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Schmerzmittel bei Erkrankungen der Niere

Einleitung

Bei Erkrankungen der Niere treten neben speziellen Symptomen der verringerten Nierenfunktion auch weitere Probleme auf. Eine große Problematik bei Erkrankungen der Niere liegt in der richtigen Auswahl wichtiger Medikamente. Nahezu alle Medikamente werden im menschlichen Körper verstoffwechselt und müssen anschließend wieder ausgeschieden werden. Dabei kann die Ausscheidung der Substanzen über zwei Hauptsysteme erfolgen: Besonders gut wasserlösliche Wirkstoffe können im Harn transportiert und so über die Niere ausgeschieden werden. Substanzen, die eher fettlöslich sind, werden in der Leber verstoffwechselt und über den Stuhlgang ausgeschieden. Auch bei der Einnahme von Schmerzmitteln spielen die verschiedenen Wege der Ausscheidung eine wichtige Rolle, da bei Erkrankungen der Niere möglichst wenig Schmerzmittel zur Anwendung kommen sollten, die über die Niere ausgeschieden werden.

Diese Schmerzmittel sind bei einer Erkrankung der Niere günstig

Diese Schmerzmittel sind bei einer Erkrankung der Niere ungünstig

NSAR

Die NSAR (nicht-steroidale Antirheumatika) auch NSAID (nicht-steroidale anti-inflammatory drugs) sind eine Medikamentengruppe, die entzündungshemmend, schmerzlindernd und fiebersenkend wirken. Klassische Wirkstoffe dieser Gruppe sind Diclofenac, Ibuprofen, Indometacin, ASS (Acetylsalicylsäure = Aspirin) und Naproxen. Außerdem gibt es einige Wirkstoffe, die spezieller wirken, dazu gehören Celecoxib, Etoricoxib und Parecoxib. Alle nicht-steroidalen Antirheumatika werden hauptsächlich über die Niere ausgeschieden. Daher kann es bei einer Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) zu einer Ansammlung der Substanzen im Körper kommen, denn die Wirkstoffe können nicht so schnell ausgeschieden werden. Aus diesem Grund ist eine Dosisanpassung mit einer verringerten Dosierung des Schmerzmittels bei einer schlechten Nierenfunktion notwendig. Noch besser wäre es, vollständig auf NSAR zu verzichten und stattdessen auf andere Schmerzmittel zurückzugreifen. Dadurch, dass nicht-steroidale Antirheumatika über die Niere ausgeschieden werden, können sie bei länger andauernder Einnahme außerdem die Niere schädigen und so selbst einen vorrübergehenden oder chronischen Nierenschaden hervorrufen. Wer bereits vor der Schmerzmitteleinnahme eine grenzwertige Nierenfunktion hat, ist daher ebenfalls besser damit beraten, andere Schmerzmittel als NSAR einzunehmen. Nicht-steroidale Antirheumatika können außerdem Beschwerden im Verdauungstrakt verursachen. Besonders häufig lösen sie Schleimhautgeschwüre (Ulcera) im Magen oder Zwölffingerdarm aus. Daher sollten NSAR in Kombination mit Protonenpumpenhemmern (Magenschutz) gegeben werden.

Novalgin®

Metamizol (auch Novaminsulfon oder im Handel als Novalgin® erhältlich) ist eine schmerzlindernde und fiebersenkende Substanz. Die genaue Wirkweise von Novalgin® ist noch nicht vollständig geklärt, jedoch wird ein Wirkmechanismus durch die Hemmung von Prostaglandinen (eine Substanz, die Entzündungsreaktionen beschleunigt) sowie ein Effekt auf die Schmerzverarbeitung im Hirn vermutet. Im Bezug auf Erkrankungen der Niere ist Novalgin® den nicht-steroidalen Antirheumatika in den meisten Fällen vorzuziehen. So muss bei einer nur leicht eingeschränkten Nierenfunktion beispielsweise keine Anpassung der Dosis erfolgen, da keine Gefahr für die geschädigte Niere zu erwarten ist. Die meisten Schmerzmittel, die keine schlechte Wirkung auf die Niere haben, schädigen dafür bei dauerhaftem Gebrauch die Leber. Doch im Falle von Novalgin® müssen auch bei leichten bis mittleren Leberschäden keine speziellen Vorsichtsmaßnahmen und niedrigere Dosierungen beachtet werden. Generell gilt Novalgin® als eher nebenwirkungsarmes Schmerzmittel. Eine seltene, dafür aber schwerwiegende Nebenwirkung kann jedoch eine Störung der Blutbildung sein, die zu einer sogenannten Agranulozytose (deutliche Verminderung der Anzahl an Granulozyten, einer Untergruppe der weißen Blutkörperchen, die für die Immunabwehr benötigt werden) führt.

Hier geht es zu: Nebenwirkungen von Nolvagin®

Morphin

Morphin gehört zur Gruppe der sogenannten Opioide. Dabei handelt es sich um starke Schmerzmittel, die in verschiedensten Stärken und Wirkgruppen erhältlich sind. Bei Erkrankungen der Niere ist die Einnahme von Morphinen grundsätzlich gut möglich. Jedoch kann es bei einer ausgeprägten Störung der Nierenfunktion dazu kommen, dass über einen längeren Zeitraum höhere Konzentrationen des Wirkstoffs im Körper vorliegen. Dies liegt vermutlich daran, dass die Ausscheidungsprodukte der Morphine bei einer schlechten Nierenfunktion nicht so schnell ausgeschieden werden können, wie es bei einer gesunden Niere der Fall ist. Morphine und die durch den Stoffwechsel umgewandelten Produkte des Morphins lassen sich vor allem in der Leber, der Niere und dem Magen-Darm-Trakt nachweisen. Auch wenn es zu einer höheren Konzentration des Morphins und seiner Abbauprodukte in der Niere kommen kann, ist nicht bekannt, dass Morphine die Niere in normalen Dosen schädigen. Daher muss man auch bei Erkrankungen der Niere nicht befürchten, dass die Nierenfunktion durch die normale Gabe der Morphinpräparate schlechter werden könnte. Aufgrund der verminderten Ausscheidung bei einer besonders niedrigen Nierenfunktion, können jedoch Dosisanpassungen notwendig sein, da es sonst zu zu hohen Ansammlungen des Wirkstoffes im Körper kommen kann. Dies hat in der Folge ähnliche Wirkungen wie eine Überdosierung. Dabei kommt es zu einem verminderten Atemantrieb, Schwindel Störungen des Bewusstseins, einem Anstieg der Herzfrequenz und einem Abfall des Blutdrucks.

Lesen Sie hier mehr über die Nebenwirkungen von Morphin

Aspirin®

Aspirin® enthält den Wirkstoff Acetylsalicylsäure (kurz ASS) und ist ein Schmerzmedikament, welches zudem auch die Vernetzung von Blutplättchen verhindert und daher auch zur Blutverdünnung eingesetzt werden kann. So ist man mittlerweile davon abgekommen, Aspirin® vermehrt als Schmerzmittel einzusetzen. Stattdessen spielt es vor allem bei Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems wie beispielsweise einer Herzkranzgefäß-Erkrankung sowie in der Vorbeugung von Schlaganfällen, akuten Verschlüssen von Arterien und Herzinfarkten eine wichtige Rolle. Im Gegensatz zu nicht-steroidalen Antirheumatika kann Aspirin als Schmerzmittel auch bei einer Erkrankung der Nieren eingesetzt werden. Erst ab einer mittelschweren Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) darf die Substanz nicht mehr eingesetzt werden. Der Richtwert, ab dem bei einer Niereninsuffizienz eine Kontraindikation für die Einnahme von Aspirin® besteht, liegt bei einer GFR (Glomeruläre Filtrationsrate = Wert für die Ausscheidungsfunktion der Niere) von unter 30 ml/min.

Paracetamol

Paracetamol ist ein Schmerzmittel, das zudem auch fiebersenkend und schmerzlindernd wirkt. Es kann sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern (in einer an das Alter und Gewicht angepassten Dosierung) als Schmerzmittel eingesetzt werden. Der genaue Wirkmechanismus von Paracetamol ist nicht geklärt, jedoch geht man davon aus, dass die Wirkung vor allem im Rückenmark und im Gehirn selbst zur Entfaltung kommt. Da Paracetamol zum größten Teil über die Leber verstoffwechselt und ausgeschieden wird, ist bei Erkrankungen der Niere in den meisten Fällen nichts zu befürchten. So können Personen mit einer Erkrankung der Niere meistens die gleiche Dosis in gleich großen zeitlichen Abständen (idealerweise mindestens 6 Stunden) wie „nierengesunde“ Menschen von Paracetamol einnehmen. Erst bei einer schweren Insuffizienz der Niere (Nierenschwäche) mit einer glomerulären Filtrationsrate (GFR = Wert für die Nierenfunktion) von unter 10 ml/min sollte eine geringere Dosis von Paracetamol eingenommen werden, da es sonst zu einer Ansammlung der Substanz im Körper und damit zu Vergiftungserscheinungen kommen kann. Der zeitliche Abstand zwischen zwei Einnahmezeitpunkten von Paracetamol sollte in diesem Fall mindestens 8 Stunden betragen. Während gesunde Erwachsene bis zu 4g Paracetamol pro Tag einnehmen können, sollte man bei Erkrankungen der Niere maximal 2g Paracetamol täglich einnehmen.

Welche anderen Medikamente verstärken die Schädigung der Niere?

Neben der Leber sind die Nieren der wichtigste Ort, an welchem Medikamente und Giftstoffe aus dem Körper ausgeschieden werden können. Daher kann eine Vielzahl von Medikamenten bei hohen Dosierungen oder einer dauerhaften Einnahme zu Erkrankungen der Nieren führen. Insbesondere Personen, die bereits an einer Nierenerkrankung leiden, müssen viele Einschränkungen bei ihrer Medikation vornehmen. Bei Erkrankungen der Niere können außerdem viele Medikamente nicht schnell genug abgebaut werden, sodass die Wirkstoffe in niedrigeren Dosierungen eingenommen werden können; man spricht von einer nierenadaptierten (an die Nierenfunktion angepassten) Dosis der Medikamente. Neben Schmerzmitteln können auch viele Genussmittel wie beispielsweise Nikotin die Schädigung der Nieren verstärken. Einige Antibiotika wie beispielsweise die Gruppe der Aminoglykoside können bei zu hohen Dosierungen zu schweren Nierenschäden führen. Auch Medikamente, die gegen Viren wirken (zum Beispiel die Substanz Aciclovir) können die Schädigung der Niere verstärken. Eine weitere Gruppe, die zu verstärkten Schäden der Nieren führen kann, sind die Zytostatika. Dabei handelt es sich um Wirkstoffe, die das Wachstum und die Vermehrung von Zellen verhindern und häufig im Bereich von Krebserkrankungen eingesetzt werden.

Was kann ich tun, um die Schädigung der Schmerzmittel auf die Leber zu minimieren?

Viele Schmerzmittel können bei Erkrankungen der Nieren nicht gut eingesetzt werden. Dies liegt vor allem daran, dass diese Medikamente über die Nieren ausgeschieden werden. Um eine Schädigung der bereits erkrankten Nieren beispielsweise durch nicht-steroidale Antirheumatika wie Ibuprofen und Diclofenac zu verhindern, wird gerne auf andere Schmerzmittel zurückgegriffen. Bei Erkrankungen der Nieren sind diejenigen Schmerzmittel am besten geeignet, die nicht über die Niere, sondern über die Leber ausgeschieden werden. Das klassische Beispiel für ein solches Schmerzmittel ist Paracetamol. Bei längerer Einnahme von Paracetamol in hohen Dosierungen, kann es jedoch auch zu einer Schädigung der Leber kommen, da diese nun durch die Verstoffwechselung und Ausscheidung der Wirkstoffe überlastet sein kann. In diesem Fall gilt es, einen guten Kompromiss zwischen Medikamenten, die eher durch die Niere ausgeschieden werden und jenen, die über die Leber verarbeitet werden, zu finden. Je nachdem welches Organ stärker betroffen ist, können eher Leber- oder Nieren-lastige Schmerzmittel eingesetzt werden. Unter regelmäßiger Überwachung der Leber- und Nierenwerte können so oftmals beide Organe etwas geschont werden. So kann man beispielsweise Ibuprofen und Paracetamol abwechselnd einnehmen und so keines der beiden Organe überlasten. Zudem kann eine Verringerung der täglichen Dosis der Medikamente zu einer Entlastung der Leber und der Nieren führen. Wenn die Schmerzmedikation in der reduzierten Dosis nicht ausreicht, kann auf stärkere Schmerzmittel wie beispielsweise Morphin zurückgegriffen werden. Diese greifen Leber und Niere nicht so stark an. Zudem können sie beispielsweise in Form eines Schmerzpflasters gegeben werden, welches seinen Wirkstoff über den Zeitraum von einer Woche kontinuierlich abgibt. Dadurch werden plötzliche hohe Wirkstoffkonzentrationen (wie sie beispielsweise nach einer Tabletteneinnahme auftreten können) vermieden.

Lesen Sie auch: Schmerzmittel bei Erkrankungen der Leber

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 06.09.2020
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