Wehen

Synonyme im Weiterem Sinne

Geburtseinleitung, Wehenschmerzen, vorzeitige Wehen

Englisch: blow

Definition

Wehen sind die Grundlage der Geburt. Durch die Kontraktion der Muskelschicht der Gebärmutter (= des Myometriums) werden austreibende Kräfte erzeugt, die Einflüsse auf den Muttermund und auf die Lage des Kindes im Beckenboden haben. Während der Schwangerschaft treten verschiedene Arten von Wehen auf, die bis zur Geburt an Stärke, Frequenz und Dauer zunehmen und mit denen sich die Gebärmutter (= Uterus) auf die Geburt vorbereitet.

Diagnostik

Die Angaben der Mutter über Rückenschmerzen, Regelschmerzen oder ein Druckgefühl stehen im Vordergrund.

Zum einen gibt es die Möglichkeit die Wehen durch das Kardiotokogramm (CTG) sichtbar zu machen und dabei auch gleich die Herzfrequenz des Ungeborenen zu beobachten.
Lesen sie mehr zum Thema Kardiotokogramm unter: Wehenschreiber

Zum anderen können durch Betasten des Bauches mit den Händen die Wehen kontrolliert werden.

Hier lesen Sie, welche CTG-Werte normal sind!

Die Wirksamkeit der Wehen kann nur durch Tastbefund de Muttermundes oder durch Gebärmutterhalslängenmessung im Ultraschall bestätigt werden.


Pathologien/ Entstehung

Störungen der Wehentätigkeit mit abnormem Geburtsverlauf (Wehendystokie)

Normo-/hypotone Wehenschwäche ist definiert also zu kurze (weniger als 20 Sekunden), zu seltene (weniger als 3 Wehen pro 10 Minuten) und/oder zu schwache (kleiner als 30mmHg) Wehen.
Der Basaltonus kann normal oder herabgesetzt sein. Besteht die Schwäche der Wehen von Beginn der Eröffnungsperiode an, spricht man von primärer Wehenschwäche. Ursachen hierfür sind Medikamente, insbesondere Beruhigungsmittel (=Sedativa) oder Allgemeinanästhetika (=Narkotika) oder eine sogenannte dystope Erregungsbildung. Dies heißt, dass die Muskelkontraktionen des Uterus nicht von einem Zentrum ausgehen und dadurch koordiniert und stark sind, sondern unkoordiniert von mehreren Zentren und dadurch nicht so stark.

Diese Wehen können sich aber im Verlauf der Geburt noch zu koordinierten Wehen entwickeln. Entsteht die Wehenschwäche erst während der Eröffnungs- oder Austreibungsperiode, so nennt man dies sekundäre oder Ermüdungswehenschwäche. Hauptursachen hierfür sind die Überdehnung der Gebärmutter, z.B. bei Zwillingen, großen Kindern oder zu viel Fruchtwasser (=Polyhydramnion) oder ein verlängerter (= protrahierter) Geburtsverlauf. Risikofaktoren für den verlängerten Geburtsverlauf sind ein zu kleines Becken oder Fehlbildungen des Beckens der Mutter oder Lage-, Einstellungs- (= Eindrehung des Körpers in den Geburtskanal) und Haltungsanomalien des Kindes. Eine einfache Ursache der Wehenhemmung ist aber auch eine volle Harnblase oder kalte Füße.

Hypertone Wehenschwäche: Die Wehen treten regelmäßig oder etwas häufiger auf, mit normaler Stärke und Dauer. Allerdings ist der Druck in der Gebärmutter (=Basaltonus) auf über 15mmHg erhöht, sodass die Effektivität der Wehen abnimmt. Ursache hierfür sind meist unkoordinierte Gebärmutterkontraktionen. Durch die Drucksteigerung ist die Durchblutung der Gebärmutter herabgesetzt und es besteht die Gefahr der Sauerstoffunterversorgung (=Hypoxie) des Feten.

Wehensturm: Darunter versteht man zu kräftige (stärker als 50 mmHg) oder zu häufige (mehr als 5 Wehen pro 10 Minuten) Wehen. Der basale Druck der Gebärmutter ist normal. Die Entstehung des Wehensturmes ist meist durch geburtsmechanische Probleme, wie ein Missverhältnis zwischen Kindsgröße und Beckenweite oder Haltungs-/Lageanomalien bedingt. Auch eine zu hohe Konzentration an Oxytocin (Wirkung siehe oben) kann Ursache sein. Dies kann einmal durch eine Überdosierung, aber auch durch eine körpereigene vermehrte Ausschüttung, z.B. durch künstliche Fruchtblasensprengung (=Amniotomie) oder durch Überdehnung des Uterus ausgelöst werden. Während des Wehensturms kommt es zu einem erhöhten Druck in der Gebärmutter, welches zum Sauerstoffmangel des Kindes führen kann. Ebenso besteht die Gefahr des Reißens der Gebärmutter (=Uterusruptur).

Andere Pathologien:

Vorzeitige Wehen: Als vorzeitige Wehen bezeichnet man Bestrebungen zur Geburt vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche, d.h. bis einschließlich 36 + 6 durch einsetzende Wehentätigkeit. Dies ist die Grenze zur Frühgeburt. Die Ursachen für das Eintreten vorzeitiger Wehen sind vielseitig. Am Häufigsten sind Infektionen beteiligt. Dies können sowohl generalisierte Infekte (wie z.B. Harnwegsinfekte) oder Fieber, aber auch lokale Infektionen, wie Entzündungen in der Scheide (=Kolpitis), im Gebärmutterhals (=Zervizitis) oder in der Gebärmutter direkt (=intrauterin) sein.

Auch psychische oder auch körperliche Überlastung wird als Grund genannt. Ein hohes Risiko birgt weiterhin eine Mehrlingsschwangerschaft oder Probleme mit dem Mutterkuchen (=Plazenta), das kann sowohl eine Plazentainsuffizienz als auch eine Plazentalösung sein. Auch eine zu große Menge an Fruchtwasser (=Polyhydramnion) kann als Ursache in Betracht gezogen werden.

Postoperative Wehen: Wird während der Schwangerschaft eine Operation notwendig, z.B. bei einer Blinddarmentzündung (=Appendizitis), kann es danach durch den Stress zur Auslösung von Wehen kommen.
Abhängig von der Schwangerschaftswoche kann daher eine vorbeugende (=prophylaktische) Wehenhemmung notwendig bzw. sinnvoll sein.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 10.01.2018
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