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Impfung gegen eine Lungenentzündung

Einleitung

Als Lungenentzündung bezeichnet man die akute oder chronische Entzündung des Lungengewebes. Diese potentiell lebensbedrohliche Erkrankung wird meist durch Infektionen mit Bakterien, Viren, Pilzen oder Parasiten ausgelöst.

Lesen Sie ausführliche Informationen zu diesem Thema unter: Lungenentzündung

Einer infektiös bedingten Lungenentzündung kann in vielen Fällen durch Impfungen vorgebeugt werden. Die medizinische Einteilung der Lungenentzündungen ist kompliziert. Eine grobe Orientierung geben jedoch die Umstände, unter denen die Lungenentzündung aufgetreten ist. Erkrankt der Patient im häuslichen Umfeld, im Alten- oder Pflegeheim, liegt eine sogenannte ambulant erworbene Lungenentzündung vor.

Erkrankt ein Patient nach einer gewissen Zeit im Krankenhaus, spricht man von der nosokomialen, der im Krankenhaus erworbenen Lungenentzündung. Eine weitere Unterteilung findet nach dem Schweregrad des Verlaufs statt. Im häuslichen Umfeld entwickelt sich eine Lungenentzündung meist auf dem Boden eines Infektes der oberen Atemwege, wie er beispielsweise bei einem durch Viren verursachten grippalen Infekt auftritt. Aufgrund der geschwächten Abwehrmechanismen des Atmungstraktes können Bakterien das Lungengewebe besiedeln und eine Entzündung hervorrufen. Bei fast der Hälfte aller Erwachsenen handelt es sich bei diesen Bakterien um sogenannte Streptokokken, Kettenbakterien, die auch beim Gesunden auf der Mundschleimhaut vorkommen und normalerweise durch das Immunsystem in Schach gehalten werden.

Bei der im Krankenhaus erworbenen, nosokomialen Lungenentzündung, muss von einem anderen Keimspektrum ausgegangen werden. Hier tritt der Verdacht auf Krankenhauskeime, die teilweise ein breites Spektrum an Antibiotikaresistenzen aufweisen, in den Vordergrund. Durch verschiedene Impfungen können einigen Formen der Lungenentzündung vorgebeugt werden. Ob dies bei jedem Individuum Sinn macht, sollen die folgenden Abschnitte klären

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Wer sollte sich gegen eine Lungenentzündung impfen lassen?

Wie aus der Einleitung bereits hervorgeht, hilft ein starkes Immunsystem die Ausbreitung von Bakterien in den Atemwegen und damit auch im Lungengewebe zu unterbinden. Dies bedeutet, dass vor allem Menschen mit geschwächter Abwehr gefährdet sind, eine Lungenentzündung zu erleiden. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, vor allem wenn sich diese in Gemeinschaftseinrichtungen wie Alten- oder Pflegeheimen aufhalten.

Auch chronisch Kranke und dauerhaft geschwächte Patienten laufen aufgrund ihres reduzierten Allgemeinzustandes Gefahr, eine Lungenentzündung zu erleiden. Hierzu zählen vor allem Menschen, die an Herzkrankheiten, an chronischen Lungenerkrankungen oder an der Zuckerkrankheit leiden. Diese geht häufig mit einem dauerhaft geschwächten Immunsystem einher. Auch die Alkoholkrankheit führt auf Dauer zu einer Immunschwäche.

Zu den Krankheiten, die die Abwehrkräfte des Körpers nachhaltig beeinträchtigen gehört die Immunschwächekrankheit AIDS, ausgelöst durch das HI-Virus (HIV). Gerade Patienten im Stadium der aktiven Erkrankung (AIDS) erliegen häufig einer schweren Lungenentzündung. Bei Grunderkrankungen, wie einigen Krebsarten oder bei einer schweren Rheumaerkrankung, kann die medikamentöse Therapie zur Schwächung der Abwehrkräfte führen. Auch hier sind Patienten von schweren Verläufen der Lungenentzündung bedroht. Ein wichtiges Organ des lymphatischen Systems, also auch des Immunsystems ist die Milz. Sie ist Speicherort der Monozyten, welche zu den weißen Blutkörperchen zählen und wichtige Aufgaben bei der Immunabwehr erfüllen. Patienten, bei denen die Milz entfernt wurde, gehören zum Personenkreis, der besonders gefährdet ist, an einer Lungenentzündung zu erkranken. Als besonders gefährdet, eine Lungenentzündung zu erleiden, gelten auch Kinder. Bei allen oben genannten Personengruppen sollte eine Impfung gegen Erreger der Lungenentzündung erwogen werden.

Wann muss aufgefrischt werden?

Die Medizin kennt heute Impfungen gegen drei Erreger der Lungenentzündung, die vor allem bei den stark gefährdeten Personengruppen die Fallzahl der Lungenentzündungen reduzieren und so Leben retten können. Hierbei handelt es sich um die Impfung gegen Pneumokokken, die zu den bereits erwähnten Streptokokken zählen, um die Impfung gegen das Bakterium Haemophilus-influenzae und um die Impfung gegen Grippeviren.

Das Impfschema sowie die Zeit, nach der die Impfung aufgefrischt werden muss, unterscheidet sich von Erreger zu Erreger. Bei besonders gefährdeten Personen wird derzeit eine Auffrischung der Pneumokokkenimpfung nach sechs Jahren empfohlen. Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut hälte eine erneute Feststellung der Notwendigkeit vor Verabreichung der Auffrischimpfung als sinnvoll.

Gegen Hämophilus influenzae werden Kinder in einer Impfserie im 3. und 5. Monat sowie im zweiten Lebensjahr im Rahmen einer 6-fach Impfung geimpft. Der Schutz hält bis zum 5. Lebensjahr an, danach ist keine Auffrischung notwendig. Werden gefährdete erwachsene Patienten gegen Hämophilus influenzae geimpft, wird derzeit häufig eine Auffrischung alle fünf Jahre durchgeführt. Über die Notwendigkeit dieser Auffrischimpfungen liegen momentan noch keine validen Daten vor.

Von Grippeviren ist bekannt, dass sie sich alljährlich verändern. Das bedeutet, dass der Grippeimpfstoff des Vorjahres im Folgejahr nur noch eingeschränkt oder überhaupt nicht mehr wirksam ist. Die Grippeimpfung muss von daher jedes Jahr wiederholt werden. Dabei kommt ein Impfstoff zur Anwendung, der jährlich an das veränderte Virus angepasst wird.

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Nebenwirkungen

Impfungen gelten dank aufwendiger Zulassungsverfahren für Impfstoffe als sehr gefahrloser Weg, Krankheiten zu vermeiden. Schäden für die Gesundheit des Geimpften sind heute nahezu ausgeschlossen. Trotzdem kann es, wie bei fast jedem medizinischen Verfahren, zu Nebenwirkungen kommen, die in den meisten Fällen aber schnell abklingen und absolut unbedenklich sind.

Zu den typischen Beschwerden nach einer Impfung zählen eine lokale Schwellung und Rötung der Haut im Umkreis der Einstichstelle. Seltener treten Symptome wie Fieber, Abgeschlagenheit und Unwohlsein auf. Diese sollten jedoch keinen Anlass zur Beunruhigung geben, da sie lediglich ein Zeichen dafür sind, dass sich das Immunsystem mit dem Impfstoff auseinandersetzt. Schmerzen an der geimpften Extremität sind ebenso häufig wie unbedenklich. Sie treten bevorzugt nach muskulärer Applikation des Impfstoffes auf, gleichen in ihrem Schmerzcharakter dem Muskelkater und verschwinden nach wenigen Tagen von selbst. In seltenen Fällen, kann es zu einer Infektion der Impfstelle kommen, wenn Hygienemaßnahmen nicht eingehalten werden. Bei diesem sogenannten Spritzenabszess rötet sich das umliegende Gewebe innerhalb der folgenden Tage stark, es kommt zu einer Überwärmung und zum Anschwellen der Einstichstelle. Pochende Schmerzen sind spürbar. Begleitend kann Fieber auftreten. Ein Arzt sollte die Behandlung der Entzündung übernehmen, um Folgeschäden zu vermeiden. Schwerwiegende Impf-Folgen wie allergische Reaktionen sind äußerst selten, Verdachtsfälle müssen dem Gesundheitsamt gemeldet werden.

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Dass Impfungen schwere Folgeerkrankungen wie Epilepsien, Autoimmunkrankheiten oder Autismus auslösen ist ein Bedenken, welches in Kreisen der Impfkritiker wiederholt geäußert wird. In der medizinischen Wissenschaft werden diese Befürchtungen durchaus ernstgenommen und entsprechend untersucht. Bislang konnte jedoch bei keiner Impfung eine erhöhte Gefahr für das Auftreten chronischer Erkrankungen wie der oben genannten, festgestellt werden.

Schmerzen nach der Impfung

Wie bei den meisten Impfungen können auch bei der Impfung gegen Lungenentzündung Schmerzen auftreten. Diese beschränken sich in den meisten Fällen auf die geimpfte Extremität. Eine lokale Rötung und Schwellung ist nicht ungewöhnlich und bedarf in der Regel keiner weiteren Abklärung. Auch Schmerzen, die in ihrem Charakter einem Muskelkater ähneln, treten häufig auf und sind unbedenklich. Im Rahmen der Impfreaktion, die Ausdruck der Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem Impfstoff ist, können Kopf und Gliederschmerzen auftreten, die den Symptomen eines grippalen Infektes ähneln und meist nach wenigen Tagen verschwinden. Nehmen Rötung und Schwellung im Bereich der Impfstelle jedoch im Verlauf von wenigen Tagen zu, kommt es zu einer Überwärmung der betroffenen Hautareale und dominiert ein dumpfer, pochender Schmerz, sollte erneut ein Arzt konsultiert werden. Hierbei könnte es sich um einen Spritzenabszess handeln, der weiterer Abklärung und Behandlung bedarf.

Viele weitere Informationen erhalten Sie unter unserem Thema: Schmerzen nach einer Impfung

Was kostet mich die Impfung?

Die Kosten für die Impfungen gegen Pneumokokken und Haemophilus influenzae werden von der Krankenkasse übernommen, sofern der Patient einer der oben genannten Risikogruppen angehört. Die jährliche Grippeimpfung ist in den Herbstmonaten in jeder Hausarztpraxis oder bei vielen Betriebsärzten erhältlich. Die Kosten hierfür werden in jedem Fall von den Krankenkassen getragen.

Impfungen für Babys

Die STIKO (Ständige Impfkommission des Robert Koch Institutes) empfiehlt derzeit eine Impfung von Säuglingen und Kleinkindern gegen Haemophilus influenzae und Pneumokokken. Die Impfung gegen Haemophilus influenzae erfolgt in vier Teilimpfungen im Alter von zwei, drei, vier und elf bis vierzehn Monaten. Wird die Immunisierung im ersten Lebensjahr versäumt, kann bis zum vierten Lebensjahr nachgeimpft werden.

Für die Impfung gegen Pneumokokken sind drei Teilimpfungen im Alter von zwei, vier und elf bis vierzehn Monaten notwendig. Werden diese versäumt, kann bis zur Vollendung des zweiten Lebensjahres nachgeimpft werden. Eine Impfung gegen Grippe findet bei Säuglingen, Kleinkindern und Kindern nicht statt, sie ist nur für Erwachsene erhältlich.

Impfung ab dem 60. Lebensjahr

Ab dem 60. Lebensjahr empfiehlt die STIKO des Robert-Koch-Institutes die jährliche Impfung gegen Grippeviren. Obwohl die Virusgrippe als unangenehme, aber harmlose Erkrankung gilt, häufen sich bei älteren Menschen die Komplikationen im Krankheitsverlauf. Die gefürchtetste Komplikation der Grippe ist die Lungenentzündung, die potentiell einen tödlichen Verlauf nehmen kann. Die Wahrscheinlichkeit für einen fatalen Ausgang der Erkrankung steigt mit dem Lebensalter und mit dem Auftreten von Begleiterkrankungen. Der Entstehung einer Lungenentzündung auf dem Boden einer Grippeinfektion kann durch die jährliche Impfung wirkungsvoll vorgebeugt werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Lungenentzündung im Alter

Qualitätssicherung durch: Dr. Nikolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 09.01.2019
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