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Kieferklemme

Einleitung

Eine Kieferklemme ist das Unvermögen oder die Einschränkung den Mund zu öffnen. Die Kieferklemme beschreibt dabei lediglich die Symptomatik und keine Erkrankung.
Ist die Ursache für die Kieferklemme eine Verkrampfung der Kaumuskulatur, spricht man von einem Trismus.

Die Kieferklemme kann nach Schweregrad oder Lokalisation eingeteilt werden. Bei der Einteilung nach Schweregrad wird anhand der Schneidekantendifferenz, die der Messung der Mundöffnung entspricht,
Grad eins, zwei oder drei bestimmt, je nachdem wie weit der Patient den Mund öffnen kann. Grad eins beschreibt dabei einer nur leichten oder subjektiv spürbaren Mundöffnungsstörung.
Grad zwei beschreibt die maximale Mundöffnung von 10mm und Grad drei von 1mm. Bei der Lokalisation wird unterschieden ob die Kieferklemme auf einer Kieferseite auftritt oder beide Kieferhälften betrifft.

Ursachen einer Kieferklemme

Die Ursachen einer Kieferklemme sind zahlreich und vielseitig, weshalb die Diagnose schwierig ist.

  • Das Unvermögen der Mundöffnung kann durch das Kiefergelenk bedingt sein. Dabei kann eine Erkrankung des Kiefergelenks wie beispielsweise eine Kiefergelenkarthrose oder ein Kieferbruch ein Grund für eine Kieferklemme sein.
  • Herausgesprungene Kiefergelenke sind ebenfalls eine Ursache warum der Patient den Mund nicht mehr öffnen kann.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Ausgerenkter Kiefer

  • Auch eine Veränderung der Speicheldrüsen kann die Mundöffnung behindern. Dabei können Schwellungen, Entzündungen und Geschwulste der Speicheldrüsen die Ursache für die Kieferklemme sein.
  • Weiterhin ist ebenfalls ein Bruch der knöchernen Strukturen des Schädels wie des Jochbeins ein möglicher Grund für eine Kieferklemme.
  • Wird bei einer zahnärztlichen Behandlung betäubt, kann durch den Stich der Spritze auch der Muskel verletzt werden. Diese Verletzung bildet einen blauen Fleck, der ebenfalls eine Kieferklemme auslösen kann.
  • Eine weitere Ursache für eine Mundöffnungsstörung kann nach einer Weisheitszahn OP auftreten oder durch eine entzündliche Reaktion nach Durchbrechen der Weisheitszähne entstehen. Ist der Durchbruch erschwert und muss durch die Zähne viel Weichgewebe verdrängt werden, entstehen oft Schleimhauttaschen, die sich stark entzünden und dadurch die Mundöffnung behindern.
  • Darüber hinaus kann ein Mandelabszess ebenfalls eine Mundöffnungsstörung bedingen.

Kieferklemme nach Weisheitszahn-OP

Eine Kieferklemme kann nach einer Weisheitszahn OP auftreten. Bei der Kieferklemme ist die Mundöffnung gestört oder verhindert.
Dieses Problem tritt oft und besonders bei der Entfernung von allen vier Weisheitszähnen in einer Sitzung auf. Bei diesem Eingriff muss der Kiefer maximal weit aufgedehnt werden, um die Weisheitszähne überhaupt zu erreichen und genug Sicht zu schaffen. Durch diese Öffnung werden die Kaumuskeln häufig überdehnt und können deren Funktionen durch eine Verkrampfung nicht mehr regelrecht ausüben.

Durch die einwirkenden Kräfte durch Hebel und Zangen kann ebenfalls eine Mundöffnungsstörung bedingt sein, die auch mehrere Wochen nach dem Eingriff noch andauern kann.

Bei der Lokalanästhesie mit der Spritze kann es ebenfalls zu einer Kieferklemme kommen. Der Einstich der Spritze kann den Muskel so irritieren, dass sich ein blauer Fleck bildet. Dieses Hämatom hindert die Kaumuskulatur daran die Mundöffnung auszuführen und sorgt für Schmerzen.

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Kieferklemme durch Mandelabszess

Das Nichtbehandeln einer bakteriellen Infektion des Rachenraums kann auf die Mandeln übertreten und dort einen Abszess bilden. Dieser Abszess behindert das Schlucken und erschwert zudem noch die Mundöffnung. Die dadurch entstehende Kieferklemme verstärkt sich, sofern der Patient nicht behandelt wird, bis sich Atembeschwerden und eine Sepsis bilden und der Zustand lebensbedrohlich ist.
Bei der Sepsis geht die lokale Entzündung in den systemischen Kreislauf über und befällt die lebenswichtigen Organe. Daher sollte sofort ein Arzt oder Zahnarzt aufgesucht werden, sofern Schluckbeschwerden und eine Kieferklemme entstanden ist. Abwarten kann dabei zu verheerenden Konsequenzen führen.
Siehe unter: Mandelabszess

Schmerzen bei der Kieferklemme

Die Schmerzen bei den Symptomen einer Kieferklemme sind abhängig von der Ursache der Beschwerden.
Ist die Kieferklemme durch eine Entzündungsreaktion bedingt, entsteht für den Patienten der typische brennende Entzündungsschmerz. Das kann bei einer Entzündung der Speicheldrüsen oder bei einer Schleimhautentzündung durch Weisheitszahndurchbruch entstehen.

Bei Frakturen des Kiefers oder Schädelknochen wie das Jochbein hat der Schmerz für den Betroffenen eine andere Qualität. Durch die verschobenen Knochenanteile entsteht ein Stauchungsschmerz und durch das verdrängte Weichgewebe ein Druckschmerz.

Bei der Verletzung entstandene Hämatome können ebenfalls einen pochenden Druckschmerz auslösen, der sich als sehr unangenehm für den Betroffenen auswirkt.

Lesen Sie weiter unter: Kieferschmerzen

Welche Symptome begleiten eine Kieferklemme?

Eine Kieferklemme ist meist ein Begleitsymptom einer ursächlichen Erkrankung, die noch weitere Begleitsymptome mit sich ziehen kann. Darunter zählen starke Schmerzen unterschiedlicher Qualität. Dabei können Entzündungsschmerzen, Stauchungsschmerzen und Druckschmerzen auftreten, je nach Ursache der Kieferklemme, die alle nicht aushaltbare Ausmaße annehmen können. Daher werden auch Schmerzmittel verschrieben, die bei Bedarf genommen werden sollen. Jeglicher Versuch einer Mundöffnung kann dabei die Schmerzsymptomatik auslösen.

Die Schmerzen können dabei durch die anatomische Nähe in andere Regionen des Kopfes ausstrahlen und so in Kopfschmerzen oder Ohrenschmerzen resultieren. Auch Migräneanfälle können durch Schmerzsymptomatik durch eine Kieferklemme ausgelöst werden.

Des Weiteren kann durch die eingeschränkte Mundöffnung die Nahrungsaufnahme stark eingeschränkt sein. Kauen ist oft nur schwer möglich, weswegen der Betroffene auf weiche Kost umsteigt. Auch der Sprechakt kann durch die Kieferklemme eingeschränkt sein, sodass eine vernünftige Aussprache schwerfällt.

Diagnose einer Kieferklemme

Die Diagnose der Symptome einer Kieferklemme lässt sich leicht stellen, da der Patient oft direkt angibt den Mund nicht mehr so weit öffnen zu können, allerdings ist die Diagnose der Ursache schwieriger, da es so viele verschiedene mögliche Ursachen gibt.
Eine ausführliche Allgemeinuntersuchung mit Röntgendiagnostik oder DVT kann dabei helfen die Lokalisation des Problems zu erkennen. Bruchverletzungen sind durch klinische und röntgenologische Hilfsmittel meist eindeutig feststellbar, während Entzündungsreaktionen eher durch klinische Inspektion sichtbar werden.

Wie kann man eine Kieferklemme lösen?

Das Lösen einer Kieferklemme ist in einigen Fällen für den Betroffenen unmöglich, sofern Brüche des Kiefers oder ein herausgesprungenes Gelenk Ursache sind. Therapeutisch können hier nur Operationen helfen die Knochenstücke zu fixieren.

In den meisten anderen Fällen kann der Patient selbstständig zu Hause trainieren den Mund immer weiter zu öffnen. Bei regelmäßigen Übungen und Wiederholungen kann dadurch ein Fortschritt in der Mundöffnung erzielt werden. In besonders schweren Fällen wird durch den Arzt versucht mit aufeinander gestapelten Kunststoffstäben die maximale Mundöffnung zu erreichen und immer wieder zu vergrößern. Sofern der Patient zu Hause gut mitarbeitet und trainiert, kann die Symptomatik der Kieferklemme schneller gelindert werden.

Weiterhin werden oft muskelentspannende Medikamente verschrieben, die Verspannungen des Muskels lösen. Der Patient kann selbstständig versuchen durch kreisende, druckvolle Bewegungen Muskelverspannungen zu lösen und die Kaumuskulatur zu lockern.

Dauer einer Kieferklemme

Der Dauer der Kieferklemme variiert je nach Ursache und deren Therapie. Da die Symptome der Kieferklemme mit erfolgter Therapie der eigentlichen Ursache meist verschwinden, ist die Heilungsdauer abhängig von der Therapieart, der individuellen Heilung und der Kooperation des Betroffenen.

Bei einem ursächlichen Bruch sind die Symptome der Kieferklemme mit operativem Behandeln der Fraktur sofort gelindert, was bereits am nächsten Tag der Fall sein kein.
Bei Entzündungserkrankungen ist die Dauer einer Kieferklemme wesentlich länger. Da kann die Symptomatik auch mehrere Wochen andauern, bis die Bakterien, die die Infektion verursachen, komplett bekämpft worden sind.

In seltenen Fällen kann es sein, dass die Kieferklemme auch nach Ausstehen einer Erkrankung und erfolgter Therapie nicht verschwindet. In diesen Fällen wird durch gezielte Mundöffnungsübungen und Rotlichtbehandlung die Mundöffnung langsam Stück für Stück wiederhergestellt. In diesen Fällen ist die Kieferklemme oft über Monate vorhanden, bis eine komplette maximale Mundöffnung wiederhergestellt ist.

Kieferklemme vs. Kiefersperre – Was ist der Unterschied?

Der Begriff Kieferklemme und Kiefersperre werden gerne verwechselt, doch sind sie von Grund auf verschieden:

  • Die Kieferklemme ist eine Symptomatik, die beschreibt, dass die Mundöffnung eingeschränkt und gestört ist. Eine Kieferklemme hat wesentlich vielfältigere mögliche Ursachen, was es schwierig macht, die Lokalisation der Symptomatik festzustellen. Sie kann durch einen harmlosen blauen Fleck des Muskels nach Lokalanästhesie vor einer zahnärztlichen Behandlung entstehen. Darüber hinaus können aber auch schwerwiegendere Ursachen wie Kiefergelenkserkrankungen, Muskelverkrampfungen und Speicheldrüsenerkrankungen verantwortlich sein.
  • Die Kiefersperre hingegen ist eine Erkrankung bei der der Kieferschluss nicht vollzogen werden kann, nicht nur eine Symptomatik. Bei einer Kiefersperre liegen die Ursachen in der Regel bei dem Kiefergelenk oder Kieferfrakturen des Unterkieferknochens.

Welcher Arzt behandelt die Kieferklemme?

In der Regel behandelt der Zahnarzt eine Kieferklemme. In schweren Fällen kann auch der Mund- Kiefer- Gesichtschirurg zu Rate gezogen werden um die Symptomatik zu lösen.

Weitere Informationen:

Qualitätssicherung durch: Dr Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 15.11.2018
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