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Siebbeinzellen

Anatomie

Das Siebbein hat seinen Namen aufgrund der Siebbeinplatte (Lamina cribrosa), die wie ein Sieb zahlreiche Löcher besitzt und im Gesichtsschädel (Viszerokranium) zu finden ist. Das Siebbein (Os ethmoidale) ist eine knöcherne Struktur zwischen den beiden Augenhöhlen (Orbitae) im Schädel. Es bildet eine der zentralen Strukturen der Nasennebenhöhlen. Die Innenstruktur wird gebildet von den lufthaltigen (pneumatisierten) Siebbeinzellen (Cellulae ethmoidalis). Das Labyrinth dieser Zellen (Labyrinthus ethmoidale) wird durch knöcherne Scheidewände (Septen) getrennt. Die Siebbeinzellen lassen sich in vordere und hintere (Cellulae ethmoidales anteriores und Cellulae ethmoidales posteriores) unterteilen. Die vorderen Siebbeinzellen haben eine Verbindung zum mittleren Nasengang (Meatus nasi medius), die hinteren zum oberen Nasengang (Meatus nasi superior). Manche Autoren differenzieren weiter und nennen noch mittlere Siebbeinzellen (Cellulae ethmoidales mediale).

  1. Stirnhöhle -
    Sinus frontalis
  2. Siebbeinzellen -
    Cellulae ethmoidales
  3. Kieferhöhle -
    Sinus maxillaris
  4. Keilbeinhöhle -
    Sinus sphenoidalis
  5. Dünne Scheidewand -
    Septum sinuum frontalium

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

Die Siebbeinzellen grenzen (hinten-)unten an die Keilbeinhöhlen (Sinus sphenoidales), oben an die vordere Schädelbasis, das Stirnbein (Os frontale) und an die Siebbeinplatte (Lamina cribrosa), seitlich sind die beiden Augenhöhlen, vorne die mittleren Augenwinkel (Angulus oculi) und hinten mittlere und vordere Schädelgrube. Hier gibt es anatomische Nähe zum Sehnerv (Nervus opticus). Aufgrund der „papierdünnen“ Wand (Lamina papyracea) zwischen den Augenhöhlen und den Siebbeinzellen können sich Entzündungen und Tumore in beide Richtungen ausbreiten. Im Bereich der dünnen Siebbeinplatte können durch Schädigungen Entzündungen ins Schädelinnere aufsteigen
Es gibt Varianten bezüglich der Lage von Siebbeinzellen, die Eigennamen tragen. Die Haller-Zellen befinden sich in der Kieferhöhle und die Onodi-Zellen befinden sich in der Keilbeinhöhle, wo sie um den Sehnervkanal (Canalis opticus) liegen.

Lesen sie hier mehr zum Thema Nasennebenhöhlen.

Funktion und Aufgaben

Das Siebbein stabilisiert die knöchernen Augenhöhlenverbindet diese mit dem Riechkolben (Bulbus olfactorius) und dem Stirnbereich und trennt Schädelhöhle und Nasenhöhle voneinander. Gemeinsam mit dem Nasenseptum trennt es die Nasenhaupthöhle in zwei spiegelgleiche Bereiche und ermöglicht damit ein Maß an Richtungsriechen. Aufgrund der Löcher in der Siebbeinplatte  ist es möglich, dass die Riechfäden (Fila olfactoria) und Blutgefäße (A. ethmoidalis anterior, A. ethmoidalis posterior) in die Nase gelangen können, um eine Durchblutung und Empfindungsfähigkeit der Nase zu ermöglichen. Die Siebbeinzellen ermöglichen außerdem den Durchtritt für den Nervus nasociliaris, ein Ast des fünften Hirnnerves (N. trigeminus). Dieser spielt eine essentielle Rolle bei der Reizübertragung zwischen Augen, Oberkiefer (Maxilla), Unterkiefer (Mandibula) und Gehirn. Eine knöcherne Leiste, der Hahnenkamm (Crista galli) teilt die Siebplatte teilweise und dient als Befestigung der Großhirnsichel (Falx cerebri).
Die Siebbeinzellen beteiligen sich als zentrale Struktur der Nasennebenhöhlen (Sinus paranasales) an der Klimatisierung und der thermischen Isolation der Atemwege. Durch die Hohlraumbildung wird Knochen und Gewicht eingespart. Die vorderen Siebbeinzellen sind gemeinsam mit dem mittleren Nasengang und den Öffnungen zu den Kieferhöhlen Teil einer funktionellen Einheit (Ostiomeatale Einheit), welche zu einem physiologischen Sekretabfluss beiträgt. Diese und weitere Funktionen und Aufgaben werden kontrovers diskutiert und sind Bestandteil noch nicht vollendeter wissenschaftlicher Forschung.

Schwellung der Siebbeinzellen

Im gesunden Zustand werden im Schleim befindliche Partikel und Keime durch die Zellbewegung, den Zilienschlag, Richtung Ausgang (Ostium, ostiomeatale Einheit) befördert. Im Rahmen einer Entzündung der Siebbeinzellen (Sinusitis ethmoidalis) kann die Schleimhaut (respiratorisches Flimmerepithel) der Siebbeinzellen anschwellen. Diese Schwellung kann den Ausgang (Ostium) verschließen und damit den Sekretabfluss aus Kiefer- und Stirnhöhle (Sinus frontalis und Sinus maxillaris) stören. Dadurch verbleiben auch in den anderen Nasennebenhöhlen Keime und können dort zu einer weiteren Entzündung führen, so dass sich eine Entzündung und Schwellung auf die Stirn- und Kieferhöhlen ausbreiten kann. 

OP der Siebbeinzellen

Bei einer chronischen Entzündung der Siebbeinzellen und anliegenden Strukturen versucht man durch eine Ausräumung wieder für einen besseren Sekretabfluss zu sorgen. Hierbei wird nicht das komplette System der Nasennebenhöhle ausgeräumt, sondern nur geschwollene Schleimhaut und Polypen, sowie die dünnen knöchernen Wände zwischen den Siebbeinzellen entfernt. Dieses wird als endonasaler Eingriff durchgeführt, d.h. es wird nur im Naseninneren operiert, ohne jeglichen äußeren Schnitt. Die Operation findet unter Vollnarkose statt und der Krankenhausaufenthalt dauert meist eine Woche. Es folgt eine Nachbehandlung, um die Nasenwege offen zu halten. Diese kann drei Monate oder länger andauern. Nach der Operation sind meist keine Schwellungen, Rötungen oder andere Entzündungszeichen mehr erkennbar, es können aber Kopfschmerzen auftreten.
Eine ausführliche Aufklärung durch den Operateur und den Narkosearzt erfolgt vor der Operation.

Tumor der Siebbeinzellen

Man unterscheidet gutartige (benigne) von bösartigen (maligne) Tumoren. Gutartige Tumore in den Nasennebenhöhlen sind meist Knochentumore (Osteome) oder eingedrungene Warzengeschwulste (infiltrierende Papillome). 

Ursachen

Tumore der Siebbeinzellen können durch Umwelteinflüsse, wie Holzstaub, chemische Dämpfe oder Rauch verursacht werden und sind als Berufskrankheiten, z.B. bei Schreinern anerkannt. Auch genetische Faktoren lassen sich nicht komplett ausschließen und werden diskutiert. 

Symptome

Frühsymptome eines bösartigen Tumors der Siebbeinzellen oder der anderen Nasennebenhöhlen können einseitige Nasenatmungsbehinderung, Entzündungssymptome der Siebbeinzellen (Schwellung, Rötung, Schmerz, Eiter) und wiederholendes, häufiges Nasenbluten (Epistaxis) sein. Später können Wange, Augenlider und Stirn anschwellen. Es kann auch zu Sehstörungen mit Doppelbildern kommen, wenn der Augapfel durch den Druck verlagert wird. 

Lesen sie hier mehr zum Thema: Ursachen von Nasenbluten

Diagnose

Zunächst erfolgt eine Nasenspiegelung (Rhinoskopie), um einen möglichen Tumor direkt zu erkennen. Durch bildgebende Verfahren, wie Röntgenaufnahmen, die Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) kann die Ausdehnung des Tumors genauer erfasst werden. Auch ist ein umfassendes Abtasten der Halslymphknoten unbedingt erforderlich. 

Therapie

Meist wird zu einer chirurgischen Entfernung des Tumors geraten. Bei größeren bößartigen Tumoren wird außerdem oft zusätzlich eine Bestrahlung und Chemotherapie durchgeführt. Kleine gutartige Osteome bedürfen meist keiner Therapie. Papillome wachsen jedoch schnell und enthalten teilweise auch bösartige Anteile. Sie sollten daher genau wie bösartige Tumore behandelt werden

Prognose

Die Prognose variiert je nach Tumortyp, ist aber normalerweise bei Entdeckung im Frühstadium recht gut. Bei Einbruch in umliegende Strukturen, wie die Augenhöhle und die Flügelgaumengrube (Fossa pterygopalatina) ist die Prognose jedoch meist vergleichsweise schlecht.

Entzündung der Siebbeinzellen

Man unterscheidet je nach Länge der Beschwerden eine akute (2 Wochen Dauer) von einer subakuten (mehr als 2 Wochen, weniger als 2 Monate Dauer) von einer chronischen (über 2 Monate Dauer) Entzündung der Siebbeinzellen (Sinusitis). Die Siebbeinzellen sind die einzigen Nasennebenhöhlen, die bereits bei der Geburt weitestgehend in Ihrer vollständigen Struktur vorhanden sind. Daher zeigt sich eine Sinusitis bei Kindern meist im Bereich des Siebbeins und bei Erwachsenen eher im Bereich der Kieferhöhle

Lesen sie hier mehr zum Thema: Entzündung der Siebbeinzellen

Ursachen

Eine Entzündung der Siebbeinzellen ist meist Folge einer Nasenschleimhautentzündung (Rhinitis bzw. Rinosinusitis), kann aber auch durch eine Zahnwurzelerkrankung entstehen. Weitere Ursachen und begünstigende Faktoren können z.B. Nasentamponaden, Verschluss der Choanen (Chonalatresie), Nasenpolypen (Polyposis nasi), Tumore, Resistenz- und Immunschwäche, Fremdkörper, Mukoviszidose und Schädigung der Schleimreinigung (mukoziliare Clearance) durch Nasentropfen sein. Oft liegt eine bakterielle Entzündung vor. Häufig handelt es sich dabei um eine Mischinfektion. Ein eitriger Geruch deutet auf eine zugrunde liegende Zahnerkrankung hin. In seltenen Fällen können auch Pilze ursächlich sein. 

Symptome und Diagnose

Kennzeichnend für eine Entzündung der Siebbeinzellen sind Eiterstraßen im mittleren Nasengang, Schmerzen, Druck- und Klopfsensitivität seitlich der Nase und verringerte Riechfähigkeit (Hyposomie). Zur weiteren Diagnose werden radiologische Bildgebungen (Röntgenaufnahmen und Computertomographie (CT)) eingesetzt. Diese zeigen bei chronischer Siebbeinzellentzündung meist eine beidseitige Verschattungen.

Therapie

Bei akuter Sinusitis werden therapeutisch meist abschwellende Nasentropfen, Betalaktamantibiotika und hohe Naseneinlagen empfohlen.

Was ist los, wenn die Siebbeinzellen verschattet sind?

Wenn eine Entzündung der Siebbeinzellen oder der anderen Nasennebenhöhlen mindestens zweimal pro Jahr auftreten, spricht man von einer rezidivierenden akuten Sinusitis. Wenn in der Computertomographie (CT) beidseitige Verschattungen der Siebbeinzellen fortdauern, kann das ein Hinweis auf eine chronische Entzündung der Siebbeinzellen sein. Einseitige Verschattungen können auch auf einen gutartigen (benignen) Tumor hinweisen.

Schmerzen in den Siebbeinzellen

Im Rahmen einer Entzündung der Siebbeinzellen (Sinusitis) kann es zu starken Schmerzen in den Nasennebenhöhlen kommen. Dieser Schmerz kann beim Bücken, Husten oder beim Beklopfen ausgelöst und verstärkt werden, d.h. in Situationen, in denen der Druck erhöht wird. Zusätzlich kann es, insbesondere wenn die Kieferhöhlen mit betroffen sind, zu Klopf- und Druckschmerz seitlich der Nase kommen.  Oft strahlt dieser Schmerz auch in den Oberkiefer, die Zähne und die Haut zwischen Oberlippe und unterem Augenlid aus.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 25.10.2018
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