Alkoholentzug

Definition

Der Alkoholentzug ist eine Maßnahme, durch die das Verzichten auf Alkohol erreicht werden soll.
Sie sollte bei einer bestehenden Alkoholkrankheit durchgeführt werden und kann entweder freiwillig oder auch unfreiwillig sein. Oft ist die Einsicht über das Vorliegen von Alkoholismus der erste und zugleich schwierigste Schritt, der für den Alkoholentzug benötigt wird. Im Verlauf des Alkoholentzugs kommt es zu verschiedenen typischen Symptomen, die sehr gefährlich werden können. Daher ist es wichtig einen Alkoholentzug im Rahmen einer medizinischen Anbindung durchzuführen und eine psychotherapeutisch unterstützende Behandlung wahrzunehmen.

Wie erkenne ich, dass ich einen Alkoholentzug brauche?

Es gibt bei dem regelmäßigen Konsum von Alkohol keine eindeutige Grenze ab der ein Alkoholentzug benötigt wird. Allerdings gibt es verschiedene Anzeichen, die der Person selbst und/oder den Personen in ihrem Umfeld deutlich machen sollten, dass ein Alkoholentzug eine sinnvolle Maßnahme ist.

Dazu gehört zum einen eine wesentliche Einschränkung im Alltag. Kommt die betroffene Person beispielsweise nicht durch den Tag ohne Alkohol zu konsumieren und kann auf das tägliche Trinken von Alkohol nicht verzichten sollte dies zu Bedenken geben. Ebenso ist ein bereits früh am Tag einsetzender Verzehr von Alkohol ein Anzeichen für eine Alkoholkrankheit. Oft kommt es bei einem krankhaften Konsum von Alkohol zu häufig auftretendem unangemessenen Verhalten und einer Veränderung der Persönlichkeit, wodurch die Beziehungen zu den Mitmenschen und gegebenenfalls auch die Arbeit der betroffenen Person beeinträchtig wird.

Zudem kommt es bei einer Alkoholkrankheit zu verschiedenen Symptomen, die ebenfalls als Warnzeichen angesehen werden sollten. Hierzu gehören beispielsweise eine Zurückbildung der Muskulatur, auch Muskelatrophie genannt, vermehrtes Schwitzen, Schlafstörungen und im späteren Verlauf rhythmische Zuckungen und Gangstörungen.

All dies sind Anzeichen dafür, dass ein Alkoholentzug sinnvoll wäre, um die Lebensqualität der betroffenen Person wieder zu verbessern.

Was sind typische Entzugserscheinungen?

Bei einem Alkoholentzug können verschiedene Symptome auftreten, die auch oft als Entzugserscheinungen bezeichnet werden. Sie entstehen durch den meist relativ abrupten Entzug des Körpers von Alkohol.
Besonders bei einem langjährigen Alkoholkonsum und einer ausgeprägten Alkoholabhängigkeit und -erkrankung können diese Entzugserscheinung sehr stark ausgeprägt sein, wodurch eine medizinische Betreuung sehr wichtig wird. Dadurch können mögliche lebensbedrohliche Folgen des Alkoholentzugs vermieden werden.

Zu den typischen Entzugserscheinungen gehören verschiedene vegetative Symptome:

  • Eröhte Herzfrequenz
  • Erhöhter Blutdruck
  • Vermehrtes Schwitzen
  • Zittern
  • Krampfanfälle
  • Übelkeit
  • Kopfschmerzen 
  • Müdigkeit

Des Weiteren gibt es verschiedene typische Entzugserscheinungen, die psychisch bedingt sind:

Eine weitere mögliche Form des Alkoholentzugs ist das sogenannte „Delirium tremens“. Dabei sind die Betroffenen häufig sehr desorientiert und können leicht übererregbar sein, also eine starke Reaktion auf einen nicht so starken Reiz zeigen. 

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Kopfschmerzen bei einem Alkoholentzug

Bei einem Alkoholentzug ist eines der ersten klassischen Symptome die Kopfschmerzen.
Diese treten bereits einige Stunden nach dem Entzug auf und können sehr stark ausgeprägt sein. Bei dem Verzehr von Alkohol wird dieser auch in den Nervenzellen des Gehirns eingebaut. Dadurch entsteht eine Störung der Kommunikation der Zellen untereinander. Wird der Alkohol wieder abgebaut und kein neuer hinzugefügt sammeln sich die Abbauprodukte auch in den Nervenzellen im Gehirn. Hierdurch entstehen starke Kopfschmerzen.

Ist Müdigkeit bei Alkoholentzug normal?

Häufig kommt es bei einem Entzug von Alkohol auch im Laufe des Entzugs zu einer Müdigkeit und Abgeschlagenheit.
Alkohol hat häufig negative Auswirkungen auf den Schlafrhythmus, wodurch eine unruhige Schlafstruktur entsteht. Für den Körper ist der Schlaf nicht mehr so erholsam, da er damit beschäftigt ist den Alkohol abzubauen. Dadurch kommt es beim Alkoholentzug in den ersten Tagen durch die noch immer gestörte Schlafstruktur zu einer stetigen Müdigkeit. Die betroffenen Personen fühlen sich oft abgeschlagen und schlapp und haben nicht so viel Energie wie sie es sonst gewohnt sind.

Alkoholentzugskrampf

Ein mögliches begleitendes Symptom bei einem Alkoholentzug ist der sogenannte Alkoholentzugskrampf. Dabei handelt es sich um eine übermäßige schnelle Anspannung der Muskulatur am ganzen Körper.
In den meisten Fällen handelt es sich hierbei um epileptische Anfälle, häufig sind es Grand-Mal-Anfälle. Diese entstehen durch eine fehlerhafte Regulation der Elektrolyte im Körper, die durch den regelmäßigen Alkoholkonsum aus dem Gleichgewicht gebracht wurden. Besonders beim Auftreten solcher Krampfanfälle ist es wichtig, dass eine Behandlung und Überwachung in einer medizinischen Einrichtung erfolgt.

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Schwitzen

Bei einem Alkoholentzug gehört Schwitzen zu einem der klassischen begleitenden Symptome.
Dies liegt daran, dass eine Störung der sogenannten vegetativen Funktionen, also der vom Körper selbst gesteuerten Regulationen, vorliegt. Dadurch kommt es zu einem häufig kontinuierlichen vermehrten Schwitzen. Des Weiteren steht das Schwitzen im Zusammenhang mit dem gestörten Schlafverhalten. Oftmals wachen die betroffenen nachts auf und erleben vermehrte Schweißausbrüche, da der Körper mit der Situation des Alkoholentzugs überfordert ist.

Hautjucken

Hautjucken beschreibt ein weiteres Symptom, welches bei einem Entzug auftreten kann. Dieses entsteht durch die Abbauprodukte des Alkohols, die sich über Jahre lang im Körper bei einem chronischen Alkoholabusus ansammeln. Sie können sich in der Haut ablagern und für Veränderungen der Hautstruktur sorgen. Dadurch entsteht ein Juckreiz.

Dieser ist meist unspezifisch am ganzen Körper vorhanden und wird meist als sehr quälend und unangenehm von den betroffenen Personen empfunden. Daher sollte darauf geachtet werden, dass kein übermäßiges Kratzen der juckenden Stellen erfolgt, da dies zu Schädigungen der Haut führen kann.

Weitere Informationen:Haut juckt

Blutdruckveränderungen

Im Rahmen eines Alkoholentzugs kann es zu Blutdruckveränderungen kommen. Dabei handelt es sich in der Regel zunächst um eine Erniedrigung des Blutdrucks, also eine Hypotonie, und im weiteren Verlauf um eine Erhöhung des Blutdrucks, also eine Hypertonie. Diese ist ebenfalls durch eine fehlende Steuerung der körpereigenen vegetativen Funktionen begründet.

Die genauen Mechanismen der Blutdruckveränderungen sind noch nicht vollkommen verstanden. Die Blutdruckveränderungen sind oft einhergehend mit Veränderungen der Herzfrequenz. Es kommt gehäuft zu einer Erhöhung des Herzschlags, was auch als Tachykardiebezeichnet wird.

Herzrasen

Im Rahmen eines Alkoholentzugs kann es zu kurzen oder längeren Phasen mit Herzrasen kommen.
Diese können durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden. Zum einen kommt es durch den anfänglichen Abfall des Blutdrucks zu einer Erhöhung der Herzfrequenz als Kompensation. Zum anderen ist der Körper im Rahmen eines Alkoholentzugs enormem Stress ausgesetzt. Dies kann ebenfalls eine Erhöhung der Herzfrequenz verursachen. 

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Schmerzen

Beim Alkoholentzug kommen viele verschiedenste Arten von Schmerzen vor. Diese können vielseitig und unterschiedlich stark ausgeprägt sein.
Sie entstehen durch ein Ungleichgewicht von verschiedenen Organen, die durch den regelmäßigen Konsum von Alkohol beeinflusst werden. Am häufigsten treten Magenschmerzendurch eine gestörte Regulation des Magen-Darm-Trakts und Muskelschmerzen durch eine Zurückbildung des Muskelgewebes auf. 

Mehr hierzu:Magenschmerzen- was kann man dagegen tun?

Zittern

Ein weiteres mögliches begleitendes Symptom bei einem Alkoholentzug ist das Zittern. Dies wird auch als Tremor bezeichnet und kann abhängig von der Ausprägung des Alkoholkonsums und des Alkoholentzugs unterschiedlich stark und häufig auftreten. Das Zittern entsteht durch eine Verschiebung der Elektrolyte im Körper wodurch die Steuerung der Muskulatur gestört wird.

Häufig kommt es zu einem Zittern der Hände, was teilweise sehr einschränkend für die betroffenen Personen sein kann. Aber auch die Beine können vom Zittern bei einem Alkoholentzug betroffen sein.

Depressionen

Häufig kommt es im Rahmen eines Alkoholentzugs nach einer gewissen Zeit zu Depressionen. Diese stehen oft im Zusammenhang mit den Veränderungen der Persönlichkeit, die durch den starken Alkoholkonsum verursacht wurden. Dabei kommt es zu einer Schädigung verschiedener Bereiche des Gehirns.

Häufig geht die Depression mit weitere psychischen Symptomen einher. Eine Depression kann bereits bei einem Alkoholentzug nach nur mittelmäßigem Alkoholkonsum auftreten. Oft wird sie begleitet von innerer Unruhe und dem verstärkten Bedürfnis nach Alkohol.

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Komplikation Alkoholentzugsdelir

Eine mögliche Komplikation des Alkoholentzugs ist das sogenannte Alkoholentzugsdelir. Dabei handelt es sich um eine besonders starke Ausprägung der typischen Entzugserscheinungen, die zusammen mit weiteren Symptomen auftreten. Dazu gehören Störungen der Orientierung, die sogar dazu führen können, dass die betroffene Person nicht mehr weiß, wer sie selbst ist.

Des Weiteren kommt es zu ausgeprägten Halluzinationen. Typisch ist das Sehen von weißen Mäusen.

Auch Krampfanfälle kommen im Rahmen eines Alkoholentzugsdelirs vor und sind oftmals ein einleitendes Symptom. Besteht ein Alkoholentzugsdelir über einen längeren Zeitraum kommt es zur Abnahme des Bewusstseins, was lebensbedrohliche Folgen haben kann. Außerdem kann es zu einer sogenannten Wernicke-Enzephalopathie kommen, bei der ausgeprägte Störungen des Gehirns auftreten.

Daher ist es wichtig ein Alkoholentzugsdelir schnellst möglich zu therapieren. Hierzu werden meist entweder ein Benzodiazepin oder Comethiazol und zusätzlich ein stark wirksames Antipsychotikum, meist Haloperidol, gegeben. Dabei muss im Hinterkopf behalten werden, dass Haloperidol das Risiko für Krampfanfälle erhöht, die bei einem Alkoholentzugsdelir vermehrt auftreten können.

Wie lange halten die Entzugserscheinungen an?

Die Dauer der Entzugserscheinungen bei einem Alkoholentzug hängen stark von dem Ausmaß des vorherigen Alkoholkonsums ab. Bei einem leichteren oder beispielsweise ausschleichenden Alkoholentzug können die Symptome lediglich ein bis zwei Tage andauern und sind meist nicht sehr stark ausgeprägt. Bei einem intensiven und abrupten Alkoholentzug sind die Symptome meist von einer mehrtägigen Dauer. In einigen Fällen können die begleitenden Symptome auch bis zu einer Woche andauern.

Dabei sind zunächst vor allem Entzugserscheinungen, wie Nervosität und Übelkeit, vorherrschend und im weiteren Verlauf Zittern, Halluzinationen und Störungen des Herz-Kreislauf-Systems. Sind die körperlichen Entzugserscheinungen überwunden, so muss die psychische Abhängigkeit mit Therapien und Selbsthilfegruppen bekämpft werden.

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Was kostet ein Alkoholentzug?

Die Kosten für einen Alkoholentzug variieren sehr stark und sind abhängig von der Art des Entzugs und den Angeboten.
Die Kosten befinden sich oft im dreistelligen Bereich. Wird beispielsweise auch noch eine Kur im Rahmen des Alkoholentzugs durchgeführt, kann dies den Preis für den Alkoholentzug deutlich erhöhen. Jedoch wird ein Großteil der Kosten durch die Krankenkassen übernommen, da es sich bei der Alkoholkrankheit um eine offiziell anerkannte Erkrankung handelt. Allerdings sollte im Vorfeld für eine bestimmte Alkoholentzugs-Behandlung mit der Krankenkasse abgeklärt werden, ob und welche Kosten der Therapie durch die Krankenkasse abgedeckt werden.

Wie läuft eine Alkoholentzugs-Therapie ab?

Eine Alkoholentzugs-Therapie teilt sich in verschiedene Stadien auf. Zunächst einmal muss der Körper von sämtlichen Alkoholresten befreit werden. Dieser Prozess wird als „Entgiftung“ bezeichnet und erfolgt am häufigsten stationär, also auf einer Station, die speziell dafür ausgelegt ist. Hierbei kommt es vor allem zum Einsatz von Medikamenten gegen die Symptome, die im Rahmen eines Alkoholentzugs entstehen. 

Nach einer gewissen Dauer ist der Körper entgiftet. Dadurch ist allerdings das Problem der Sucht noch nicht aus dem Weg geräumt. Diese kann effektiv durch psychotherapeutische Behandlungen reduziert werden. Diese sollten spätestens direkt im Anschluss an die Entgiftung stattfinden und können entweder in einem stationären oder ambulanten Rahmen stattfinden.

Verschiedene Angebote für Selbsthilfegruppen, wie beispielsweise die Anonymen Alkoholiker, helfen ebenfalls auf dem Weg zur Alkoholfreiheit. Des Weiteren gibt es verschiedene Beratungsstellen, darunter auch einige öffentliche Institutionen.

Phasen des Alkoholentzugs

Ein Alkoholentzug kann in verschiedene Phasen eingeteilt werden.

  1. Allen voran steht die Kontaktphase, in der ein Kontakt zu beispielsweise dem Hausarzt oder einer Beratungsstelle aufgenommen wird. Bei einem Alkoholentzug zuhause kann diese Phase gegebenenfalls wegfallen, wird allerdings trotzdem sehr empfohlen.
  2. Die zweite Phase ist die der Entgiftung und Frühmotivation. Hier wird zum einen der Körper von sämtlichen Alkoholresten befreit, wobei die Entzugserscheinungen häufig durch Medikamente therapiert werden. Zum anderen wird bereits in dieser Phase die Motivation des Patienten für die Bekämpfung der Sucht durch erste psychotherapeutische Gespräche gestärkt.
  3. Die dritte Phase des Alkoholentzugs ist die Phase der Entwöhnung und der Langzeittherapie. Hierbei steht die Bekämpfung der Sucht im Mittelpunkt. Dies kann abhängig von der betroffenen Person auch in einem ambulanten Umfeld in einer Praxis erfolgen.
  4. Die abschließende Phase beim Alkoholentzug ist die der Nachsorge. Dabei sind regelmäßige Treffen in Selbsthilfegruppen wichtig, um über eventuell auftauchende Probleme im Zusammenhang mit dem Alkoholentzug sprechen zu können.

Dauer der Therapie

Die Dauer der Therapie richtet sich nach der Ausprägung der Symptome.
In der Regel ist die Phase der Entgiftung bei einem Alkoholentzug nach einer Woche abgeschlossen, da dann auch die körperlichen Entzugserscheinungen nachlassen. Allerdings besteht über die Phase der Entgiftung hinaus die Sucht, deren Bekämpfung deutlichen länger dauert. Viele gehen von ca. 3 bis 4 Wochen aus, bis auch diese Phase abgeschlossen ist. Dies variiert allerdings stark von Mensch zu Mensch und sollte nicht pauschalisiert werden.

Um einen sicheren Alkoholentzug garantieren zu können, sollte daher beispielsweise zumindest auch nach einem Monat eine kontinuierliche Teilnahme an Treffen von Selbsthilfegruppen stattfinden.

Kann man einen Alkoholentzug von zu hause aus machen?

Es gibt viele Menschen, die einen Alkoholentzug zuhause durchführen. Ob dieser Erfolg hat, hängt von der betroffenen Person, der Umgebungund dem Ausmaß des bis dahin betriebenen Alkoholkonsums ab.

Entscheidend bei einem Alkoholentzug ist, dass gewisse Voraussetzungen dafür erfüllt sind. Dazu gehört vor allem die Einsicht über das bestehende Problem des Alkoholismus. Ist diese Einsicht nicht vorhanden, kann ein Alkoholentzug unabhängig von der Umgebung nicht zum Erfolg führen. Sie ist allerdings besonders bei einem Alkoholentzug, der zuhause stattfindet, eine absolute Voraussetzung.

Des Weiteren ist es sehr wichtig eine unterstützende Umgebung zu schaffen. Sind sich die Personen, die beispielsweise im selben Haushalt leben, nicht darüber bewusst, dass die betroffene Person gerade einen Alkoholentzug durchführt, kann dies zu einigen Schwierigkeiten führen. Ein wichtiges Element des Alkoholentzugs ist nämlich unter anderem die Entfernung sämtlicher alkoholischer Getränke aus dem eigenen Haushalt. Auch sollte man sich für eine Weile nicht in der Umgebung von Menschen aufhalten, die Alkohol konsumieren. Werden all diese Dinge beachtet kann auch ein Alkoholentzug zu hause stattfinden.

Welche Medikamente werden unterstützend eingesetzt

Als unterstützende Maßnahmen werden im Rahmen von einem Alkoholentzug oft Medikamente eingesetzt.
Dabei gibt es zwei Arten von Medikamenten, die als Hauptsubstanzen eingesetzt werden können, aber nie gleichzeitig gegeben werden dürfen. Dies sind zum einen Benzodiazepine und zum anderen Clomethiazol. Beide haben über bestimmte Rezeptoren im Gehirn antriebssenkende Wirkungen und reduzieren so auch die zahlreichen Entzugserscheinungen bei einem akuten Alkoholentzug. Sie sollten allerdings erst ab weniger als 1‰ Blutalkohol eingesetzt werden, um eine mögliche überschießende Sedierung, also Dämpfung des Körpers, zu vermeiden.

Abhängig der auftretenden begleitenden Symptome können noch verschiedene weitere Medikamente eingesetzt werden. Bei einer erhöhten Herzfrequenz können beispielsweise Beta-Blocker  zur Erniedrigung des Herzrasens gegeben werden. Um die Halluzinationen zu reduzieren können sogenannte Antipsychiotikagegeben werden. Dies sind Medikamente, die in den Dopaminstoffwechsel eingreifen, wie beispielsweise Haloperidol.

Gibt es rezeptfreie Medikamente?

Es gibt verschiedene rezeptfreie Medikamente, die angeblich bei einem Alkoholentzug helfen können. Diese sind oftmals sehr leicht im Internet zu finden. Allerdings muss bei all diesen Medikamenten die Wirksamkeit sehr kritisch hinterfragt werden.
Bisher gibt es kein Medikament, dass wissenschaftlich belegbar einen Alkoholentzug fördert. Daher ist hier Vorsicht geboten. Über mögliche Medikamente sollte im Zweifel immer mit einem Arzt gesprochen werden.

Wie hoch ist die Rückfallquote bei einem Alkoholentzug?

Die Rückfallquote bei einem Alkoholentzug ist leider relativ hoch. Es gibt verschiedene Statistiken, die belegen können, dass bei einer erfolgten Therapie trotzdem nach einem halben Jahr wieder bereits ca. ein Drittel der betroffenen Personen rückfällig wird. Nach eineinhalb Jahren sind es ca. die Hälfte der Betroffenen, die wieder mit dem Trinken beginnen. Ohne eine erfolgte Therapie liegt die Rückfallquote allerdings sogar bei 70% und ist damit noch einmal deutlich höher.

Dies liegt oft an einer unzureichenden Durchführung der notwendigen Therapie. Viele Menschen unterschätzen einen Alkoholentzug und versuchen diesen nebenbei im Alltag durchzuführen. Oftmals liegt dies auch an einem Schamgefühl, was durch das gesellschaftliche Ansehen der Alkoholkrankheit begründet werden kann.

Beginnt mann dennoch eine Therapie, wird diese oft nicht konsequent genug durchgehalten. Hier kann ein Mangel an Einsicht oder ein instabiles und wenig unterstützendes Umfeld als mögliche Ursachen in Frage kommen. Daher ist es sehr wichtig bei auftretenden Gedanken über einen Wiederanfang mit dem Alkoholkonsum, eine Beratungsstelle aufzusuchen oder sich einer anderen Person aus dem näheren Umfeld anzuvertrauen.

Weiterführende Informationen

Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Veröffentlicht: 25.07.2018 - Letzte Änderung: 02.07.2021
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