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Antibiotikatherapie bei einer Nasennebenhöhlenentzündung

Einleitung

Eine Nasennebenhöhlenentzündung, auch Sinusitis genannt, ist eine akute oder chronische Entzündung der Schleimhaut der Nasennebenhöhlen.

Solch eine Entzündung kann viral oder bakteriell bedingt sein und wird häufig von einer Rhinitis (Schnupfen) oder Pharyngitis (Rachenentzündung) begleitet.

Es gibt vier Nasennebenhöhlen die betroffen sein können, nämlich die Siebbeinzellen, die Stirnhöhlen, die Kieferhöhlen oder die Keilbeinhöhle.
Am häufigsten sind die Kieferhöhle und die Siebbeinzellen (siehe auch: Entzündung der Siebbeinzellen) von einer Sinusitis betroffen.

Man teilt die Entzündung nach Lokalisation, Verlauf und Ursprung ein, und unterscheidet sie so.
Sollten alle Nasennebenhöhlen gleichzeitig betroffen sein, spricht man von einer Pansinusitis.

Der folgende Artikel befasst sich genauer mit der antibiotischen Therapie von Nasennebenhöhlenentzündungen.

Ist eine Nasennebenhöhlenentzündung ansteckend? Informieren Sie sich unter Wie ansteckend ist eine Nasennebenhöhlenentzündung

Antibiotikatherapie

Eine Antibiose ist eine medikamentöse Behandlung mit Antibiotika, die das Ziel hat, Mikroorganismen wie Bakterien und Pilze zu zerstören.

In erster Linie sind jedoch Bakterien das Ziel der Antibiose.
Gegen Viren sind Antibiotika machtlos, weshalb nicht jede Sinusitis mit Antibiotika behandelt werden kann.

Antibiotika unterscheiden sich weiterhin in ihrem Wirkspektrum, sodass nicht jedes Antibiotikum gegen jedes Bakterium wirksam ist.
Das Gegenteil ist sogar der Fall: Viele Bakterien weisen Resistenzen gegen gewisse Antibiotikaklassen auf.

So ist also die antibiotische Therapie einer Sinusitis nur dann effektiv und sinnvoll, wenn Bakterien die Verursacher der Entzündung sind und bestenfalls bekannt ist, um welches Bakterium es sich handelt.
Nur so kann eine gezielte Therapie durchgeführt werden.

Bakterielle Infektionen sind jedoch nur in 25-30 % der akuten Nasennebenhöhlenentzündungen die Ursache. Meist ist die Entzündung viral bedingt.
Es gibt Indizien, die jedoch für eine bakterielle Infektion sprechen können:

  • Das sind zum einen eine Erkrankungsdauer von über 7 Tagen,
  • ein einseitiger eitriger nasaler Ausfluss
  • sowie einseitige Gesichtsschmerzen, die sich in dem typischen Druckgefühl äußern, dass man bei einer Sinusitis empfindet.

Beidseitige Beschwerden sprechen eher für eine virale Ursache.

Bei einer gesicherten bakteriellen Ursache oder einem starken Verdacht, kann eine Antibiotika-Therapie eingeleitet werden.
Ebenfalls werden bei chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen in der Langzeittherapie zusätzlich zu anderen Therapieansätzen Antibiotika verschrieben.

Die Art des Antibiotikums richtet sich nach dem vorliegenden bakteriellen Erreger. Meist sind es Staphylokokken, Streptokokken, Hämophilus influenzae und Pneumokokken, die die Sinusitis verursachen.

Übersicht potentiell wirksamer Antibiotika

Es folgt eine Übersicht über potenziell wirksame Antibiotika:

  • Antibiotika, die gegen Staphylokokken wirksam sind:
    Staphylokokken sind grampositive Bakterien, die neben vielen anderen Krankheitsbildern auch Nasennebenhöhlenentzündungen verursachen können.
    Insbesondere ist der Keim Staphylokokkus aureus beteiligt, welcher sich bei 30% aller Menschen im Naseneingang, der Nasenhaupthöhle und dem Racheneingang befindet.
    Bei sehr schweren Verläufen (dies gilt im Allgemeinen) kann die bakterielle Infektion auch auf benachbarte Knochenstrukturen übergreifen und so bspw. Schäden an den Augen oder dem Gehirn verursachen.
    Staph. Aureus kann so auch Meningitiden (Hirnhautentzündungen) auslösen.
    Staphylokokken sind im allgemeinen von Natur aus gegen Penicillin resistent, sodass dieses unwirksam ist.
    Man behandelt daher vor allem mit Cephalosporinen der 1. und 2., aber auch der 3. Generation.
    Ansonsten kann auch Penicillin in Kombination mit einem Penicillinasehemmer wie Clavulansäure gegeben werden. Dieser Penicillinasehemmer hemmt das Enzym der Bakterien, welches das Penicillin sonst zerstören würde.
    Mittlerweile sind circa 20% der Staphylokokkenstämme ebenfalls fähig andere Resistenzen zu bilden, sodass man von Methicillin- und oxacillinresistenten Staph. Aureus und Staph. epidermidis Stämmen spricht.
    Landläufig sind sie als die multiresistenten Keime MRSA und MRSE bekannt. Hier gibt man Glykopeptide wie Vancomycin.
    Die Behandlung kann bis zu 4 Wochen dauern, je nachdem wie schwer die Infektion und Krankheitsverlauf sind.
  • Antibiotika, die gegen Streptokokken wirksam sind:
    Streptokokken sind ebenfalls grampositive Bakterien, deren Inkubationszeit (Zeit zwischen Infektion und erstem Auftreten der Symptome) bei etwa 2 bis 4 Tagen liegt.
    Im Gegensatz zu Staphylokokken sind sie nahezu immer penicillinempfindlich, sodass hier eine Behandlung mit Penicillin sinnvoll ist.
    Meist wird über 10 Tage mit dem Medikament behandelt.
    Bei sehr schwerem Krankheitsverlauf mit einer Sepsis (Blutvergiftung), Meningitis oder einer bestehenden Endokarditis wird die Therapie hochdosiert parenteral verabreicht.
    Bei Penicillinallergie können Makrolidantibiotika wie Erythromycin und Clarithromycin verabreicht werden.
  • Antibiotika, die gegen Pneumokokken wirksam sind: Diese Erreger ähneln den Streptokokken und verursachen sowohl exogene (von außerhalb des Körpers ausgehend) als auch endogene (vom Körperinneren aus ausgehend) Infektionen.
    Sie können also durch Tröpfcheninfektion übertragen werden oder aber vom Rachenraum ausgehend, wo sie sich befinden, eine Infektion auslösen.
    Am häufigsten verursachen sie dann Nasennebenhöhlenentzündungen, Otitiden (Entzündung Ohr), Kanalikulitiden (Entzündung des Tränenkanals) und Konjunktivitiden (Bindehautentzündung).
    Sie lösen ebenfalls Pneumonien (Lungenentzündung) aus.
    Es gibt mehrere verschiedene Unterarten des Keimes, gegen einige davon kann man impfen.
    Sollte man erkrankt sein, gibt es einige Antibiotika, die zur Behandlung geeignet sind.
    In der Regel verschreibt man Cephalosporine der 3. Generation. Diese sind ebenfalls gut wirksam bei der gefürchteten Komplikation einer Haubenmeningitis.
    Ansonsten sind auch Penicilline und Gykopeptide wie Vancomycin eine Möglichkeit, zu therapieren.
  • Antibiotika, die gegen Hämophilus influenzae wirksam sind:
    Bei diesem Bakterium handelt es sich um ein gramnegatives Stäbchen, welches sich in geringem Maße auch im Rachenraum befindet.
    Es verursacht ähnliche Erkrankungen wie die Pneumokokken, ist jedoch seltener als diese die Ursache.
    Typischerweise verursacht Hämophilus influenzae neben Nasennebenhöhlenentzündungen auch Otitiden (Entzündung Ohr), Kanalikulitiden (Entzündung des Tränenkanals) und Konjunktivitiden (Bindehautentzündung), eitrige Bronchitiden (Entzündungen der Bronchien) und Epiglottitiden (Kehldeckelentzündungen).
    Ebenfalls kann es zur Meningitis, Sepsis und Pneumonie kommen.
    Selten kann dieser Keim Resistenzen gegen Penicillin bilden.
    Man gibt daher bevorzugt Augmentan, ein Makrolidantibiotikum oder Cephalosporine der 2. und 3. Generation.
    Augmentan ist ein Kombipräparat, welches das Antibiotikum Amoxicilin und den Penicilinasehemmer Clavulansäure enthält.

Was tun wenn das Antibiotikum nicht hilft?

Bei einer akuten Nasennebenhöhlenentzündung sollte ein Antibiotikum, sofern es gut wirkt, die Krankheitsdauer im Mittel um 2 bis 3 Tage verkürzen. Die Symptome sollten sich nach 1 bis 2 Tagen unter der Antibiose verbessern. Wenn das nicht der Fall ist, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen und mit ihm das weitere Vorgehen besprechen. Es ist jedoch wichtig das Antibiotikum, sofern Sie nicht unter einer Unverträglichkeit oder starken Nebenwirkungen leiden, nicht einfach so abzusetzen. Das Absetzen des Antibiotikums sollte gut überlegt sein, da eine unvollständige Einnahme von Antibiotika Resistenzen bei Bakterien fördern. Dadurch werden diese schlechter behandelbar.

Antibiotikatherapie in der Schwangerschaft

Auch in der Schwangerschaft können Antibiotika zur Bekämpfung einer bakteriellen, akuten Nasennebenhöhlenentzündung eingesetzt werden. Die Behandlung sollte aber genauso wie außerhalb einer Schwangerschaft streng abgewogen werden. Liegen jedoch die Kriterien für eine Therapie mit einem Antibiotikum vor, sollte dieses auch eingenommen werden. Die Komplikationen einer bakteriellen Nasennebenhöhlenentzündung können sonst gefährlich für das ungeborene Kind werden. Penicilline wie Amoxicillin, welches auch das Mittel der Wahl darstellt, sind in der Schwangerschaft gut verträglich und haben keine negativen Auswirkungen auf das ungeborene Kind. Lassen Sie sich von einem HNO-Facharzt ausführlich beraten.                                                                                        

Wie lange muss das Antibiotikum eingenommen werden?

Bei einer akuten Nasennebenhöhlenentzündung werden Antibiotika, wenn ihre Einnahme sinnvoll ist, in der Regel für 5 bis 10 Tage verschrieben. Es ist wichtig das Antibiotikum für den angegebenen Zeitraum vollständig einzunehmen. Eine Ausnahme besteht selbstverständlich bei einer Unverträglichkeit, allergischen Reaktion oder starken Nebenwirkungen.                                                         

Wie lange dauert es bis eine Besserung eintritt?

Eine Besserung tritt ein, wenn das Antibiotikum gegen die Bakterien wirksam ist. Voraussetzung dafür ist, dass die Nasennebenhöhlenentzündung bakteriell verursacht ist. Durch eine gute Vorauswahl der Patienten, die wahrscheinlich anhand ihrer Symptome eine bakterielle Infektion haben, wird die Wirksamkeit der Therapie verbessert. Dann sollte nach circa 1 bis 2 Tagen unter Antibiotikatherapie eine Besserung eintreten. Jedoch kann es auch 3 bis 4 Tage dauern, das ist individuell sehr unterschiedlich.                                            

Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr bei einer Nasennebenhöhlenentzündung mit Einnahme von Antibiotika?

In der Regel nimmt die Ansteckungsgefahr etwa ab dem dritten Einnahmetag des Antibiotikums ab. Eine genaue Zeitangabe ist jedoch nur schwierig möglich. Das Antibiotikum muss dennoch bis zum Ende eingenommen werden, da erst dann das Abtöten aller Bakterien garantiert sein kann.

Darf man Sport machen, wenn man eine Nasennebenhöhlenentzündung hat und Antibiotika nimmt?

Von sportlichen Aktivitäten sollte man während einer akuten Infektion absehen. Sport ist zwar prinzipiell sehr förderlich für die Gesundheit, in einer Krankheitsphase sollten Sie sich jedoch schonen. Auch von abklingenden Symptomen unter Antibiotikaeinnahme sollten Sie sich nicht täuschen lassen: Die Erkrankung ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht überstanden. Körperliche Anstrengung während eines Infektes kann zur Verschleppung der Erkrankung führen. Außerdem können Erreger ins Herz und in die Herzklappen verschleppt werden. Gefürchtet sind insbesondere Herzmuskelentzündungen, welche insbesondere entstehen können, wenn Sie sich bei Fieber sportlich betätigen. Verzichten Sie als Faustregel bis zu 3 Tage nach der überstandenen Erkrankung und der vollständigen Einnahme der Antibiotika auf Ihr Training. Beginnen Sie danach mit einer leichten Intensität und steigern Sie sich langsam. Sollten Sie sich unsicher sein, wann Sie wieder mit dem Training beginnen können und welche Intensität angemessen ist, scheuen Sie sich nicht davor, Ihren Arzt zu Rate zu ziehen. Er kann Ihren Gesundheitszustand fachmännisch beurteilen und Ihnen mit Rat zur Seite stehen.

Zusammenfassung

Eine Antibiotikatherapie ist indiziert, wenn die Ursache der Nasennebenhöhlenentzündung bakterieller Natur ist.

Das dabei gewählte Antibiotikum richtet sich nach dem Erreger, der als Verursacher gesichert ist oder eben vermutet wird.

Bei den Erregern, die eine Sinusitis verursachen, handelt es sich um Staphylokokken, Streptokokken, Pneumokokken oder Hämophilus influenzae.
Sie unterscheiden sich in ihrer Sensibilität gegenüber den Antibiotika, sodass unterschiedliche Wirkstoffe in der Therapie zum Einsatz kommen.

Staphylokokken behandelt man vor allem mit Cephalosporinen der 1. und 2. Generation. Gegen Penicillin sind sie resistent.
Bei MRSA und MRSE werden Glykopeptide wie Vancomycin verwendet.

Streptokokken sind gegenüber Penicillin empfindlich, sodass damit behandelt werden kann. Bei Unverträglichkeit kann man auf Makrolide wie Erythromycin und Clarithromycin umsteigen.

Sollten Pneumokokken die Verursacher sein, werden am häufigsten Cephalosporine der 3. Generation oder Glykopeptide wie Vancomycin verwendet.

Gegen Hämophilus influenzae nimmt man meist Augmentan oder Cephalosporine der 2. Und 3. Generation. Auch Makrolide können verwendet werden.

Lesen Sie viele weitere Informationen auch unter: Behandlung einer Nasennebenhöhlenentzündung

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 15.11.2018
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