Gesichtsschmerzen

Allgemeines

​​​​​​​Schmerzen im Gesicht sind unheimlich vielfältig, sodass sich ohne eine genauere Beschreibung und Untersuchung eine Ursache nur schwer feststellen lässt.

Zuerst einmal muss man Gesichtsschmerzen auch wirklich auf das Gesicht beziehen, also das heißt Wangen, Kiefer, Backen, Schläfen bis zu den Ohren, die Mund- und Nasenpartie, der Bereich um die Augen herum und alle dazugehörenden Knochen- und Knorpelanteile.
Das schließt auch den Bereich von Zunge, Rachen und Gaumen mit ein.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema: Schmerzen über den Augen

Klar davon zu trennen sind die Kopfschmerzen - wobei es natürlich vorkommen kann, dass jemand an Gesichts- und Kopfschmerzen gleichzeitig leidet. Schmerzt einem die Stirn in Verbindung mit Kopfschmerzen, gehört das auch eher in die Kategorie Kopfschmerzen.

Man kann zwischen verschiedenen Formen des Gesichtsschmerzes unterscheiden, je nachdem wie der Patient diesen beschreibt. Ob chronisch oder akut, ob ein Zusammenhang zwischen den Schmerzen und gewissen Situationen oder Momenten erkennbar ist. Die Lokalisation der Schmerzen in ihrer stärksten Ausprägung, ob und wenn ja wohin sie ausstrahlen. Die Ausdehnung der Gesichtsschmerzen insbesondere könnte einen Hinweis darauf geben, ob die Schmerzen von einem bestimmten Nerv ausgehen und sich an ihm entlang ausbreiten, was sich in typischen Schmerzarealen äußern würde.

Ursachen

Die häufigste und wichtigste Ursache von Gesichtsschmerzen stellen die Neuralgien dar, hierbei handelt es sich um von den Nerven ausgehende Schmerzen, die von den Betroffenen oft als sehr heftig, plötzlich einschießend und als bohrend oder schneidend beschrieben werden. Der Schmerz wird auf einer Schmerzskala von 1-10 meist als eine 9-10 eingeordnet.

Die Schmerzen können spontan auftreten oder durch gewisse Reizempfindungen getriggert werden, wie etwa BerührungWärme, Kälte oder sogar Licht. Die bekannteste Form der im Gesicht auftretenden Neuralgien ist wohl die Trigeminusneuralgie.

Ein Problem in der Therapie solcher Nervenschmerzen ist, dass die meisten klassischen Schmerzmittel keine Wirkung auf diese haben. Zur Therapie werden deswegen vor allem Wirkstoffe eingesetzt, die auch zur Behandlung von Epilepsien (Antikonvulsiva) eingesetzt werden, beispielhaft wäre Carbamazepin zu nennen. Sollte die Symptomatik nicht zufriedenstellend gelindert werden, kann ursachenabhängig auch eine lokale Anwendung von Anästhetika oder ein chirurgischer Eingriff in Frage kommen.

Die zugrundeliegende Ursache kann nicht immer gefunden werden. Hierzu gehören zum Beispiel die Reizung des Nerves durch ein ihm benachbartes Blutgefäß, bisweilen kann auch eine Grunderkrankung für die Schmerzen verantwortlich sein, eine Kopfverletzung, Multiple Sklerose oder ein Tumor.

Diagnose

Der typische Schmerzverlauf und die Ausbreitung sind äußerst charakteristisch, so dass bereits die Beschreibung der Schmerzattacken ein wichtiger Hinweis auf das Vorliegen einer Neuralgie liefern kann. Die Diagnose sollte durch einen Neurologen bestätigt werden, der mit Hilfe bildgebender Verfahren, sowie der Untersuchung von Blut- und Liquorentnahmen andere Ursachen ausschließen und die exakte Diagnose stellen.

Ist eine klar erkennbare Ursache auffindbar, sollte diese behandelt werden. Liegt jedoch keine erkennbare Grunderkrankung vor, wird oft zu Medikamenten und unter Umständen sogar zu Operationen geraten.

einseitiger Gesichtsschmerz

Die Information, ob der Gesichtsschmerz nur auf einer Seite vorhanden ist oder das gesamte Gesicht betrifft, ist sehr wichtig, da sie ein wegweisender Hinweis im Rahmen der Diagnostik ist. So treten gewisse Erkrankungen, die zu einem Nervenschmerz führen, klassischer Weise nur auf einer Seite auf.

Zu diesen Krankheitsbildern gehören unter anderem die Neuralgien, zum Beispiel des Nervus glossopharyngeus. Hier ist, ähnlich wie bei einer Trigeminusneuralgie, der gleichnamige Nerv stark gereizt und führt zu entsprechend starken Schmerzen in seinem Versorgungsgebiet. Somit sind hier vor allem die Zunge, der Rachenraum und die Ohrspeicheldrüse auf einer Gesichtshälfte betroffen. Einen Unterschied in der Häufigkeit zwischen beiden Gesichtshälften konnte nicht belegt werden.

Eine weitere Erkrankung, deren klassisches Merkmal ein einseitiger Gesichtsschmerz ist, ist die Gürtelrose im Gesicht. Diese kann verschiedene Nerven im Gesicht betreffen, doch treten meist immer die typischen Nervenschmerzen und Hautveränderungen, wie eine Rötung und Bläschenbildung auf. Eine schnelle Therapie sollte hierbei jedoch angestrebt werden, da es sonst in schweren Fällen zu Funktionsausfällen der Nerven kommen kann.

Ein lokal sehr begrenzter Schmerz auf der linken Unterkieferseite kann auf eine akute Herzproblematik, wie zum Beispiel einen Herzinfarkt, hindeuten. Diese gehen jedoch meist noch mit anderen Symptomen wie einem Engegefühl, Schmerzen im Oberbauch bzw. dem linken Arm und Angstgefühlen einher.

Informieren Sie sich weitergehend zum Thema Nervenschmerzen auf unserer Seite.

beidseitiger Gesichtsschmerz

Beidseitigem Gesichtsschmerz können variable Erkrankungen zugrunde liegen, somit ist es sinnvoll bei Vorliegen von beidseitigen Schmerzen, die länger anhalten, einen Arzt zu Rate zu ziehen, um mögliche schwerwiegende Ursachen ausschließen zu können. Die wohl häufigste Ursache eine Nasennebenhöhlenentzündung ist, die meist von alleine wieder abklingt.

Ein Gesichtsschmerz, der auf beiden Seiten auftritt, kann jedoch auch ein Hinweis auf eine systemische Grunderkrankung sein. So wird bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) oft von beidseitig auftreten Nervenschmerzen im Gesichtsbereich berichtet. Bei Fortschreiten der Krankheit ist auch ein zunehmender Verlust der Nervenfunktion möglich.

Weiterhin kann ein beidseitig auftretender Gesichtsschmerz auch durch Polyneuropathien verursacht werden. Die Ursachen einer Polyneuropathie können sehr vielfältig sein und reichen von der Alkoholkrankheit, Diabetes bis hin zu einer Behandlung mit bestimmten Chemotherapeutika. Die Neuropathie grenzt sich hierbei von einer Neuralgie insofern ab, dass bei ihr meist auch Sensibilitätsstörungen, wie Kribbeln auftreten und nicht der Schmerz im Vordergrund steht.

Sie interessieren sich für die Abgrenzung zwischen Neuralgie und Neuropathie, dann lesen sie folgenden Artikel: Polyneuropathie und Neuralgie

Trigeminusneuralgie

Die Trigeminusneuralgie ist durch eine charakteristische Schmerzlokalisation erkennbar: über den Augen, auf den Wangenknochen oder im Kinnbereich. Zwischen den einzelnen, in der Regel recht kurzen Anfällen, sind die Patienten beschwerdefrei, jedoch kann es in ausgeprägten Fällen  zu einer sehr hohen Anfallsfrequenz mit so gut wie keinen Pausen zwischen den Atttacken kommen. Die Lokalisation beruht auf der physiologischen Funktion des Nerven, welcher für die sensible Versorgung der vorderen Gesichtshälfte und die Motorik der Schläfen- und Kaumuskulatur zuständig ist. Schäden an ihm können in seinem gesamten Verlauf auftreten.

Aufgrund der starken psychischen Belastung, kommt es gehäuft zur Entwicklung von depressiven Verstimmungen.

Da die einzelnen Schmerzattacken von nur sehr kurzer Dauer sind, helfen Schmerzmittel normalerweise nicht oder nicht ausreichend. Wirksamer sind sogenannte Antiepileptika, Medikamente, die zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt werden. Ihre Wirkung beruht auf einem hemmenden Einfluss auf die Erregbarkeit von Nerven, so dass sie den Anfällen vorbeugen und den Nerv desensibilisieren können.

Im Rahmen der potentiell chirurgischen Therapie geht es in erster Linie darum, den Nerven zu entlasten und eventuelle Druckreize durch ein angrenzendes, pulsierendes Blutgefäß zu entfernen (Dekompression). Mit Hilfe von Thermokoagulation, radiologischen Verfahren oder einem sogenannten CyberKnife kann man auch die Schmerzweiterleitung unterbrechen. Jedoch ist die Gefahr von unerwünschten Nebenwirkungen, wie Gefühlsstörungen, Hör- und Sehproblemen sehr groß und Rückfälle keineswegs ausgeschlossen.

Interessieren sie sich für das Thema, lesen Sie auch unseren speziellen Artikel zur Trigeminusneuralgie

"Atypischer Gesichtsschmerz"

In Abgrenzung zur Tigeminusneuralgie, die als „typischer Gesichtsschmerz“ bezeichnet wird, gibt es auch noch die Gruppe der „atypischen Gesichtsschmerzen“.

In diese Kategorie wird der Gesichtsschmerz dann eingeordnet, wenn die Kriterien für eine Neuralgie nicht erfüllt werden. Verspannungen der Nackenmuskulatur, aber auch der Gesichtsmuskulatur, können zu diesen Schmerzen führen. Der genaue Mechanismus ist zwar noch nicht verstanden, doch geht man davon aus, dass die freien Nervenenden durch das verspannte Unterhautbindegewebe gereizt werden und diese Reizung in den Gesichtsbereich ausstrahlen können.

Die Betroffenen sind vermehrt weiblich und beschreiben die Beschwerden oft als einen dumpfen, schwer abzugrenzenden Schmerz, relativ tief sitzend und oft im Bereich des Oberkiefers oder der Augenhöhlen.

Bisweilen kann in diesem Gebiet auch eine Überempfindlichkeit auf Berührung vorkommen. Die Patienten suchen nicht selten zuerst einen Zahnarzt auf, da sie den Schmerz als tief sitzend einordnen und so kommt es mitunter zu unnötigem Ziehen von Zähnen. Hierdurch bessern sich die Beschwerden jedoch nicht, so dass häufig weitere Eingriffe vorgenommen werden, was aber den unerkannten atypischen Gesichtsschmerz nur weiter verschlimmert und zu einer Chronifizierung beitragen kann.

Die Patienten sind frustriert, mutlos und wissen nicht mehr weiter, es kann zu Depressionen und Angsstörungen kommen. Ein "Atypischer Gesichtsschmerz" gehört sorgfältig untersucht und die möglichen Ursachen müssen dringend abgeklärt werden.

Nachdem die betroffenen Patienten sorgfältig aufgeklärt wurden, kann eine Medikation mit trizyklischen Antidepressiva schmerzlindernd sein.
Auch Massagen, Kälte- und Wärmebehandlungen und andere manuelle Therapien sind sehr erfolgversprechend. Am besten wird eine Kombination aus medikamentöser, psychotherapeutischer und manueller Therapie gewählt. Von operativen Eingriffen wird jedoch abgeraten, da durch sie einer Chronifizierung Vorschub geleistet werden kann.

Gesichtsschmerzen im Zusammenhang mit Stress

Stress kann, wie viele andere Faktoren, eine Ursache für den sogenannten "atypischen Gesichtsschmerz" sein. Anfangs sind die Schmerzen meist auf ein bestimmtes Hautareal beschränkt, dieses breitet sich meist mit der Zeit weiter aus. In ca. 30% der Fälle sind beide Gesichtshälften betroffen. Zudem ist es bei dem atypischen Schmerz eher selten, dass der Schmerz episodisch auftritt, wie es bei der Trigeminusneuralgie der Fall ist. Meist handelt es sich um einen Dauerschmerz. Viele Betroffene berichten, dass die Schmerzen in der Nacht weniger werden, tagsüber jedoch die gesamte Zeit konstant stark sind. Meist gestaltet sich die Diagnosefindung bei einem "atypischen Gesichtsschmerz" als sehr langwierig, da alle möglichen Ursachen ausgeschlossen werden müssen.

Gürtelrose im Gesicht - Herpes zoster als Ursache

Eine andere mögliche Ursache für Gesichtsschmerzen ist der Herpes Zoster, im Volksmund auch als Gürtelrose bekannt.

Das Krankheitsbild des Herpes Zoster wird durch die Reaktivierung des Windpockenvirus (Varizella-Zoster-Virus) im Rahmen einer Immunschwäche ausgelöst. Diese Viren rufen zum einen primär die Windpocken hervor, welche nach erfolgreicher Behandlung alsbald verschwinden. Doch nach dem Abklingen des akuten Krankheitsbildes der Windpocken setzen sich die Viren an den Hirnnerven oder an Nerven des Rückenmarks fest und nisten sich dort ein.

Das Immunsystem des Menschen sorgt jedoch im Normalfall dafür, dass der Virus sich nicht mehr vermehren kann und folglich die Krankheit nicht erneut ausbricht.
Wird der Mensch nun älter oder ist er durch eine andere Krankheit oder Stress geschwächt, kann es passieren, dass das Immunsystem nicht mehr stark genug ist und das Virus sich erneut ausbreitet. Dabei wandert es den befallenen Nerven entlang bis zur Haut, wo es die typischen gürtelförmigen Hautausschläge verursacht. Mit dem Ausschlag einher gehen sehr starke Schmerzen, die auch noch einige Zeit nach Abheilung der äußeren Symptome bestehen bleiben können. Wichtig ist auch, dass es sich bei dem Varizella-Zoster-Virus um ein hochinfektiöses Virus handelt, direkter Kontakt (Schmierinfektion) oder Ansteckung über den Luftweg (aerogen) sind möglich.

Dieses Krankheitsbild kommt für Ihre Beschwerden infrage, dann lesen Sie unseren Artikel zum Thema Gürtelrose.

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Multiple Sklerose

Bei der Multiplen Sklerose handelt es sich um eine degenerative Autoimmunerkrankung, bei der die schützende Isolierung der Nerven, die sogenannte Myelinscheide, vom Körper zerstört wird. Dies hat zur Folge, dass die Geschwindigkeit der Reizleitung der Nerven stark reduziert sein kann, was in einer Einschränkung ihrer normale Funktion bis zum vollständigen Ausfall münden kann.
Die Symptomatik dieser Erkrankung ist sehr divers, da alle Nerven von diesem Prozess betroffen sein können. So reichen diese von leichten Sensibilitätsstörungen bis zu einem kompletten Verlust der Nervenfunktion. Durch diese Abbauprozesse an den Nerven werden diese stark gereizt und es kann ein starker Nervenschmerz, eine sogenannte Neuralgie, entstehen. Sind die sensiblen Nerven des Gesichts hiervon betroffen, kommt es zu starken Gesichtsschmerzen, die einseitig, aber auch zweiseitig auftreten können.

Informieren Sie sich weitergehend unter Multiple Sklerose.

Migräne

Oft kommt es auch vor, dass Gesichtsschmerzen im Rahmen einer Migräne auftreten.

Die Patienten klagen dann häufig über vom Nacken aufsteigende Schmerzen, die sich über den ganzen Kopf ziehen und besonders Stirn und Augenregion betreffen.
Der Migränekopfschmerz äußert sich meist als pulsierend-stechender Schmerz, zusammen mit starken Begleiterscheinungen wie Übelkeit, ErbrechenLicht- und Geräuschempfindlichkeit und einem erhöhten Ruhebedarf der Betroffenen.

Wenn sich die Schmerzen hauptsächlich im Bereich des Gesichtes niederschlagen, suchen viele Patienten zunächst irrtümlich einen Augen- oder HNO-Arzt auf, die in diesem Fall jedoch nicht weiterhelfen können. Um eine Migräne diagnostizieren zu können, ist sowohl eine körperliche als auch eine neurologische Untersuchung sinnvoll, um eventuelle andere Erkrankungen ausschließen zu können.

Schmerzen im Rahmen einer Erkältung

Die wohl häufigste Ursache für einen Gesichtsschmerz stellt eine normale Erkältung dar. Hierbei liegt der Fokus der Beschwerden jedoch meist nicht auf den Schmerzen, sondern auf den typischen Symptomen einer klassischen Erkältung und einem allgemeinen Druckgefühl im Bereich der Nase und der Nebenhöhlen. Somit ist hier die Ursache für die Gesichtsschmerzen meist eindeutig. Bei einer etwas schwereren Erkältung, die länger anhält, kann es sein, dass diese sich in die Nasennebenhöhlen ausweitet und hier zu einer Entzündung führt. Diese kann mit stärkeren Gesichts – und Kopfschmerzen einhergehen.

Nasennebenhöhlenentzündung

Eine Nasennebenhöhlenentzündung, eine sogenannte Sinusitis, ist eine der häufigsten Ursachen für einen beidseitigen Gesichtsschmerz, der meist mit einem starken Druckgefühl einhergeht. Die Diagnose der Erkrankung gestaltet sich meist einfach, da diese Entzündung mit einer verstopften Nase und Schmerzen im Bereich des Oberkiefers oder der Stirn einhergeht. Werden die Schmerzen und das Druckgefühl schlimmer bei einem Druck auf den Oberkiefer und die Stirn oder beim Vorbeugen, gilt die Diagnose als nahezu gesichert.
Zur Behandlung dieser Entzündung werden zunächst abschwellende Nasensprays verschrieben, die meist eine schnelle Verbesserung der Schmerzen bewirken. Kann die Entzündung durch eine medikamentöse Therapie nicht ausreichend geheilt werden, muss in seltenen Fällen eine Operation durchgeführt werden. In der Vielzahl der Fälle klingt eine einfach Nasennebenhöhlenentzündung jedoch innerhalb von zwei Wochen von alleine ab.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie in unserem Artikel Nasennebenhöhlenentzündung.

 

Auftreten von Gesichtsschmerzen durch Zugluft

Ist ein Mensch vermehrt Zugluft ausgesetzt, wie es zum Beispiel beim Schlafen unter einer Klimaanlage der Fall ist, kann es durch die Reizung der Haut zu einem leichten Gesichtsschmerz kommen. Man vermutet, dass diese Reizung zu einer leichten Schwellung der Haut führt, die dann die Nervenäste einklemmt. Diese Einengung wird dann als Schmerz empfunden. Betroffene müssen sich deswegen jedoch keine Sorgen machen, da diese Symptomatik fast immer durch eine entsprechende Meidung von Zugluft schnell verschwindet. Sollten die Schmerzen trotzdem noch nach ein paar Tagen vorhanden sein, empfiehlt sich eine Vorstellung bei einem Neurologen, um andere Ursachen auszuschließen.

Beschwerden der Halswirbelsäule

Neuere Studien haben gezeigt, dass ein Gesichtsschmerz auch durch Probleme in der Halswirbelsäule (HWS) ausgelöst werden kann. Schmerzen und Funktionseinschränkungen im Bereich der HWS werden meist unter dem sogenannten HWS-Syndrom zusammengefasst. Die chronische Form dieses Syndroms kann sich über mehrere Monate hinziehen und geht meist mit starken Schmerzen und Muskelverhärtungen einher, die eine Beweglichkeitseinschränkung hervorrufen können. Die Reizung dieser Strukturen kann sich im Laufe der Zeit weiter ausbreiten und es kann neben dem Nacken-und Schulterschmerz auch zu einer Ausstrahlung in den Gesichtsbereich, hier vor allem in die Backen und die Stirn, kommen. So sollte bei vorliegendem Gesichtsschmerz, der mit einem Schmerz im HWS-Bereich einhergeht, auch an ein Zusammenhang zwischen diesen beiden Symptomen gedacht werden.

Kommt ein HWS-Syndrom als Ursache bei Ihnen infrage, dann lesen Sie folgende Artikel: Symptome und Behandlung des HWS-Syndroms

Fibromyalgie

Die Fibromyalgie ist eine chronische Erkrankung, die durch chronische, therapieresistente Muskelschmerzen gekennzeichnet ist, die in ihrer Lokalisation wechseln können. Weiterhin besteht eine starke Druckempfindlichkeit und es bestehen weitere Begleitsymptome, wie Schwellungen, Müdigkeit oder Schlafstörungen. Die genaue Ursache und die Krankheitsentstehung (Pathogenese) sind bis heute weitestgehend ungeklärt.
Ist die Muskulatur des Gesichts von dieser Erkrankung betroffen, kann dies zu starken Gesichtsschmerzen führen, die beim Sprechen oder Kauen stärker werden.

Die Symptome der Fibromyalgie sind durch die aktuellen Therapiestandards nur begrenzt beeinflussbar. Im Rahmen der sogenannten multimodalen Schmerztherapie wird versucht, durch verschiedene Therapieansätze, die Symptomatik möglichst stark zu lindern. Neben der medikamentösen Behandlung mit Antidepressiva, stehen Entspannungsübungen, physikalische Therapie und eine Veränderung der Ernährung im Mittelpunkt der Therapie.

Weitere Informationen finden Sie auf unseren entsprechenden Themenseite Fibromyalgie.

Gesichtsschmerz ausgelöst durch eine Craniomandibuläre Dysfunktion

Eine weitere mögliche Ursache für Gesichtsschmerz, insbesondere, wenn sie als vom Kiefer oder vom Kiefergelenk ausgehend beschrieben werden, stellt die Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) dar. In der Fachliteratur wird die CMD auch häufig als Myoarthrie des Kausystems bezeichnet und bezieht sich auf die folgenden anatomischen Strukturen: beteiligt sind das Kiefergelenk, die Kaumuskulatur und auch der Schläfenmuskel.

Die Schmerzursache liegt im Kiefergelenk selbst begründet. Dieses besteht aus dem Schädelknochen und dem Kieferknochen, verbunden über eine dazwischenliegende kleine Knorpelscheibe. Wird nun der Unterkiefer bewegt, gleitet dieser Knorpel zwischen den beiden Knochen entlang und vermindert die entstehende Reibung. Dabei kann es bisweilen zu Knirschgeräuschen kommen, die jedoch ganz normal sind.

Fällt Ihnen auf, dass diese Geräusche gehäuft auftreten oder klagt der Patient über langanhaltende Schmerzen, besteht ärztlicher Handlungsbedarf.
Häufig sind Verspannungen der Kaumuskulatur oder ein Verschleiß der Knorpelscheibe ursächlich. Nächtliches Zähneknirschen ist oft Ausdruck von Verspannungen im Kiefergelenk und kann tagsüber zu starkem Ausstrahlen der Kieferschmerzen, vor allem in die Schläfen, führen.

Zähneknirschen kann relativ einfach behandelt werden. Es wird eine Aufbissschiene angefertigt, die zum Einen das Gelenk entlastet und zum Anderen die ungünstigen erlernten Bewegungsmuster im Kiefer durch Positionsänderung zu verbessern versucht. Darüber hinaus empfiehlt sich eine Physiotherapie mit progressiver Muskelentspannung.
Zur Not kann auch der Einsatz von Medikamenten diskutiert werden, in erster Linie kommen trizyklische Antidepressiva zum Einsatz, die gegebenenfalls als Nebenwirkung müde machen.

Ist die Ursache der Craniomandibulären Dysfunktion ein Verschleiß der knorpeligen Anteile des Kiefergelenks, so kann eine chirurgische Entfernung der Knorpelscheibe dem Patienten Besserung verschaffen. Liegt den Beschwerden jedoch eher eine Entzündung des Kiefergelenks zugrunde, helfen antientzündliche Medikamente weiter.

Weitere Informationen finden Sie unter Crandiomandibuläre Dysfunktion

Schilddrüsenerkrankungen

In seltenen Fällen können Gesichtsschmerzen auch durch eine Erkrankung der Schilddrüse hervorgerufen werden. Dies ist vor allem bei einer bestimmten Form der Entzündungen der Fall, die als Hashimoto-Thyreoiditis bezeichnet wird. Bei dieser bildet der Körper (Auto-)Antikörper gegen die eigene Schilddrüse; es handelt sich somit um eine Autoimmunerkrankung. Die Folge ist eine Entzündung, die meist zu einer Schilddrüsenunterfunktion führt, aber auch zu Schmerzen, die sich auf den Hals und das Gesicht ausbreiten können.  

Zahnmedizinische Ursachen

Ist der Schmerz eher im Bereich des Mundes beziehungsweise der Mundhöhle lokalisiert, kommen eher andere Ursachen infrage. In der Mundhöhle selbst kann es zum Beispiel zu Entzündungen der Schleimhaut kommen, vor allem im jungen Erwachsenenalter kann das Durchbrechen der Weißheitszähne eine Option darstellen oder es können sich Bakterien oder Viren im Zahnfleisch festgesetzt haben.

Die Zähne selbst verfügen selbstverständlich auch über sensible Nerven, die vor allem auf Temperaturen und chemische Stoffe (in der Nahrung enthaltene Säure) reagieren.
Normale, gesunde Zähne sind problemlos in der Lage, diese Reize abzuhalten, doch hat der Karies sich erst manifestiert und liegt das Zahnbein (Dentin) frei, hat der Nerv keine schützende Hülle mehr und leitet den Reiz in Form von Schmerz ans Gehirn weiter.

Die häufigste Ursache von Schmerzen im Mundbereich ist die Pulpitis, eine Entzündung der Nerven und Gefäße, die im Zahninneren des Zahnmarks (Pulpa) liegen.
Die Schmerzen die dadurch entstehen sind sehr intensiv und strahlen mitunter weit aus. Auch nachts brennen, drücken und pochen die Zähne schmerzhaft. Zu Beginn kann es sein, dass man den Schmerz gar nicht einem einzelnen Zahn zuordnen kann. Das liegt daran, dass die anatomischen Strukturen, in denen sich die Entzündung bei einer Pulpitis abspielt, nicht beweglich sind, also fester Knochen und Zahn. Kommt es nun zu einer Entzündungsreaktion des Gewebes, wird reaktiv auch die Durchblutung des Zahnes gesteigert. Aufgrund der Enge ist es dem Gewebe aber nicht möglich, sich auszudehnen und so kommt zusätzlich zu dem Entzündungsschmerz, auch noch ein Druck- und Dehnungsschmerz hinzu, der sich über den gesamten Kiefer erstrecken kann.

Nach Behandlung der Pulpitits, also Entfernung der Ursache der Entzündung, bildet diese sich entweder zurück (reversible Pulpitis) oder sie war bereits zu weit fortgeschritten und hält weiterhin an (irreversible Pulpitits), was ein Absterben des Zahnnerves zur Folge hat.

Verläuft dieser Prozess sehr langsam, kann es gut sein, dass das Absterben des Nervs von den Patienten gar nicht bemerkt wird, da mit Verlust des Nerves auch die Fähigkeit der Schmerzwahrnehmung erlischt. Oft kommt es jedoch vor, dass sich später an der Stelle ein neuer Entzündungsherd, nun im Knochen an der Zahnwurzelspitze lokalisiert bildet: die apikale Parodontitis.
Um diese zu behandeln, muss der Wurzelkanal eröffnet und die übriggebliebenen Nerv- und Gefäßreste vollständig entfernt werden. Anschließend desinfiziert man den entstandenen Hohlraum mehrfach und setzt eine Füllung ein, um zu verhindern, dass sich erneut Bakterien dort festsetzen und eine Entzündung verursachen.

Dem Schmerzcharakter der Pulpitis sehr ähnlich, in seiner Ursache jedoch grundverschieden, ist die atypische Odontalgie, der sogenannte „Phantom-Zahnschmerz“. Dieser ist gekennzeichnet durch einen lang anhaltenden Schmerz in einem Gebiet, in den zuvor ein Zahn gezogen wurde. Auch durch gründliche Untersuchungen und bildgebende Verfahren ist es dem Arzt nicht möglich, eine Ursache für den Schmerz auszumachen, sodass man davon ausgeht, dass die Schmerzen durch eine Schädigung der Nervenfasern im betroffenen Zahn beziehungsweise seiner unmittelbaren Umgebung ausgeht. Häufig klagen die Patienten über eine Verschlimmerung des Schmerzes bei kaltem Wetter. Ein vorschnelles Ziehen des Zahnes ist nicht angeraten, da dadurch keine Besserung, sondern im schlimmsten Fall sogar eine Verschlechterung zu erwarten ist.

Erfahren Sie hier mehr zum Thema: Die atypische Odontalgie

Auch im Bereich der Zunge kann es zu Schmerzen kommen. Eine relativ häufig vorkommende Erscheinung, vor allem bei älteren Frauen, ist das Symptom der brennenden Zunge.
Die Ursache des brennenden Schmerzes konnte jedoch bisher noch nicht eindeutig identifiziert werden, wahrscheinlich ist eine Schädigung der dünnen Nervenfasern, die in der Zunge und im gesamten Mundbereich verlaufen ursächlich.

Beschwerden nach zahnmedizinischer Behandlung

Es ist nicht selten, dass Patienten nach einer Zahnbehandlung über Gesichtsschmerzen klagen. Der Ober - und Unterkiefer werden sensibel durch den Trigeminusnerv versorgt. Da dieser jedoch das gesamte Gesicht sensibel innerviert, kann sich eine Reizung des Nerven im Bereich des Kiefers, auf weitere Bereiche des Gesichts ausweiten. Eine solche Reizung ist zum Beispiel bei Eingriffen mit Zahnfüllungen möglich, die relativ nah an den Nerven gehen. Die Schmerzen können hierbei bis in das Ohr hoch ziehen und sehr unangenehm sein.
Sollten die Schmerzen ein paar Tage nach der Behandlung immer noch bestehen, sollte eine erneute Vorstellung bei einem Zahnarzt folgen, damit eine Schädigung des Nerven ausgeschlossen werden kann.

Homöopathie bei Gesichtsschmerzen

Die homöopathische Therapie von Gesichtsschmerzen richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache. So werden bei einer Trigeminusneuralgie andere Mittel eingesetzt, wie bei einer Nasennebenhöhlenentzündung.
Zu den bekanntesten Mitteln, im Rahmen der Neuralgietherapie gehört Belladonna, das Gift der Tollkirsche. Dieses findet Anwendung in der allgemeinen Therapie von Schmerzzuständen und lindert den Schmerz, der durch Druck und Erschütterungen ausgelöst wird. Weitere Mittel, die im Rahmen der homöopathischen Therapie Anwendung finden, sind Aconitum napellus, Arsenicum album und Thuja occidentalis.
Es ist jedoch wichtig darauf hinzuweisen, dass eine homöopathische Therapie alleine meist nicht ausreichend ist, um die Schmerzen eine Trigeminusneuralgie zu lindern. Somit sollte dieser Therapieansatz als Ergänzung zu einer klassischen medikamentösen Therapie angesehen werden.