Gichtanfall

Bei der Gicht kommt es zur Ablagerung von Harnsäurekristallen in den Gelenken.

Einleitung

Die Gicht ist eine Erkrankung die auf eine Fehlfunktion des Purinstoffwechsels zurückzuführen ist und in Schüben verläuft.

Patienten, die an Gicht leiden sollten zeitnah einen Arzt aufsuchen und eine geeignete Behandlung einleiten, da diese Erkrankung bei unzureichender Therapie zu Ablagerung von Harnsäurekristallen (sogenanntes Urat) in verschiedenen Gelenken und Geweben führen kann. Eben diese Urat- Einlagerung induziert mit der Zeit eine gelenknahe Resorption von Knochensubstanz und diverse Knorpelveränderungen.
Auf lange Sicht kann auch die Funktion der Niere als Ausscheidungsorgan erheblich beeinträchtigt werden. Die Folge ist oftmals die Entstehung einer Niereninsuffizienz, die im weiteren Verlauf zu einer chronischen Niereninsuffizienz führen kann. Während die Schädigung der Nieren über einen langen Zeitraum schmerzlos voranschreitet, leiden die betroffenen Patienten bereits frühzeitig unter starken Schmerzen an den Gelenken. Im Allgemeinen unterscheidet man die akute Gicht von der chronischen Form, die entsteht nachdem mehrere Anfälle stattgefunden haben.

Gichtanfall- Allgemeines

Bei einem Gichtanfall (akute Gicht) kommt es in der Regel zum akuten Auftreten starker Schmerzen in den betroffenen Gelenken. Auf Berührungsreize reagieren diese Gelenke mit einer Intensivierung der Schmerzen. Optisch sind die durch den Giftanfall beeinträchtigten Bereiche durch das Auftreten von starken Rötungen und Schwellungen zu erkennen. Darüber hinaus lässt sich an den betroffenen Gelenken eine deutliche Überwärmung feststellen. Neben diesen lokal begrenzten Symptomen lassen sich während eines akuten Gichtanfalls auch allgemeine Krankheitssymptome, die auf die innerhalb der betroffenen Gelenke ablaufenden entzündlichen Prozesse zurückzuführen sind.
Zu den typischen Auffälligkeiten des akuten Gichtanfalls zählen Entzündungssymptome wie

Zudem weisen die meisten betroffenen Patienten einen übermäßig erhöhten Harnsäurewert im Blut auf. Da die Erhöhung der Harnsäure- Konzentration im Blut jedoch nicht zwangsweise bei jedem akuten Gichtanfall auftritt, ist ein normaler Wert kein Ausschlusskriterium für das Vorliegen dieser Erkrankung. Bei geeigneter Behandlung lässt sich ein Gichtanfall schnell in den Griff bekommen, bei unterlassen einer Therapie kann dieser jedoch auch über mehrere Tage anhalten und den betroffenen Patienten stark einschränken. Während des Gichtanfalls können zahlreiche Attacken auftreten, die sich sowohl in ihrer Dauer, als auch in ihrer Intensität steigern können.


Symptome

Die Symptome eines akuten Gichtanfalls können von Patient zu Patient sowohl in ihrer Intensität, als auch in ihrer Dauer differieren.
Schmerzen an den betroffenen Gelenken und im Bereich des umliegenden Gewebes gehören jedoch zu den typischen Symptomen des akuten Gichtanfalls. Darüber hinaus lassen sich in den Gelenken alle klassischen Entzündungszeichen nachweisen. Ein von einem Gichtanfall betroffenes Gelenk nimmt an Umfang zu Schwellung (Tumor), weist eine charakteristische Rötung auf (Rubor) und ist im Vergleich zum benachbarten, unbeeinträchtigten Gewebe überwärmt (Calor). Des Weiteren sind die betroffenen Gelenke in ihrer natürlichen Funktion stark eingeschränkt (Functio laese) und senden starke Schmerzreize aus, deren Intensität sich bei Berührung steigert (Dolor). Zudem resultiert in der durch den Gichtanfall getriggerten Aktivierung des Immunsystems ein Anstieg der Leukozytenanzahl (weiße Blutkörperchen) im Serum.

Befall der Gelenke

Im Prinzip kann sich der akute Gichtanfall in nahezu jedem Gelenk des Körpers manifestieren. Darüber hinaus ist zu beachten, dass während eines Gichtanfalls nicht alle Gelenke betroffen sind.

Die typische Symptomatik beschränkt sich in aller Regel auf einige wenige Gelenke. Dennoch lässt sich beobachten, dass verschiedene Gelenkregionen häufiger betroffen sind, wohingegen Gichterscheinungen an anderen Gelenken so gut wie nie auftreten.
Am häufigsten von Gichtanfällen betroffen sind die Sprunggelenke und die Gelenke der Zehen. Für das Auftreten eines Gichtanfalls am Großzehengelenk existiert eine gesonderte Bezeichnung, die sogenannte Podagra oder Fußgicht.

Des Weiteren weisen viele Betroffene eine Gicht- Symptomatik an den Kniegelenken auf. Im Bereich der oberen Extremitäten sind am häufigsten die Fingergelenke und Handgelenke (Chiragra) betroffen.

Gichtanfall Diagnose

Der diagnostische Nachweis eines Gichtanfalls gliedert sich in verschiedene Abschnitte. In der Regel liefert bereits das umfangreiche Arzt- Patientengespräch, in dem der Patient die vorliegenden Probleme erläutert, einen ersten Hinweis auf das Vorliegen einer Gicht.

Im Anschluss folgt in aller Regel eine körperliche Untersuchung, während der der behandelnde Arzt die betroffenen Gelenke begutachtet und auf Schwellungen, Rötungen und eine möglicherweise vorliegende Überwärmung achtet.

Des Weiteren spielt die Blutuntersuchung eine entscheidende Rolle bei der Gichtanfall- Diagnose. Einer der bezeichnensten Indikatoren für das Vorliegen eines Gichtanfalls ist der sogenannte Harnsäurewert. Bei diesem Laborwert ist jedoch Vorsicht geboten. Bei einer Erhöhung der Harnsäurekonzentration im Zusammenspiel mit der typischen Symptomatik kann zwar recht sicher von einem Gichtanfall ausgegangen werden, ein Harnsäurewert im Normalbereich schießt das Vorliegen dieser Erkrankung jedoch nicht aus. Diese Tatsache ist darin zu begründen, dass die im Blut nachweisbare Konzentration an Harnsäure von dem abhängt, was der Patient gegessen und getrunken hat. Aus diesem Grund muss eine Normalwertige Harnsäurekonzentration nicht zwingend ein Ausschluss eines Gichtanfalls sein. Neben dem Harnsäurespiegel werden zudem die Anzahl der weißen Blutkörperchen und die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) im Blut bestimmt. Bei einem Gichtanfall sind beide Werte klassischerweise erhöht.

Die Anfertigung einer Röntgenaufnahme zum Zwecke der Diagnose eines akuten Gichtanfalls ist fragwürdig. Sichtbare Veränderungen der Knochen sind im Röntgenbild meist nur bei chronisch verlaufenden Gicht- Formen zu beobachten. Alternativ kann eine sogenannte Urografie durchgeführt werden, die im Gegensatz zum Röntgenbild auch den Nachweis einzelner Uratsteine ermöglicht. Bei Unklarheiten kann gegebenenfalls auch eine Gelenkpunktion mit anschließendem Nachweis von Uratkristallen in der Synovialflüssigkeit (Gelenkflüssigkeit) die Diagnose sichern.

Therapie

Das Hauptziel der Therapie eines Gichtanfalls ist sowohl die schnelle Linderung der Schmerzsymptomatik, als auch die Hemmung der Ausbreitung entzündlicher Prozesse im Bereich der betroffenen Gelenke. Die Behandlung eines akuten Gichtanfalls erfolgt im Allgemeinen durch die Gabe verschiedener Arzneimittel. Vor allem Medikamente, die zur Klasse der Nichtsteroidalen Antirheumatika (kurz: NSAR) gezählt werden eignen sich zur Schmerzlinderung und zur Entzündungshemmung. Nichtsteroidale Antirheumatika hemmen ein wichtiges Enzym (sogenannte Cyclooxygenase), das für die Synthese verschiedener Schmerz- und Entzündungsmediatoren benötigt wird.

Die zur Behandlung des akuten Gichtanfalls am häufigsten zum Einsatz kommenden Arzneimittel sind:

Indometacin verspricht zwar eine gute Wirksamkeit bei Patienten, die an einem Gichtanfall leiden, doch auf Grund der häufig auftretenden Nebenwirkungen sind die eben genannten Präparate zu bevorzugen. Weiterhin kann auch Arcoxia® 90mg aus der Gruppe der Coxibe bei einem akuten Guchtanfall gegeben werden.

Von der Einnahme von Aspirin (Acetylsalicylsäure) während eines Gichtanfalls ist abzuraten, da dieses Medikament einen hemmenden Einfluss auf die Harnsäureausscheidung ausübt.

Viele betroffene Patienten sprechen außerdem auf die Therapie mit Hilfe von Colchicin sehr gut an. Colchicin hemmt über verschiedene Mechanismen die Aufnahme von Uratkristallen in die körpereigenen Fresszellen (Makrophagen). Auf diese Weise reduziert es zudem die durch die Makrophagen induzierte Ausschüttung von Entzündungsmediatoren (Cytokinen) und wirkt sich somit entzündungshemmend aus. Bei Colchicin handelt es sich um das Gift der Herbstzeitlosen, das in der Medizin schon seit vielen Jahrzehnten zum Einsatz kommt. Bei der Gabe von Colchicin ist jedoch zu beachten, dass es sich um ein Gift mit hoher Toxizität handelt und aus diesem Grund stets eine niedrige Dosierung eingehalten werden muss. Bei Patienten, die an einer Niereninsuffizienz leiden darf das Gift der Herbstzeitlosen nicht angewendet werden.

Neben der medikamentösen Behandlung des Gichtanfalls kann auch eine gezielte Ernährungsumstellung sinnvoll sein. Diese Maßnahme mindert vor allem die Wahrscheinlichkeit weiterer Krankheitsereignisse. Patienten, die an einem Gichtanfall leiden sollten zukünftig zu einer Purin- armen Ernährung übergehen. Die Minderung des mit der Nahrung aufgenommenen Purins (eine organische Base) sorgt dafür, dass im Zuge des Stoffwechsels weniger Harnsäure gebildet werden kann. Darüber hinaus sollte eine generelle Diät zur Gewichtsreduktion und der Vermeidung von Übergewicht angestrebt werden. Der Verzicht auf einige bestimmte Nahrungsmittel kann effektiv dabei helfen einem weiteren Gichtanfall vorzubeugen.
Zu den problematischen Lebensmitteln gehören vor allem:

  • tierische Eiweiße
  • Leber
  • Hering
  • Sardellen und
  • rotes Fleisch

Der Verzehr pflanzlicher Eiweiße ist im Gegensatz dazu vollkommen unproblematisch. Auch der Konsum von alkoholischen Getränken sollte stark dezimiert werden um einem weiteren Gichtanfall vorzubeugen. Umfangreichen Studien zufolge lassen sich bei jenen Patienten, bei denen sowohl eine medikamentöse Therapie, als auch eine umfangreiche und effiziente Umstellung der Ernährung stattfindet, die langfristig besten Behandlungsergebnisse erzielen.

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Weitere Informationen zur Gicht

Weitere Informationen zu den Symptomen bei Gicht und Ernährung bei Gicht sowie der Therapie finden Sie unter unseren Themen:Symptome der Gicht

Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 18.11.2016
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