Bartholinitis

Synonyme im weiteren Sinne

Die Bartholinitis beschreibt eine Entzündung der Bartholin-Drüsen, welche in den großen Schamlippen lokalisiert sind.

Entzündung der Bartholin-Drüsen
Engl.: bartholinitis

Definition

Bartholinitis ist eine einseitige Entzündung der Bartholin-Drüsen (Glandula vestibularis major) der großen Schamlippen.
Bartholin-Drüsen sind für die Aussonderung von Sekreten in die Scheide (Vagina) für das Befeuchten des Scheideneingangs und die Befeuchtung beim Geschlechtsverkehr zuständig. Wird die Sekretion der Bartholin-Drüse durch einen Verschluss der Drüsenausgang gehindert, so staut sich das Sekret und es entsteht eine Bartholinitis Zyste. Die Zyste kann die Größe eines Tennisballes erreichen.

Einleitung

Bei der Bartholinitis handelt es sich um eine meist sehr schmerzhafte bakterielle Entzündung der Bartholindrüsen (Glandulae vestibularis majores) oder ihrer Ausführungsgänge.
Diese bezeichnen kleine Drüsen im hinteren Drittel der großen Schamlippen, deren Ausführungsgänge in den Scheidenvorhof an der Innenseite der kleinen Schamlippe münden.
Ihre Aufgabe ist es ein Sekret zu bilden, welches die Scheide während des Geschlechtsverkehrs befeuchtet. Bei einer Bartholinitis kommt es meist zur Verlegung einer ihrer Ausführungsgänge, wodurch das Sekret nicht mehr effizient abfließen kann. Folge sind ein Sekretrückstau und eine Entzündung der Drüse.

Hierfür sind meist Darmbakterien (E.coli) verantwortlich, in seltenen Fällen auch Gonokokken (Gonorrhoe, Tripper) oder Staphylokokken. Breitet sich die Entzündung auf umliegendes Gewebe aus, so kommt es zur Abszessbildung (auch Bartholin-Empyem genannt) und bei ausbleibender Therapie zu chronischen Zysten. Therapeutisch lässt sich der Abszess spalten und offen vernähen. Alternativ wirken auch Sitzbäder, Umschläge und Antibiotika supportiv.

Epidemiologie

Betroffen sind nur Frauen, die sich in der Geschlechtsreife sich befinden, aber meistens im Alter zwischen 20 und 30 Lebensjahr.


Ist eine Bartholinitis ansteckend?

In den seltensten Fällen ist eine Bartholinitis ansteckend, da es sich meist um harmlose Bakterien handelt, welche die Entzündung auslösen.
Solange der Abszess verschlossen ist, können auch keine Erreger auf den Partner übertragen werden. Trotzdem rät es sich einige Tage auf Geschlechtsverkehr zu verzichten um die Intimhygiene und den Heilvorgang zu verbessern.

Sind jedoch Gonokokken oder eine Chlamydieninfektion die Ursache der Bartholinitis, so sollte dringlichst eine medikamentöse Therapie begonnen werden und währenddessen auf Geschlechtsverkehr verzichtet werden. Da sowohl Gonokokken als auch Chlamydien hoch ansteckend sind und über Geschlechtsverkehr übertragen werden, sollte in diesen Fällen unbedingt eine medikamentöse Behandlung des Partners erfolgen. Dadurch können Krankheitskomplikationen sowie eine wiederholte gegenseitige Ansteckung („Ping-Pong-Effekt") zwischen den Partnern vermeiden werden.

Ursache

Die häufigsten Verursacher einer Bartholinitis sind Bakterien. Sie gelangen über den Scheideneingang in die Bartholin-Drüse und können dort eine Entzündung verursachen. Diese Entzündung kann dazu führen, dass der Bartholin-Drüseneingang verschlossen wird und sich das Sekret in der Bartholin-Drüse staut und es zu einer Zystenbildung kommt.
Alle Bakterienarten, die in den Körper eindringen können, können eine Bartholinitis verursachen. Der menschliche Körper ist an manchen Körperbereichen mit Bakterien besiedelt, die dort vorhanden sind, aber nicht krank machen. Gelangen zum Beispiel durch mangelnde Hygiene diese Bakterien an Stellen – in diesem Fall in die Bartholin-Drüse – wo sie nicht hingehören, so können sie dort evtl. eine Krankheit auslösen. Erreger solcher Art wären Escherichia coli (E.coli – im Darm) und Staphylococcus areus (auf der Haut und Atemwege). Ebenso kann ein Erreger durch Geschlechtsverkehr übertragen werden, an den Bartholin-Drüsen gelangen und eine Bartholinitis auslösen. Ein solches Bakterium ist zum Beispiel die Neisseria gonorrhoeae (Synonym: Gonokokken; Verursacher der Gonorrhoe).
Auch eine übertriebene Hygiene kann zu einer Bartholinitis führen. Durch andauernde Verwendung von nicht ph-Neutralen Pflegematerial im Intimbereich, kann das saure Milieu der Scheide gestört oder sogar zerstört werden. Und wenn gleichzeitig Bakterien in die Bartholin-Drüse gelangen, könnte es auch eine Bartholinitis verursachen.

Symptome

In seltenen Fällen können die Erreger in die Blutbahn gelangen und so grippeähnliche Symptome verursachen.

Typische Zeichen einer Entzündung sind immer folgende Dinge: Schwellung, Rötung, Überwärmung und Schmerz. Diese Eigenschaften sind für jede Entzündung im Körper maßgeblich und anhand derer wird eine Entzündung bis heute charakterisiert. Auch bei einer Entzündung der Bartholin-Drüse, der Bartholinitis, treten ebendiese Symptome auf. Auch wenn diese Anzeichen meist eindeutig sind, so ist deren Ausmaß jedoch sehr verschieden.

Eine Bartholinitis beginnt zunächst mit einer leichten Entzündung, welche mit geringgradigen Schmerzen im Scheidenbereich einhergeht. Je stärker die Entzündung, desto intensiver werden die Schmerzen parallel zum Wachstum der Bartholin-Zyste, die die betroffene Frau beklagt. Bei sehr ausgeprägter Entzündung (Bartholinitis Zyste) kann der Betroffenen jegliches Sitzen oder Gehen bereits Schmerzen bereiten.

Nicht selten kommt es vor, dass die Frauen die Entzündung nur beim Geschlechtsverkehr bemerken, bevor sie entweder von alleine wieder abheilt oder innerhalb kurzer Zeit immer weiter voranschreiten kann und die Beschwerden zunehmend stärker werden. Je nachdem ob nur eine oder beide Drüsen betroffen sind, sind auch die Schmerzen an beiden Seiten oder nur am hinteren Teil der betroffenen Schamlippen und um den Scheideneingang wahrnehmbar. Sind beide Schamlippen von der Entzündung betroffen, so treten die Schmerzen auch an beiden Seiten an den Schamlippen und um den Scheideneingang auf.

Klassisch ist, wie bei den typischen Entzündungszeichen genannt, die entzündete und gerötete Drüse sowie das umliegende, geschwollene Gewebe. Die Schwellung tritt vor allem dann vermehrt auf wenn der Ausführungsgang durch Verklebungen verschlossen ist, der Eiter im Inneren der Drüse nicht abfließen kann, sich zurückstaut und das umliegende Gewebe bedrängt. Durch die Einengung besteht im umliegenden Gewebe eine zusätzliche Belastung und jede kleinere Berührung führt zu Schmerzen. Physiologisch weist die Bartholindrüse lediglich Bohnengröße auf, kann durch die Entzündung und den Rückstau jedoch auf die Größe eines Tischtennisballs anwachsen.

Fließt der Eiter in keinerlei Richtung ab, kann ein derber, prallelastischer Abszess entstehen, welcher bis zu einer hühnereigroßen Schwellung imponieren und meist mit dem Skalpell von einem Arzt gespalten werden muss. Diese Eiteransammlung im Endstück der Drüse wird in Fachsprache als Empyem bezeichnet.

Nicht zu verwechseln ist die Bartholinitis mit einem Harnwegsinfekt, der Beschwerden im vorderen Scheidenbereich verursacht. Wenn in sehr seltenen Fällen Bakterien oder ihre Stoffwechselprodukte bei einer bakteriellen Bartholinitis in die Blutbahn gelangen, können zusätzlich Fieber und grippeartige Beschwerden auftreten. Bei diesen Symptomen gilt es immer andere Diagnosen, wie beispielsweise den oben genannten Harnwegsinfekt mit einer Nierenbeckenentzündung oder eine Entzündung eines Haarbalges der Schamhaare (= Furunkel) in Betracht zu ziehen und auszuschließen, da diese Krankheitsbilder alle ähnliche Beschwerden hervorrufen können.

Lesen Sie mehr zum Thema: Bartholinitis Symptome

Diagnose

Da eine Bartholin-Zyste eine bestimmte Größe und Rötung aufweist, reicht meistens der Blick auf die Zyste. Das Abtasten kann angewendet werden, wird aber aufgrund der Schmerzen nicht durchgeführt.
Das Sekret, das aus der Bartholin-Zyste ausfließt, wird auf den Erreger im Labor (Anlegen einer Bakterienkultur) untersucht. Denn nur so kann die Therapie danach ausgerichtet werden.

Behandlung

In der frühen Phase einer Bartholinitis kann eine Lokalbehandlung durch Vaginalcremes, Vaginaltabletten und Sitzbäder mit bestimmten Zusätzen (Desinfizierend) das Abklingen der Zyste erreichen.
Eine weitere Behandlungsmethode wären Antibiotika. Welche Antibiotikabehandlung genutzt wird, richtet sich nach dem Bakterium und soll auch das Abklingen der Zyste hervorrufen. Ebenso soll mit der Antibiotikagabe das Ausbreiteten der Entzündung vermieden werden. Reichen die Cremes und Antibiotika nicht mehr aus, so muss die chirurgische Methode (Marsupialisation) angewendet werden. Unter Narkose wird durch Einschneiden (Inzision) der Bartholin-Zyste das Ausfließen des Eiters hervorgerufen und anschließend wird die Zystenwand nach außen mit der Umgebung vernäht. Dadurch bleibt es offen und die Zyste kann austrocknen. Nach einer bestimmten Zeit, werden die Fäden gezogen und die Öffnung verschließt sich durch Wundheilung wieder.
Ist das saure Scheidenmilieu aus dem Gleichgewicht, so kann zusätzlich mit Hilfe von Milchsäureovula (Lactobacillen; Vagiflor) das Gleichgewicht wiederhergestellt werden.

Lesen Sie mehr zum Thema: Bartholinitis Behandlung

Sitzbad

Prophylaktisch kann man bei schmerzlosen Knoten oder Schwellungen an den Schamlippen (evtl. Vorstufen einer Bartholinitis) Sitzbäder mit Kamille oder Salzwasser anwenden.
Hierfür reichen bereits zehn Minuten täglich. Salzwasser (ca. 200g/ Sitzung) und Kamille wirken dabei entzündungshemmend und desinfizierend. Bei leichten Formen der Bartholinitis helfen neben einer guten Intimhygiene, entzündungshemmenden Salben und Sitzbäder mit desinfizierenden Substanzen wie Betaisadona Lösung (Polyvidon.Jod); Chinosol (Chinolinol-Lösung) oder Serasept (Polihexanid-Lösung).
Diese können, wenn sie regelmäßig angewendet werden, eine Operation vermeiden. Sollte es jedoch zu einer Verschlechterung der Symptome oder zu Fieberanstieg kommen, sollte dringlichst ein Arzt aufgesucht und die Bartholinitis operativ saniert werden.

Lesen Sie mehr zum Thema: Behandlung einer Bartholinitis

Behandlung mit einer Salbe

Im Anfangsstadium einer Bartholinitis bei der nur die Ausführungsgänge verstopft und sich noch kein Eiter gesammelt hat, helfen neben einer guten Intimhygiene und Sitzbädern auch antibiotische oder entzündungshemmende Salben.
Hierfür sollte ein Frauenarzt konsultiert werden.

Homöopathie bei Bartholinitis

Wer auf Antibiotika oder andere entzündungshemmende Salben und Lösungen verzichten will, kann auch homöopathische entzündunghemmende Wirkstoffe benutzen.
Typische Wirkstoffe, die in der Homöopathie benutzt werden sind bei einer akuten Bartholinitis Hepar Sulfur C15 und Pyrogenicum C9. Bei einer chronischen Bartholinitis kann man Conium 15 und Staphisagria C15 verwenden.
Bei einer akuten Bartholinitis nimmt man über einen Zeitraum von 5 Monaten zwei Mal täglich 5 Globuli. Bei einer chronischen Bartholinitis, d.h. bei wiederkehrender Infektion; nimmt man über einen Zeitraum von 2 Monaten täglich 5 Globuli. Sollte es trotz homöopathischer Behandlung zu keinen Besserungen kommen, so muss man die Entzündung operativ sanieren lassen.

Abgrenzung zu einer Zyste

Eine Zyste ist nicht zu verwechseln mit einem Abszess oder einem Empyem durch Eiteransammlung während einer akuten Entzündung.

Der Abszess ist eine durch Rückstau entstandene Eiteransammlung in der Bartholin-Drüse. Eine Zyste beschreibt jedoch lediglich eine Höhle, die mit Flüssigkeit gefüllt ist; eine Entzündung liegt hier nicht vor. Die Zyste ist Folge wiederholter Entzündungen der Bartholin-Drüsen, was die Verbindung zum Abszess und der Bartholinitis darstellt. Durch die ständige Entzündung und Verklebung verändert sich die Architektur innerhalb der Zyste. Es bilden sich Hohlräume aus, in denen sich nach dem Abklingen der Entzündung das normale Drüsensekret ansammelt, das normalerweise zur Anfeuchtung der Scheide dient. Nicht selten ist der Ausführungsgang nach wiederkehrenden Entzündungen derartig verändert, dass gar kein Sekret mehr abgegeben werden kann. Durch den Rückstau des Sekrets können sich Zysten bis zur Größe eines Hühnereis entwickeln.

Im Gegensatz zum Abszess, der Zeichen einer akuten Entzündung ist, fehlen bei der Zyste klassische Entzündungszeichen, da sie nicht Ausdruck der Entzündung ist. Die Zyste ist allein als kugelige, pralle Ansammlung von Flüssigkeit in der Schamlippe zu tasten. Rötung und Schmerzen fehlen bei einer Bartholinzyste in den allermeisten Fällen. Problem einer Zyste ist neben der tastbaren Flüssigkeitsansammlung außerdem, dass sie ein Reservoir für Bakterien darstellen kann, die sich in den Zysten sehr wohlfühlen. Typische Keime sind die bekannten Erreger einer Blasenentzündung wie Coli- oder Stäbchenbakterien. Normalerweise hindert der Abfluss des Sekretes das Aufsteigen von Bakterien in die Drüse oder schwemmt sie aus. Fehlt dieser Abfluss und können sich die Bakterien ungestört in der Zyste vermehren, so kann ein Kreislauf mit rezidivierender Entzündung der Bartholin-Drüse entstehen, wodurch neue Zysten entstehen, in denen sich Bakterien tummeln, die dann wiederum zu noch stärkeren Infektionen führen...

Um diesen Kreislauf zu unterbrechen wird eine Bartholin-Zyste in den Fällen wiederholter Entzündungen meist eröffnet, entleert oder gar ganz entfernt. Diese kleine Operation wird wenn möglich zu einem Zeitpunkt durchgeführt, in dem die Zyste gerade nicht entzündet ist, denn Eingriffe in entzündetem Gewebe haben ein größeres Risiko für Komplikationen wie Wundheilungsstörungen oder erneute Entzündungen. Kleine Zysten, die betroffene Frauen in keiner Weise einschränken, stören oder sich kaum entzünden können jedoch ohne Therapie belassen werden. Auch Sitzbäder und die Hygiene auf Toiletten können das Risiko vermindern, dass Bakterien in den Scheideneingang gelangen und in die Drüse aufsteigen können.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 07.04.2017
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