Phenytoin

Definition

Phenytoin ist ein Medikament, das in der Medizin zur Gruppe der krampflösenden Mittel (sog. Antikonvulsiva) gezählt wird. Anwendung findet es vor allem zur Behandlung zweier verschiedener Krankheitsbilder: der Epilepsie und der Herzrhythmusstörungen.

Anwendung

Im Hinblick auf die Epilepsie wird Phenytoin sowohl zur Therapie von akuten Anfällen als auch zur Dauerbehandlung verwendet. Jedoch wird Phenytoin in der Behandlung akuter Anfälle seit einigen Jahren seltener verschrieben, da neuere Präparate weniger Neben- und Wechselwirkungen mit anderen Arzneistoffen verzeichnen.

In der Kardiologie wird hauptsächlich auf Phenytoin zurückgegriffen, wenn das Krankheitsbild der ventrikulären Tachykardien vorliegt (hierunter versteht man eine zu hohe Schlagzahl der Herzkammern pro Minute). Zu ventrikulären Tachykardien kommt es meist nach einer Vergiftung mit Digitalis, dem Gift des Fingerhuts.

In seiner Wirkweise ähnelt Phenytoin stark dem Lidocain, einem Arzneimittel, mit dem örtliche Betäubungen herbeigeführt werden können. Beide Substanzen blockieren einen Natriumkanal in der Membran von Nervenzellen, eine Struktur, die für die Entstehung und Weiterleitung von Informationen (auch der Information eines Schmerzreizes) im Nervensystem unverzichtbar sind.

Phenytoin wird in der Leber verstoffwechselt und über die Niere ausgeschieden.


Nebenwirkungen

Im Zusammenhang mit der Einnahme von Phenytoin sind einige Nebenwirkungen bekannt: Berichtet wird über Schwindel, Nystagmus (unkontrollierbare spontane Augenbewegungen), Doppeltsehen oder auch Ataxie (Störungen der Bewegungskoordination).

Ferner kommt es unter Umständen auch zu Übelkeit, Polyneuropathie (diffuse Empfindungsstörungen durch Schädigungen des Nervensystems), Vergrößerung der Mundschleimhaut und Hirsutismus (vermehrte Körperbehaarung bei Frauen). Auch über Störungen der Blutbildung, Erkrankungen der Lymphknoten, Leberfunktionsstörungen und allergische Reaktionen.

Wechselwirkungen

Im Hinblick auf Wechselwirkungen von Phenytoin mit anderen Medikamenten, lässt sich folgende Unterscheidung vornehmen:

Es gibt Substanzen, die den Wirkstoffspiegel von Phenytoin im Blut erhöhen, wie Sulfonylharnstoffe (gängig zur Behandlung von Typ II-Diabetikern), Cimetidin (ein Antiallergikum), Antibiotika, Arzneistoffe zur Therapie von Tuberkulose und Psychopharmaka wie Benzodiazepine und sog. trizyklische Antidepressiva (hierunter versteht man eine bestimmte Gruppe von stimmungsaufhellenden Medikamenten). Auch für Medikamente gegen Rheuma, das Narkosemittel Halothan und Disulfiram, das Einsatz in der Alkoholentwöhnung findet, ist diese Wirkung bekannt.

Stoffe, die den Wirkstoffpegel von Phenytoin senken, sind Alkohol und andere krampflösende Medikamente wie Carbamazepin, Phenobarbital und Primidon.

Jedoch kann auch Phenytoin selbst andere Medikamente in deren Wirksamkeit mindern, wenn eine zeitgleiche Einnahme erfolgt. Bekannt ist dies für: Verhütungsmittel („die Pille“), Antibiotika wie Doxycyclin, bestimmte Antidepressiva, blutgerinnungshemmende Medikamente und Verapamil, das zur Linderung von Herzrhythmusstörungen angewandt wird.

Im Fall folgender Erkrankungen darf Phenytoin nicht eingenommen werden: Beim Vorliegen einer Schwangerschaft, bei Lebererkrankungen, Erkrankungen des Knochenmarks, bei Herzinsuffizienzen und/oder im Falle eines sog. Sick-Sinus-Syndroms (Herzrhythmusstörungen, die meist nach Schädigung des Sinusknotens am Herzen entstehen).

Phenytoin in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft und Stillzeit ist Vorsicht bei der Behandlung mit Phenytoin geboten. Es darf nur nach sorgfältiger Absprache mit einem Arzt und einer genauen Risiko-Nutzen-Abwägung Anwendung finden. Unter der Einnahme von Phenytoin kann das Risiko zur Entstehung von Fehlbildungen erhöht sein. 

Die Wirksamkeit gewisser Verhütungsmittel kann durch Phenytoin eingeschränkt sein. Das Risiko für Fehlbildungen, wie beispielsweise Neuralrohrdefekte, Entwicklungsverzögerungen oder Fehlbildungen am Herzen kann erhöht sein. Sollte das Medikament unverzichtbar sein, erfolgt eine Behandlung mit der niedrigsten wirksamen Dosis, um eine Unterdrückung der Krampfanfälle zu erreichen. Insbesondere zwischen dem 20. und dem 40. Schwangerschaftstag ist das wichtig. Die gleichzeitige Einnahme weiterer Arzneimittel, die gegen Krampfanfälle wirken, sollte vermieden werden, da diese das Risiko für Fehlbildungen zusätzlich erhöhen.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Medikamente während der Schwangerschaft

Bei all den möglichen Nebenwirkungen wird jedoch strengstens davon abgeraten, die Therapie mit Phenytoin eigenmächtig in der Schwangerschaft zu beenden. Das kann zu einer schnellen Reduktion der Dosis von Phenytoin im Blut führen, die Krampfanfälle nach sich ziehen können. Diese Krampfanfälle können jedoch fatale Folgen für Mutter und Kind haben. Daher ist eine Überwachung der Dosis des Phenytoins im Blutplasma der Mutter während der Schwangerschaft und im Wochenbett sehr wichtig. Nach der Schwangerschaft steigt der Phenytoinspiegel im Blut, sodass gegebenenfalls eine Anpassung der Dosis erforderlich sein kann.

Um Blutungen bei dem ungeborenen Kind zu vermeiden, sollten Schwangere, die Phenytoin einnehmen, in den letzten Schwangerschaftswochen Vitamin K zuführen. Das erfolgt nach Absprache mit dem behandelnden Arzt. Nach der Geburt sollte das Neugeborene ebenfalls vorbeugend Vitamin K erhalten, um Blutungen zu vermeiden.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier:

Alle Themen zu den verschiedenen Medikamenten unter: Medikamente A-Z.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 14.12.2017
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