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Drogenentzug

Definition

Der Drogenentzug ist eine Therapie, die suchtkranken Menschen helfen soll, ihren Konsum zu beenden und dauerhaft abstinent zu bleiben. Grundlage ist das Entwöhnen des Suchtmittels. Am Beginn steht die körperliche Entgiftung. Diese kann mit oder ohne medikamentöse Unterstützung (warmer bzw. kalter Entzug) erfolgen. Je nach Schwere der Sucht kann dieser Teil der Behandlung in Krankenhäusern oder speziellen Entzugskliniken durchgeführt und angemessen begleitet werden.

Gegebenenfalls schließt sich eine Langzeittherapie zur dauerhaften Abstinenz an. Es handelt sich meist um einen langwierigen Prozess, der sich Jahre hinziehen kann. Der genaue Ablauf hängt von Person, Droge und Schwere der Sucht ab.

Wer braucht einen Drogenentzug?

Prinzipiell ist das Entwöhnen einer schädigenden Abhängigkeit immer ratsam. Im Rahmen einer Sucht kann es je nach Substanz und Menge zu körperlichen (z.B. Organschäden) und psychischen (z.B. Depressionen) Folgeschäden kommen. Das Suchtverhalten kann zu einem so zeiteinnehmenden Alltagsbestandteil werden, dass die Berufsausübung und gesellschaftliche Teilhabe darunter leiden. Finanzielle Probleme und Isolation können die Folge sein. All jene Punkte sind Warnsignale für die Notwendigkeit eines Drogenentzugs.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Folgen von Drogen

Unverzichtbare Voraussetzung ist der eigenständige Wille des Betroffenen, sich aus seiner Sucht zu befreien. Die Dringlichkeit hängt von der körperlichen Verfassung und dem schädigenden Einfluss der Droge ab.
Ein medizinisch und psychotherapeutisch unterstützter Entzug ist vor allem bei schweren Abhängigkeiten, harten Drogen, schlechter körperlicher oder seelischer Verfassung sowie bei drohenden starken Entzugssymptomen sinnvoll. Es handelt sich stets um eine äußerst belastende Situation für den Körper.

Kann man im Vorfeld testen wer einen Drogenentzug schafft?

Ob jemand einen Entzug schafft, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Die wichtigste Voraussetzung für einen Therapieerfolg ist die eigenständige Motivation, sich aus seiner Abhängigkeit zu befreien. Ob dieser Wille ausreichend vorhanden ist, kann vorab in einem Gespräch geklärt werden. Es gilt die Eigenmotivation des Betroffenen vor und während des Entzugs zu fördern.

Ebenfalls von großer Bedeutung sind die jeweiligen Lebensumstände. Ein konsumierendes Umfeld sollte gemieden werden. Unterstützung durch Angehörige und Freunde sowie eine berufliche Eingliederung geben Rückhalt und erhöhen die Erfolgsaussichten. Nach der körperlichen Entgiftung stellt vor allem die Langzeitabstinenz eine große Herausforderung dar. Eine medizinische und psychotherapeutische Begleitung können den Betroffenen dabei helfen, dauerhaft ein drogenfreies Leben zu führen.

Wie finde ich eine gute Drogenentzugsklinik?

Ärzte und vor allem Drogenberatungsstellen können helfen eine geeignete Klinik zu finden. Letztere gibt es in nahezu allen Städten. Sie beraten, vermitteln an Einrichtungen und helfen bei der Vorbereitung auf einen Entzug. Sie stehen jederzeit, auch während oder nach einer Therapie, begleitend zur Seite. Ziel ist ein drogenfreies Leben und eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Kontaktdaten von Beratungsstellen können über Ärzte oder Stadtverwaltungen erfragt sowie im Internet recherchiert werden.

Man kann auch direkt online nach geeigneten Entzugseinrichtungen suchen. Es gibt zahlreiche Klinikverzeichnisse, beispielsweise vom Fachverband Sucht e.V., auf Therapieplätze.de., bei „jameda“ oder auf Drogen.net. Zudem finden sich viele privater Kliniken mit eigenen Internetauftritten. Es ist ratsam, direkt nach der gewünschten Region und gegebenenfalls nach Spezialisierungen (Alkoholentzug, Opiodentzug etc.) zu suchen.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Alkoholentzug

Kann ich einen Drogenentzug auch zuhause machen?

Dies hängt von der Droge, der Dauer und Menge des Konsums ab. Nikotin, Cannabinoide (Marihuana) und Halluzinogene (LSD, Meskalin) verursachen relativ milde Entzugserscheinungen und können theoretisch im häuslichen Umfeld entwöhnt werden. Ein medizinisch und/oder psychotherapeutisch begleiteter Entzug ist jedoch sicherer und aussichtsreicher. Dieser kann stationär (in einer medizinischen Einrichtung) oder ambulant (Begleitung im Rahmen regelmäßiger Termine) erfolgen.

Es ist ratsam vor einem Entzugsversuch den Hausarzt aufzusuchen und gemeinsam über das individuelle Vorgehen zu entscheiden. Hat man den Entzug bereits selbstständig begonnen, sollte beim Auftreten von Unruhezuständen, Angstattacken oder anderen psychischen sowie körperlichen Problemen immer ein Arzt hinzugezogen werden. Bei härteren Drogen (z.B. Heroin, Kokain, Amphetamine, Alkohol, Beruhigungsmittel) sowie starker Abhängigkeit sollte auf jeden Fall ein Krankenhaus oder eine spezielle Entgiftungsklinik aufgesucht werden.

Die Entzugssymptome können je nach Substanz lebensbedrohlich sein. Vor allem Kreislaufprobleme, Krampfanfälle sowie fremd- oder selbstschädigende Verwirrtheitszustände sind möglich. Eine ärztliche Begleitung ist dringend anzuraten. So kann der Entzug professionell überwacht und bei Problemen schnell eingegriffen werden. Außerdem können Beschwerden während der Entgiftung durch Medikamente deutlich gemildert werden. Insgesamt ist hervorzuheben, dass die Erfolgschancen bei professioneller Begleitung deutlich höher sind.

Wie ist der Ablauf eines Drogenentzugs?

Der Entzug setzt sich aus einer körperlichen Entgiftung und einer sich anschließenden Entwöhnungstherapie zusammen. Die Entgiftung erfolgt in der Regel ambulant (zu Haus, begleitet von festen Arztterminen) oder stationär (Krankenhaus, Entzugsklinik). In dieser Zeit erhält der Betroffene eine engmaschige Begleitung durch Ärzte und Psychotherapeuten sowie eine gegebenenfalls nötige Unterstützung durch Medikamente. Im Zentrum steht die körperliche Entwöhnung von der Abhängigkeit. Gespräche zu Fachpersonal stehen unterstützend zur Verfügung.

Im Anschluss erfolgt die Entwöhnungstherapie. Diese erfolgt in der Regel ambulant. Der Betroffene wird über Ärzte, Therapeuten oder Drogenberatungsstellen an Begleitprogramme angebunden, wenn dies gewünscht ist. Möglich sind Psychotherapien in Einzelgesprächen oder Gruppentreffen, wie beispielsweise die Anonymen Alkoholiker. Diese sollen helfen, ein geregeltes Leben ohne Drogen aufzubauen und aufrecht zu erhalten.

Was sind die typischen Symptome eines Drogenentzug?

Diese variieren je nach Substanz und vorherigem Konsumverhalten. In gewisser Weise zeigt sich die Entzugssymptomatik als gegenteilig zur Wirkung der jeweiligen Droge.

  • Bei Opioiden kommt es zu Herzrasen, Durchfall, Erbrechen, Unruhe, Schweißausbrüchen, Schmerzen, Blutdruckkrisen und Schwindel. Diese Symptome erreichen ca. 36-72 Stunden nach der letzten Einnahme ihren Höhepunkt und können bis zu 8 Tage andauern.
  • Cannabinoide und Halluzinogene verursachen im Vergleich nur geringe körperliche Entzugserscheinungen. Schwankende Gemütslagen bis hin zu depressiven Verstimmungen sowie „Flashbacks“ sind möglich.
  • Kokain zeigt ebenfalls nur geringe körperliche, dafür enorme psychische Entzugssymptome. Die Betroffenen leiden unter massiv schwankenden Stimmungslagen, Angstzuständen und dem extremen Drang zur Wiedereinnahme der Droge.
  • Die Entzugserscheinungen bei Alkohol und Benzodiazepinen (Beruhigungsmitteln) präsentieren sich ähnlich und sind oft schwerwiegend: Bewusstseinseintrübungen, Desorientiertheit, Halluzinationen (Sehen „weißer Mäuse“), Herzrasen, Zittern, Schweißausbrüche, Erbrechen, Blutdruckkrisen und Krampfanfälle sind möglich.

Therapie während des Drogenentzugs

Der Entzug ist ein Zusammenspiel aus medizinischer und psychologischer Behandlung. In jedem Fall begleitet und überwacht ein Arzt den Entgiftungsprozess. Körperlichen Entzugssymptomen wird gegebenenfalls mit Medikamenten entgegengewirkt. Ebenso wichtig ist die psychotherapeutische Begleitung.

Die Betroffenen leiden oft unter psychischen Problemen. Ob verursacht durch die Sucht oder dieser zu Grunde liegend, ist nicht immer zu trennen. In Gesprächen können die eigene Suchtkarriere, Probleme bezüglich Wohnung, Ausbildung oder Beruf sowie die Beziehungen zu Angehörigen und Freunden aufgearbeitet werden. Während eines Klinikaufenthaltes stehen häufig auch Begleitangebote wie Ergo-, Kunst- und Musiktherapie zur Verfügung. So wird bereits während der Entgiftung auf eine Reorganisation des suchtfreien Lebensalltags hingearbeitet.

Ebenso in der späteren Anbindung an ambulante Psychotherapien oder Gruppentreffen (z.B. anonyme Alkoholiker). Hier bietet sich auch die Möglichkeit andere Suchtkranke zu treffen und sich auszutauschen. So kann dem Gefühl der gesellschaftlichen Isolation und Scham, unter der die Betroffenen häufig leiden, entgegengewirkt werden.

Welche Medikamente werden beim Drogenentzug eingesetzt?

Die in der körperlichen Entgiftung auftretenden Entzugssymptome können durch Medikamente behandelt oder zumindest gemildert werden. Besondere Bedeutung hat dies beim Alkohol- und Benzodiazepinentzug, welcher mit lebensgefährlichen Komplikationen verbunden sein können. Je nach körperlicher Verfassung, kann gegebenenfalls eine engmaschige Kreislaufüberwachung sowie Flüssigkeitsgabe über die Vene nötig sein.

Allgemein kommen vor allem Neuroleptika/Antipsychotika und Antiepileptika/Antikonvulsiva zum Einsatz. Erstere wirken dämpfend, beruhigend und antipsychotisch (d.h. gegen den Realitätsverlust einer Psychose wirkend). Sie helfen bei Angst- und Unruhezuständen sowie Wahnvorstellungen. Um Krampfanfällen vorzubeugen, werden meist Antiepileptika/Antikonvulsiva (d.h. krampflösende Medikamente) verabreicht. Diese entstammen ursprünglich der Epilepsiebehandlung.

Beim Alkoholentzug kann es zu schweren körperlichen Entzugserscheinungen wie Kreislaufinstabilität, Krampfanfällen und durch Vitaminmangel bedingte Nervenerkrankungen kommen. Diese müssen bedacht und gegebenenfalls schnell behandelt werden. Hier kommen zusätzlich zu den oben genannten Medikamenten noch Blutdrucksenker, Beruhigungsmittel wie Clomethiazol, Benzodiazepine und Vitamine (B1, B6, B12, Folsäure) zum Einsatz.

Auch der Benzodiazepinentzug ist oft mit schweren Entzugserscheinungen verbunden. Diese sind ähnlich wie beim Alkoholentzug. Um deren Schwere zu mildern, ist ein langsames Runterdosieren („Ausschleichen“) üblich. Das bedeutet, dass der Betroffene mit stetig sinkenden Dosen entwöhnt wird. Wie beim Alkoholentzug kommen vorbeugend krampflösend Mittel und Antipsychotika zum Einsatz.

Gibt es Besonderheiten beim Alkoholentzug?

Der Alkoholentzug ist mit besonderen Schwierigkeiten behaftet. Häufig kommt es durch abruptes Entgiften zum sogenannten Alkoholentzugsdelir. Dies meint das Auftreten verschiedener schwerer Entzugserscheinungen.

Typisch sind Bewusstseinseintrübungen, Halluzinationen und Kreislaufprobleme. Eine medizinische Begleitung ist dringend erforderlich. Gegebenenfalls sollte der Kreislauf engmaschig überwacht und der Patient mit Flüssigkeitsinfusionen versorgt werden. Hinzu kommt die Gefahr von Krampfanfällen, denen man durch vorsorgliche Gabe von Epilepsiemedikamenten entgegen zu wirken versucht. Wie oben beschrieben, können auch Blutdrucksenker und Beruhigungsmittel zum Einsatz kommen.

In der langfristigen Entwöhnung gibt es Medikamente wie „Acamprosat“, „Disulfiram“ und „Naltrexon“, welche das Verlangen nach Alkohol und damit auch Rückfälle verhindern sollen.

Wie lange ist die Dauer eines Drogenentzugs?

Der Entzug setzt sich aus der (eher körperlichen) Entgiftung und der (eher psychischen) Entwöhnung zusammen. Erstere dauert in der Regel zwischen zwei und sechs Wochen. Die Länge der sich anschließenden Entwöhnung lässt sich nicht genau vorhersagen. Oftmals leiden die Betroffenen unter psychischen Probleme, die dem Drogenmissbrauch zu Grunde liegen oder durch ihn entstanden sind.

Um das Ziel der langfristigen Abstinenz zu erreichen, ist eine ganzheitliche Betrachtung erforderlich. Es erfolgt eine meist langfristige psychotherapeutische Begleitung, in Form von Einzelgesprächen oder Gruppentherapien. Hinzu kommen Einflussfaktoren wie die Eigenmotivation des Patienten, die Droge, das vorherige Konsumverhalten, geregelte Alltagsstrukturen, die Anbindung an Familie, Freunde und Berufsleben. Insgesamt kann die langfristige Entwöhnung einige Monate bis Jahre in Anspruch nehmen.

Wie hoch ist die Rückfallquote?

Genaue Zahlen gibt es nicht, doch Rückfälle sind leider häufig. Nicht selten sind mehrere Entzugsversuche nötig. Natürlich kommt es auf die Droge, die Schwere des Suchtverhaltens und das gesellschaftliche Umfeld an. Der körperliche Entzug ist nur der erste Schritt. Die langfristige Abstinenz bleibt oft eine jahre- bis lebenslange Herausforderung.

Zudem hat der Drogenkonsum im Vorfeld meist deutliche Spuren im Leben der Betroffenen hinterlassen: Arbeitslosigkeit, Rückzug von Angehörigen und Freunden sowie psychische Probleme durch den plötzlichen Verlust des zuvor stets verfügbaren Rauschgefühls. Durch Perspektivlosigkeit und Isolation entsteht ein schwieriges Umfeld, das wenig Rückhalt für Drogenabstinenz bietet. So kommt es vor, dass ehemals abhängige Personen zu ihrem alten Konsumverhalten zurückkehren. Daher ist eine professionelle psychotherapeutische und gegebenenfalls sozialdienstliche Unterstützung von Bedeutung. Diese helfen den Betroffenen, geeignete Lebensumstände zu schaffen und senken so die Rückfallgefahr.

Was kann ich gegen einen Rückfall nach einem Drogenentzug tun?

Es gilt die richtigen Rahmenbedingungen für ein dauerhaft drogenfreies Leben zu schaffen. Wichtig sind ein drogenfreies soziales Umfeld, ein geregelter Tagesablauf, eine berufliche Tätigkeit, Sport oder andere Freizeitausgleiche. Eine längerfristige Psychotherapie kann dabei begleitend und unterstützend zur Seite stehen. In Gesprächen können Themen wie Suchtdruck, Angst vor einem Rückfall oder andere seelische Probleme besprochen und Betroffene so entlastet werden.

Drogenberatungsstellen informieren ebenfalls zu Angeboten wie Gruppentherapien oder Gesprächskreisen. Das Bewusstsein zu schaffen, dass man nicht allein ist, kann motivieren und einem Rückfall ebenfalls vorbeugen. Ein Drogenentzug ist eine jahrelange Angelegenheit und Unterstützung durch Angehörige oder andere Betroffene hilfreich.

Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 29.08.2018
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