Nebenwirkungen einer Lokalanästhesie

Synonyme

lokale Betäubung, Regionalanästhesie, Spinalanästhesie

Englisch: toponarcrosis

Allgemeine Nebenwirkungen

Insgesamt gelten Regionalanästhesien / Lokalanästhesien als sehr sicher mit wenigen Nebenwirkungen, da eigentlich keine systemischen Reaktionen hervorgerufen werden. Kommt es allerdings zur Injektion des Anästhetikums in Venen oder Arterien kann es zu extremen Kreislaufproblemen kommen. Denn die Anästhetika hemmen auch im Herzen und Gehirn die Fortleitung der Aktionspotenziale.

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Eine solche Intoxikation / Nebenwirkung lässt sich in verschiedene Stadien einteilen. Das Prodromalstadium ist durch eine periorale Taubheit und einen metallischen Geschmack im Mund gekennzeichnet. Das präkonvulsive Stadium führt zu Zittern, einem Tinnitus, Nystagmus und Somnolenz. In der darauf folgenden Phase, dem konvulsiven Stadium kommt es zu deutlichen zentralen Reaktionen mit tonisch- klonischen Krampfanfällen. In der letzten Phase kommt es zu einer deutlichen Dekompression des Gehirns mit Koma, Atemstillstand und Kreislaufkollaps. Um diese maximale Komplikation unbedingt zu vermeiden, müssen Lokalanästheika immer zuerst in kleinen Probedosen gegeben werden um eine korrekte Lage zu bestätigen.

Außerdem sollte der Ultraschall oder die Nervenstimulation zur Lagesicherung genutzt werden. Da der Patient bei der Lokalanästhesie wach und ansprechbar ist, sollte genaustens auf diesen geachtet werden. So kann schon bei Angabe des Patienten eines komischen Gefühls, oder metallischen Geschmacks im Mund reagiert werden um schlimmere Komplikationen zu vermeiden. Die wichtigste Maßnahme bei Auftreten solcher Komplikationen ist die Sicherung der Vitalfunktion. Dazu gehört Sauerstoffgabe und bei Beteiligung des Gehirns eine Intubation um die Atemwege zu sichern.

Nebenwirkungen am Knorpel

Lokalanästhetika finden neben operativen Eingriffen auch in der Schmerztherapie ihren Einsatz, zum Beispiel nach einem arthroskopischen Eingriff an Schulter oder Knie. Vor allem beim Einsatz einer Schmerzpumpe, womit kontinuierlich Schmerzmittel in das Gelenk gepumpt werden, besteht laut einer Studie die Gefahr auf Schaden am hyalinen Knorpel. Insbesondere das Lokalanästhetikum Bupivacain führt so zur Auflösung des Knorpels (Chondrolyse). Dies kann zu Beschwerden wie Gelenkschmerzen, Bewegungseinschränkungen und Steifigkeit der Gelenke führen.

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Herzrhythmusstörungen

Lokalanästhetika wirken auf zellulärer Ebenen, indem sie bestimmte Ionenkanäle blockieren. Dadurch behindern sie die Weiterleitung der Erregung von einer Zelle zur nächsten und somit auch das Weiterleiten der Schmerzempfindung. Sollte nun eine zu große Konzentration der Lokalanästhetika ins Kreislaufsystem gelangen, kann das auch am Herzen zur Blockade der Erregungsleitung führen und somit zu teils lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen. Da Lokalanästhetika in den meisten Fällen oberflächlich oder in der Nähe des Rückenmarks angewandt werden, tritt diese Nebenwirkung nur sehr selten auf. 

 

Zahn/ Zahnarzt

Viele zahnärztliche Eingriffe sind mit Schmerzen verbunden. Daher empfiehlt der Zahnarzt bei absehbarer Schmerzhaftigkeit die Anwendung einer lokalen Betäubung in Form einer Spritze. Generell wird die Lokalanästhesie sehr gut vertragen und führt nur in seltenen Fällen zu Nebenwirkungen. Die Häufigkeit des Auftretens von Nebenwirkungen im Rahmen einer zahnärztlichen Lokalanästhesie wird auf etwa 1:1.000.000 geschätzt.

Was jeder Patient kennt: Im Anschluss an den Zahnarztbesuch bleibt die betäubte Region in der Regel noch für einige Zeit taub. Daher ist bei anschließendem Essen und Trinken Vorsicht geboten. Die taube Lippe spürt nicht, wenn man aus Versehen darauf beißt. Dies kann zu unbemerkten Verletzungen führen. Entsprechend sollte erst wieder gegessen werden, wenn das Gefühl in der Lippe zurückgekehrt ist. Ansonsten hängt die körperliche Reaktion auf die Lokalanästhesie überwiegend von individuellen Faktoren ab, beispielsweise dem Alter des Patienten, seinen Begleiterkrankungen, beziehungsweise seinem allgemeinen körperlichen Befinden und Allergien.

Lokale Nebenwirkungen, die auftreten können, sind Schmerzen an der Einstichstelle der Spritze oder auch eine Entzündung, die durch Krankheitserreger bedingt wird, die sich durch die Einstichstelle in das Zahnfleisch abgesiedelt haben. Daraus kann sich auf Dauer ein schmerzhafter Abszess (Eiteransammlung im Gewebe) entwickeln, der oftmals chirurgisch eröffnet werden muss. Schmerzen an der Einstichstelle sind häufig, aber harmlos. Sie vergeht innerhalb kurzer Zeit von selbst wieder. Eine Infektion kommt nur sehr selten vor und betrifft meist Personen, die unter einem deutlich geschwächten Immunsystem leiden. Im ungünstigsten Fall trifft der Arzt beim Einstich mit der Spritze direkt auf einen Nerv. Dies ist für den Patienten sehr unangenehm und äußert sich in einem stechenden, einschießenden Schmerz.

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Anschließend kann es zu länger bestehenden Taubheitsgefühlen im anästhesierten Bereich kommen. Diese bilden sich jedoch in der Regel wieder zurück. Nur in sehr seltenen Fällen bleiben die Taubheitsgefühle bestehen. Mit der Spritze können auch im Zahnfleisch verlaufende Blutgefäße verletzt werden. Solange der Patient nicht unter einer Gerinnungsstörung leidet, ist dies in der Regel harmlos, da die Blutung normalerweise von selber nach kurzer Zeit wieder aufhört. Bei Störungen der Blutgerinnung kann es unter Umständen zu stärkeren Blutungen kommen. Natürlich können auch allergische Reaktionen auf das Lokalanästhetikum auftreten. Diese können von leichten Lokalreaktionen (Rötung, Schwellung, Juckreiz, Ausschlag) bis hin zu starken systemischen Reaktionen (anaphylaktischer Schock) mit Atemnot, Schwindel und Herzstillstand reichen.

Auch Herzrhythmusstörungen können auftreten. Bei Lokalanästhetika, die mit Adrenalin versetzt sind, kann es zu weiteren systemischen Wirkungen kommen. Adrenalin dient als Gefäßverenger. Im Kreislauf kann es dadurch potenziell zu einer Intoxikations-Reaktion kommen, die sich durch Kopfschmerzen, Herzrasen, Blutdruckanstieg, Angstzustände und Hyperventilation äußert. Letztlich kann dies in einem Bewusstseinsverlust enden. Dies kann insbesondere auftreten, wenn zu viel des Lokalanästhetikums in den Kreislauf gelangt, beispielsweise bei unerwünschter intravenöser Applikation. Dies ist bei einer Betäubung im Mundbereich jedoch sehr unwahrscheinlich.

Insgesamt ist das Risiko für Nebenwirkungen bei einer zahnärztlichen Lokalanästhesie als sehr gering einzuschätzen. Sollten Sie jemals allergisch auf eine lokale Betäubung reagiert haben oder sind sonstige Arzneimittelallergien bekannt, so sollten Sie diese Ihrem Zahnarzt vorab mitteilen.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema Lokalanästhesie Nebenwirkungen finden Sie unter:

 

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 18.01.2018
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