Nasennebenhöhlen

Synonyme

Nasennebenhöhle, Nase, Nebenhöhlen
Medizinisch: Sinus paranasalis

Definition

Die Nasenenebenhöhlen liegen, wie der Name schon ausdrückt, neben der Nase im knöchernen Gesichtsschädel.

Die Nasennebenhöhlen rücken meist dann ins Bewusstsein, wenn sie sich entzünden und es zu einer Sinusitis (= Nasenebenhöhlenentzündung) kommt. Dabei erfüllen die Nasennebenhöhlen doch wichtige Funktionen, die auch mit dem Erwärmen und Anfeuchten der Atemluft zu tun haben.

Anatomie

Wäre unsere Gesichtsschädel insgesamt mit Knochen und nicht durch solche Hohlräume wie den Nasennebenhöhlen ausgefüllt, würde unser Kopf sehr schwer sein und wir wären nicht in der Lage, ihn lange aufrecht zu halten.
Von daher kann man ihnen die Aufgabe eine Gewichtserleichterung zuschreiben. Die Hohlräume der Nasennebenhöhlen sorgen zusammen mit der Nasenhaupthöhle als Art Resonanzraum für eine verbesserte Stimm- und Sprachbildung.
Besonders Sänger erleiden durch einen Nasennebenhöhlenentzündung nämlich schwere Einschränkungen in ihrem Beruf.

Zu den Nasennebenhöhlen zählt man die paarigen Kiefernhöhlen (Sinus maxillaris), die Stirnbeinhöhle (Sinus frontalis), die paarigen Siebbeinhöhlen mit ihren Siebbeinzellen (Sinus ethmoidales und die Keilbeinhöhlen (Sinus sphenoidales). Alle Nasennebenhöhlen sind wie die Nasenschleimhaut mit einem dünnen Härchensaum (Flimmerepithel) ausgekleidet.
Da alle Nasennebenhöhlen mit der Nasenhaupthöhle in Verbindung stehen, schlagen auch hierbei die Härchen (Kinozilien) in Richtung der Ausführungsgänge (Ostien).
Die Kieferhöhle befindet sich auf beiden Seiten seitlich der Nasenhaupthöhle im Oberkieferknochen (Maxilla) und füllt diesen fast insgesamt aus. Sie zählt zu den größten Nasennebenhöhlen. Die Kieferhöhle hat über eine halbmondförmige Öffnung (Hiatus semilunaris) eine Verbindung zu der Nasenhaupthöhle. Diese befindet sich dicht unter der mittleren Nasenmuschel (Concha nasi media). Von den Kiefernhöhlen aus gesehen befindet sich die Ablußstelle recht weit oben, wodurch der Transport von Sekret (z.B. bei einem Schnupfen) erschwert ist.
Des Weiteren begrenzt das Jochbein die Nasennebenhöhlen.

Bei einer Entzündung der Kiefernhöhlen (Sinusitis maxillaris) sind diese im besonders schweren Maße betroffen.

Abbildung Nasennebenhöhlen

  1. Stirnhöhle -
    Sinus frontalis
  2. Siebbeinzellen -
    Cellulae ethmoidales
  3. Kieferhöhle -
    Sinus maxillaris
  4. Keilbeinhöhle -
    Sinus sphenoidalis
  5. Dünne Scheidewand -
    Septum sinuum frontalium

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

Die Nasennebenhöhlen

Stirnbeinhöhle

Die Stirnbeinhöhle (Sinus frontalis) liegt über der Nasenhaupthöhle und begrenzt von oben die Augenhöhlen (Orbitae).
Eine Verbindung zur Nasenhaupthöhle besteht ebenfalls über die halbmondförmige Struktur (Hiatus semilunaris) in den mittleren Nasengang (Meatus nasi medius), etwas oberhalb der Öffnung der Kieferhöhle.
Bei einer Entzündung der Stirnbeinhöhle (Sinusitis frontlis = Stirnhöhlenentzündung) ist besonders die Augenhöhle (Orbita) gefärdet. Wenn sich zu viel Schleim und Eiter bildet, kommt es zum Durchbruch in die Orbita und die Entzündung kann auf das Auge übergreifen (Orbitaphlegmone).

Weitere Informationen finden Sie unter: Stirnhöhle

Siebbeinhöhlen

Die Siebbeinhöhlen (Sinus ethmoidales, Cellulae ethmoidales) bestehen aus acht bis zehn erbsengroßen, pneumatisierten Kapseln.
Die vorderen Kapseln münden in den mittleren und die hinteren Kapseln in den oberen Nasengang (Infundibulum ethmoidale). Die Siebbeinzellen entzünden sich seltener als die Kieferhöhle oder Stirnbeinhöhlen, dennoch kann sich eine der vorderen Siebbeinzellen in den mittleren Nasengang hineindrängen (Bulla ethmoidales), wobei die mittlere Nasenmuschel (Concha nasi medius) zur Nasenscheidewand gedrängt wird.
Eine Vorwölbung in den mittleren Nasengang erschwert die Nasenatmung und kann die anderen Öffnungen der Nasennebenhöhlen verschließen.

Keilbeinhöhle

Die Keilbeinhöhle (Sinus sphenoidales) hat über eine kleine Öffnung (Recessus sphenoidales; Apertura sinus sphenoidales) oberhalb der Nasenhaupthöhle einen Zugang zum oberen Nasengang.
Bei entzündlichen Prozessen der Keilbeinhöhle muss besonders ein Übergreifen auf ihre Nachbarschaft verhindert werden. Eine der wichtigsten Nachbarn ist nämlich die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), die wichtige Hormone produziert. Wenn eine Entzündung auf sie übergreift, kann es zu lebensgefährlichen Erkrankungen kommen.

Weitere Informationen finden Sie unter: Keilbeinhöhle

Erkrankungen der Nasennebenhöhlen

Nasennenbenhöhlenentzündung

Unter einer Nasennebenhöhlenentzündung versteht man gewöhnlich die bakterielle Entzündung der Nasennebenhöhlen. Durch die meist eitrige Entzündung schwellen die Schleimhäute an, wodurch sich die Ausgänge verlegen und der eitrige Schleim nicht mehr abfließen kann.
Weitere Informationen erhalten Sie unter unserem Thema: Nasennebenhöhlenentzündung

Polypen

Bei den volkstümlich benannten Nasenpolypen handelt es sich um geschwollene, beidseitige Vergrößerungen (Hyperplasie) der Nasenschleimhaut oder der Schleimhaut der Nasennebenhöhlen.
Sie heißen deshalb Polypen, weil die Vergrößerung der Schleimhaut wie ein Pilz an einem Baumstamm aussieht.
Die Schleimhautvergrößerung nimmt ihren Ausgang meist von der Kieferhöhle (Sinus maxillaris) oder der Siebbeinhöhle (Sinus ethmoidalis) aus und wächst in Richtung des mittleren Nasenganges. Die Nasengänge können bei ausgeprägtem Wachstum fast völlig verschlossen werden.
Die dort liegenden Ausgänge (Ostien) der Nasennebenhöhlen können durch die Nasenpolypen in Mitleidenschaft gezogen und fast vollständig verschlossen werden. Die Lebensqualität kann durch Polypen erheblich eingeschränkt werden.
Weitere Informationen erhalten Sie unter unserem Thema: Polypen

Was für Hausmittel gibt es?

Um eine Linderung bei Beschwerden der Nasennebenhöhlen zu erreichen, können bei Anzeichen der ersten Symptome verschiedene Hausmittel angewendet werden. Beispielsweise ist es sinnvoll, warme Dämpfe zu inhalieren, um die gereizten Schleimhäute abschwellen zu lassen. Dafür gibt man Eukalyptusöl oder Kamillenblüten in eine Schüssel mit heißem Wasser und atmet die Dämpfe für 10 bis 15 Minuten mehrmals täglich unter einem Handtuch ein. Auch wärmendes Infrarotlicht, das auf die Nasennebenhöhlen gerichtet wird, kann den Heilungsvorgang beschleunigen. Die Anwendung von Wärme ist jedoch nur sinnvoll, wenn sie als angenehm empfunden wird. Bei sehr starken Entzündungen können die Beschwerden durch Wärme auch verstärkt werden. Weitere Hausmittel bei der Nasennebenhöhlenbehandlung sind Umschläge aus warmen Wasser und Eukalyptusöl oder Zitrone, worin ein Leinentuch oder ein Waschlappen getränkt wird und dann auf die Nasennebenhöhlen aufgelegt wird. Ein sehr wichtiges Hausmittel bei Nasennebenhöhlenentzündungen ist eine hohe Flüssigkeitsaufnahme, um den Schleim zu verflüssigen. Kräuter- und Pfefferminztees können gleichzeitig noch eine abschwellende Wirkung haben. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass die Luftfeuchtigkeit in den Wohnräumen ausreichend ist und Zigarettenrauch in der Umgebung vermieden wird, da es die Schleimhäute reizt.

Wenn sich die Symptome der Nasennebenhöhlenentzüngung trotz der Anwendung von Hausmitteln nicht bessern, sollte ein Arzt aufgesucht werden, damit die Krankheit vollständig auskuriert werden kann und ein chronischer Verlauf verhindert werden kann.

Die Nasennebenhöhlen spülen, inhalieren, befreien

Um die Nasennebenhöhlen von Schleim zu befreien und das Atmen zu erleichtern, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zum Spülen der Nasennebenhöhlen eignen sich Kochsalzlösungen, die man entweder fertig in der Apotheke kaufen oder selbst herstellen kann. Es gibt sogenannte Nasenduschen, die man dafür verwenden kann. Man kann die Spüllösung auch in eine kleine Schüssel geben, sich ein Nasenloch zuhalten und mit dem freien Nasenloch Wasser hochsaugen. Die Lösung fließt durch die Nase und kommt über den Mund wieder heraus. Durch das Spülen der Nasennebenhöhlen wird das Abschnauben des Sekrets erleichtert und zusätzlich hat das Salzwasser eine desinfizierende Wirkung. Die Spülung sollte immer über einem Waschbecken durchgeführt werden, da die Menge an Schleim, die aus den Nasennebenhöhlen geschwemmt wird, unvorhersehbar sein kann. Mehr als viermal täglich sollten die Nasennebenhöhlen nicht gespült werden.

Auch das Inhalieren von Wasserdampf oder ätherischen Ölen kann die Nasennebenhöhlen öffnen, gereizte Schleimhäute befeuchten und die Nase von Schleim befreien. Dazu füllt man kochendes Wasser (eventuell mit dem Zusatz von ätherischen Ölen) in eine Schüssel, über diese beugt man sich mit einem Handtuch über dem Kopf und inhaliert den aufsteigenden Dampf. Schon zwei- bis dreimaliges Inhalieren für einige Minuten täglich kann die Beschwerden einer Erkältung oder Nasennebenhöhlenentzündung wirkungsvoll lindern. Es ist wichtig, dass man das Inhaliergerät oder die Schüssel nach dem Inhalieren gut ausspült und anschließend trocknen lässt, da es Bakterien gibt, die nur wenig Feuchtigkeit benötigen, um sich zu vermehren. Besonders bei Säuglingen und Kindern ist bei ätherischen Ölen Vorsicht geboten, da sie die Atemwege irritieren und einen Asthmaanfall auslösen können, wodurch es bei einem Säugling oder Kind zu Atemnot kommen kann.

Um die Nasennebenhöhlen von Sekret zu befreien, bieten sich auch Schleimlöser an. Verschiedene Präparate sind in der Apotheke oder Drogerie rezeptfrei erhältlich, wie beispielsweise Kapseln mit dem Wirkstoff Cineol, der innerhalb kurzer Zeit eine schleimlösende und entzündungshemmend Wirkung zeigt. Auch ein Erkältungsbad bei Körpertemperatur kann dabei helfen, die Nasennebenhöhlen zu befreien.

Allerdings sollte man es mit Maßnahmen zum Befreien der Nasennebenhöhlen nicht übertreiben, da die Schleimhäute schnell gereizt werden können und es zu Nasenbluten kommen kann.

Nasennebenhöhlen OP

Eine Operation im Bereich der Nasennebenhöhlen ist aufgrund der Anatomie eine sehr anspruchsvolle chirurgische Maßnahme, die gut bedacht werden sollte. Eine OP kann bei einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung die Lebensqualität verbessern, in der Mehrzahl der Fälle bessert eine OP den Gesundheitszustand, insbesondere bei Menschen, bei denen eine medikamentöse Behandlung der Sinusitis nicht anschlägt. Allerdings kehren in vielen Fällen die Beschwerden nach der Operation wieder, beispielsweise können entfernte Nasenpolypen nach einiger Zeit wieder nachwachsen. Eine OP der Nasennebenhöhlen birgt auch immer Risiken, zum Beispiel können wichtige Strukturen zur Befeuchtung der Nase bei der Operation geschädigt werden, weshalb es häufig zu trockenen Schleimhäuten nach der OP kommt. In seltenen Fällen können auch Strukturen verletzt werden, die in der Nähe der Nasennebenhöhlen liegen. Dadurch besteht die Gefahr einer Hirnhautentzündung, Augenentzündung oder Erblindung. Vorübergehende Folgen einer Nasennebenhöhlen OP können eine Beeinträchtigung des Riechvermögens oder die Blutungen sein.

Da eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung viele unterschiedliche Ursachen haben kann, muss individuell entschieden werden, was für eine OP im Einzelfall zur Linderung der Beschwerden beitragen kann. Eine Verkleinerung der Nasenmuschel wird heute nur noch selten vorgenommen, die typische operative Maßnahme heutzutage ist eine sogenannte funktionelle endoskopische Operation der Nasennebenhöhlen (kurz: FESS). Dabei können Engstellen oder Nasenpolypen entfernt werden. Diese Methode ist sehr schonend und kaum schmerzhaft, in der Regel ist nach dem Eingriff auch nur ein Krankenhausaufenthalt von einem Tag erforderlich. Auch die Nasenscheidewand kann endoskopisch operiert werden. Es besteht außerdem die Möglichkeit, geschwollene Schleimhäute im Bereich der Nasennebenhöhlen mithilfe von Lasertechnik zu verkleinern. Durch die Verringerung der Schleimhautschwellung erhofft man sich einen gemilderten Verlauf in Infektionsphasen, da es so nicht so schnell zu Verstopfungen im Bereich der Nasennebenhöhlen kommt. Bei eher einfachen Fällen einer chronischen Sinusitis kann eine sogenannte Ballondilatation durchgeführt werden. Dabei wird ein Ballon mithilfe eines Katheters in die Nase eingeführt und am Eingang der Nasennebenhöhlen langsam aufgeblasen, wodurch verengte Öffnungen erweitert werden können. Diese Methode ist relativ einfach und mit wenig Komplikationen verbunden, es ist jedoch fragwürdig, ob diese OP einen langfristigen Nutzen hat.

Auch bei einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung ist durch einen operativen Eingriff häufig nicht mit einem vollständigen Verschwinden der Symptome zu rechnen, Häufigkeit und Heftigkeit der Symptome können gemildert werden, jedoch müssen die meisten Betroffenen auch nach einer Operation weiterhin therapeutisch betreut werden.

Weitere Informationen zum Thema Nasennebenhöhlen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 13.12.2017
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