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Abszess im Rachen

Definition

Bei einem Abszess im Rachen handelt es sich um eine Eiteransammlung, die abgekapselt in einer neu gebildeten Gewebehöhle liegt. Der Rachen schließt sich der Mund- und Nasenhöhle an und führt bis zum Kehlkopf. Abszesse im Rachen können entstehen, wenn sich eine eitrige Mandelentzündung  oder eine Entzündung der Schilddrüse im Rachenraum ausbreitet.

Man unterscheidet Abszesse, die hinter den Mandeln liegen (Retropharyngealabszesse), Abszesse neben dem Rachenraum (Parapharyngealabszesse) und Mandelabszesse (Peritonsillarabszesse).

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Ursachen des Rachenabszesses

Ein Abszess im Rachen entsteht durch die Ausbreitung einer eitrigen Entzündung. Die Entzündung wird durch Bakterien - in den meisten Fällen handelt es sich dabei um Streptokokken - verursacht.

Entzündungen der Schilddrüse (Thyreoiditis) oder der Mandeln (Tonsillitis) sind die häufigste Ursache für Abszesse im Rachenraum. Ein Abszess kann auch durch eine eitrige Lymphknotenentzündung entstehen. Wenn die ursprüngliche Entzündung nicht rechtzeitig behandelt wird oder die falschen Antibiotika eingesetzt werden, breiten sich die Erreger auf das umliegende Gewebe aus und es kann zur Ausbildung eines Abszesses kommen.

Der Körper versucht die Infektion zu bekämpfen und kapselt die Entzündung mit einer bindegewebigen Hülle vom gesunden Gewebe ab. Innerhalb dieser Höhle sammeln sich das untergegangene Gewebe und Bakterien in Form von Eiter an und ein Abszess hat sich gebildet. Kann das Immunsystem die Infektion und die Eiteransammlung nicht beseitigen, besteht die Gefahr, dass die Bakterien die Abkapslung durchdringen können. Dann breitet sich die Entzündung auf das umliegende Gewebe aus und kann im schlimmsten Fall auf das Blut, das Gehirn oder den Brustraum übergreifen. Schwerwiegende und lebensgefährliche Komplikationen sind die Folge.

Diagnose des Rachenabszesses

Zur Diagnosestellung eines Abszesses im Rachen tastet der Arzt den Hals nach Schwellungen und Vorwölbungen ab, wobei tief im Rachengewebe liegende Abszesse nur sehr schwer oder gar nicht zu erstasten sind.

Bildgebende Verfahren, wie eine Ultraschalluntersuchung oder eine Magnetresonanztomographie (MRT), helfen dabei den Abszess im Rachen sichtbar zu machen und genau zu lokalisieren.

Bei einer Blutuntersuchung geben die hohen Entzündungswerte im Blut Aufschluss darüber, dass eine Infektion im Körper vorliegt, aber nicht, dass es sich dabei um einen Abszess im Rachen handelt.

Begleitende Symptome eines Rachenabszesses

Die Symptome bei einem Abszess im Rachen sind vielfältig und hängen von der Lokalisation der Entzündung ab. Zu den Allgemeinsymptomen zählen starke Schluckbeschwerden und einseitige Halsschmerzen, die zum Ohr hinziehen. Die Eiterbeule kann - je nachdem, wie tief er liegt, - als deutliche, verschiebbare Schwellung am Hals tastbar sein oder ist eventuell sogar als Vorwölbung der Rachenwand unter der Haut sichtbar sein. Durch die Schwellung haben die Patienten Probleme beim Sprechen und die Stimme klingt verändert.

Klassische begleitende Symptome eines Rachenabszesses sind Abgeschlagenheit, Unwohlsein und ein allgemeines Krankheitsgefühl, wie es auch bei einer Erkältung zu finden ist. Als Reaktion des Körpers auf die Entzündung tritt häufig Fieber auf. Die Eiteransammlung im Abszess enthält Bakterien, die Fäulnisgase produzieren und dadurch zu starkem Mundgeruch führen.

Der Abszess verursacht ein Spannungsgefühl am Hals und starke Schmerzen, die ausstrahlen und sich als Ohrenschmerzen, Nackenschmerzen oder Kopfschmerzen bemerkbar machen können. Die Haut über der Eiteransammlung ist meist gerötet und warm. Der Patient kann den Hals oft nur eingeschränkt bewegen und nimmt dadurch unwillkürlich eine Schonhaltung ein, die in der Folge zu Muskelverspannungen führt.

Ein weiteres Symptom kann eine Störung der Mundöffnung, die sogenannte Kieferklemme oder Kiefersperre sein. Dabei wird die Kiefermuskulatur durch den Abszess beeinträchtigt und der Mund kann nicht mehr richtig geöffnet werden.

Wenn die Entzündung sich vom Abszess auf das umliegende Gewebe ausbreitet, können Nerven oder Muskeln im Rachenbereich dauerhaft geschädigt werden. Im schlimmsten Fall gelangen die Bakterien ins Blut und lösen dort eine Blutvergiftung aus. Die Entzündung kann sich auch auf den Brustraum und die dort liegenden Lungen ausbreiten. Die Patienten leiden dann unter zusätzlichen Symptomen, wie Atemnot und einem starken Beklemmungsgefühl in der Brust.

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Die Entstehung von Eiter im Rahmen des Rachenabszesses

Durch die starke Entzündung bei einem Abszess im Rachenraum entsteht Eiter, der sich aus abgestorbenen Entzündungszellen, Bakterien und untergegangenen Zellbestandteilen des infizierten Gewebes zusammensetzt.

Die Bildung von Eiter ist Bestandteil der natürlichen Abwehrreaktion des Körpers gegen die Infektion. Der Körper bildet eine Kapsel aus Bindegewebe um den Eiterherd und versucht dadurch, die Infektion einzugrenzen. Die Bakterien in den Eiteransammlungen können starken Mundgeruch hervorrufen.

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Therapie eines Rachenabszesses

Bei starken einseitigen Halsschmerzen und einer langanhaltenden Schwellung am Hals liegt der Verdacht auf einen Abszess im Rachenraum nahe. In so einem Fall muss unbedingt ein Arzt aufgesucht werden, damit der Abszess schnellstmöglich behandelt werden kann und so ein Übergreifen der Infektion auf gesundes Gewebe verhindert wird.

Ein Abszess im Racheraum muss chirurgisch entfernt werden. Bei der Operation wird der Abszess aufgeschnitten und der angesammelte Eiter abgesaugt. Dadurch wird verhindert, dass sich die Entzündung weiter ausbreiten kann.

Der Chirurg entfernt das gesamte abgestorbene Gewebe und desinfiziert die Wunde mit einer antiseptischen Lösung. Die Wunde wird nicht genäht, sondern bleibt offen. Durch die offen bleibende Wunde soll verhindert werden, dass sich erneut eine Abszesshöhle bildet. Der Eingriff dauert üblicherweise weniger als eine Stunde und erfolgt unter Vollnarkose.

Verläuft die Operation ohne Komplikationen (z.B. Nachblutungen, Wundheilungsstörungen oder Verletzungen von Nerven im Rachenbereich), kann der Patient nach drei bis vier Tagen stationärem Aufenthalt das Krankenhaus verlassen. Im Anschluss an die operative Spaltung des Abszesses wird dem Patienten eine Antibiotikatherapie verabreicht, die den Erreger der Infektion bekämpft und verhindert, dass sich erneut eine Eiteransammlung bildet.

Ab wann wird eine OP nötig?

Ein Abszess im Rachenraum kann lebensbedrohlich werden. Problematisch ist es, wenn der Abszess in der Nähe von Blutgefäßen im Hals gelegen ist, da die Infektion dann in das Gefäß durchbrechen kann. In der Folge kann es zu einer lebensgefährlichen Blutvergiftung (Sepsis) oder einem Hirnabszess mit Untergang von Hirngewebe kommen. Die Entzündung kann sich auch über den Rachen in den Brustraum ausbreiten und die Lunge oder das Herz befallen. Dementsprechend sind Abszesse im Rachenraum als Notfälle zu behandeln und müssen umgehend chirurgisch behandelt werden.

Bei einer Operation wird der Abszess eröffnet und der Eiter abgesaugt. In Fällen, in denen auch die Mandeln von der Entzündung befallen sind, müssen diese ebenfalls entfernt werden.

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Krankheitsdauer bei einem Rachenabszess

Wird der Abszess im Rachenraum richtig behandelt, dann ist die Prognose gut und die Entzündung heilt vollständig aus. Trotzdem handelt es sich bei einem Abszess im Rachenraum um eine relativ langwierige Erkrankung und es kann mehrere Wochen dauern, bis der Abszess komplett abgeheilt ist und die Beschwerden vollständig verschwunden sind. In seltenen Fällen kann der Abszess an der gleichen Stelle wieder auftreten und eine zweite Operation erfordern.

Mandelabszess

Als Mandelabszess oder Peritonsillarabszess bezeichnet man eine starke Entzündung der Mandeln im Rachenraum. Verschiedene Viren und Bakterien können eine akute Mandelentzündung (Peritonsillarentzündung) verursachen, wodurch die Mandeln anschwellen und zu eitern beginnen. Als Folgeerkrankung einer Peritonsillarentzündung kann es zu einem Mandelabszess kommen, was jedoch nur sehr selten der Fall ist. Mandelabszesse entstehen, wenn eine Mandelentzündung nicht behandelt wird oder die falschen Antibiotika zur Behandlung eingesetzt worden sind. Dadurch kann sich die Entzündung ausbreiten und es bildet sich eine abgekapselte Eiteransammlung an einer oder beiden Mandeln.

Die Symptome eines Mandelabszesses ähneln denen der akuten Peritonsillarentzündung. Die Betroffenen leiden unter starken Schluckbeschwerden, Halsschmerzen und Fieber. In manchen Fällen kann die Entzündung auch die Nerven der Kiefermuskulatur angreifen, wodurch die Patienten den Mund nicht mehr richtig öffnen können. Dieses Symptom wird als Kiefersperre bezeichnet.

Bei einem Mandelabszess handelt es sich um einen absoluten Notfall, der sofort durch einen Arzt behandelt werden muss. Zur Bekämpfung der Infektion werden Antibiotika eingesetzt, die hoch dosiert sein müssen und daher oft als Infusion verabreicht werden. Sehr große Abszesse müssen chirurgisch entfernt und der angesammelte Eiter abgesaugt werden.

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Entstehung von Abszessen im Rachenraum nach OP

In manchen Fällen können Abszesse auch nach größeren Operationen (z.B. nach einer Entfernung der Gaumenmandeln, der sogenannten Tonsillektomie) im Rachenraum entstehen. Dabei dringen Keime in die durch die Operation entstandene Wunde ein und führen zu einer Infektion. Der dabei gebildete Eiter kann nicht abfließen, sammelt sich in einer abgekapselten Gewebshöhle an und ein Abszess entsteht.

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Abszess am Gaumen

Ein Abszess kann auch am Gaumen auftreten und wird durch verschiedene Erkrankungen der Mundhöhle hervorgerufen. Oftmals führen durchbrechende Weisheitszähne oder Entzündungen im Zahnfleisch zu einer bakteriellen Besiedlung des Gewebes und es kommt zur Ausbildung von abgekapselten Eiteransammlungen im Gaumenbereich.

Ein Gaumenabszess ist sehr gefährlich, weil die Entzündung in Gefäße durchbrechen kann, die das Gehirn mit Blut versorgen. Ein Abszess in der Mundhöhle kann daher lebensbedrohlich sein und muss umgehend behandelt werden.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.12.2018
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