Trockene Lippen Ursache

Synonyme im weiterem Sinne


rissige Lippen, spröde Lippen, Sonnenbrand an den Lippen

Englisch: dry lips

Lesen Sie auch:

Ursachen

Ursache trockener Lippen

Der Mund-Rachenraum ist ein Areal des Körpers, das 24 Stunden angefeuchtet sein muss, um alle Funktionen, wie sprechen, schmecken und Weiterleitung von Empfindungen erfüllen zu können.
Zur Anfeuchtung dient der Speichel, der von den Speicheldrüsen des Rachens und unter der Zunge gebildet wird. Die Speichelbildung und hier vor allem die Menge ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig.

Verminderte Flüssigkeitsaufnahme:
Die häufigste Ursache von rissigen und trockenen Lippen ist die verminderte Flüssigkeitsaufnahme über den Tag. Trinken Menschen wesentlich weniger als die empfohlene Tagesmenge von 2-3 Liter und das über einen längeren Zeitraum, so sinkt der Gesamtflüssigkeitsgehalt des Menschen, der ebenfalls in einem bestimmten Level gehalten werden muss, damit alltägliche Stoffwechselvorgänge funktionieren und aufrechterhalten werden können. Dies trifft auch für den Speichel zu, der zwar noch produziert wird aber an seinen flüssigen Eigenschaften einbüßt.
Daraus folgt, daß der Mund-Rachenraum nicht mehr so feucht gehalten werden kann, wie notwendig, was trockene Lippen zur Folge hat. Hält dieser Zustand über eine längere Zeit an, werden die Lippen rissig, springen auf und können durch Bluten und Schmerzen symptomatisch werden.

Psychische Ursachen:
Neben der zu geringen Flüssigkeitsaufnahme können auch noch andere Faktoren dazu führen, dass die Speichelproduktion gedrosselt wird und Mund und Lippen nicht mehr den notwendigen Flüssigkeitsanteil abbekommen.
Eine wichtige Komponente ist hier die psychische Belastung. Im Körper eines jeden Menschen gibt es das sympathische und das parasympathische Nervensystem. Der Parasympathikushttps://www.dr-gumpert.de/?id= springt eher an, wenn der Mensch in Ruhe und entspannt ist.
Es beinhaltet die Erhöhung der Magen- und Darmfunktion sowie die Speichelproduktion. Umgekehrt ist es beim Sympathikus, der in Notsituationen und in Situationen in Gang kommt, wenn höchste Konzentration vom Körper abverlangt wird. Unter diesen Umständen wird die Speichelproduktion ebenfalls gedrosselt.
Speichel wird naturgemäß gebildet, um die zugeführte Nahrung bereits im Mund  zu zersetzen. In Stresssituationen ist von einer baldigen Nahrungsaufnahme zunächst nicht auszugehen. Die evolutionären Stresssituationen, wie Flucht vor Tieren etc. sind heute eher nicht mehr aktuell, sodass heute Situationen, wie Anspannung vor Prüfungen, zwischenmenschliche Auseinandersetzungen etc eine Ursache zur erhöhten Sympathikusaktivierung sind. Menschen, die sich  oft in diesen Situationen befinden, sprichtwörtlich unter Strom stehen und somit eine ständige Erhöhung des Sympathikus haben, klagen häufiger über trockene Lippen aufgrund der verminderten Speichelproduktion. Wenn zudem noch eine verminderte Trinkmenge hinzukommt, kann der Effekt der trockenen Lippen verstärkt werden.

Vitaminmangel:
Eher seltene Ursachen für trocken und rissige Lippen stellen Vitaminmängel dar. So ist zunächst der Vitamin B2 und Eisenspiegel (Eisenmangel) zu kontrollieren, da ein solcher Mangel zu den beschriebenen Symptomen führen kann. Eisenmangel kann aus einer bei Frauen erhöhten monatlichen Regelblutung resultieren, seltener durch eine verminderte Zufuhr durch die Nahrung. Die häufigsten Ursachen eines Vitamin B 2 Mangels sind vor allem eine einseitige Ernährung durch die Patienten, außerdem eine Nahrungsaufnahme von vitaminarmen Lebensmitteln. Des Weiteren stellt der Alkoholismus eine Gefahr für einen Vitamin B2 und Vitamin B 12 Mangel dar.

Infektionen:
Zahlreiche Infektionen können ebenfalls zu rissigen und trockenen Lippen führen. In seltenen Fällen kann ein Pilzbefall (z.B. candita albicans) an der Wangenschleimhaut oder an den Lippen zu einem trockenen Milieu führen. Wesentlich häufiger aber sind virale Infektionen, wie z.B. das Herpes virus, das meistens an der Unterseite der Lippen zu kleinen Ulzerationen führt und dadurch die Lippen auch austrockten kann. Bakterien verursachen eher seltener trockene und rissige Lippen.

Klimabedingt:
Die Haut des Körpers hat neben der Weitergabe von Schmerz sowie Wärme- und Kältereizen auch eine Schutzfunktion. Die Haut der Lippen ist von ihrer Beschaffenheit aber wesentlich klimaempfindlicher als die Haut des übrigen Körpers. So können besonders kalte Außentemperaturen zu einer raschen Austrocknung der Lippen führen.
In extrem kalten Regionen, in denen die Außentemperatur im zweistelligen Minusbereich liegt, reagieren besonders die ungeschützten Lippen mit Austrocknung sowie schmerzhaftem Aufplatzen.
Auch der schnelle Wechsel zwischen Kälte und Wärme begünstigt trockene Lippen.

Kosmetikamissbrauch:
Es gibt zahlreiche Kosmetika und Cremes, die für die Lippenpflege von der kosmetischen Industrie entwickelt wurden und deren Gebrauch mehrmals täglich empfohlen wird. Besonders fetthaltige Produkte besitzen aber die Eigenschaft bei langem Gebrauch das Gegenteil zu bewirken. So kann man von einem Gewöhnungseffekt sprechen, der bei langer Anwendung entsteht, d.h. wird nicht immer mehr von dem Produkt aufgetragen, trocknen die Lippen aus. Die Ursache dieses Phänomens ist nicht ganz geklärt.

Allergie:
Auch kann der Körper gegen bestimmte Produkte eine bislang unbekannte Allergie entwickeln, die nicht selten nach dem Auftragen zu den beschriebenen Austrocknungen führt. Typischerweise ist eine Produktallergie auch mit einem Jucken oder Brennen kombiniert.

Wundheilungsstörungen:
Nach Verletzungen im Bereich des Mundes und der Lippen kann es in seltenen Fällen zu Wundheilungsstörungen kommen. Gründe dafür sind mannigfaltig. Oft kann auch ein Diabetes Mellitus dahinterstecken, der bislang noch nicht entdeckt wurde. Wundheilungsstörungen gehen nicht selten mit trockenen und rissigen Lippen einher.

Nach Chemotherapie:
Patienten, die sich einer Chemotherapie oder Bestrahlungstherapie unterziehen müssen klagen häufig über trockene oder rissige Lippen. Die Chemotherapie bei Krebserkrankungen (Tumor) hat den Sinn, alle sich schnell teilenden Zellen an der Teilung zu hemmen. Zu den schnellteilenden Zellen gehören auch die Zellen des Mundraumes und der Lippen.
In den meisten Fällen kommt es nach Chemotherapiezyklen aus diesem Grund zu Entzündungen in diesem Bereich sowie zu trockenen Lippen. Bei Bestrahlungen kommt es darauf an, in welchem Bereich die Bestrahlung durchgeführt wird. Im Bereich des Mund- Rachen und Gaumenbereiches, aber auch im Bereich des Halses und des Kehlkopfes kann es vorkommen, daß auch die Lippen im entsprechenden Bestrahlungsfeld liegen. Je nachdem, wie oft die Bestrahlung wiederholt werden muss bzw. wie hoch die Strahlendosis ist, kommt es auch zu Entzündungen und zu Austrocknung der Lippen.


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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 15.05.2012