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Chronische Niereninsuffizienz

Einleitung

Bei einer chronischen Niereninsuffizienz handelt es sich um eine schwere Erkrankung, welche das Organsystem der Nieren betrifft. Die Nieren erfüllen eine Reihe wichtiger und essentieller Aufgaben im menschlichen Körper ohne welche der Mensch nicht überleben könnte. Bei einer chronischen Niereninsuffizienz ist dieses wichtige Organsystem geschädigt. Definiert ist die Niereninsuffizienz ab einer Nierenfunktionsleistung von 15% oder weniger im Vergleich zur Norm.

Die Nieren greifen in viele unterschiedliche Systeme des Körpers ein. Neben der Regulation des Säure-Basen Haushalts sowie der Steuerung der Elektrolytkonzentration übernehmen die Nieren eine Filterfunktion im Körper. Das Blut wird gefiltert und bestimmte Substanzen werden über den Urin ausgeschieden. Diese Substanzen, wichtig sind vor allem Harnstoff, Kreatinin und Harnsäure, steigen durch die geringe Nierenleistung in ihrer Konzentration bei einer chronischen Niereninsuffizienz im Körper an und können nur durch eine Transplantation einer gesunden Niere oder eines künstlichen Nierenersatzes (Dialyse) aus dem Körper entfernt werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter Niereninsuffizienz und Aufgaben der Niere

Ursachen

Die Ursachen für die Entstehung einer chronischen Niereninsuffizienz sind vielfältig. Um die Prophylaxe vor der Entstehung der Erkrankung besser gestalten zu können wurde die Forschung zu den Ursachen hinter der Entstehung der chronischen Niereninsuffizienz in den letzten Jahren stark vorangetrieben. Mithilfe intensiver Forschungsarbeiten konnte festgestellt werden, dass bestimmte Erkrankung besonders häufig in Verbindung mit der Entstehung einer chronischen Niereninsuffizienz einhergehen.

So wird geschätzt, dass bei etwa 30% der Personen, welche an einer chronischen Niereninsuffizienz ein zuvor vorhandener Diabetes mellitus als Ursache vorlag. Auch der Bluthochdruck gilt als Risikofaktor für die Entstehung der chronischen Niereninsuffizienz. Ebenfalls können entzündliche Erkrankungen der Nieren sowie Autoimmunerkrankungen als Ursache für die Entstehung einer chronischen Niereninsuffizienz verantwortlich sein.

Bei etwa 10% der Personen, welche aufgrund einer Niereninsuffizienz chronisch krank sind, kann keine Ursache für die Entstehung der Erkrankung gefunden werden.

Symptome

Die Niere erfüllt im Körper eine Reihe wichtiger Aufgaben, welche in die unterschiedlichsten Systeme eingreifen. So ist es klar, dass bei einer Funktionsstörung der Nieren vielfältige Symptome auftreten können, die durch die Leistungsminderung des Organsystems entstehen. Mit dem Fortschreiten der Erkrankung nehmen die Symptome typischerweise sowohl in ihrer Intensität als auch in ihrer Anzahl zu. So sind zunächst unspezifische Symptome wie Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen typisch.

Auffällig wird die Erkrankung meist durch Wassereinlagerungen in den Beinen oder im Gesicht. Störungen des Wasser- und Elektrolythaushaltes spiegeln den Einfluss der Niere auf diese Systeme im Körper wieder. Auch der Säure-Base-Haushalt wird von der Niere beeinflusst, weshalb es bei einer chronischen Niereninsuffizienz, wenn diese nicht behandelt wird zu Störungen dieses Systems in der Form von metabolischen Azidosen kommen kann. Besonders häufig ist außerdem ein vermehrter Juckreiz auf der Haut. Die Haut kann außerdem leicht gelblich erscheinen und es kann sich ein Uringeruch bemerkbar machen.

Bei länger anhaltender Funktionseinschränkung der Nieren kommt es zu Veränderungen des Knochengerüstes und damit zu einer verstärkten Frakturneigung. Ein auffallender Mundgeruch sowie gelegentliches Erbrechen oder Übelkeit sind ebenfalls Symptome einer Niereninsuffizienz.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter Niereninsuffizienz Symptome

Stadien der chronischen Niereninsuffizienz

Es gibt verschiedene Stadien der Niereninsuffizienz wird unterschiedlich klassifiziert. Es existieren unterschiedliche Möglichkeiten der Klassifikation, durch welche sich die chronische Niereninsuffizienz einteilen lassen. So kann die chronische Niereninsuffizienz zum einen nach der sogenannten glomerulären Filtrationsrate (GFR) als auch nach den sogenannten Retentionswerten eingeteilt werden.

Die glomeruläre Filtrationsrate ist der für die Nierenfunktion meist herangezogene Wert. Mit diesem Wert kann die individuelle Funktion der Niere besonders gut eingeschätzt werden. Ein Arzt kann die GFR heranziehen und mit Normwerten vergleichen um festzustellen, ob eine chronische Niereninsuffizienz vorliegt.
Bei der glomerulären Filtrationsrate handelt es sich um eine Größe, welche die Leistung der Niere beschreiben kann. Je nachdem, wie viel Volumen von den Nieren innerhalb einer definierten Zeit filtriert werden kann, ergibt sich die individuelle glomeruläre Filtrationsrate. Bei einer chronischen Niereninsuffizienz ist diese als GFR bezeichnete Größe sehr niedrig. Liegt eine GFR von unter 15 vor, wird offiziell von einem chronischen Nierenversagen gesprochen, während Werte über 90 für eine normale Nierenfunktion sprechen. Es ist jedoch normal, dass die GFR im Laufe des Lebens absinkt, weshalb nicht zwangsläufig eine Erkrankung hinter niedrigen GFR-Werten stecken muss.

Ebenfalls zur Einteilung herangezogen werden die sogenannten Retentionswerte. Diese lassen es zu, dass die chronische Niereninsuffizienz selbst in vier verschiedene Stadien eingeteilt werden kann. Je nachdem, wie hoch die Substanzen im Körper sind, welche normalerweise über die Niere herausgefiltert werden, wird die chronische Niereninsuffizienz eingeteilt.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter Stadien der Chronischen Niereninsuffizienz

Stadium 1

Im Stadium 1 der chronischen Niereninsuffizienz spricht man von einer kompensierten Insuffizienz der Nieren vor. Es kann zwar festgestellt werden, dass eine Einschränkung der Funktionsleistung der Niere vorliegt, die Retentionswerte sind jedoch im Normbereich und es sind keine Symptome vorhanden.

Der Körper kann im Stadium 1 einer chronischen Niereninsuffizienz somit die fehlende Nierenfunktion noch kompensieren und Symptome, welche mit erhöhten Retentionswerten einhergehen würden, bleiben damit aus. Besonders wichtig in der Beurteilung ob ein Stadium 1 oder schon ein Stadium 2 vorliegt ist somit die Feststellung der Retentionswerte im Blut.
Übersteigt das sogenannte Kreatinin den Normwert im Blut muss von mindestens Stadium 2 ausgegangen werden, während bei normalen Kreatininwerten ein Stadium 1 der chronischen Niereninsuffizienz wahrscheinlich ist.

Typische Symptome der Niereninsuffizienz wie etwa Wassereinlagerungen/Ödemen an den Beinen oder im Gesicht, ein Lungenödem oder Herzrhythmusstörungen liegen in diesem Stadium nicht vor.

Stadium 2

Das Stadium 2 wird darüber definiert, dass die Werte im Blut zwar erhöht sind, die Symptome der chronischen Niereninsuffizienz jedoch ausbleiben.

Die Substanzen, welche die Niere normalerweise aus dem Blut herausfiltert und mit dem Urin ausgeschieden werden sammeln sich bei einer chronischen Niereninsuffizienz im Blut an. Besonders wird das sogenannte Kreatinin untersucht, welches als Referenz für die herauszufilternden Stoffe herangezogen werden kann.

Bei einem Stadium 2 der chronischen Niereninsuffizienz ist das im Blut vorhandene Kreatinin gegenüber der Norm erhöht. Die Konzentration übersteigt jedoch nicht Werte, welche mit typischen Symptomen einer chronischen Niereninsuffizienz einhergehen. So leiden Personen, welche eine chronische Niereninsuffizienz im Stadium 2 aufweisen nicht an klassischen Symptomen der Erkrankung wie etwas Wassereinlagerungen oder Störungen des Elektrolythaushaltes.

Stadium 3

Anders verhält es sich mit Stadium 3, welches mit erhöhten Retentionswerte im Blut und auffallenden Symptomen einhergeht. So kann bei einer Untersuchung des Blutes von einer Person, welche an einer chronischen Niereninsuffizienz im Stadium 3 leidet eine deutliche Erhöhung der Retentionswerte festgestellt werden.

Neben einer Veränderung der Werte im Blut durch die mangelnde Filterfunktion der Nieren fallen im Stadium 3 erstmals Symptome der chronischen Niereninsuffizienz auf. Besonders häufig fallen zunächst unspezifische Symptome wie Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen auf, welche in vielen Fällen jedoch nicht mit der Niereninsuffizienz in Verbindung gebracht werden.

Wenn Wassereinlagerungen an den Beinen oder im Gesicht sowie Hauterscheinungen und Störungen des Wasser- und Elektrolythaushaltes auftreten, ist die Diagnose einer chronischen Niereninsuffizienz im Stadium 3 schnell gestellt. Im Gegensatz zum Stadium 4 der Erkrankung ist noch nicht von einer terminalen Nierenfunktionsstörung die Rede. So sind im Stadium 3 der Erkrankung Verfahren wie die Dialyse sowie eine Nierentransplantation noch nicht nötig.

Stadium 4

Im Stadium 4 sind die Symptome der Erkrankung so weit fortgeschritten, dass von einer terminalen Niereninsuffizienz die Rede ist. Eine Behandlung durch eine Dialysetherapie ist notwendig und eine Transplantation der Niere muss gegebenenfalls in Erwägung gezogen werden.

Die Substanzen im Blut, welche normalerweise von den Nieren über den Urin ausgeschieden werden sind in diesem Stadium massiv erhöht und die Funktionsleistung ruft in der Regel starke und beeinträchtigende Symptome hervor. Besonders Wassereinlagerungen in die Lunge (Lungenödem) und eine Blutarmut, sowie starke Störungen des Wasser- und Elektrolythaushaltes sind klassische Symptome einer chronischen Niereninsuffizienz im Stadium 4.

Regelmäßige Dialysebehandlungen sind lebenserhaltende Maßnahmen welche im Stadium 4 nötig werden. Eine Nierentransplantation stellt in vielen Fällen die einzige Möglichkeit dar, von den lästigen Symptomen und der Dialysetherapie weg zu kommen, wobei nicht jedem Patienten, welcher an einer chronischen Niereninsuffizienz im Stadium 4 leidet eine neue Niere zugeteilt wird. Da deutlich mehr Nieren benötigt werden als diese verfügbar sind, werden Spendernieren zentral vergeben.

Lebenserwartung

Die chronische Niereninsuffizienz kann in unterschiedliche Stadien eingeteilt werden. Teilweise ist es möglich, durch eine gezielte Behandlung sowie einer Ernährungsumstellung das Fortschreiten der Insuffizienz aufzuhalten. Unbehandelt hat die Erkrankung jedoch fast immer einen fortschreitenden Verlauf welcher im Stadium 4, der terminalen Niereninsuffizienz endet.

Bei einer terminalen Niereninsuffizienz ist die Dialysetherapie als lebenserhaltende Maßnahme notwendig. Ohne diese Therapie würde der Organismus die schwache Funktion der Nieren nicht mehr kompensieren können und die betroffene Person würde sterben. Eine Transplantation einer Niere kann die Lebenserwartung der betroffenen Person in der Regel deutlich verbessern.

Dennoch bleibt die Lebenserwartung bei einer Dialysetherapie, wie auch nach der Transplantation einer neuen Niere herabgesetzt. Dies wird von einer Reihe unterschiedlicher Faktoren begründet. Zum einen ist die Gefahr einer schweren Infektion bei der dauerhaften Durchführung der Dialysetherapie stark erhöht. Ebenfalls kann es bei der Transplantation des neuen Organs zu Komplikationen kommen. Schlussendlich leiden Personen, welche an einer chronischen Niereninsuffizienz im Stadium 4 leiden ebenfalls häufig an Krankheiten, welche ihrerseits mit einer verringerten Lebenserwartung einhergehen. Besonders das Vorliegen von Erkrankungen wie der koronaren Herzkrankheit (KHK), einer Herzinsuffizienz oder einer Erweiterung der linken Herzkammer (linksventrikuläre Hypertrophie) sind Gründe dafür, dass betroffene Personen eine verkürzte Lebenserwartung aufweisen.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter Nierenversagen Lebenserwartung

Ernährung

Die Ernährung spielt sowohl in der Vorbeugung einer chronischen Niereninsuffizienz als auch in der Behandlung der Erkrankung eine entscheidende Rolle.

Bei der Prävention der chronischen Niereninsuffizienz kann die Entstehung eines Diabetes mellitus sowie die Entwicklung eines Bluthochdrucks durch die richtige Ernährung verhindert werden. Ebenfalls eine große Rolle spielt die körperlichen Aktivität.

Auch bei der Behandlung einer chronischen Niereninsuffizienz nimmt die richtige Ernährung einen wichtigen Bestandteil der Therapie ein. So sollte darauf geachtet werden, eine salzarme Diät einzuhalten um der Funktion der Nieren nicht noch weiter zu schaden. Ebenfalls sollte auf eine protein- kalium- oder kalziumreiche Kost verzichtet werden. Der behandelnde Nephrologe, ein Spezialist für Nierenerkrankungen, sowie ein Ernährungsberater können Tipps geben, wie der Diätplan bei vorhandener Niereninsuffizienz gestaltet werden sollte um den besten Behandlungserfolg sicherstellen zu können.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter Ernährung bei Nierenerkrankungen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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