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Lidocain

Was ist Lidocain?

Lidocain (Handelsname z.B. Xylocain®) ist ein örtlich wirkendes Betäubungsmittel, ein sogenanntes Lokalanästhetikum.
Es ist sehr schnell und gut wirksam und wird sehr häufig eingesetzt. Auf die Haut oder Schleimhaut aufgetragen, lindert Lidocain schnell und effektiv Schmerzen, Juckreiz und Brennen. Um kleinere Wunden schmerzfrei nähen zu können und operative Behandlungen durchführen zu können, wird häufig Lidocain gegeben.
Außerdem kann es gegen Herzrhythmusstörungen und verabreicht werden und findet einige weitere Anwendungsgebiete.


Anwendung von Lidocain

Als Betäubungsmittel kann Lidocain entweder unter die Haut gespritzt werden, um so eine kleinere Stelle zu betäuben, zum Beispiel damit eine Platz- oder Schnittwunde genäht werden kann.

Man kann Lidocain aber auch direkt in die Nähe eines Nervs spritzen, somit wird ein größeres Areal betäubt und die Schmerzweiterleitung und Schmerzwahrnehmung von diesem Nerv wird verhindert. Deshalb nennt man diese Art der Betäubung auch Leitungsanästhesie.
Diese kommt für kleinere Operationen an den Extremitäten, z.B. die Versorgung eines Unteramspeichenbruchs (Radiusfraktur), in Frage. Aber auch bei einer Rückenmarksnarkose (Spinalanästhesie) wird Lidocain verwendet, um die Nervenwurzel des Rückenmarks zu betäuben. In der Geburtshilfe wird es eingesetzt, um eine Verminderung des Wehenschmerzes zu erreichen (Periduralanästhesie).

Lidocain muss ca. drei Minuten einwirken und wirkt dann je nach Dosis bis zu drei Stunden betäubend.
Sehr häufig wird Lidocain von Zahnärzten zur Zahnwurzelbetäubung angewendet, auch hier erfolgt die örtliche Betäubung mithilfe einer Lidocain-Spritze.
Bei schmerzhaften Entzündungen im Mund- und Rachenraum oder bei Halsschmerzen kann Lidocain als Spray oder Lutschtablette Linderung verschaffen.
Auch bei Säuglingen kann Lidocain lokal in der Mundhöhle aufgetragen werden, um Zahnungsschmerzen zu betäuben.

Es gibt Lidocain aber nicht nur als Spritzenlösung, sondern auch als Sprays, Salben oder Tropfen. Die Auftragung von Lidocain zur oberflächlichen Betäubung auf der Haut ist prinzipiell überall möglich und wird zum Beispiel als Pflaster zur Schmerzstillung bei schmerzhafen Infektionserkrankungen, wie nach einer Herpes-Zoster-Erkrankung, verwendet.
Lidocain kann auch als Zäpfchen zur Linderung von Beschwerden durch Hämorrhoiden gegeben werden.
Ein weiteres Anwendungsgebiet findet das Medikament bei einem Gicht-Anfall, bei einem akuten Schub der Rückenwirbelerkrankung Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) und bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis.

Auch bei einer akuten Cluster-Kopfschmerzattacke kann Lidocain in Form eines Nasensprays in die Nasenöffnung der vom Kopfschmerz betroffenen Seite gegeben werden. Dies kann innerhalb weniger Minuten zu einer Schmerzlinderung führen.

Lidocainhaltige Salben oder Cremes, sogenannte 'Verzögerungscremes' können von Männern zur Unterdrückung eines frühzeitigen Samenergusses verwendet werden. Diese sind rezeptfrei erhältlich und die Wirkung hält bis zu 60 Minuten an.

Ein weiteres Einsatzgebiet von Lidocain findet man bei Eingriffen am Herzen, die zu Herzrhythmusstörungen führen können. Beispielsweise bei einer Koronarangiographie, einer Katheteruntersuchung an den Herzkranzgefäßen, wird Lidocain im Vorfeld in die Vene injiziert, um der Gefahr von Herzrhythmusstörungen vorzubeugen. Besonders gut wirkt Lidocain gegen schnelle Herzrhythmusstörungen, wie das Kammerflimmern.

Lidocain mit Adrenalin

Lidocain kann mit Adrenalin gemeinsam verwendet werden. Hierfür gibt es fertige Präparate, welche beide Wirkstoffe enthalten. Diese Mischpräparate sollten grundsätzlich nur von Ärzten angewendet werden und haben deutlich eingeschränkte Indikationen, während reines Lidocain viele Anwendungsgebiete hat.

Die Mischpräparate werden nur im Bereich der Lokalanästhesie verwendet. Hier wirkt das Adrenalin als gefäßverengendes Mittel, was dazu führt, dass das Lidocain langsamer aufgenommen und abgebaut wird. Hierdurch sind relativ geringe Lidocaindosen über einen längeren Zeitraum verfügbar und die Operationsdauer kann ohne weitere Betäubung verlängert werden.

Durch das enthaltene Adrenalin ergeben sich bei den Mischpräparaten weitere Kontraindikationen. Diese betreffen besonders Patienten, die bereits Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems haben. Auch Patienten, die Antidepressiva, welche als MAO-Hemmer bekannt sind, einnehmen, sollten keine dieser Mischpräparate erhalten, da bei diesen Patienten der Abbau des Adrenalins eingeschränkt ist. Für Kinder gibt es keine Studien zu den Mischpräparaten aus Adrenalin und Lidocain. Daher wird empfohlen, andere lokale Betäubungsmittel zu verwenden. Die Mischpräparate sind Injektionslösungen.

Maximaldosis von Lidocain

Die Maximaldosis für einen durchschnittlichen Erwachsenen liegt bei Lidocain ohne Adrenalin bei 200mg Einzeldosis und mit Adrenalin bei 500mg Einzeldosis. Dies sind jedoch nur Richtwerte, da viele Faktoren in die individuelle Maximaldosis reinspielen. Wichtig ist hier vor allem das Gewicht des Betroffenen. Ebenfalls entscheidend ist die Leberfunktion, da Lidocain über die Leber abgebaut wird. Weiterhin ist die Aufnahme des Lidocains von der Darreichungsform abhängig. Somit ist es schwierig, eine allgemeingültige Aussage zur Maximaldosis zu machen.

Lidocain zur Schmerztherapie

Nahezu alle Anwendungsmöglichkeiten des Lidocains zielen auf eine Schmerzstillung ab. Dies ist in den meisten Fälle eine lokale Schmerzstillung. Als Darreichungsformen eignen sich Sprays, Pflaster, Gele, Salben, Injektionen, Mundspülungen und weitere Möglichkeiten. Je nach Ort und Art der Verletzung oder Entzündung variiert die Art der Anwendung. Ein Vorteil der Schmerztherapie mit Lidocain ist die schnell einsetzende Wirkung.

Auch während und kurz nach Operationen kann Lidocain zur Schmerztherapie verwendet werden. Dies geschieht über die Blutbahn. Offiziell ist Lidocain hierfür nicht freigegeben.

Lidocain bei Migräne

Bei Migräne kann eine lokale Anwendung von Lidocain über eine Nasensonde sowohl den akuten Anfall stoppen als auch weitere Anfälle in den folgenden Tagen verhindern. Dies geschieht, indem ein Nervenknoten im Bereich der Nasenwurzel, das sogenannte Ganglion Pterygopalatinum, betäubt wird.

Diese Betäubung wirkt länger, als das Lidocain selbst nachweisbar ist, da der Nervenknoten eine Art Reset-Knopf für die Migräne ist. Der Kreislauf wird daher einmal unterbrochen und die Migräneanfälle werden erstmal seltener. Eine Heilung ist jedoch auch diese Migränetherapie nicht.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Therapie Migräne, Homöopathie bei Migräne

Lidocain bei Hämorrhoiden

Zur Behandlung bei Schmerzen durch Hämorrhoiden kann Lidocain in unterschiedlicher Darreichungsform genutzt werden. Eine Möglichkeit ist die Verabreichung von Zäpfchen, eine weitere Form ist eine Salbe. Außerdem ist eine Nutzung von Hämotamps möglich, welche eine Art getränkte Tampons sind. Bei allen Darreichungsformen ist es wichtig, dass diese korrekt angewendet werden. Unabhängig von der Darreichungsform ist zu bedenken, dass Lidocain nur die Schmerzen lindern kann und nicht zur Heilung von Hämorrhoidalleiden führt. Die meisten lidocainhaltigen Medikamente zur Schmerzstillung bei Hämorrhoiden sind freiverkäuflich in Apotheken erhältlich.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter:

Wirkungsweise von Lidocain

Lidocain wirkt als örtliches Betäubungsmittel auf unsere Nerven ein. Ein Nerv nimmt einen Reiz wie Druck oder Temperatur über eine Vielzahl an Nervenendigungen war und leitet dieses Signal an das Rückenmark oder Gehirn weiter, dort nehmen wir den Reiz zum Beispiel als Schmerz wahr. Diese Weiterleitung geschieht mit Hilfe von Mineralien wie Kalium und Natrium.
Lidocain beeinflusst die Natriumkanäle und verhindert damit die Weiterleitung des Reizes. Somit kann für den Moment in dem Lidocain wirkt, der Schmerz nicht wahrgenommen werden, die Stelle ist betäubt.

Solche Natriumkanäle gibt es auch am Herzen, wo sie wichtig für die Herzfrequenz und den Herzrhythmus sind. Blockiert Lidocain am Herzen diese Kanäle, verlangsamt sich der Herzschlag und der Rhythmus kann sich normalisieren. Dies macht man sich in der Anwendung von Lidocain bei Herzrhythmusstörungen zunutze.

Lidocain als Droge

Lidocain ist isoliert nicht als Droge bekannt, da es im Gegensatz zu Kokain, keinen Rausch verursacht und keine suchtfördernde Komponente enthält. Drogendealer nutzen Lidocain jedoch um Kokain zu strecken. Dies wird gemacht, da die Reinheit von Kokain häufig durch ein Taubheitsgefühl beim Bestreichen des Zahnfleisches getestet wird und den Konsumenten so durch die Beimischung von Lidocain ein besonders reiner Stoff vorgespielt wird. Zudem ist der Geschmack von Lidocain ähnlich bitter wie der Geschmack von Kokain und ist somit für den Konsumenten nicht erkennbar. Aufgrund der unerwünschten Nebenwirkungen des Lidocains, wie den Herzrhythmusstörungen, kann eine solche Beimischung für den Konsumenten lebensgefährlich werden. Besonders bei Konsumenten, welche Kokain intravenös verwenden, kommt es vermehrt zu Todesfällen durch Herzstillstand bedingt durch eine Lidocain-Überdosis. Da Kokain jedoch ähnliche Nebenwirkungen aufweist, ist es schwierig zu unterscheiden, welche Todesfälle durch das Streckmittel Lidocain bedingt sind und welche durch das Kokain selbst bedingt sind. Ungefähr ein Drittel der sichergestellten Kokainproben enthalten Lidocain.

Wann darf Lidocain nicht angewendet werden?

Die lokale Betäubung ist in der Regel eine sehr schonende Form der Schmerzausschaltung. Man darf Lidocain jedoch nicht verabreichen, wenn bei dem Patient bereits eine Herzmuskelschwäche oder niedriger Blutdruck vorliegen. Bestimmte Herzrhythmusstörungen (wie ein AV-Block II-Grades), Schock, Epilepsie und Herzinfarkt stellen ebenfalls Gegenanzeigen für die Verwendung von Lidocain dar.

Lidocain kann zu allergischen Reaktionen führen und darf nicht angewendet werden, wenn bereits eine Überempfindlichkeit gegenüber Lidocain oder einem ähnlichen Wirkstoff besteht.
Außerdem stellen Infektionen am Ort der örtlichen Betäubung eine Kontraindikation für Lidocain dar. Patienten mit schweren Nieren- oder Lebererkrankungen sollten Lidocain nur in Ausnahmefällen erhalten, da es zu einer erhöhten Wirkstoffkonzentration im Blut kommen kann.

In der Schwangerschaft sollte Lidocain nur in Ausnahmefällen und unter ärztlicher Aufsicht als Injektionslösung verwendet werden, da es über die Plazenta dem Kind schaden kann. Eine oberflächliche Anwendung ist während der Schwangerschaft unbedenklich.

Lesen Sie mehr über Lokalanästhetika in der Schwangerschaft

Auch während der Stillzeit kann Lidocain angewendet werden, man sollte es jedoch nicht an der stillenden Brust auftragen.
Eine äußerliche Anwendung von Lidocain als Creme, Gel oder Salbe ist bei Kindern unbedenklich und darf eingesetzt werden. Soll Lidocain jedoch injiziert werden, sollte dies bei Kindern auch nur unter ärztlicher Aufsicht geschehen.

Bei der Anwendung von Lidocain am Rückenmark gibt es spezielle Einschränkungen. Hier ist bei Patienten mit Blutgerinnungsstörungen, erhöhtem Hirndruck oder verminderter Blutmenge besondere Vorsicht geboten.

Nebenwirkungen von Lidocain

Unerwünschte Wirkungen nach der Verwendung von Lidocain müssen nicht auftreten, jedoch können sie je nach Darreichungsform in unterschiedlicher Häufigkeit auftreten. Lidocain ist in der Regel gut verträglich, bei der Injektion treten gelegentlich Schmerzen in den Beinen oder ein plötzlicher Blutdruckabfall auf.

Seltene Nebenwirkungen können Unruhe und Krampfanfälle sein, manche Patienten berichten über eine taube Zunge, über Schwindel oder Benommenheit. Sollten Ohrgeräusche auftreten, ist dies ein frühes Zeichen für eine Überdosierung von Lidocain und sollte behandelt werden. Herzrhythmusstörungen können unter einer Lidocain-Therapie auftreten und auch allergische Reaktionen, wie Nesselsucht, Atemnot und Kreislaufstörungen sind ebenfalls Nebenwirkungen von Lidocain.

Das Medikament sollte nicht in die Augen oder in offene Wunden gelangen. In diesem Fall muss es sofort gründlich mit Wasser ausgewaschen werden.

Bei der Anwendung im Mund- und Rachenraum ist zu beachten, dass Lidocain ein Taubheitsgefühl hervorruft und dadurch die Gefahr für Bissverletzungen erhöht ist. Außerdem besteht insbesondere bei Kindern eine Gefahr des Verschluckens, da Lidocain das Schlucken beeinträchtigt.

Lesen Sie mehr zum Thema: Nebenwirkungen einer Lokalanästhesie

Allergie auf Lidocain

Anders als unerwünschte Nebenwirkungen, welche oft durch Überdosierungen entstehen, zeigen sich allergische Reaktionen schon bei sehr geringen Mengen des Medikaments. In vielen Fällen äußert sich eine Allergie gegen Lidocain in relativ harmlosen Symptomen, wie Hautrötungen und lokalen Schwellungen. In seltenen Fällen kann es jedoch auch zu einem allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) durch Lidocain kommen.

Es wird daher empfohlen bei Menschen, die zu Allergien neigen, einen Empfindlichkeitstest (Allergietest) durchzuführen. Da in vielen Darreichungsformen weitere Stoffe in den Lidocainpräparaten enthalten sind, sollte auch eine mögliche Allergie gegen diese Zusatzstoffe in Betracht gezogen werden. Bei einer bekannten Allergie sollten auch andere örtliche Betäubungsmittel mit der Endung -cain gemieden werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Allergiediagnostik

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Wechselwirkungen von Lidocain

Lidocain kann in verschiedenen Darreichungsformen verabreicht werden. Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen treten in der Regel nur bei der Injektion einer Lidocainlösung auf, lokale Anwendungsformen müssten schon sehr lange und hochdosiert angewandt werden, um Wechselwirkungen hervorzurufen.

Medikamente die den Herzrhythmus beeinflussen (wie Kalziumkanalblocker und Antiarrhythmika) können unter Umständen die Wirkung von Lidocain auf die Herzaktion verstärken oder abschwächen. Eine Verstärkung der Wirkung von Lidocain kann durch gleichzeitige Einnahme von blutdrucksenkenden Medikamenten (z.B. Betablocker) bewirkt werden, wohingegen durch Antiepileptika die Wirksamkeit des Lidocains gesenkt werden kann.

Verabreichungsformen von Lidocain

Spray

Auch als Spray angewendet können Haut und Schleimhaut wirkungsvoll mit Lidocain betäubt werden. Besonders im Hals-Nasen-Ohrenbereich kann Spray eingesetzt werden um die Empfindlichkeit herabzusetzen. So können durch das Sprühen in den Rachenraum Untersuchungen in diesem Bereich durchgeführt werden ohne sofort einen Würgereiz beim Patienten zu erzeugen. Auch kleine Eingriffe wie das Einschneiden des Trommelfells (Paracentese) sind nach der Anwendung von Lidocain Pumpspray meist problemlos und schmerzfrei durchführbar.

Weiterhin kann das Spray unterstützend zu Gelen und Pflastern angewendet werden um die Wirkung derer kurzfristig zu verstärken. Ebenso angewendet werden kann das Spray zur Linderung von Schmerzen bei der Reinigung von Schürfwunden oder auch zur Linderung der Schmerzen bei oberflächlichen Verbrennungen.

Ein leichtes Brennen auf der Haut direkt nach dem Einsprühen ist harmlos und klingt meist schnell wieder ab, spätestens jedoch beim Eintritt der betäubenden Wirkung. Bei Kindern unter zwei Jahren darf das Spray wegen des Menthol-Gehaltes nicht angewendet werden, da es zu starken Atemwegsreizungen kommen kann. Ebenso darf das Lidocain Spray nicht zur Betäubung der Augen herangezogen werden.

Viele weitere Informationen erhalten Sie unter unserem Thema: Lidocainspray

Pflaster

Auch mit Pflastern kann man sich die Wirkungen von Lidocain zu Nutze machen. Viele Menschen leiden nach einer Infektion mit Herpes-Zoster-Viren dauerhaft an Schmerzen in einem bestimmten Hautareal. Ein Pflaster mit Lidocain kann über einen längeren Zeitraum kontinuierlich die Schmerzen lindern, in dem ständig eine kleine Menge Lidocain vom Pflaster an die Haut abgegeben wird. Es ist hierbei in Europa ein Pflaster mit der Konzentration von 5% erhältlich. Die Wirkdauer beträgt hier um die 12 Stunden, dann muss das Pflaster entfernt werden. Nach einer pflasterfreien Pause von 12 Stunden kann erneut ein Pflaster aufgeklebt werden. Auch hier gilt es die Höchstdosis zu beachten, vor allem wenn mehrere Pflaster gleichzeitig geklebt werden (maximal erlaubte Menge: 3 Pflaster gleichzeitig).

Bei zu großen Mengen besteht die Gefahr schwerer Nebenwirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem, da eine gewisse Menge immer auch in den Körper gelangt. Nicht angewendet werden darf ein Pflaster auf Wunden oder Schleimhäuten, da sich die Menge von Lidocain, die in den Körper gelangt enorm vergrößert. Vorsicht ist hier bei Menschen geboten, die besonders empfindlich auf Lidocain im Körper reagieren. Hierzu zählen Patienten mit Leber- und Nierenfunktionsstörungen. Eine Langzeitanwendung wird wegen schädlicher Stoffwechselprodukte von Lidocain nur bei dringender Notwendigkeit empfohlen und sollte eingehend mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Gel

Lidocain in Form von Gel eignet sich besonders zur lokalen Behandlung von schmerzhaften Wunden oder Entzündungen der Mundschleimhaut oder des Zahnfleisches. Durch das im Gel enthaltene Lidocain werden die betroffenen Stellen der Schleimhaut vorübergehend betäubt und es ist so beispielsweise möglich, schmerzfrei zu essen oder zu trinken.

Bei zahnenden Säuglingen sind die Gels in extra kindgerechter Dosierung erhältlich um das Zahnen erträglicher zu machen. Manche auf dem Markt erhältliche Gele enthalten zusätzlich entzündungshemmende und beruhigende natürliche Inhaltsstoffe wie Salbei oder Kamille. Da durch die kontinuierliche Speichelproduktion die Wirkdauer sehr kurz ist, ist hier eine häufigere Anwendung nötig, jedoch sollten stets die empfohlene Höchstdosis beachtet werden, um Nebenwirkungen zu vermeiden.

Creme / Salbe

Als Creme oder Salbe kann Lidocain zur vorübergehenden Betäubung verschiedenster Körperstellen eingesetzt werden. Als Creme wird einfach gesagt eine Salbe bezeichnet, die durch einen höheren Wassergehalt etwas dünnflüssiger ist. Das eingecremte Areal wird vorübergehend taub sein und weder Schmerz noch andere Empfindungen können wahrgenommen werden. So sind nach dem Eincremen gar kleinere oberflächliche Eingriffe an der Haut möglich (z.B. Probeentnahmen bei Muttermalen).

Bei Kindern oder anderen angstbehafteten Patienten kann das eincremen mit Lidocain vor notwendigen Nadelstichen dazu führen, dass diese schmerzfrei durchführbar sind. Hierfür ist jedoch eine dicke Schicht Creme notwendig die mit einem deckenden Verband befestigt wird. Die Dauer der Betäubung liegt dann bei etwa 1-2 Stunden. Ein weiterer Einsatzbereich der Creme ist die Behandlung von schmerzhaften Hautveränderungen im Analbereich wie beispielsweise Hämorrhoiden oder auch Analfissuren (=schmerzhafte Einrisse der Schleimhaut im Analbereich).

Mehr Informationen zur Anwendung von Lidocain als Salbe hier nachlesen. 

Spritze

Lidocain als Betäubungsmittel in einer Spritze wird vor allem von Zahnärzten zur Betäubung der Nerven im Mundbereich von Eingriffen benutzt. Nach Injektion beginnt die Wirkung nach 10-15 Minuten einzusetzen und für 1-1,5 Stunden anzuhalten. Nach Ablauf dieser Zeit kommt das Gefühl jedoch nicht schlagartig, sondern sehr langsam zurück.

Ähnlich wie bei den Pflastern beschrieben gilt es bei Patienten mit Herzerkrankungen Lidocain hier nur vorsichtig einzusetzen, da durch die versehentliche Injektion in ein Gefäß eine große Menge Lidocain in den Körper gelangen kann und Nebenwirkungen auslösen kann. Was bei Pflastern und lokaler Betäubung unbeabsichtigte Nebenwirkung ist, ist bei gewissen Arten von Herzrhythmusstörungen gar gewünscht und so wird Lidocain bei diesen sogar als Medikament der Wahl direkt in ein Gefäß gespritzt.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Lokalanästhesie beim Zahnarzt

Pulver

Lidocain als Pulver findet eher in der Drogenszene Anwendung statt in der Medizin, wobei es ein fertiges Pulver von einem Anbieter auf dem deutschen Arzneimittelmarkt gibt. In der Drogenszene wird Lidocain in Pulverform oft dazu benutzt Kokain oder Heroin zu strecken, da das Pulver äußerlich gleich erscheint und auch vom Geschmack her dem Koks ähnelt. Was jedoch fehlt ist die berauschende Komponente, der Kick.

Gerade in den letzten Jahren wurden zunehmend hohe Dosen von Lidocain in dem Drogenpulver entdeckt, da es preislich günstiger ist als das teurere Kokain oder Heroin. Die hohen Dosen haben jedoch die bereits beschriebenen Nebenwirkungen, sodass die Beimischung bereits nicht selten zu Todesfällen aufgrund von Lidocain-Überdosierungen geführt hat.

Zäpfchen

Lidocain kann auch in Zäpfchenform verabreicht werden. Hierbei wird die Wirkung des Lidocains als lokales Betäubungsmittel genutzt, um schmerzhafte oder juckende Stellen im Bereich des Afters zu beruhigen. Hierzu zählen Hämorrhoiden, Afterrisse, kleinere Verletzungen und Abszesse sowie eine Mastdarmentzündung. Auch vor und nach schmerzhaften Untersuchungen im Afterbereich kann Lidocain als Zäpfchen angewendet werden. Falls nicht anders verordnet ist die normale Dosis zweimal täglich ein Zäpfchen mit 60mg Lidocain. Es gibt verschiedene Hersteller und Präparate, weshalb die Zulassungen für verschiedene Anwendungen sich teilweise unterscheiden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: 

Mundspülung

Eine weitere Möglichkeit Lidocain zu verabreichen ist eine Mundspüllösung. Auch hierbei wird die schmerzstillende und betäubende Wirkung des Lidocains genutzt. Angewendet wird die Mundspüllösung bei entzündlichen Erkrankungen der Mundschleimhaut wie einer Mukositis. Diese Entzündungen der Mundschleimhaut treten besonders bei Patienten auf, welche eine Chemotherapie oder Bestrahlung erhalten und können für den Patienten eine große Belastung darstellen. Hierbei hilft Lidocain die Schmerzen zu stillen und fördert die Heilung der Schleimhaut. Die Wirkung hält nur etwa eine halbe Stunde und wird daher häufig genutzt, damit der Patient schmerzfrei essen kann.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Entzündung im Mund, Entzündung im Mundwinkel

 

Lutschtabletten

Eine sehr häufige Anwendung findet Lidocain als Lutschtablette zur Betäubung und Schmerzstillung bei Halsschmerzen oder Zahnfleischentzündungen. Die Lutschtabletten sind frei verkäuflich und haben eine Höchstdosis von acht Tabletten pro Tag. Überdosierungen sind bei dieser Darreichungsform nicht bekannt. Die Tabletten enthalten häufig neben dem Lidocain auch antibakterielle und desinfizierende Stoffe. Bisher gibt es keine Studien, ob das Medikament während Schwangerschaft und Stillzeit verwendet werden darf.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Halsschmerzen - so werden Sie sie schnell wieder los!, Zahnfleischentzündung mit Eiter

Lidocain in Kondomen

In geringer Dosis kann Lidocain in Kondomen die Dauer bis zur Ejakulation verzögern und sind daher geeignet um Männer, welche unter vorzeitigem Samenerguss leiden, zu behandeln. Dies geschieht, durch eine Betäubung der Penisspitze und damit zu einer verminderten Gefühlswahrnehmung. Diese betäubenden Kondome sind freiverkäuflich im Drogeriemarkt erhältlich. Eine Betäubung der Partnerin ist nicht ausgeschlossen.

Lidocain als Gleitgel

Als Gleitgel findet Lidocain vor allem in der Urologie Anwendung. Es dient zum schmerzfreien und verletzungsfreien Einführen von Urinkathetern und Endoskopen in die Harnröhre. Die Wirkung setzt fünf bis zehn Minuten nach Verabreichung ein und hält 20 bis 30 Minuten. Meistens sind dem Lidocain antibakterielle Stoffe zugesetzt, um auch Infektionen bei der Katheteranlage zu vermeiden. Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die endotracheale Intubation zum Beispiel im Rahmen der Narkose bei Operationen. Auch hier dient Lidocain zum möglichst verletzungsfreien Vorgang der Intubation.

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Weitere Informationen

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