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Stadien der Niereninsuffizienz

Einleitung

Die Stadieneinteilung erfolgt nach mehreren verschiedenen Kriterien. Je höher das Stadium, desto schlechter ist die Nierenfunktion und desto höher ist das Risiko an der Erkrankung zu versterben. Des Weiteren orientiert sich die Therapie an der Stadieneinteilung. In der Regel orientiert man sich hier an der Einteilung nach der glomerulären Filtrationsrate. Zusätzlich wird auch die Albuminurie als einteilungsunabhängiger Faktor betrachtet. Die Albuminurie beschreibt wie viel Protein durch die Niere ins Urin gelangt. Bei einem Gesunden sollte sich kein Protein im Urin befinden. Die Einteilung anhand der Retentionswerte ist in der Klinik häufig nicht so relevant.

Einteilung der Niereninsuffizienz

Die Niereninsuffizienz kann wie folgt eingeteilt werden:

  • Einteilung nach Verlauf

  • Einteilung nach glomerulärer Filtrationsrate

  • Einteilung nach Retentionswerten

In der Regel orientiert man sich an der Einteilung nach der glomerulären Filtrationsrate. Insgesamt wird die Nierenfunktion anhand von Stadien (Stadium 1-5) beschrieben (siehe unten).

Einteilung der Niereninsuffizienz nach Verlauf

Da es sich bei der chronischen Niereninsuffizienz um eine fortschreitende Erkrankung handelt, spiegeln die Stadieneinteilung den Verlauf einer Niereninsuffizienz wider. Umso weiter die Erkrankung fortschreitet, desto schlechter wird die Nierenfunktion, welche sich neben zunehmenden Beschwerden auch in bestimmten schlechteren Blut- und Urinwerten äußert. Mit weiteren Fortschreiten und zunehmenden Stadium steigt das Risiko, an der Niereninsuffizienz zu versterben.

Die Niereninsuffizienz verursacht viele typische Symptome. Falls Sie mehr darüber wissen wollen, lesen Sie doch auch: Symptome einer Niereninsuffizienz

Einteilung der Niereninsuffizienz nach GFR

In der Niere gibt es kleine Strukturen, welche Glomerulus genannt werden. In diesen Glomerulus wird das Blut filtriert und der Primärharn gebildet, welcher in weiteren Strukturen in seiner Zusammensetzung noch leicht verändert wird, bevor er den Körper verlässt. Durch einen Untergang der Glomerulus wird die Nierenfunktion beeinträchtigt. Wenn zu viele Glomeruli abgestorben sind, ist die Niere nicht mehr in der Lage, ihre Funktion ausreichend zu erfüllen. Die glomeruläre Filtrationsmenge gibt an, wie viel Primärharn von allen Glomeruli in einer Minute produziert wird. Daher ist sie ein relativ guter Parameter zu Einteilung der chronischen Niereninsuffizienz. Die glomeruläre Filtrationsrate eines gesunden Menschen liegt zwischen 75 und 145 ml/min.

Die chronische Niereninsuffizienz lässt sich nach der National Kidney Foundation anhand des Nierenfunktionsparameters „glomeruläre Filtrationsrate“ (GFR, ml pro min pro 1,73 m3) in fünf Stadien einteilen. Dabei liegt im Stadium 5 ein Nierenversagen vor und eine Nierenersatztherapie ist notwendig, um den Betroffenen am Leben zu erhalten.

  • Nierenschädigung mit normaler Nierenfunktion: GFR ≥ 90
  • Nierenschädigung mit milder Niereninsuffizienz: GFR 60-89
  • Mittelschwere Niereninsuffizienz: GFR 30-59
  • schwere Niereninsuffizienz: GFR 15-29
  • Nierenversagen:GFR < 15

Einteilung der Niereninsuffizienz nach Retentionswerten

Unter Retentionswerte fallen verschiedene Blutwerte von Stoffen, welche harnpflichtig sind und über die Niere ausgeschieden werden müssen. Zu diesen Stoffen zählt z.B. Harnstoff, Kreatinin und Harnsäure. Ein Anstieg dieser Werte gibt einen Hinweis darauf, dass mit der Nierenfunktion nicht alles in Ordnung ist. Sind diese Werte über einen längeren Zeitraum stetig erhöht, können sie ein Hinweis auf eine chronische Niereninsuffizienz sein. Wenn die Stadieneinteilung anhand der Retentionswerte erfolgt, müssen noch weitere Kriterien, wie die Symptome, berücksichtigt werden. Die Niereninsuffizienz wird hier nur in 4 Stadien eingeteilt, wobei im Stadium 4 ein Nierenversagen vorliegt.

Stadien der Niereninsuffizienz

Stadium 1

Das Stadium 1 ist häufig ein sehr unauffälliges Stadium. Es macht kaum oder keine Beschwerden und wird in vielen Fällen nicht erkannt. Beim Stadium 1 der Einteilung nach der glomerulären Filtrationsrate ist die glomeruläre Filtrationsrate noch nicht beeinträchtigt, allerdings zeigt sich trotzdem eine leichte Funktionseinschränkung der Niere. Diese äußert sich in einem bestehenden Nierenschaden, welcher sich in nicht-normwertigen Blut- oder Urinwerten oder einer nicht normalen Bildgebung der Niere, z.B. im Ultraschall, zeigt. Ein möglicher Hinweis ist z.B. Protein im Urin. Wenn die Ursache der leicht eingeschränkten Nierenfunktion identifiziert werden kann, ist die Niereninsuffizienz noch gut behandelbar und einem Fortschreiten der Erkrankung kann wirksam entgegengewirkt werden. Verwirrenderweise beschreibt das Stadium 1, wenn anhand der Retentionsparameter eingeteilt wird, ein Stadium, in welchem sich noch keine Veränderung in den Retentionsparametern zeigt, jedoch die glomeruläre Filtrationsrate leicht verringert ist.

Stadium 2

Im Stadium 2 ist die glomeruläre Filtrationsrate leicht herabgesetzt. Sie liegt zwischen 60 und 89 ml/min. Dies allein muss noch keinen Krankheitswert haben, da mit zunehmenden Alter auch bei Gesunden die glomeruläre Filtrationsrate der Niere normalerweise abnimmt. Wie bei Stadium 1 müssen auch hier krankhafte Blut- oder Urinwerte oder eine nicht normale Bildgebung hinzukommen, damit eine chronische Niereninsuffizienz im Stadium 2 diagnostiziert werden kann. Es können leichte Beschwerden bestehen, wie eine vermehrte Urinausscheidung, erhöhter Blutdruck, Wassereinlagerungen in den Beinen oder Schmerzen im Nierenlager. Das Stadium 2 nach den Retentionsparametern macht sich durch einen Anstieg des Kreatininwertes in gemäßigten Ausmaß bemerkbar. Es bestehen allerdings noch keine oder nur kaum Beschwerden. Mediziner sprechen daher von einer Niereninsuffizienz mit kompensierter Retention.

Stadium 3

Im Stadium 3 hat sich die glomeruläre Filtrationsrate nochmals deutlich verschlechtert. Sie liegt zwischen 30 und 59 ml/min. Spätestens jetzt treten verschiedene Symptome durch die verminderte Nierenfunktion auf. Es können zu den bereits vorher beschriebenen Beschwerden noch ein Juckreiz, Müdigkeit und eine verminderte Leistungsfähigkeit auftreten. Außerdem steigt das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen. Im Stadium 3 der Einteilung nach den Retentionswerten spricht man von einer Niereninsuffizienz mit dekompensierten Retention. Was so viel bedeutet, dass Beschwerden auftreten und die Retentionsparameter, in erster Linie das Kreatinin, sehr deutlich angestiegen sind.

Für weitere Informationen zu den Symptomen einer Niereninsuffizienz empfehlen wir Ihnen unsere Seite zu: Symptome einer Niereninsuffizienz

Stadium 4

Im Stadium 4 ist die glomeruläre Filtrationsrate sehr stark eingeschränkt und es ist absehbar, dass sich die Nierenfunktion so weit verschlechtert, dass die Niere nicht mehr in der Lage ist, lebensnotwendige Funktionen zu erfüllen. Daher werden im Stadium 4 Vorbereitungen für ein Nierenersatzverfahren erledigt. Die Beschwerden der Betroffenen können weiterhin zugenommen haben. Es treten zusätzlich Erbrechen, Übelkeit, Muskelzuckungen, Gewichtsverlust und weitere Symptome auf. Bei der Einteilung nach den Retentionswerten beschreibt das Stadium 4 bereits ein Nierenversagen mit Dialysepflicht.

Weitere Informationen finden Sie unter:  Symptome einer Niereninsuffizienz oder Dialyse

Stadium 5

Wenn es bei einer glomerulären Filtrationsrate von unter 15 ml/min zu einem Nierenversagen kommt, spricht man vom Stadium 5. Dann ist ein Nierenersatzverfahren, wie die Dialyse oder eine Nierentransplantation, notwendig, sonst verstirbt der Patient. 

Weitere Informationen zum Ablaut Dialyse finden Sie unter: Dialyse 

Falls Sie sich zum Ablauf und der Lebenserwartung nach einer Nierentransplantation interessieren, lesen Sie doch auch: Nierentransplantation und Die Lebenserwartung bei einer Niereninsuffizienz

Ursachen Niereninsuffizienz

Akute Niereninsuffizienz: Es existieren drei Formen der akuten Niereninsuffizienz:

  • prärenales Nierenversagen: „vor der Niere“, ca. 60%
  • intrarenales Nierenversagen: „innerhalb der Niere“, ca. 35%
  • postrenales Nierenversagen:„nach der Niere“, ca. 5%

Beim prärenalen Nierenversagen liegt die Ursache für die Niereninsuffizienz an Veränderungen der Nierendurchblutung (Perfusion). Diese ist vermindert, weshalb kompensatorisch eine Hormon-Enzym-Kaskade, das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS), in Gang gesetzt wird. Als Folge dieser hormonellen Regulationskette wird weniger Harn ausgeschieden; die Nieren büßen an Funktion ein und es entsteht eine Niereninsuffizienz.

Ursachen für eine verringerte Durchblutung gibt es mehrere, beispielsweise ein insgesamt vermindertes Blutvolumen, eine Abnahme der Förderleistung des Herzens (Herzzeitvolumen) und des Blutdrucks, systemische Gefäßerweiterungen (Vasodilatation) mit „Versacken“ des Blutes in peripheren Gefäßen oder Gefäßverengungen in der Niere selbst.

Bei intrarenaler Niereninsuffizienz liegt die Ursache für den Funktionsverlust in Veränderungen der Nierenstruktur selbst. Verantwortlich sein können zum Beispiel Entzündungen der Gefäße oder des Nierengewebes, Blutgerinnsel (Thrombembolie), Medikamente, Toxine oder Röntgen - Kontrastmittel.

Die letzte Form, die postrenale Niereninsuffizienz, zeichnet sich durch Veränderungen an den den Nieren nachgeschalteten ableitenden Harnwegen aus, wodurch der Urin nicht mehr oder nur schlecht ausgeschieden werden kann. Gründe hierfür stellen beispielsweise angeborene oder erworbene Missbildungen, Tumoren oder Medikamente

Chronische Niereninsuffizienz: Eine chronische Niereninsuffizienz kann sich auf dem Boden verschiedener Nierenerkrankungen entwickeln. Dazu zählen beispielsweise diabetische Nephropathie (Nierenschädigung bei langjährigem Diabetes mellitus), Glomerulonephritis (Entzündung der Nierenstruktureinheiten „Glomeruli“), vaskuläre Nephropathien (Schädigung der Gefäße als Ursache) oder polyzystische Nierenerkrankungen (zystische Veränderungen der Nierenstruktur).

Kennzeichnend für eine chronische Niereninsuffizienz sind das Versagen der Ausscheidung mit nachfolgenden Organschäden durch die Anreicherung harnpflichtiger Substanzen im Körper, Störungen im Wasser-, Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalt sowie eine Abnahme der hormonellen Nierenfunktion (Bildung von Renin, Prostaglandinen, Vitamin D, Erythropoietin).

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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