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Halsabszess - Ist das gefährlich?

Definition

Unter einem Abszess am Hals (Halsabszess) versteht man eine abgekapselte Eiteransammlung im Bereich des Halses. Die Lage befindet sich in den meisten Fällen in seitlichen Halsregionen, manchmal im Nackenbereich, selten im vorderen Areal.

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Ist ein Halsabszess gefährlich?

Bei einem Halsabszess handelt es sich um eine abgekapselte Eiteransammlung. Solange der Eiter in dieser Kapsel eingeschlossen ist, stellt er keine akute Gefahr dar. Lediglich der Druck, den der Abszess auf umliegende Strukturen, wie die Halsgefäße und -nerven ausübt, kann unter Umständen bedrohlich werden. 
Platzt der Abszess allerdings auf und der Eiter mit den dazugehörigen Erregern gelangt frei in den Halsbereich, können sich schwere lokale Entzündungen ausbilden. Im schlimmsten Fall erfolgt ein Übertritt der Erreger in die Blutbahn und es kommt zu einer "Blutvergiftung" (Sepsis). 
Daher sollte ein Halsabszess stets abgeklärt und gegebenfalls chirurgisch entfernt werden. 

Ist ein Halsabszess ansteckend?

Der Halsabszess an sich ist nicht ansteckend. Aber die Erreger, die ihn ausgelöst haben, können ansteckend sein. Häufig ist es der Staphylokokkus aureus. Er wird über Tröpfcheninfektion übertragen. Daher sollten betroffene Personen ihre Mitmenschen schützen, indem sie entsprechende Sicherheitsmaßnahmen gewissenhaft ausführen. Zu diesen zählen beispielsweise eine ausreichende Handhygiene, das Vermeiden von Händeschütteln, möglichst Abstand zu anderen Menschen halten und keine Gläser, Besteck oder Handtücher mit jemand anderem teilen.             

Ursachen und Formen des Halsabszesses

In den meisten Fällen kommt es zu einem Halsabszess durch eine Infektion von

  • Viren,
  • Bakterien oder Pilzen.

In den statistisch häufigsten Fällen eines Halsabszesses sind es Bakterien und hierbei in aller Regel Bakterien des Stammes Staph aureus, die zu einer Abszessbildung führen.

Der Keim besiedelt natürlicherweise große Teile der Haut. Wie es zu einer Infektion mit diesem Keim kommen kann, ist nicht bekannt. In aller Regel wird das Bakterium in die Blutbahn hineingespült.

Ist es in den Körper gelangt, kann es an jeder erdenklichen Stelle eine Infektion auslösen, sich aber auch niederlassen und sich zunehmend abkapseln. In diesen Falle sind die ersten Weichen einer Abszessbildung bereits gestellt. Auch Weichteilinfektionen im Bereich des Halses können zum Halsabszess führen. Manchmal können auch vergrößerte und infizierte Lymphknoten den Gang einer Abszessbildung vorantreiben.

Vergrößerte Lymphknoten bei einem Halsabszess

Im Rahmen eines Halsabszesses können die Lymphknoten am Hals vergrößert sein. Es ist auch möglich, dass vergrößerte Lymphknoten am Hals die Entstehung eines Abszesses begünstigen. In der Regel sind die Lymphknoten entlang des Kopfwendermuskels angeschwollen. Die Lymphknoten können bei Berührung / Druck schmerzhaft sein.  

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Halsabszess durch eine Mandelentzündung

Eine Komplikation im Rahmen einer eitrigen Mandelentzündung ist die Entstehung eines Halsabszesses. Hierbei handelt es sich um einen Abszess, der Peritonsillarabszess genannt wird. Dieser Halsabszess befindet sich im Bereich der Gaumenbögen und der Rachenwand. Anzeichen sind häufig starke Schmerzen beim Schlucken, welche in das Ohr ausstrahlen. Zudem können Mundgeruch, hohes Fieber, eine kloßige Sprache und Beschwerden beim Öffnen des Mundes entstehen. Folglich ist die Nahrungsaufnahme erschwert und schmerzhaft. Seltener entsteht im Halsbereich ein Abszess. Dieser wird als Parapharyngealabszess bezeichnet. Hier besteht die Gefahr der Fortleitung in den Brustraum. Beide Abszesse müssen so früh wie möglich behandelt werden um weitere Komplikationen, wie Blutungen und Blutvergiftungen zu vermeiden.      

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Halsabszess durch die Weisheitszähne

Durch einen vereiterten Weisheitszahn kann ein Peritonsillarabszess entstehen. Dies kommt aber viel seltener vor, als es im Zuge einer eitrigen Mandelentzündung geschieht. Stattdessen können von einem kranken Zahn im Unterkiefer Abszesse im Mundboden (Zungengrundabszesse) entstehen.

Symptome bei einem Halsabszess

Als Leitsymptom für einen Halsabszess ist unter anderem die Schwellung am Hals.

Die Schwellung bei einem Halsabszess ist oftmals:

  • schmerzhaft und
  • druckempfindlich.

Die Oberfläche ist in der Regel prall gespannt, lässt sich aber unter Schmerzen mit dem Zeigefinder einige mm eindrücken. Je mehr Eiter und entzündliche Flüssigkeit sich im Abszess befinden, desto schmerzhafter ist in der Regel die Schwellung.

Manchmal kommt es bei einem Halsabszess auch zu einer Überwärmung der Haut in diesem Bereich und zu einer Rötung. Je nach Lage, kommt es des Weiteren auch zu einer zum Teil massiven Funktionsbeeinträchtigung im Bereich des Halses. Je größer der Abszess ist, desto stärker kann die Funktionseinschränkung sein, die sich meistens in einer Schwierigkeit äußert, den Hals zu wenden oder zu strecken.

Auch Allgemeinsymptome, wie Unwohlsein oder Fieber können durch einen Abszess ausgelöst werden. In aller Regel sind die systemischen Beschwerden größer, je stärker der Bakterien- bzw. Virusbefall ist. Ist starkes Fieber vorhanden, muss unbedingt medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden, weil die Gefahr besteht, dass sich der Abszess in die Blutbahn entleert hat und eine Blutvergiftung (Sepsis) am entstehen ist. Auch kann sich ein Abszess vergrößern und umliegende Weichteile des Halses infizieren und anschwellen lassen.

Eine Schwellung am Hals kann selbstverständlich auch durch andere Ursachen, als einem Abszess ausgelöst werden. Eine sichere Diagnose kann nur durch einen Arzt gestellt werden und sollte gerade bei Verdacht auf einen Abszess unbedingt erfolgen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Schwellung am Hals

Diagnose

Die Diagnose eines Abszesses wird oftmals alleine durch die Krankenbefragung bzw. durch Blickdiagnose gestellt. Die wichtigste Unterscheidung ist hierbei der Ausschluss einer Fistel.
Die Fistel ist dadurch charakterisiert, dass sie einen entsprechenden Gang ausbildet, der mehrere Körperregionen des Körpers verbinden kann. Der Halsabszess ist im Gegensatz dazu ein für sich abgekapselter Bereich.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Halsfistel

Um diese Unterscheidung treffen zu können, kann eine Ultraschalluntersuchung zum Einsatz kommen. Besteht hierbei Unklarheit sollte in Grenzfällen eine CT-Untersuchung durchgeführt werden. Auch kann beim Halsabszess versucht werden durch Injektion eines Farbstoffes einen möglicherweise vorhandenen Fistelgang darzustellen. In diesem Falle würde die meist blaue Farbe, die im Bereich der auffälligen Stelle injiziert wurde, an einer anderen Stelle heraustreten.

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Therapie eines Halsabszesses

Oftmals genügt die bei einem Halsabzess die konservative Therapie, die aus einer antibiotischen Behandlung und einer trockenlegenden Therapie besteht.

Vor allem teerhaltige Salben und Cremes haben die Eigenschaft, Flüssigkeit aus Abkapselungen herauszuziehen. Gelingt dies nicht, kann versucht werden, die Schwellung mittels einer sterilen Nadel oder Kanüle zu punktieren und den Eiter abfließen zu lassen.

Oftmals kommt es aber trotz erfolgreicher Abszessöffnung erneut zu einer Abszessbildung. In diesem Falle sollte eine chirurgische Entfernung des Halsabszess in Betracht gezogen werden. Wichtig ist zu beachten, dass im Bereich des Halses wichtige anatomische Strukturen liegen (z.B. Nerven und Gefäße), die nicht verletzt werden dürfen. Der operative Eingriff im Bereich des Halses birgt, neben den anderen Abszessoperationen an anderer Stelle des Körpers aus diesem Grund einige Risiken, die dem Patienten erklärt werden müssen und die es unter Umständen notwendig machen, die Operation auszudehnen.

Durch Verletzung von Blutgefäßen kann es zu zum Teil sehr starken Blutungen kommen, die durch eine erweiternde Operation ggfs gestillt werden müssen. Auch kann es zu Verletzungen von Muskelzügen kommen, die später eine Bewegungsbeeinträchtigung des Halses zur Folge haben können. Verletzungen von Nerven stellt ein weiteres schwerwiegendes Risiko bei der Operation dar.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter:

Operative Entfernung des Halsabszesses

Die Grunderkrankung durch die der Halsabszess entstanden ist, muss behandelt werden. Daneben muss der Halsabszess chirurgisch entfernt werden. Je nach Alter und individuellen Faktoren wird der Eingriff unter Vollnarkose oder unter lokaler Betäubung durchgeführt.
Es gibt verschiedene Operationsmethoden. In manchen Fällen wird eine Punktion durchgeführt. Sie dient der Entlastung des Abszesses. In anderen Fällen erfolgt eine operative Eröffnung der Abszesshöhle. Ziel ist auch hierbei, dass der Eiter austreten kann. Zudem werden geschädigte Gewebsareale entfernt. In manchen Fällen muss der Schnitt erweitert werden. Auch kann es vorkommen, dass im Zuge der Operation die Gaumenmandeln entfernt werden müssen. Überdies können Drainagesysteme innen und / oder außen angebracht werden. Zudem können Antibiotikaträger in verschiedener Form eingeführt werden. Häufig erfolgt postoperativ eine weitere antibiotische Behandlung in Tablettenform oder per Infusion.

Von dem Fachpersonal wird eine möglichst gute Beratung und Behandlung vor, während und nach der Operation angestrebt. In manchen Fällen kann es aber dennoch zu Komplikationen kommen. Blutungen, Nachblutungen und Narbenbildung können folgen. Die Gefahr von Blutungen und Nachblutungen insbesondere bei der Mandelentfernung ist hoch. Es ist möglich, dass während des chirurgischen Eingriffs Nerven gereizt oder verletzt werden. Dadurch können reversible oder irreversible Störungen entstehen. Diese können zu Taubheitsgefühl, Schmerzen, Geschmacks-, Schluck- und Sprechstörungen, Bewegungseinschränkungen und Lähmungen führen. Gewebe und Strukturen in der Nachbarschaft des Abszesses können gereizt oder geschädigt werden. Es kann zu allergischen Reaktionen kommen. Seltener entstehen Wundheilungsstörungen.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter OP eines Abszesses.

Prognose bei einem Halsabszess

Nach einer operativen Entfernung des Halsabszesses kommt es in aller Regel nicht mehr zu einer Abszessbildung an dieser Stelle. Treten an anderen Stellen Abszesse in regelmäßigen Abständen auf, sollte die Ursache dafür genau gesucht werden. In diesem Fall sollte überlegt werden eine prophylaktische antibiotische Behandlung über mehrere Wochen durchzuführen, um eine entsprechende Bakterienlast zu senken.

Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 23.07.2018
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