Ansteckungsgefahr einer Mandelentzündung

Einleitung

Die typische Mandelentzündung wird ausgelöst durch kugelförmige Bakterien der Streptokokken-Gruppe A. Diese Bakterien werden über eine sogenannte Tröpfcheninfektion übertragen. Das bedeutet, dass sie sich in den wässrigen Sekreten des Mund-, Nasen- und Rachenraumes ansammeln und dann über nur kleine Tröpfchen von diesen von Mensch zu Mensch gelangen können.

Wenn ein Betroffener also zum Beispiel niest oder hustet (Husten) oder es auf sonstige Art und Weise zum Speichelaustausch kommt, kann er Menschen in seiner Umgebung anstecken. Selten kann es auch passieren, dass sich wässrige Tröpfchen zunächst auf der Haut absetzen und später erst in Berührung mit Speichel oder Nase bzw. Mund eines anderen kommen. Folglich ist die Ansteckungsgefahr besonders in vollen und engen Räumen, wie zum Beispiel in Bus oder Bahn, aber auch in Klassenzimmern und Kindergärten besonders hoch.
Wenn man sich einmal mit einer Mandelentzündung infiziert hat, kann es bis zu zwei bis vier Tage dauern, bis die ersten Symptome der Mandelentzündung auftreten. Diese Periode bezeichnet man in der Medizin als „Inkubationszeit“. In dieser Zeit ist man allerdings trotz fehlender klinischer Zeichen schon ansteckend!
Wenn man also den Verdacht auf eine Mandelentzündung hat, sollte man sofort einen Arzt aufsuchen. Eine Behandlung mit Antibiotoka ist nämlich bei der durch Streptokokken hervorgerufenen Mandelentzündung unbedingt notwendig und sollte sofort in die Wege geleitet werden. Durch die Antibiotika-Therapie wird die Ansteckungsgefahr praktisch direkt minimiert und ab 24 Stunden nach begonnener Behandlung wird davon ausgegangen, dass der Patient nicht mehr ansteckend ist.
Dennoch ist es wichtig, dass das Antibiotikum (die Standardtherapie erfolgt mit Penicillin), über den kompletten Zeitraum hinweg, für den es verschrieben wurde (dies sind mindestens 7, in der Regel aber eher 10 bis 14 Tage) konsequent eingenommen wird, damit auch wirklich sichergestellt werden kann, dass alle Bakterien abgetötet wurden und es nicht zu einem erneuten Ausbruch der Krankheit kommt. Außerdem kann es bei Ausbleiben der Einnahme von Antibiotika zu zum Teil recht gravierenden Folgeerkrankungen kommen, vor allem zu Schäden an Herz, Gelenken oder der Niere.

Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel Antibiotikatherapie bei einer Mandelentzündung


Inkubationszeit

Nach der Aufnahme der Erreger beginnt die Inkubationszeit. Diese beschreibt die Zeitspanne die verstreicht, bis man ab Ansteckung beziehungsweise Infektion die ersten Anzeichen von Symptomen bemerkt und sich als krank bezeichnen würde. Die Inkubationszeit bei einer Mandelentzündung beträgt mit einigen Ausnahmen ungefähr 2-4 Tage. Wichtig ist es zu wissen, dass der Patient schon während der symptomlosen Inkubationszeit ansteckend ist. Es sind dann schon viele Bakterien oder Viren im Körper nachweisbar, die über oben genannte Tröpfcheninfektion andere Menschen anstecken können.

Abbildung Mandelentzündung

A - Mandelentzündung - Tonsilitis
B - Einfache katharrhalische Angina -
Angina catarrhalis
C - Rachenbefund bei Diphtherie
D - Geschwüre bei bakteriellen
Angina-Formen

  1. Gaumenmandelbucht -
    Fossa tonsillaris
  2. Harter Gaumen -
    Palatum durum
  3. Hinterer Gaumenbogen -
    Arcus palatopharyngeus
  4. Vorderer Gaumenbogen -
    Arcus palatoglossus
  5. Gaumenmandel -
    Tonsilla palatina
  6. Zungenrücken -
    Dorsum linguae
  7. Gaumenzäpfchen + weicher Gaumen
    (Gaumensegel) -
    Uvula palatina + Palatum molle
  8. Schlundenge -
    Isthmus faucium
  9. Rachen (Hinterwand) -
    Pharynx

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Ansteckungsgefahr beim Küssen

Ist man an einer Mandelentzündung erkrankt oder hat den Verdacht, sich angesteckt haben zu können, stellt sich vielen Menschen die Frage, ob ein gefahrloses Küssen mit dem Partner möglich ist oder besser zu vermeiden wäre. Da selbst kleinste Tröpfchen eine ausreichende Menge an Erregern enthalten um ansteckend zu sein, ist eine Übertragungsgefahr beim Küssen sehr groß.
Macht man sich die Tatsache bewusst, dass man beim Küssen mit vergleichsweise viel Speichel aus nächster Nähe zur Mandelentzündung direkt in Kontakt kommt, ist es ratsam, während der ansteckenden Zeit auf das Küssen zu verzichten.
Wie jedoch oben beschrieben ist einen Tag nach Antibiotikaeinnahme die Gefahr sich anzustecken sehr gering. Entscheidet man sich dafür, die Entzündung ohne Medikamente auszukurieren, sollte man mit einem gewissen Sicherheitsabstand von etwa zwei Wochen auf das Küssen verzichten.

Ansteckungsgefahr für Babys

Eltern hingegen stellt sich oft die Frage, ob und in wie fern eine Mandelentzündung ansteckend für das Baby ist. Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass Babys ein noch nicht vollständig ausgeprägtes Immunsystem besitzen. Dadurch sind Babys generell besonders anfällig für infektiöse Erkrankungen und somit auch für eine Mandelentzündung.
Dies ist auch durch die besonderen Umstände im engen alltäglichen Umgang mit der Mutter gegeben. Ein enger Kontakt zum Baby, sei es beim Stillen oder Wechseln der Windeln, ist unausweichlich. Ist die Mutter oder der Vater erkrankt, muss zum Beispiel darauf geachtet werden, nicht das selbe Besteck zu benutzen. Bei näherem Kontakt zum Baby sollten besondere hygienische Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden. Ein regelmäßiges Desinfizieren der Hände kann hilfreich sein.

Die Wahrscheinlichkeit, in diesem besonders engen Umfeld die Ansteckung zu verhindern, ist jedoch äußerst gering. Das Baby wird mit einer recht hohen Wahrscheinlichkeit anstecken, was jedoch keine nicht zu kontrollierende Problematik darstellt. Ein Arztbesuch und die Linderung der Symptome sowie das Beachten einer ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind hingegen gerade beim Baby unabdingbar. Befinden sich Mutter und Baby noch in der Stillzeit ist das Stillen weiterhin möglich und sinnvoll. Zum einen werden die Erreger über die oben beschriebene Tröpfcheninfektion übertragen, zum anderen werden mit der Muttermilch bestimmte Abwehrproteine, die sogenannten Antikörper, von der Mutter aufs Baby übertragen. Diese können die Erreger bekämpfen und dem kindlichen Immunsystem in gewissem Maße als Vorlage für die eigene Produktion dienen.

Ansteckungsgefahr in der Schwangerschaft

Auch in der Schwangerschaft ist eine Mandelentzündung nicht selten, da auch hier das Immunsystem geschwächt ist. Genauso wie jeder andere Mensch ist auch die Schwangere ansteckend für ihre Mitmenschen. Das Immunsystem der Mutter muss quasi zwei Organismen gleichzeitig versorgen und konzentriert sich eventuell etwas mehr auf das Ungeborene als auf die Mutter. Daher können Mandelentzündungen in der Schwangerschaft eine längere Dauer aufweisen und auch länger ansteckend sein. Dabei ist auf die richtige Wahl der Antibiotika zu achten, denn einige Wirkstoffe schädigen das Baby.
Lesen Sie hierzu auch unsere Artikel Medikamente in der Schwangerschaft und Fieber in der Schwangerschaft

Eine Übertragung von der Schwangeren auf das Baby im Mutterleib stellt jedoch kein Problem dar.
Die Mandelentzündung der Mutter hat in der Regel keinen Einfluss auf das Kind und ruft auch keine Folgekomplikationen hervor.

Dauer

Wie lange man ansteckend ist, hängt von einigen Faktoren ab. Zunächst wird die Dauer der ansteckenden Phase von der Verfassung der erkrankten Person bestimmt, zum anderen von der Behandlung.
Eine mit Antibiotika behandelte bakterielle Mandelentzündung gilt in der Regel 24 Stunden nach Therapiebeginn als nicht mehr ansteckend. Als verwendete Mittel werden häufig Penicillin-Präparate eingesetzt. Sollten diese die Mandelentzündung nicht ausreichend bekämpfen können, wird auf Erythromycin oder Clarithromycin zurückgegriffen. Die Aussage, dass unter der Einnahme von Antibiotika nach einem Tag keine Ansteckungsgefahr mehr vorhanden ist, gilt aber nur für eine durch Bakterien ausgelöste Mandelentzündung, da Antibiotika nur gegen diese Erregergruppe wirken.

Viren haben an sich keinen eigenen Stoffwechsel und bieten den Antibiotikawirkstoffen somit keine Angriffsfläche. Falls ein Virus die Ursache der Entzündung ist, verlängert sich die Dauer der ansteckenden Phase teilweise sehr. Dann kann zur Orientierung die Beschwerdefreiheit oder Fieberfreiheit als Maß, wie lange man ansteckend ist, verwendet werden. Allerdings bietet diese Methode keine Garantie, nicht ansteckend zu sein.
Therapiert man die Entzündung mit konservativen Maßnahmen, Hausmitteln und Bettruhe, sollte ein unkomplizierter Verlauf auf eine Dauer von ein bis maximal zwei Wochen beschränkt sein. Diese Zeit entspricht in etwa auch der Zeit der Ansteckungsgefahr.

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Hausmittel gegen eine Mandelentzündung

In der Behandlung der akuten Mandelentzündung haben sich neben der schulmedizinischen Antibiotikatherapie diverse Hausmittel etabliert, die Symptome lindern oder sogar die Entzündung und den Erreger bekämpfen können.

Zunächst empfiehlt es sich, viel zu trinken. Dabei kann auf Wasser oder Tee zurückgegriffen werden. Eine wichtige Basismaßnahme ist das Warmhalten des Halses mit Schals und Rollkragen-Pullovern, kalter Durchzug ist zu vermeiden. Die Wärme sorgt für gute Durchblutung des Halses und erleichtert so den körpereigenen Abwehrzellen das Erreichen ihres Ziels. Das Trinken spült oberflächliche Erreger weg und unterstützt den angeschlagenen Körper bei der Bekämpfung der Krankheit. Fruchtsäfte eignen sich aufgrund der enthaltenen Säuren, die die entzündlichen Stellen reizen, nicht.
Eine sinnvolle Ergänzung ist das Gurgeln mit Salzwasser sowie mit Tee aus Salbei, Kamille oder Thymian. Diese bekannten Hausmittel helfen bei der akuten Mandelentzündung durch ihre antibakteriellen, schmerzlindernden und beruhigenden Eigenschaften besonders gegen Halsschmerzen. Ebenso haben Johannisbeersaft und Aloe-Vera-Saft ähnliche Wirkungen. Ein weiteres Hausmittel bei der Bekämpfung der akuten Mandelentzündung sind Halswickel. Bevorzugt mit warmem Quark oder Heilerde, wärmen sie den Hals und haben den Ruf, Giftstoffe zu entziehen. Diese Eigenschaft ist nicht bewiesen.
Eine geeignete Maßnahme zur Linderung der Halsschmerzen und Schluckbeschwerden sind beruhigende Lutschbonbons. Viele enthalten als Wirkstoff in geringen Konzentrationen lokale Betäubungsmittel. Sie gelten nicht als übliches Haushaltsmittel, wirken jedoch effektiv.
Sollte das Fieber im Vordergrund stehen, empfiehlt es sich, auf die bekannten Wadenwickel zurückzugreifen. In kaltem Wasser eingelegte Leinentücher um die Waden gewickelt entziehen dem Körper überschüssige Wärme.

Allgemein muss gesagt werden, dass es Haushaltsmittel gibt, die in den ersten Tagen gut gegen Symptome der akuten Mandelentzündung wirken. Sollten diese jedoch fortbestehen oder schlimmer werden, sollte man einen Arzt aufsuchen.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 04.01.2018
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