele Patienten berichten von Übelkeit direkt nach dem Essen, da ihre Speiseröhre richtiggehend „kämpfen“ muss um die Nahrung in den Magen zu transportieren. Es kommt ebenfalls häufiger zu Sodbrennen oder auch zum Zurücklaufen vom Magensäure (Reflux) in die Speiseröhre.

Durch die Mangelernährung fühlen sich viele Menschen nach der Operation schwach und entkräftet. Einige berichten von schlechten Zähnen durch den Vitaminmangel oder auch schlechter Haut. Durch die schnelle Gewichtsabnahme kommt die Haut meist nicht mit sich zurückzuziehen. So entstehen Hautlappen. Diese müssen dann meist in einer weiteren Operation entfernt werden. Etwa 1-2 Jahre nach der Operation kommt es häufig wieder zu einer Gewichtszunahme von etwa 5-10% des vorher abgenommenen. Das liegt daran, dass der Körper sich an die geringere Energiezufuhr gewöhnt. Das kann zum Beispiel leicht durch das Magenband korrigiert werden, da dieses die Möglichkeit zur Einstellung des Bandes bietet. Das Band wird also enger geschnürt. Trotz aller negativen Konsequenzen überwiegen für viele Menschen die positiven Aspekte.
So senkt sich der Blutdruck. Viele Diabetiker sind nach der Gewichtsabnahme keine mehr. Knieprobleme oder Fußprobleme fallen auch weg. Langes Stehen stellt kein Problem mehr dar.

Rehabilitation und Prognose

Die meisten Operierten bleiben zu Rehabilitation nach der Operation etwa 5 bis 8 Tage im Krankenhaus. Schon jetzt beginnt die Nachsorge, d.h. die Diät beginnt direkt. Ebenfalls muss überprüft werden ob der Körper die Operation gut annimmt.

Die meisten Patienten nehmen in etwa 16% ihres Körpergewichts in einem Jahr ab. Das bezieht sich auf das Fettgewebe, es wird also nur überschüssiges abgebaut. In den Folgejahren kommt es dann zu einer weiteren Gewichtsreduktion.
Zum Teil wird sogar mehr abgenommen als die oben genannten 16%. So berichteten viele Operierte von einer Gewichtsabnahme von 40–60 kg im ersten Jahr Viele Patienten mit einem Gewicht von über 200 kg berichteten sogar von einer Gewichtsabnahme von 90 kg im ersten Jahr nach der Operation. Dies alles gilt vor allem bei Einhaltung eines strengen Ernährungs- und Bewegungsplan.

Die Einhaltung der strengen Diät ist Voraussetzung für die Gewichtsabnahme und das Halten des Gewichts nach der Operation. Wenn aber alles eingehalten wird, ist die Prognose für die Gewichtsabnahme sehr gut.

Magenverkleinerung ohne OP

Eine Magenverkleinerung ohne eine klassische OP ist lediglich durch das Einsetzen eines Magenballons möglich. Der Magenballon wird dabei endoskopisch über die Speiseröhre in dem Magen eingeführt. Der Eingriff findet unter Sedierung ambulant statt.
Nach Einsetzen des Ballons wird dieser mit 500 bis 700 ml Kochsalzlösung aufgefüllt, sodass der Magen schon zu großen Teilen vom Ballon ausgefüllt wird. Dadurch erreichen Patienten schneller eine Sättigung beim Essen und der Magen ist quasi „verkleinert“. Der Ballon wird in der Regel nach 6 Monaten wieder entfernt.

Der Eingriff bringt dennoch einige Komplikationen mit sich, die beachtet werden sollten. Vielen Patienten ist nach dem Einsetzen des Magenballons übel. Auch Bauchschmerzen können mehrere Tage lang bestehen.
Es kann ferner zu einer Dehydratation (Flüssigkeitsmangel) und einer gefährlichen Elektrolytverschiebung kommen. Da die Kochsalzlösung im Ballon mit einem Farbstoff (Methylenblau) durchsetzt ist, verfärbt sich der Urin blau, falls der Ballon platzt.
Dann muss der Ballon umgehend entfernt werden. Weitere gefährliche Komplikationen sind ein Absterben der Magenwand (Nekrose), Rupturen (Risse) des Magens und Duodenums (Zwölffingerdarm) und Darmverschlüsse (Ileus).

Prophylaxe

Zur Prophylaxe von Adipositas gehören neben gesunder Ernährung und ausreichend Sport (also mindestens dreimal pro Woche) auch die Reduzierung von Stress und Schlafmangel. Häufig wird vergessen, dass auch diese Faktoren zu Gewichtszunahme führen können.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema Magenverkleinerung finden Sie unter:

Möglichkeiten der einzelnen Magenverkleinerungen:

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 11.01.2018
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