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Entzündungen der Gesichtsnerven

Einleitung

Die Entzündung eines Gesichtsnervs ist meist eine sehr schmerzhafte Angelegenheit, die einer schnellen Behandlung bedarf. Eine Entzündung eines Nervs im Allgemeinen wird als Neuritis, der dabei auftretende Nervenschmerz auch als Neuralgie bezeichnet. Eine Neuralgie kann ebenfalls durch nicht-entzündliche Prozesse hervorgerufen werden. Bei Entzündungen können verschiedene Gesichtsnerven betroffen sein. Je nach Gebiet, welches die Nerven mit Schmerz- und Tastempfindung versorgen (innervieren), treten die Schmerzen in unterschiedlichen Regionen auf und können Aufschluss über die Lokalisation der Entzündung liefern.

Kann Stress eine Ursache sein?

Die Ursachen für eine Entzündung des Gesichtsnervs sind mannigfaltig. In der Regel ist Stress nicht die einzige Ursache. Aber physischer und psychischer Stress können Auslöser für Schmerzattacken und weitere Beschwerden sein. Stress kann die Symptomatik verschlimmern.
Erklären lässt sich dieses durch verschiedene Mechanismen, die während Stressreaktionen in unserem Körper stattfinden. Stress bewirkt das Freisetzen von verschiedenen Hormonen und Substanzen. Diese agieren in unserem Körper als Botenstoffe. Diese Botenstoffe führen zu verschiedenen Prozessen in unserem Körper. Die Zellen kommunizieren über diese Botenstoffe. Unter anderem kommt es zu Veränderungen in verschiedenen Gefäßen. Daraufhin wird im Rahmen einer Entzündung des Gesichtsnervs wahrscheinlich Substanz P freigesetzt. Substanz P aktiviert die Schmerzrezeptoren. Dem Gehirn wird die Sinneswahrnehmung Schmerz übermittelt.
Zudem kann es sein, dass stressbedingte Gefäßveränderungen Äste des Gesichtsnervs komprimieren. Auf diese Art und Weise können die Beschwerden ausgelöst werden.

Überdies kann es sein, dass Nervenäste durch Kompression geschädigt werden. Die Schädigung des Nervs wiederum führt dazu, dass im Gehirn das Schmerzzentrum überaktiviert wird. Es werden vermehrt Natriumkanäle im Gehirn eingebaut. Das führt zu einer schnelleren und sensibleren Schmerzwahrnehmung.
Zudem lösen die schweren Schmerzattacken psychischen Stress aus. Dadurch werden vermehrt Substanzen und Hormone ausgeschüttet, die die Reizung der Äste des Gesichtsnervs begünstigen. Es entsteht umgangssprachlich ein Teufelskreis. Dieser wird in der Fachsprache auch circulus vitiosus genannt.

Nähere Informationen zum Thema Symptome von Stress finden Sie hier. 

Ursachen

Die Ursachen, durch die sich ein Gesichtsnerv entzünden kann, sind vielfältig. Häufig geht eine Neuritis mit einer vorherigen Schädigung des Nervengewebes einher. Dies kann zum Beispiel durch ständige Druckbelastung auf das Nervengewebe geschehen, welche durch Gewebeveränderungen oder aber auch Tumore ausgelöst werden kann.

Eine toxische Neuritis wird, wie der Name schon sagt, durch Gifte (Toxine) verursacht. Relevant sind dabei nicht nur von außen kommende Schadstoffe (beispielsweise Schwermetalle), sondern auch Stoffwechselgifte, wie sie bei Diabetes mellitus oder chronischem Alkoholismus entstehen.

Kommt es zu einer mechanischen Belastung des Nervs, wird er zum Beispiel durchtrennt, angerissen oder gequetscht, kann eine traumatische Nervenentzündung die Folge sein. Oftmals stellt sich als Ursache der Kontakt zwischen einem Blutgefäß im Gehirn und dem Nerven dar. Dabei reiben die Leitungsbahnen aufeinander und die Schutzhülle (Myelinscheiden) des Nervs wird abgenutzt – es kommt zu Irritationen und fälschlichen Stimulationen, beispielsweise der Schmerzfasern.

Ein anderer Ursprung der Entzündung kann Multiple Sklerose sein. Bei dieser chronisch-entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS) werden die Myelinscheiden angegriffen und lösen sich auf. Während die bereits genannten Ursachen nicht übertragbar sind, kann eine Neuritis infolge eines Befalls mit Bakterien, Viren oder anderen Mikroorganismen auch für Kontaktpersonen gefährlich werden. Eine Vielzahl von Krankheitserregern kann das ZNS befallen und eine Entzündung im Gesichtsnerv auslösen.

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Symptome und Gesichtsneuralgien

Eine Entzündung kann verschiedene Gesichtsnerven betreffen. Es gibt 12 sogenannte Hirnnerven. Diese heißen so, weil sie direkt mit dem Gehirn verbunden sind und keinen Kontakt zum Rückenmark besitzen. Nur zwei dieser Nerven beinhalten sensible Nervenfasern – Fasern, die Berührungen und Schmerz wahrnehmen können – den Nervus trigeminus und den Nervus glossopharyngeus.

Der Nervus trigeminus („Drillingsnerv“) teilt sich in drei Hauptäste aus, die das Gesicht (mit Augen, Nase und Mund), die Zähne und die vorderen zwei Drittel der Zunge sensibel versorgen. Diese sind der Nervus ophthalmicus („Augapfelnerv“), der Nervus maxillaris (Oberkiefernerv“) und der Nervus mandibularis („Unterkiefernerv“).

Der Nervus Glossopharyngeus, der zweite sensible Hirnnerv, versorgt das Mittelohr und den Rachen, sowie das hintere Drittel der Zunge mit berührungs- und schmerzempfindlichen Nervenästen. Außerdem sind über einen Seitenast des Nervus glossopharyngeus Sensoren mit dem Gehirn verbunden, die den Blutdruck messen und beeinflussen können. Sind diese Nerven entzündet, kann es dazu kommen, dass Informationen fehlgeleitet werden. Die Nerven sind irritiert und senden zum Beispiel falsche Schmerzsignale. Dies nennt man Neuralgie.

Informieren Sie sich hier rund um das Thema: Nervenentzündung im Gesicht.

Schmerzen bei einer Neuralgie

Das Symptom der Schmerzen im Rahmen einer Entzündung des Gesichtsnervs kann man in verschiedener Weise differenzieren. Hierbei muss man die akuten Schmerzen von den chronischen Schmerzen unterschieden.

Die akuten Schmerzen entstehen aufgrund eines akuten Auslösers. Der akute Schmerz hat eine Schutzfunktion und ist ein Warnsignal. Er korreliert mit dem Auslöser.
Das bedeutet, wenn der Schlag oder die Verletzung oder Entzündung im Gesicht stark sind, sind auch die Schmerzen stark. Falls die Schädigung gering ist, ist auch der auslösbare akute Schmerz relativ gering.
Wenn es sich um chronische Schmerzen handelt, sind diese unabhängig vom Auslöser. Sie besitzen keine Schutzfunktion.
Des Weiteren kann man die Qualitäten des Gesichtsschmerz eruieren, um herauszufinden, ob die Nerven, Muskeln und /oder Knochen im Gesicht betroffen sind. Auch im Gesicht lassen sich Schmerzen von der Qualität in Tiefen- und Oberflächenschmerz einteilen.
Der Tiefenschmerz betrifft hier in der Regel Schmerzen, die von den Gesichtsmuskeln und den Gesichtsknochen ausgehen.
Ein Oberflächenschmerz im Gesicht entsteht bei einer Verletzung der Gesichtshaut. Hierbei differenziert man den 1. vom 2. Schmerz. Der 1. Schmerz wird meist als hell und gut lokalisierbar beschrieben. Der 2. Schmerz hat einen dumpfen Schmerzcharakter und ist schwer abgrenzbar. Diese Schmerzqualität wird auch oft beim Tiefenschmerz beschrieben.

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Die unterschiedlichen Qualitäten entstehen aufgrund der verschiedenen Nervenfasern, die den Schmerz leiten. Im Zuge einer Entzündung des Gesichtsnervs kann sich ein neuropathischer Schmerz entwickeln. Das heißt, der Schmerz geht von der Nervenzelle, dem Neuron, aus. Dies hat eine Hyperaktivität des Schmerzwahrnehmungssystems im Gehirn zur Folge. Der neuropathische Schmerz wird als brennend, elektrisierend, sehr stark und oftmals vernichtend beschrieben.

Trigeminusneuralgie

Bei der Entzündung des Nervus trigeminus, kann es zu einer Neuralgie kommen. Diese kann in zwei Formen eingeteilt werden. Ist die Ursache der Nervenschmerzen unbekannt, spricht man von einer idiopathischen Neuralgie. Bei bekannter Ursache spricht man von einer symptomatischen Neuralgie.

Bei der Trigeminusneuralgie sind am häufigsten die Kieferäste des Nervs betroffen, dies aber meist nur einseitig. Der Augenast wird bei symptomatischen Neuralgien, die beispielsweise durch Raumforderungen entstehen, in Mitleidenschaft gezogen.
Die Trigeminusneuralgie wird beschrieben als blitzartig einschießender, elektrisierender, brenneder, enorm starker, stechender Schmerz im Versorgungsbereich einer oder mehrerer Trigeminusnervenäste. Der Schmerz zählt zum neuropathischen Schmerz. Die Schmerzattacken können spontan auftreten. Sie können aber auch durch bestimmte Trigger wie kauen, sprechen, schlucken, Zähneputzen oder Ähnlichem ausgelöst werden.
Bei der klassischen Trigeminusneuralgie ist die Ursache meist unbekannt. Man spricht auch von einer idiopathischen Trigeminusneuralgie. Allerdings wurde der zugrundliegende Mechanismus, der sogenannte Pathomechanismus zum Teil erforscht. Die Forschungen sind noch nicht abgeschlossen. Man vermutet, dass der Pathomechanismus in Zusammenhang steht mit einem „Gefäß-Nerven-Konflikt“. Das bedeutet, dass ein Gefäß eine oder mehrere Nervenäste des Gesichtsnervs komprimiert. Wahrscheinlich handelt es hierbei um die A. cerebelli superior.
Zugrunde liegt meist eine degenerative Veränderung des Gefäßes. Diese kann dann zu einer permanenten Reizung des Gesichtsnervs führen. Der pulsierende Gefäßast kann den Nerv einquetschen. Dabei kann auf Dauer die Isolierung des N. trigeminus beschädigt werden. Diese Isolierung wird auch als Myelinscheide bezeichnet. Wenn diese beschädigt ist oder fehlt, kann es zu direkten Kontakten zwischen sensiblen Fasern, die Schmerz weiterleiten, kommen. Dadurch können, die Schmerzattacken entstehen, die für eine Trigeminusneuralgie charakteristisch sind.

Die Schübe wiederholen sich mehrmals täglich (bis zu 100-mal und mehr). Die Betroffenen werden häufig so stark von ihren Schmerzen geplagt, dass eine deutliche psychische Beeinträchtigung bis hin zu einer Depression oder Suizidgedanken beobachtet werden kann.

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Reizung der Gesichtsnerven

Bei der klassischen Trigeminusneuralgie setzen die Schmerzattacken anfangs spontan, ohne Reizung von außen, ein. Im Verlauf können Außenreize die Schmerzattacken auslösen. Bei fortgeschrittener Trigeminusneuralgie gibt es unterschiedliche Trigger. Das können Kauen, Sprechen, Schlucken, Trinken, Zähne putzen, kalter Luftzug, mimische Bewegungen oder Berührungen sein.
Dies kann die Betroffenen sehr stark in der Lebensqualität einschränken und emotional stark belasten. Denn je nach Trigger, können die Patienten nur bedingt die Auslösung einer Schmerzattacke vorhersehen, kontrollieren oder verhindern. Das ist der Grund, warum viele betroffene Personen nicht mehr ihre Wohnung oder ihr Haus verlassen. Auch vermeiden einige Patienten das Waschen und das Rasieren des entsprechenden Gesichtsbereichs, da diese Tätigkeiten eine Reizung des Gesichtsnervs auslösen können.
Der Leidensdruck bei einer klassischen Trigeminusneuralgie ist sehr hoch. Im Laufe der Erkrankung kann es entsprechend zu Stimmungsveränderungen kommen. Leider werden oftmals fälschlicherweise diese reaktiven, resultierenden Ängste und depressive Verstimmungen als „Ursache“ für die Erkrankung angesehen.

Dauer

Die Schmerzattacken einer klassischen Trigeminusneuralgie sind typischer Weise von kurzer Dauer. Selten überschreiten sie 2 Minuten. Häufig treten die Beschwerden erst nur sporadisch auf. Wochen- oder Monatelang kann Beschwerdefreiheit herrschen. Diese Attacken können aber auch bis etwa 100-mal am Tag vorkommen.
Dauerschmerzen treten in der Regel nicht auf. Zwischen den Schmerzattacken besteht relative Beschwerdefreiheit. Da die Schmerzen oft als „vernichtend“ beschrieben werden, leiden die Betroffenen auch zwischen den Attacken. Es können Ängste vor dem nächsten Schmerzanfall entstehen.
Je nach Ursache können die Schmerzattacken unbehandelt wenige Tage bis viele Monate oder sogar persistent über Jahre auftreten. In manchen Fällen tritt ein atypischer Gesichtsschmerz auf, der nicht dem beschriebenen Schmerzcharakter und der Dauer entspricht.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Dauer einer Nervenentzündung - Das sollten Sie beachten!

Lähmungen

Es können temporäre Lähmungen auftreten, wenn entsprechende motorische Nervenfasern des Gesichts stark gereizt oder geschädigt werden. Dies kann beispielsweise im Zuge eines Migräneanfalls geschehen. Daher kann es, unter anderem, bei der Migräne zu kurzzeitigen Gesichtslähmungen kommen. Da die Lähmungen in der Regel nur eine Gesichtshälfte betreffen, werden vorübergehende Gesichtslähmungen häufig mit einem Schlaganfall verwechselt. Denn auch ein Schlaganfall kann zu einer halbseitigen Gesichtslähmung führen. In der Regel geht ein Schlaganfall, aber nicht mit den beschriebenen Schmerzen einger.
Dennoch sollte auch bei geringem Verdacht auf einen Schlaganfall vorsichtshalber immer schnell gehandelt werden. Ein Notarzt sollte so zügig wie möglich informiert werden.

Im Rahmen einer Entzündung von Gesichtsnervenästen kann es in manchen Fällen auch zu persistierenden Lähmungen kommen. Ob die Lähmungen vorübergehend oder dauerhaft sind, kann am besten ein Neurologe feststellen. Außerdem kann dieser die Ursache herausfinden und eine entsprechende Behandlung einleiten. Bei länger anhaltenden Lähmungen im Gesicht sind meist eine logopädische und / oder ergotherapeutische Behandlungen ratsam. Je nach motorischen Nervenastausfall im Gesicht, kann auch das Sprechen und / oder das Schlucken erschwert sein.

Zuckungen

Im Rahmen einer klassischen Trigeminusneuralgie kommt es häufig inmitten einer Schmerzattacke zu einem nicht kontrollierbaren Zucken der Gesichtsmuskulatur in dem betroffenen Areal. Man spricht hier von klonischen-tonischen Bewegungen der Muskulatur.
Nach der Schmerzattacke ist der betroffene Bereich für Sekunden bis Minuten nicht mehr erregbar. Das bedeutet, dass kurz nach einem Schmerzanfall, ein weiterer Anfall nicht direkt wieder durch sensible Reize auslösbar ist.

Nasoziliarisneuralgie (Charlin-Syndrom)

Der Nervus nasociliaris („Nasen-Wimpern-Nerv“) ist ein Seitenast des Nervus ophtalmicus (1. Hauptast des Nervus trigeminus) und versorgt mit seinen Ausläufern das Auge und die Nase mit sensiblen Anteilen. Besteht durch die Entzündung des Nervus nasociliaris eine Neuralgie, treten einseitige Schmerzen im Augenwinkel auf. Diese können je nach Intensität in die Augenhöhle oder in den Nasenrücken ziehen. Zusätzlich kann es passieren, dass vermehrter Tränenfluss und multiple Entzündungen im Auge auftreten, dass die Nase anschwillt oder die Haut sich rötet. Auch bei der Nasoziliarisneuralgie ist der Auslöser der Schmerzattacken eine leichte Stimulierung des Nervs – sei es durch Berührung oder durch Bewegungen beim Sprechen bzw. Kauen.

Glossopharyngeusneuralgie

Die entzündliche Glossopharyngeusneuralgie ist ein selten auftretendes Schmerzbild. Typisch für eine Neuralgie, treten sehr starke, stechende Schmerzattacken auf. Hauptsächlich beschränkt sich das Schmerzgebiet auf den Hypopharynx, den unteren Rachen. Das hintere Drittel der Zunge, die Mandeln (Tonsillen) und teilweise auch das Ohr schmerzen, ausgelöst durch Bewegungen, wie Sprechen, Kauen und Schlucken oder Husten. Da der Glossopharyngeusnerv auch Einfluss auf das Herz nimmt, kann es bei der Entzündung dessen, zu einer verlangsamten Herzfrequenz und schlimmstenfalls zum Herzstillstand kommen.

Aurikulotemporalisneuralgie (Frey-Syndrom)

Der Nervus auriculotemporalis („Ohr-Schläfen-Nerv“) ist ein Seitenast des Nervus mandibularis (3. Hauptast des Nervus trigeminus). Er leitet die Berührungs- und Schmerzempfindungen des Ohres, des Gehörgangs, des Trommelfells und der Haut im Bereich der Schläfe. Der Nervus auriculotemporalis hat außerdem eine Verbindung zu Nerven, die die Ohrspeicheldrüse (Parotis) versorgen. Wird das Nervengewebe durch ein Trauma, eine Operation oder eine Entzündung geschädigt oder kommt es zu einer notwendigen Entfernung (Resektion) der Parotis, so kann es zu einer Aurikulo Temporalis Neuralgie kommen.

Mehr zu desem Syndrom finden Sie auf unserer Seite zum Frey-Syndrom

Es kann zum Beispiel  nach einer Operation der Ohrspeicheldrüse zu verschiedenen Beschwerden kommen. An dieser Stelle werden nur die Symptome beschrieben, die die Gesichtsnerven betreffen.
Im Rahmen von Komplikationen können durch Reizung oder Verletzung des Gesichtsnervs Taubheitsgefühl und Lähmungen der operierten Gesichtshälfte entstehen. Die Beschwerden können von vorübergehender oder langanhaltender Dauer sein.
Wenn die Ohrspeicheldrüse komplett entfernt wurde, kann ein Kauschwitzen resultieren. Das bedeutet, dass die Betroffenen nach der Nahrungsaufnahme im Wangenbereich schwitzen. Zudem können eine Hautrötung, Schwellungsgefühl, Kribbeln und brennende Schmerzen im Wangenbereich ausgelöst werden. Durch die Verletzung von parasympathischen Gesichtsnervenfasern können diese in Kontakt mit den sympathischen Schweißdrüsen der Wangenhaut treten. Beide nutzen den Botenstoff Acetylcholin, über den die Zellen miteinander kommunizieren. Dies kann zu dem oben beschriebenen Beschwerdebild führen. Dieses Phänomen wird auch als Frey-Syndrom oder Aurikulotemporales Syndrom, Gustatorische Hyperhidrose oder Gustatorisches Schwitzen bezeichnet.
Zur Behandlung des relativ speziellen Krankheitsbildes des Frey-Syndroms wird dem Patienten gezielt Botulinum Toxin A injiziert, welches die entsprechenden Schweißdrüsen lähmt und somit inaktiviert.

Darüber hinaus kann eine Operation im Bereich der Ohrspeicheldrüse auch zu einer Schädigung von Gesichtsnervenästen führen. Aus dieser Schädigung können Einschränkungen der mimischen Gesichtsmuskulatur resultieren. Augenscheinlich ist oftmals der einseitig hängende Mundwinkel. Je nach Schädigung der Äste kann es auch zu einer Unfähigkeit kommen, das Augenlid zu schließen.

Sluder-Neuralgie

Die Sluder-Neuralgie ist der Erklärungsversuch einiger idiopathischen Gesichtsneuralgien. Dabei sollen Nervenfasern des Nervenknotens „Ganglion pterygopalatinum“ Fasern des, mit seinen Hauptästen benachbart laufenden, Nervus Trigeminus fälschlich stimulieren. Zu entsprechenden Schäden am Nervengewebe, die solch eine Interaktion erlauben würden, könnte eine Entzündung führen.

Atypischer Gesichtsschmerz

Atypische Gesichtsschmerzen zeigen nicht den Charakter einer Neuralgie. Es bestehen dumpfe Dauerschmerzen, meist unklarer Herkunft. Die Patienten leiden, ähnlich wie bei der Trigeminusneuralgie, an der psychischen Belastung, die durch die Schmerzsymptomatik entsteht und zeigen vermehrt psychische Erkrankungen wie Depressionen, Zwangsstörungen oder Angststörungen. Die Stimulation der Schmerzfasern durch eine vorangegangene Entzündung mit folgender Vernarbung des Gewebes ist zwar möglich, jedoch spielt die Psyche des Patienten oftmals eine große Rolle bei jenem Krankheitsbild.

Zahnschmerzen bei einer Neuralgie

Wenn die Ober- oder Unterkiefernervenäste im Gesicht betroffen sind, kommt es häufiger zu fehlinterpretierten Zahnschmerzen. Der Nervenast des Oberkiefers wird in Fachsprache Ramus maxillaris genannt. Der Nervenast des Unterkiefers wird als Ramus mandibularis bezeichnet.
Wenn der Ramus maxillaris betroffen ist, können sich die Schmerzen in den Zähnen des Oberkiefers, der Oberlippe, den Nasenflügel, der Nasenschleimhaut und dem Gaumen ausbreiten. Wenn der Ramus mandibularis geschädigt ist, kann es zu Schmerzen der Unterlippe, der Zunge und zu Zahnschmerzen im Unterkiefer kommen.
Häufig beißen die Betroffenen den Kiefer in der Schmerzattacke reflektorisch zusammen. Durch den anfallartigen, typischen Schmerzcharakter lassen sich tatsächliche Zahnschmerzen abgrenzen.

Mehr zum Thema Zahnschmerzen können Sie hier nachlesen. 

Ist eine Neuralgie ansteckend?

Neuralgien sind generell nicht ansteckend. Eine Entzündung des Gesichtsnervs kann verschiedene Ursachen haben. Aus einer Gürtelrose im Gesicht und andere Infektionen können sich Neuralgien entwickeln.
Wenn es aufgrund Erkältungskrankheiten zur temporären Reizung der Gesichtsnerven kommt, ist die Erkältungskrankheit ansteckend. Auch beispielsweise die Gürtelrose im Gesicht kann für Menschen, die noch keine Windpockenerkrankung durchlebt haben, ansteckend sein. Diese Personen können folglich an Windpocken erkranken.
Aber Entzündungen der Gesichtsnervenäste oder eine klassische Trigeminusneuralgie sind nach heutigem Wissenstand nicht ansteckend.

Therapie

Im Mittelpunkt der Behandlung sollten die Entlastung des Nervs und die Beseitigung der Reizquelle stehen. Erst dann kann sich das Nervengewebe regenerieren und die Entzündung abflachen. Die zwei Hauptvorgehensweisen sind hierbei eine medikamentöse Therapie und ein chirurgischer Eingriff. Medikamentös greift man hierbei auf Antikonvulsiva wie Carbamazepin® oder Valproat® zurück. Sie enthalten Wirkstoffe, die auch in der Therapie von Epilepsie eingesetzt werden und die Weiterleitung in den Nervenzellen verlangsamen. Dadurch sinkt die Reizschwelle und die Stimulation der Schmerzfasern bricht ab. Antikonvulsiva sind in der Regel gut verträglich, können aber auch Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder Schwindel auslösen. Bei akuten Schmerzzuständen ist auf das stärker wirksame Phenytoin® zurückzugreifen.

Bei atypischen Gesichtsschmerzen können Antidepressiva Linderung verschaffen, wobei dann eine entzündliche Ursache der Erkrankung unwahrscheinlich ist. Die Einnahme von Schmerzmitteln ist keine Option bei einer länger andauernden Therapie. Es besteht die Gefahr einer Abhängigkeit und oftmals schwächt eine Toleranzentwicklung die Wirkung der Medikamente ab.

Intraoperativ bestehen mehrere Möglichkeiten. Zunächst kann ein Langzeit-Lokalanästhetikum (Betäubungsmittel) in den Nerv oder Nervenknoten injiziert werden. Bleibt der Eingriff ohne Wirkung, kann entweder der Nerv entlastet oder gänzlich blockiert werden. Besteht ein oberflächlicher Hirntumor, ist in jedem Fall die chirurgische Entfernung zu empfehlen. Ein aufliegendes Gefäß kann durch implantierte Muskelkissen (Operation nach Jannetta) davon abgehalten werden, weiterhin das Nervengewebe zu komprimieren. Eine dauerhafte Blockade des Nervs ist nur durch Zerstörung möglich. In Operationen bei denen der Schädel nicht eröffnet werden muss, kann das Nervengewebe durch Hitze, durch chemische Substanzen wie Glycerin oder durch Druck, im Ballonkompression-Verfahren, effektiv zerstört werden. Als letzte Möglichkeit kann der Nerv chirurgisch durchtrennt werden, wobei jegliche Funktion verloren geht.

Besteht die Ursache in einer Infektion durch Mikroorganismen, muss ein entsprechendes Medikament verschrieben werden, zum Beispiel ein Antibiotikum.

Prognose

Die Heilungschancen sind je nach Ursache der Entzündung unterschiedlich einzustufen. Ist die Erkrankung auf einen Erreger zurückzuführen, kann die Gegentherapie eine vollständige Linderung verschaffen. Bei chirurgischen Eingriffen besteht, je nach Vorgehensweise, eine Wahrscheinlichkeit von 90-98%, im Nachhinein schmerzfrei leben zu können. Jedoch entwickeln 10-30% der Patienten im Laufe der Jahre wieder ein Schmerzsyndrom.

Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 16.01.2019
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