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Medikamente bei Hepatitis C

Welche Medikamente werden bei Hepatitis C eingesetzt?

Zur Therapie von Hepatitis C wurden bis 2014 vor allem Interferon und Medikamente eingesetzt, welche die Vermehrung des Virus hemmen. Meistens wurde Interferon-α mit Ribavirin kombiniert verabreicht.

Seit 2015 sind neue Medikamente zugelassen, welche den Virus direkt angreifen. NS5-A Hemmer (Ledipasvir, Daclatasvir, Ombitasvir), NS5-B Hemmer (Sofosbuvir, Dasabuvir), NS3A/NS4A Hemmer (Simeprevir, Paritravir) und Kombinationen aus NS5A/5B Hemmern oder sogenannte Multi-Hemmer gegen NS3, NS5A/NS4A, NS3A sind Medikamente, die direkt am Hepatitis C Virus angreifen. Diese Mittel sorgen dafür, dass der Hepatitis Virus seine Eiweiße, die er benötigt, nicht mehr bilden kann. Das führt dazu, dass der Virus sich nicht mehr vermehren kann. In manchen Fällen müssen zusätzlich Ribavirin-Tabletten gegeben werden. Ribavirin ist ein Medikament, das ebenfalls der Vermehrung der Hepatitis C Viren entgegenwirkt. Die neuen Medikamente gegen Hepatitis C haben gute Erfolgsaussichten und weniger Nebenwirkungen als die Interferon-Therapie. Die Wahl des Medikaments hängt unter anderem von der Art der Infektion ab, akut oder chronisch, von der Vorbehandlung und der Leber- und Nierenfunktion.

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Zur Auswahl stehen Standardtherapeutika, wie Interferon-α und Ribavirin oder neuere, direkt antiviral wirkende Medikamente, wie Hepatitis C Virus Proteasehemmer mit der Endung -previr, Hepatitis C Virus Polymerasehemmer enden auf -buvir und Hepatitis C Virus NS5A-Hemmer mit der Endsilbe -asvir.

Interferon

Interferon ist ein Cytokin, das heißt ein im menschlichen Körper natürlicherweise vorkommendes Eiweiß, das der Steuerung der Immunantwort dient. Unsere Körperzellen bilden Interferon bei viralen Infektionen und neoplastischen. Erkrankungen. Unterschiedliche Zelltypen produzieren drei unterschiedliche Typen von Interferonen. Interferone können darüber hinaus gentechnisch hergestellt und zur Therapie verschiedener Erkrankungen eingesetzt werden.

Vor 2011 war Interferon in Kombination mit dem Mittel Ribavirin die Standard-Therapie bei Hepatitis C. Für die Therapie verwendete man Interferon-α. Die Behandlungsdauer mit Interferon und Ribavirin betrug 24 bis 48 Wochen, abhängig vom Genotyp des Hepatitis C Virus. Diese Therapie führte bei 80% der Betroffenen zu einer Ausheilung der Erkrankung, sodass man keine Bestandteile des Hepatitis C Virus  mehr nachweisen konnte. Ein großer Nachteil der Therapie mit Interferon war die Häufigkeit des Auftretens von Nebenwirkungen. Mehr als die Hälfte der Behandelten beschrieben Grippe-ähnliche Symptome.

Nebenwirkung von Interferon

Die Therapie mit Interferon verursacht oft Nebenwirkungen. Zu den sehr häufig auftretenden Nebenwirkungen gehören Grippe-ähnliche Beschwerden wie Fieber, Schüttelfrost, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Durchfall und vermehrtes Schwitzen. Ein Mangel an weißen Blutkörperchen und Blut-Calcium kann entstehen. Häufig kommt es außerdem zu einer Blutarmut, einem Mangel an Blutplättchen, Herzrhythmusstörungen, Blaufärbung der Haut, Mundtrockenheit und Geschmacksstörung, Gewichtsverlust sowie Wassereinlagerung ins Gewebe (Ödembildung). Gelegentlich entsteht ein Mineralmangel und es kann zu Depressionen, Angst, Verwirrtheit, Nervosität, Gedächtnis- und Schlafstörungen kommen. Sehstörungen, Schwindel, Bluthochdruck, Schuppenflechte, Juckreiz und einer vermehrten Ausscheidung von Eiweiß und Zellen über den Urin sowie ein Anstieg der Leberwerte im Blut können auftreten. Selten kommt es zu Nebenwirkungen wie eine Lungenentzündung, Herpes-Infektion, Autoimmunerkrankungen, Schilddrüsenfunktionsstörungen, vorübergehende Erektionsstörungen, Leberentzündung, Herzinfarkt und weiteren schweren   Erkrankungen.

Erfolgsaussichten

Gentechnisch hergestelltes Interferon wirkt bei Hepatitis C Virus-Infektion antiviral, da der Wirkstoff die körpereigenen Zellen gegen eine Virusinfektion widerstandsfähiger macht und spezielle Fresszellen des Immunsystems so aktiviert, dass die Viren ausgeschaltet und virusinfizierte Zellen vernichtet werden können.

In Kombination mit Ribavirin führte die Therapie bis 2011 bei etwa 80% der Infizierten zu einer Heilung.

Ribavirin

Rivavirin ist ein Medikament, das der Therapie von bestimmten Virusinfektionen dient, ein sogenanntes Virostatikum. Bei chronischer Hepatitis C wird Ribavirin mit Interferon-α kombiniert verabreicht, um zu verhindern, dass sich die Hepatitis C bedingte Form der Leberentzündung verschlimmert und es zu einer fortschreitenden Funktionseinschränkung der Leber kommt. Der Wirkstoff Ribavirin hemmt die Vermehrung der Viren und kann Komplikationen wie die Respiratory-Synccytial-Virus-Infektion und hämorrhagisches Fieber behandeln. Ribavirin wird gezielt bei chronischer Hepatitis C Virusinfektion eingesetzt.

Nebenwirkung von Ribavirin

Wie jedes Medikament kann auch Ribavirin Nebenwirkungen verursachen. Nebenwirkungen müssen aber nicht auftreten, da jeder Mensch unterschiedlich auf Medikamente reagiert. Wird Ribavirin im Rahmen einer sogenannten Inhalationsbehandlung gegeben, treten häufig Hautausschläge, Rötungen und Schwellungen der Haut auf. Es kann zu einer leichten Verkrampfung der Atemmuskulatur kommen. Selten treten bei einer Inhalationsbehandlung Kopfschmerzen, Atemnot, leichte Blutarmut, Husten und eine Veränderung der Atmung auf. In Einzelfällen kann es zu einer schweren Blutarmut kommen.

In Kombination von Ribavirin mit Interferon-α treten sehr häufig Nebenwirkungen auf. Dazu gehören: Mundtrockenheit, Blutarmut, Fieber, Müdigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen, grippeartige Beschwerden, Gewichtsabnahme, Durchfall, Erbrechen, Übelkeit, Schlafstörungen, Depressionen, Angststörungen und Konzentrationsschwäche sowie Schnupfen, Entzündungen der Atemwege, Mittelohrentzündung und Harnwegsinfektionen. Häufig verursacht die Kombinationstherapie darüber hinaus verstärktes Schwitzen, Hautrötung, beschleunigten Herzschlag (Tachykardie), Bluthochdruck, Schilddrüsenfehlfunktionen, Hörstörungen, Schuppenflechte, Zyklusstörungen bei Frauen und viele andere Beschwerden.

Erfolgsaussichten

Trotz häufig auftretender Nebenwirkungen führt die Kombinationstherapie von Ribavirin und Interferon-α zu einer Heilung der meisten Betroffenen. Bis 2011 war diese Therapie die Standardbehandlung und heilte etwa 80% der Betroffenen, sodass man keine RNA des Hepatitis C Virus mehr nachweisen konnte.

Neue Medikamente bei Hepatitis C

Die neueren Medikamente zur Behandlung einer Hepatitis C Infektion lassen sich in verschiedene Klassen unterteilen. Es gibt Mittel, die mit –buvir enden. Dabei handelt es sich um Polymerasehemmer. Polymerasen sind Enzyme für die Zellvermehrung. Diese Medikamente, zum Beispiel Sofosbuvir und Dasabuvir, greifen ein Enzym des Hepatitis C Virus an, die HCV-Polymerase (RNA-abhängige RNA-Polymerase NS5B). Deshalb werden Medikamente, die auf –buvir enden, auch NS5B-Hemmer genannt.

Mittel wie Simeprevir, also Hepatitis C Medikamente mit der Endung –previr, hemmen ein anderes Enzym des Hepatitis C Virus, und zwar die NS3/4A Protease. Dieses Enzym ist wichtig für die Virusvermehrung, sodass die Vermehrung bei Therapie mit Simeprevir gehemmt wird.

Medikamente, die auf –asvir enden, binden das virale Protein NSS5A. Dieses Protein ist nicht wie bei den anderen Hepatitis C Medikamenten ein Enzym, sondern ein Phosphoprotein, das bei der Vermehrung des Virus eine wichtige Rolle spielt. Beispiele sind Daclatasvir und Elbasvir.

Nebenwirkungen

Bei den neuen Hepatitis C Virus Medikamenten, die auf –buvir enden, können Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schlafstörungen und Blutarmut als Nebenwirkungen entstehen.

Das Mittel Daclatasvir und andere –asvir-Medikamente verursachen häufig Müdigkeit, Kopfschmerzen und Übelkeit.

Häufige Nebenwirkungen auf Simeprevir sind Hautausschlag, Juckreiz und Übelkeit. Das Mittel kann die Haut außerdem für UV- und Sonnenstrahlung empfindlich machen (Photosensibilisierung).

Erfolgsaussichten

Die neuen Medikamente für Hepatitis C Virus Infektionen greifen den Virus direkt an. Die Mittel sind für Patienten geeignet, die unbehandelt sind oder bisher erfolglos vortherapiert wurden, mit oder ohne Leberzirrhose. Die Mittel eignen sich auch für Patienten, die mit HIV infiziert sind. Neben der Behandlung mit Interferon und Ribavirin sind die neuen Möglichkeiten eine gute Option für Erkrankte, für die Interferon nicht infrage kommt. Die Nebenwirkungen sind weitaus weniger gravierend als die einer Interferon-Therapie. Die Erfolgsaussichten der neuen Medikamente sind vielversprechend. Die Therapien dauern etwa 12 Wochen und haben dabei Ansprechraten von 95%.

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Kosten

Mittel, die auf –buvir enden, gibt es seit 2014 in Deutschland, wobei eine Tablette rund 488€ kostet. Das entspricht Therapiekosten von 43.500€ für eine Person über 12 Wochen. Eine Packung für eine vierwöchige Therapie mit dem Medikament Simeprevir kostet etwa 9.360€. Die Therapie mit neuen Mitteln, die auf –asvir enden, wie Daclatasvir kosten für eine zwölfwöchige Therapie ebenfalls fast 40.000€. Kombinationstherapien mit mehreren Medikamenten sind entsprechend teurer, so betrugen 2014 die Kosten für eine Therapie mit Daclatasvir und Sofosbuvir über 12 Wochen mehr als 80.000€.

Wer sollte wie behandelt werden?

Die neuen Medikamente gegen eine Hepatitis C Infektion eignen sich sehr gut für Patienten, die bisher erfolglos vortherapiert wurden oder chronisch mit dem Genotyp 1 oder 4 infiziert sind. Sie können gut greifen, wenn Interferon nicht geholfen hat. Die neuen Mittel sind außerdem für Patienten geeignet, die neben Hepatitis C außerdem unter einer HIV-Infektion leiden. Die Medikamente können ebenso bei bisher unbehandelter Hepatitis C Virus Infektion genutzt werden, und mit oder ohne Leberzirrhose. Das bedeutet, dass diese Therapie für sehr viele Hepatitis C Patienten infrage kommt. Eine Kombinationstherapie von Interferon und Ribavirin findet nach wie vor Einsatz. Welcher Wirkstoff oder welche Wirkstoffkombination für den Patienten in Frage kommt muss mit einem Facharzt besprochen und individuell an den Patieten angepasst werden.

Haftungsausschluss/ Disclaimer

Wir weisen darauf hin, dass Medikamente niemals eigenständig, ohne Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt abgesetzt, angesetzt oder verändert werden dürfen.
Bitte beachten Sie, dass wir in unseren Texten keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit erheben können. Durch aktuelle Entwicklungen können die Angaben ggf. veraltet sein.

Qualitätssicherung durch: Dr Nikolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 19.12.2018
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